Heidelberg - Wormser Hof

  • Split aus dem Galerie-Strang: Heidelberg


    Quote from "kato"


    (Wormser Hof / Lux-Harmonie-Kinocenter)
    Wobei genau der ja OB Würzner's "Altstadt-Einkaufscenter"-Fantasien zum Opfer fallen soll. Komplett.



    Bitte was, das ganze Gebäude soll abgerissen werden? :schockiert: Das kann doch nicht wahr sein! Hast Du da nähere Informationen?

  • Dieses Gebäude soll womöglich abgerissen werden?!

    Quote from "William"


    Das wäre kriminell! Wie hoch sind die Verwirklichungschancen für einen solchen Wahn?


    Zurzeit breitet sich in den Planungsämtern der Wunsch nach Einkaufscentern offenbar epidemisch aus...


    Der Wormser Hof dürfte eines der ältesten Häuser der Stadt sein, dessen Bausubstanz noch mindestens in die Zeit der Renaissance zurückreicht, im Kern sogar spätgotisch sein könnte. Ein Abriss wäre eine unglaubliche Kulturbarbarei.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Die einzigen Quellen, die ich dazu gefunden habe, stammen aus dem letzten Jahr:


    http://ww2.heidelberg.de/stadt…x.php?artikel_id=4431&bf=


    Quote

    An der Theaterstraße planen der OB und eine große Mehrheit des Gemeinderates ein Einkaufszentrum, deutlich größer als der Kaufhof am Bismarckplatz. Der Kino-Komplex soll platt gemacht, der Theaterplatz teilweise überbaut und südlich davon Häuser abgerissen werden. Damit würde unter anderem das mittelalterliche Palais „Wormser Hof“ mit seinem Renaissance-Portal verschwinden.


    http://www.ila-heidelberg.de/a…uli%2008%20attachment.pdf


    Wahnsinn - 1959 wurde bereits das barocke Nachbarhaus abgerissen, und nun noch so ein Vorhaben. In Heidelberg wurden ja schon so viele Gebäude der Altstadt abgerissen - aber in den 60 und 70er Jahren. So etwas kann doch im 21. Jahrhundert in einer wirtschaftlich gesunden Touristen- und Universitätsstadt einfach nicht mehr möglich sein! Ich kenne diesen Würzner nicht, aber ich halte ihn für eine Katastrophe. Was hat ein Mensch mit solchen Ideen ausgerechnet in Heidelberg verloren? Er war laut Wiki zuvor u.a. für Müllentsorgung, Grünflächenpflege und Friedhöfe zuständig - ein Gespür für historische Bauwerke scheint seinen Horizont zu übersteigen. Und was für Wahnsinnige sitzen denn dort noch im Gemeinderat? :boese:

  • Heidelberg, Hauptstraße 110, Wormser Hof


    Wie bitte? Das kann ja wohl nicht wahr sein!


    Das ist ja eine absolute Katastrophe. Heidelberg ist in aller Welt bekannt als Synonym für Romantik und eine hochattraktive Altstadt. Und dann haben manche nichts anderes im Sinn als eines der wertvolleren Bauwerke Alt-Heidelbergs plattzumachen?


    Wer gibt mal kurz Deutschlands Besuchern aus aller Welt bekannt, dass sich der Heidelberger Gemeinderat von einem der ältesten Häuser zu verabschieden gedenkt und sie sich überlegen sollen, ob sie nicht besser ihre wenn auch klischeehafte Vorstellung von Alt-Heidelberg über Bord werfen sollten.


    Das ist ja ein Skandal höchster Ordnung!



    Bericht vom 01.10.2008: http://ww2.heidelberg.de/stadt…x.php?artikel_id=4406&bf=

  • Das wäre natürlich der Supergau für die Altstadt. An dieser Stelle direkt an der leidlich intakten Tourizone auch ganz ohne Abrisse. Es ist echt unglaublich was man dieser armen Stadt immer noch antut...


    Wenn man unbedingt in der Altstadt so was haben möchte: Der Standort Krahnengasse klingt doch eigentlich nicht schlecht (wenn es keine Abrisse gäbe natürlich). Da steht eh schon dieser grausige braune Uni-Klotz am Marstall und da ist noch dieser Parkplatz.
    War aber schon lange nicht mehr dort, weiß nicht wieviel Platz da noch ist.
    Wenn man hier historisierend bauen würde (vielleicht sogar den Klotz gleich mit abreissen), könnte man sogar eine deutliche Verbesserung erzielen.
    Aber das ist natürlich in HD illusorisch. Da kommt noch einiges mehr auf die Stadt zu.

  • Weitere Infos im Netz:


    Stand 25.09.2008:
    http://ww1.heidelberg.de/buerg…kvonr=16483&voselect=3629


    Man lese die "Beschlussvorlage 312 KB". In Textziffer 5.1 ist vom "Gebäudekomplex eines Großkinos" die Rede, aber nicht vom Wormser Hof. Man bekommt den Eindruck, es handle sich hier um ein rückständiges, unterentwickeltes und versifftes Altstadteck ("... nur geringe Aufenthaltsqualität"). Und auch sonst wird das Gebiet wie ein Hinterhof dargestellt, in den sich keiner gerne verirrt. :boese:
    Sowas pflege ich als tendentiös zu bezeichnen, Euphemismus für "Meinungsmache".



    Eine große Hilfe, um den gegenwärtigen Stand der Überlegungen in Erfahrung zu bringen, wäre es, wenn jemand die späteren Sitzungsunterlagen des Gemeinderates durchforstet, beginnend geeigneterweise bei Oktober 2008: http://ww1.heidelberg.de/buerg…?__cmonat=10&__cjahr=2008

  • Vor allem: Was sagt denn eigentlich der Denkmalschutz dazu, wenn ein mutmaßlich völlig intaktes und genutztes, stadtprägendes, 1409 erstmals urkundlich erwähntes Haus einfach mal so abgerissen werden soll zugunsten eines Einkaufszentrums? Wie kann das einfach so gehen? Und wie kommt überhaupt eine "deutliche Mehrheit" zustande, die so etwas mitträgt - sind die alle geschmiert worden?


    Und gibt es keinen richtigen Widerstand aus der Bevölkerung - eine Bürgerinitiative vielleicht? Vielleicht auch von Seiten der Studenten? Oder sorgen die sich nur noch darum, wie sie ihr i-phone finanzieren?


    Kann nicht mal einer der Heidelberger im Forum etwas näheres dazu sagen?

  • Entsetzlich.
    Die Heidelberger scheinen auch im Roten zu drehen und haben nichts zu tun. Das gleiche Phänomen konnte hier in Celle beobachtet werden, zum Glück wurde das Einkaufszentrum abgebogen !!!

  • In Goslar hatten wir gerade eine ähnliche Situation. Vor einigen Jahren wurde die sog. "Kaiserpassage" gebaut; sie sollte die Kaufkraft wieder in die Innenstadt holen, nachdem man zuvor (wie wohl überall in Deutschland) die Marktkäufe, Realkäufe, Lidls, etc. auf der grünen Wiese gebaut hatte (da schon wissend wie der Effekt sein würde). Die Passage hatte trotzdem nicht den gewünschten Erfolg - angeblich war das bescheidene Angebot daran schuld. Was tat man? Nach einer Neuplanung wurde vor einigen Monaten ein Haus aus dem (immerhin) 19. Jhdt. abgerissen um es durch einen Neubau zu ersetzen, der vom Grundriß dem neuen Aushängeschild der Passage nach dem Umbau (nämlich H & M) genehm ist. Die Passage wird dadurch noch überdimensionierter und es würde mich nicht wundern, wenn die UNESCO demnächst mal Stellung bezieht, da sie sich mitten in der Altstadt befindet.

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • das habe ich dunkel in Erinnerung: Vor ein oder zwei Jahren wurden in Heidelberg irgendwelche Säulen über einer Unterführung abgerissen obwohl man, glaube ich, 30 000 Unterschriften gegen einen Abriss sammelte !!

  • Weitere Fragen habe ich:


    Wem gehört eigentlich der Wormser Hof samt Kino? Der Stadt?


    Und - mal ganz abgesehen von dem wertvollen Baudenkmal: Wird das Harmonie-Kinocenter der Stadt nicht auch fehlen? Alle großen Hollywood-Schinken von Titanic bis Der englische Patient liefen dort, ebenso gute deutsche Filme wie Rossini - einfach fast alles. So viele gute Kinos gab es sonst nicht in der Stadt während meiner Heidelberger Zeit (1993-99) - ich weiß nicht, ob sich daran etwas geändert hat. Und die Lage im Herzen der Altstadt war einfach perfekt: Nach dem Kinobesuch hatte man mit ein paar Schritten sämtliche Kneipen und Bars vor der Nase (als Studentekopp auch noch alle einschlägigen Parties).

  • Die Erdgeschoßzone des Wormser Hofes sieht allerdings sehr unsensibel verändert aus. Einfach Durchlässe zu den Kinos reingeschnitten. Statt Abriß käme da wohl eher eine Rekonstruktion in Frage!!! Wieviel Originalsubstanz gibt es denn innen? Durch die Kinoeinbauten wird da wohl nicht mehr viel vorhanden sein. Ist mit Abriß vielleicht die Entkernung gemeint? Und die Umfassungsmauern bleiben stehen, werden integriert und das Renaissanceportal wird seiner ursprünglichen Funktion als Eingang zum Einkaufscenter zugeführt! 8) , okay ich träume :peinlich: ... :(

  • Quote

    Ist mit Abriß vielleicht die Entkernung gemeint? Und die Umfassungsmauern bleiben stehen, werden integriert und das Renaissanceportal wird seiner ursprünglichen Funktion als Eingang zum Einkaufscenter zugeführt! 8) , okay ich träume :peinlich: ... :(


    Nein, ih denke du träumst nicht. Das ist schon die wahscheinlichste Interpretation. Obwohl ich dem Denkmalschutz fast alles zutraue, glaube ich doch nicht, daß sie dem Abriß des ältesten Hauses Heidelbergs zusehen würden.

  • Quote from "Schloßgespenst"

    [...] Wem gehört eigentlich der Wormser Hof samt Kino? Der Stadt? [...]


    In

    Quote from "Zeno"

    [...]
    http://ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo0050.asp?__kvonr=16483&voselect=3629\r
    ww1.heidelberg.de/buergerinfo/vo ... elect=3629
    Man lese die "Beschlussvorlage 312 KB". In Textziffer 5.1 [...]


    Textziffer 5.1.1, Seite 3.10 (PDF-Seite 12) erfahren wir:
    Theaterstraße 9: städtisches Eigentum
    Theaterstraße 7, Hauptstraße 110, 112, 114: privates Eigentum



    Generell habe ich den Eindruck, dass hier zunächst einmal grundsätzlich überlegt wird, ob der Bereich Theaterplatz in Frage kommt. Dabei sollte man das Knochenprinzip beachten, um die Gedanken zu verstehen: An zwei Polen werden "Frequenzbringer" eingerichtet, d. h. Einrichtungen, die relativ unabhängig von ihrer Lage von vielen Personen aufgesucht werden (Warenhaus, Einkaufszentrum, ...). Der Bereich zwischen beiden Polen hat dann gute Entwicklungschancen, weil der Fußgängerverkehr dazwischen durch die Pole gesichert ist. Das Problem sind allerdings die Bereiche jenseits der Pole. Hier ist der westliche Pol natürlich der Bismarckplatz, und der Thaeterplatz soll der östliche werden. Wobei ich sagen würde, dass dieser relativ weit westlich liegt und das Grundproblem der Hauptstraße, dass sie in Richtung Osten immer frequenzschwächer wird, nicht grundsätzlich aus der Welt geschaffen wird.


    Irgendjemand hat jetzt nun aber - aufgrund welcher Kriterien auch immer - den Theaterplatz auserkoren und ihn als östlichen Frequenzbringer ins Gespräch gebracht. Die Beschlussvorlage steht ja nun - wie von mir schon abgedeutet - in massivstem Kontrast zu der auch auf den Weltnetzseiten der Stadt genannten Bedeutung des Hauses (http://ww2.heidelberg.de/Altstadt-Information/Sektor18/Sektor18_Wormserhof.htm\r
    ww2.heidelberg.de/Altstadt-Infor ... serhof.htm): Das herausragende Denkmal wird in der ganzen Beschlussvorlage überhaupt nicht erwähnt! Stattdessen wird der Eindruck geschürt, es handle sich hier um eine zurückgebliebene Ecke an der Hauptstraße, die einer baulichen Verbesserung harrt. Schließlich finden sich in dem Papier die lapidar-belanglosen Worte "Die Belange des Denkmalschutzes [...] sind besonders zu berücksichtigen", was ich in unseren Kreisen wohl nicht kommentieren muss.


    Für mich gibt es zwei Erlärungen: Entweder ist den Autoren der Beschlussvorlage und wohl auch dem Gemeinderat (= Stadtrat, aber in Baden-Württemberg heißt's halt "Gemeinderat") bisher entgangen, dass es sich bei dem "Gebäudekomplex eines Großkinos" um ein bedeutendes Denkmal handelt. Dabei erkennt jeder Laie an dem Renaissaceportal, dass es sich wohl um "ein besonderes Gebäude" handelt dürfte .... Oder die Initiatoren sind sich der Bedeutung des Wormser Hofes bewusst, schweigen dieses Thema aber tot in der Hoffnung, dass sich der Wille für ein Einkaufszentrum manifestiert, bevor der Wormser Hof "entdeckt" wird, um den Geldtempel dann dennoch durchdrücken zu können. Oder man sagt sich: Ist doch egal. Wenn nichts Wichtiges dasteht, machen wir tabula rasa, und wenn da so ein alter Hof rumsteht, dann machen wir halt eine Entkernung oder lassen uns was Lustiges einfallen, wie man das Portal "integriert" oder sonstwas, da fällt uns schon was ein ...


    Nochmal zur Erinnerung: Wir reden hier von einer der angesehensten deutschen Städte, von Heidelberg, einer Stadt, der die Stadtbildpflege und der Denkmalschutz ein Anliegen ohnegleichen sein müssten, weil das das Alleinstellungsmerkmal Heidelbergs ist, das diese Stadt gegen jede Konkurrenz aus Mannheim, Frankfurt am Main und Stuttgart verteidigt.


    Dennoch sollten wir, so gut es geht, in Erfahrung bringen, wie der Sachstand ist.

  • Quote

    Wir reden hier von einer der angesehensten deutschen Städte, von Heidelberg, einer Stadt, der die Stadtbildpflege und der Denkmalschutz ein Anliegen ohnegleichen sein müssten

    "Müssten". Konjunktiv. Man könnte hier im Forum bekanntlich eine ganze Bildergalerie füllen mit historischen Bauten, die in dieser Stadt in den letzten 50 Jahren abgerissen wurden. Vielleicht sollte man das wirklich mal in Angriff nehmen...

  • Oha, da hab ich ja was losgetreten... also machen wir uns mal dran einige Fragen zu beantworten:


    Quote from "Schloßgespenst"

    So viele gute Kinos gab es sonst nicht in der Stadt während meiner Heidelberger Zeit (1993-99) - ich weiß nicht, ob sich daran etwas geändert hat.


    Die UFA als ehemaliger Besitzer hatte seit Jahren vor, das Kino zu schließen (oder deutlich zu verkleinern), und durch ein Multiplex am Hauptbahnhof zu ersetzen. Das Schloß-Kino hat dichtgemacht, da kommt jetzt vorübergehend eine Theaterbühne rein. Ansonsten gibt es in Heidelberg an Programmkinos nur noch das Europa in der Weststadt.


    M.W. gehört der Kino-Komplex heute CineStar, wie genau sich das mit dem Frontgebäude zur Hauptstraße verhält, weiß ich nicht. Das Kino läuft angeblich nicht allzugut, zuviel Konkurrenz die letzten Jahre durch Multiplex-Kinos in Mannheim, Viernheim und teilweise Walldorf. Im Frontgebäude ist neben dem Kino-Eingang auch ein Juwelier.


    Quote from "Schloßgespenst"

    Vor allem: Was sagt denn eigentlich der Denkmalschutz dazu, wenn ein mutmaßlich völlig intaktes und genutztes, stadtprägendes, 1409 erstmals urkundlich erwähntes Haus einfach mal so abgerissen werden soll zugunsten eines Einkaufszentrums?


    Unter Denkmalschutz steht aktuell m.W. ausschließlich der Portikus aus dem 17ten Jahrhundert, im Bild von William zu sehen. Ein größeres Bild findet sich hier. Das Haus an sich wurde seit dem 15ten Jahrhundert natürlich mehrmals umgebaut, das Frontgebäude das letzte mal m.W. in den 20ern, parallel zum Umbau des Theaters gegenüber (könnte mich aber auch irren). In der heutigen Form sind außer dem Portikus die meisten älteren Elemente aus dem 18ten Jahrhundert, nachdem das Gebäude 1693 teilweise zerstört wurde.


    Wohlgemerkt: Es handelt sich nicht nur um dieses Gebäude. In der "Minimalversion" möchte OB Würzner auch den rückwärtig zum Kino liegenden Theaterplatz überbaut haben, wodurch zwei alteingesessenen Handwerksbetrieben die Zufahrt zu ihrem Gelände genommen wird. Die Häuser Theaterstraße 7 und 9 stehen je nach Größe ebenfalls zur Disposition, beides Gründerzeit-Gebäude, um 1900 erbaut. Hier haben die Besitzer jeweils bereits klare Absagen zu einem Verkauf erteilt. In der "Maximalversion", gegen die sich damals sofort die halbe Altstadt erhob, sollte der nach der Theaterstr. 9 folgende Schulkomplex (ebenfalls Gründerzeit) großteils überbaut werden.


    Gegen das Gesamtprojekt ist seit anderthalb Jahren die "Initiative Lebenswerte Altstadt" aktiv. Ein Flugblatt zum Thema findet sich hier. Die "ILA" beschäftigt sich sowohl mit dem geplanten Einkaufszentrum als auch der Schließung des Essighauses, ebenfalls in der Theaterstraße. Die ILA hatte bisher zumindest den Erfolg, daß die Stadt und der Oberbürgermeister von ihrer "Maximalversion" (siehe oben) abrückten.


    Quote from "Zeno"

    Dennoch sollten wir, so gut es geht, in Erfahrung bringen, wie der Sachstand ist.


    Sachstand meines Wissens:

    • das Projekt ist zwar etwas eingeschlafen, wird von der Stadt aber weiter verfolgt; die Einrichtung eines oder mehrerer Innenstadt-Einkaufscenter war Teil der Wahlstrategie des OB.
    • eine Verwirklichung ist meiner Einschätzung nach kaum vor der Sanierung des Theaters gegenüber zu befürchten (Abschluß in 3 Jahren).
    • meines Wissens gibt es für dieses Projekt derzeit keine interessierten Investoren, auch angesichts einiger einschränkender Faktoren (die Stadt hätte gerne einen einzigen großen Ankermieter aus der Textilbranche, wohl für etwa 4000-5000m², die siedeln sich aber nicht so weit vom Bismarckplatz weg an)
    • die Stadt hat zeitweise kolportiert, daß es mit einigen betroffenen Besitzern in der Umgebung "Erfolge bei Gesprächen" (zu einem Verkauf) gegeben hätte, was seitens der Besitzer aber eben verneint wird


    Quote from "Georg Friedrich"

    Der Wormser Hof dürfte eines der ältesten Häuser der Stadt sein


    Das älteste natürlich nicht, aber eines der ältesten - ja. Abgesehen von Teilen des Schlosses und einigen Burgen, Kirchen etc dürfte es sonst etwa ein halbes dutzend Häuser in Heidelberg geben, die in der Bausubstanz ähnlichen Alters oder älter sind.

    Quote from "William"

    das habe ich dunkel in Erinnerung: Vor ein oder zwei Jahren wurden in Heidelberg irgendwelche Säulen über einer Unterführung abgerissen obwohl man, glaube ich, 30 000 Unterschriften gegen einen Abriss sammelte !!


    Ermm, vermutlich die 20er-Jahre-Arkaden auf dem Friedrich-Ebert-Platz, die abgerissen wurden, um den dortigen Parkplatz in eine Tiefgarage zu verlegen. Die gammelten seit den 70ern als öffentliche Toilette und offenes Dach für Obdachlose vor sich hin.

  • Kann schon sein, dass Du das was losgetreten hast, kato. Auch wenn es ein unerfreuliches Thema ist, so sind wir Dir dafür dankbar, wenn Du es zuächst auch nur beliläufig erwähnt hast. So ein wichtiges Thema gehört durchaus hier behandelt. Danke für Deinen heutigen Beitrag, der uns die Situation verständlicher macht.


    Typisch für umstrittene Projekte ist die heimliche Vorgehensweise (nichtöffentliche Verhandungen in Hinterzimmern etc.), um Fakten zu schaffen. Noch mehr: Die Nichtöffentlichkeit beweist geradezu, dass da was gegen den Willen der Bürger durchgedrückt werden soll. Das Flugblatt bringt einiges ans Tageslicht. Mich irritiert aber, dass auch das Flugblatt nicht den Wormser Hof als historisch wertvoll und daher erhaltenswert erwähnt. Läuft da irgendwas schief?


    Warum aber nur der Portikus denkmalgeschützt sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar. Glaubt man seitens der Denkmalpflege, wegen zuviel Substanzverlustes im Laufe der Jahrhunderte ganz auf das Gebäude verzichten zu können?


    Hast Du, kato, (oder natürlich auch jemand anderes) eine halbwegs sichere Quelle für den Umfang der Denkmaleintragung? Im Weltnetz bin ich auf der Suche nach einer Heidelberger Denkmalliste jedenfalls nicht fündig geworden.

  • Quote

    Hast Du, kato, (oder natürlich auch jemand anderes) eine halbwegs sichere Quelle für den Umfang der Denkmaleintragung? Im Weltnetz bin ich auf der Suche nach einer Heidelberger Denkmalliste jedenfalls nicht fündig geworden.


    Man mag es kaum glauben (oder andersrum, wieso verwundert es mich nur nicht?), es gibt für Heidelberg noch keine Denkmaltopographie, diese ist gerade in Arbeit und wird voraussichtlich erst 2012 erscheinen (rechnen wir mal 2015 bei den üblichen Verzögerungen derartiger Werke):


    http://www.heidelberg.de/servlet/PB/PB/menu/1118084_pcontent_l1/inhalt.html?Seite=&Jahr=2008&Monat=02&Tag=19\r
    http://www.heidelberg.de/servlet/PB/PB/ ... =02&Tag=19


    Im (erbärmlichen, wundert auch nicht) Internet-Auftritt der Denkmalpflege BW findet sich auch nix.

  • @ kato


    Vielen Dank für die Informationen!


    Quote

    Unter Denkmalschutz steht aktuell m.W. ausschließlich der Portikus aus dem 17ten Jahrhundert, im Bild von William zu sehen.


    In der heutigen Form sind außer dem Portikus die meisten älteren Elemente aus dem 18ten Jahrhundert, nachdem das Gebäude 1693 teilweise zerstört wurde.

    Das kann man doch auch kaum fassen! Soll das heißen, wir können, wenn der Denkmalschutz gewahrt wird, mit einem gläsernen Shopping-Center rechnen, in dem an einer Seite irgendwo ein alter Portikus steckt? Und nicht mal mit zwei abgestützten Fassaden, hinter denen sich dann das Einkaufszentrum verbirgt (was anderorts immerhin "Standard" wäre)? Und was ist mit dem Erker - kein Denkmalwert, weil zu "jung"? Ich fange langsam an, an einen bösen Scherz zu glauben... :kopfschuetteln:


    Quote

    Die Häuser Theaterstraße 7 und 9 stehen je nach Größe ebenfalls zur Disposition, beides Gründerzeit-Gebäude, um 1900 erbaut. Hier haben die Besitzer jeweils bereits klare Absagen zu einem Verkauf erteilt.

    Immerhin zwei Hauseigentümer, die einen Arsch in der Hose haben und sich (und ihr Haus) nicht für so etwas hergeben. Hoffentlich bleiben sie standfest (sowohl die Eigentümer als auch die Häuser).


    Quote

    In der "Maximalversion", gegen die sich damals sofort die halbe Altstadt erhob, sollte der nach der Theaterstr. 9 folgende Schulkomplex (ebenfalls Gründerzeit) großteils überbaut werden.

    "Überbaut" steht dann wohl euphemistisch für "abgerissen und durch Neubau ersetzt". Ich weiß leider nicht mehr, was für Gebäude da noch folgten - kann man davon vielleicht ein Bild sehen (am besten auch von Nr. 7 und 9)?


    Quote

    Die UFA als ehemaliger Besitzer hatte seit Jahren vor, das Kino zu schließen (oder deutlich zu verkleinern), und durch ein Multiplex am Hauptbahnhof zu ersetzen. Das Schloß-Kino hat dichtgemacht, da kommt jetzt vorübergehend eine Theaterbühne rein. Ansonsten gibt es in Heidelberg an Programmkinos nur noch das Europa in der Weststadt.

    Tja, Kinosterben - alles wird durch Multiplexe ersetzt und verdrängt, das ist leider nicht nur in Heidelberg so. Das "Europa" ist ein schönes Kino - aber eben nicht ganz so zentral gelegen, und nur mit einem einzigen Kinosaal. Beim Harmonie-Center hatte man Auswahl.


    Quote

    M.W. gehört der Kino-Komplex heute CineStar, wie genau sich das mit dem Frontgebäude zur Hauptstraße verhält, weiß ich nicht. Das Kino läuft angeblich nicht allzugut, zuviel Konkurrenz die letzten Jahre durch Multiplex-Kinos in Mannheim, Viernheim und teilweise Walldorf.

    Multiplex, Multiplex, Multiplex - schade, daß nicht beide Sorten nebeneinander existieren können. Zu meiner Zeit wäre niemand auf die Idee gekommen, zum Kinobesuch nach Viernheim oder Walldorf zu knattern - was macht man anschließend? Da bin ich doch lieber gleich dort, wo sich das Leben abspielt. Offenbar haben sich die Zeiten geändert.