Potsdam - Quartier Synagoge und Acht-Ecken-Kreuzung

  • Der von Dir verlinkte Bau Am Neuen Markt 5 ist nicht von Franco Stella, sondern von Nicola Fortmann. Ich halte diese Lösung für eine Einzellösung, nicht für ein generelles Rekonstrauktionsprinzip.


    Für die Schloßstraße wird es darauf ankommen, unter welchen Voraussetzungen das Haus des "Einsiedlers" ausgeschrieben wird. Dieses Eckhaus zur Hohewegstraße/Fiakerplatz (heute: Friedrich-Ebert-Straße/Steubenplatz) wird nicht wiederkommen, auch weil es nur 2-geschossig war. Momentaner Stand ist wohl, dass nur der Tympanon mit Relief zum Fiakerplatz wiederkommen soll, obwohl das Leitbautenkonzept eine Fassadenreko vorsieht. Der Turm der Synagoge erhöbe sich direkt hinter dem Ensiedler...



    (C) akg-images

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

    Edited once, last by Konstantindegeer ().

  • Hallo zusammen,


    die Synagoge ist verschoben. Bis wohin (zeitlich und räumlich) soll erst der neue Landtag entscheiden. Nachzulesen in der MAZ.


    Damit bleibt dann wohl die Schloßstraße auf lange Zeit eine Brache. Wahrscheinlich werden wir auch ebenso lange auf das 2. Acht-Ecken-Haus warten müssen, denn dieses Baufeld darf erst nach der Synagoge bebaut werden, damit diese Baustelle dort ihre Materialien lagern kann. Wurde so bereits bei der Ausschreibung fest gelegt.


    Grüße
    Luftpost

    Ich wurde angewiesen meine Signatur zu ändern.

    Seis drum.

  • Das ist richtig und falsch zugleich. Die Verschiebungsmitteilung ist völlig korrekt - ich persönlich kann das Land verstehen. Jetzt gegen den Widerstand von zwei Gemeinden (von Dreien) die jüdische Gemeinde mit dem Neubau zwangszubeglücken scheint wirklich nicht opportun.


    Solche Schwierigkeiten aber tauchen eben auf, wenn man eine ganze Altstadt neu gestaltet. Die Probleme beim Rechenzentrum und bei der FH haben ähnliche Auswirkungen.


    Die Stadt wird sich nun nun umstellen und die Grundstücke des Einsiedlers etc., die ja noch nicht ausgeschrieben sind, bald ausschreiben. Es soll in der jüngeren Baugeschichte auch Potsdams Neubauten geben, die mit einer Baustelleneinrichtung auf der Straße errichtet wurden. Ähnliches trifft im übrigen für die Grundstücke an der Hohewegstraße zwischen Schoßstraße und ehem. Nauener Brücke zu. Hier ist bis zur FH Platz genug die neuen Häuser zu errichten ohne den Auszug und Abbruch der FH 2017 zu behindern. Gerade vor dem Hintergrund der Probleme glaube ich, dass der Baubeigeordnete jetzt eher durchstartet als resigniert abwartet.

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    George Sand

  • Wie dieser - meiner Meinung nach in dieser Größe - nicht benötigte Tempel aussehen wird, ist mir schon fast schnuppe, soferne zumindest von den Fassaden wenigstens der Einsiedler wiederkommen wird. Dass die Stadt nicht wirklich zufriedenstellend agiert...wundert sich da ernsthaft jemand? Was erwartet Ihr Euch bitte schon von lustlosen Beamten, die am Montag in der Früh beim gemeinsamen 10 Uhr Cafe mit den Kollegen bereits sehnlichst Freitag 12:00 herbeisehnen...ist in Potse sicherlich nicht anders als in Ösistan.


    Ich bin jedoch überzeugt, dass auch trotz des Tempels und der Biblio (die wenigstens nicht direkt den Alten Markt beflecken werden) die neue Altstadt am Ende des Tages gelingen wird. Irgendwann einmal werden auch die "modernen" Neubauten wieder zur Disposition stehen, während man die Rekos sich nicht mehr anzugreifen getrauen wird und das ist gut so.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Guten Tag,


    Die Landesregierung wird in dieser Legislaturperiode keinen Auftrag für den Baubeginn einer Synagoge in Potsdam erteilen. Ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, müssen andere beurteilen. Allerdings jetzt den Teufel der Landesregierung in die Schuhe zu schieben (Interview: Potsdams Neuste Nachrichten) weil der Baubeginn der Synagoge verschoben wurden ist, ist der falsche Weg, denn die drei jüdischen Gemeinden müssten sich an einen Tisch setzen und sich einfach erstmal untereinander einigen, dann kann auch gebaut werden.


    Viele Grüße :cool:

  • ^Vorsicht mit Metaphern: "zuschieben" kann man nur den Schwarzen Peter, der "Teufel" wird "an die Wand gemalt" und "in die Schuhe" schiebt man die Schuld.


    Aber es ist natürlich seitens der Jüdischen Gemeinde grotesk jetzt der Landesregierung "Antisemitismus" vorzuwerfen, weil man sich nicht einigen kann. Also: Grundstück freilassen, Altstadt weiterbauen und abwarten.

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    George Sand

  • Guten Tag,


    wie Potsdams Neuste Nachrichten (pnn) am 15.07.2014 schreibt gibt es kaum noch Hoffnung das die Synagoge in dieser Legislaturperiode noch errichtet wird. Während der eine Teil der Gemeinde es für "vernüftig" hält ist der Architekt nicht begeistert das sein Projekt nicht realisiert wird.


    http://www.pnn.de/potsdam/873817/


    Viele Grüße :cool:

  • Die PNN schreiben heute über das leere Baufeld Friedrich-Ebert-Straße/Acht-Ecken.


    "Vier Filetgrundstücke vis-á-vis vom Landtag liegen seit Jahren brach. Schuld sind ein jahrelanger Streit, eine gestoppte Ausschreibung und ein plötzlich aufgetauchter Restitutionsanspruch"


    Man freut sich ja nach so langer Zeit schon über ganz kleine Meldungen in der Presse... :wink:

  • Schaut man sich die Parzellenpläne an muss - wenn die Angeben in dem PNN_Artikel stimmen - entweder ein gefangenes Grundstück im Blockkern oder das Synagogengrundstück restitutionbehaftet sein.


    Wie auch immer: schön ist, dass es in 2015 offenbar mit der Ausschreibung weiterer Grundstücke der Potsdamer MItte losgeht und - neben der Rückkehr der Ringerkolonnade, der Wiederuafstellung des Steubendenkmals und der Rückführung der Bittschriftenlinde etwas mehr Dynamik in das Projekt kommt.

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    George Sand

  • Trotz aller Stolpersteine muss man wohl inzwischen anerkennen, daß sich in Deutschland Potsdam zum zweiten Reko-Zentrum neben Dresden gemausert hat. Nirgendwo sonst werden so viele klassische Bauvorhaben umgesetzt und soviel Stadtreparatur betrieben.


    In Berlin wird zu 99 Prozent modern gebaut und die Reko-Projekte wie Hotel Adlon, Kommandantur, Bauakademie und Stadtschloß lassen sich über einen Zeitraum von 25 Jahren an einer Hand abzählen. Denoch wird in Berlin sogar noch wesentlich qualitätsvoller gebaut als in München. Hier entstehen eigentlich ausschließlich postmoderne Flachdachbunker, und zwar sowohl im Büro- als auch im Wohnungsbau. Außer der Wiederherstellung der Grünanlagen mit kopfsteingepflasteter Straße am Königsplatz und der nur dem Namen nach rekonstruierten Schrannenhalle am Viktualienmarkt sind mir in München aus den letzten 30 Jahren überhaupt keine Reko-Projekte bekannt. Der Wiederaufbau des Verkehrsministeriums als dritter bedeutender Kuppelbau Münchens wurde nie ernsthaft erwogen und dessen alter Standort ist seit den achtziger Jahren auch verbaut. Eine Reko des alten Hauptbahnhofs wäre prinzipiell möglich, da die Bahn den Hbf sowieso schon seit Jahren umgestalten will. Aber bisher gab es nur einen Siegerentwurf (gigantisches Glasmonster), welcher aber vor ca. 10 Jahren sang- und klanglos in den Schubladen verschwand (anscheinend bzw. zum Glück Geldmangel).


    Also, in Potsdam kann man sich in den nächsten Jahren immer wieder auf ein neues Projekt freuen. Das gibt es sonst wirklich nur noch in Dresden in diesem Ausmaß. :daumenoben:

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Guten Abend,


    wieder ein Stillstand.... :sad:


    Erst die Verschiebung der Rekonstruktion "Schloßstraße" weil die Fachhochschule nun doch erst 2017/2018 abgerissen wird. Nun verschiebt sich auch noch der Bau des Acht-Ecken- Hauses weil sich drei jüdische Gemeinden nicht einigen können. Natürlich kann ich den Streit der drei jüdischen Gemeinden auch soviel abgewinnen das ein moderner Bau an alter Stätte erstmal auf Eis liegt, obwohl die drei jüdischen Gemeinden eine Synagoge brauchen aber diese kann man auch an anderer Stelle bauen wo sie in das Stadtbild passt.


    Man muss sich eben an das Potsdam der kleinen Schritte gewöhnen (siehe Langer Stall, Garnisonkirche, Stadtkanal, Lustgarten).


    Viele Grüße :cool:

  • Bitte wirklich den Artikel genau lesen - der Synagogenstreit ist nicht ursächlich für die Verschiebung des Baubeginns des Achteckenhauses Schwerdtfegerstraße 9, sondern ein Restitutionsanspruch. Das Synagogengrundstück kann einfach frei bleiben bis die Beteiligten sich entweder geenigt haben oder die Landesregierung selbständig entscheidet.

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    George Sand

  • Wie auch immer: schön ist, dass es in 2015 offenbar mit der Ausschreibung weiterer Grundstücke der Potsdamer MItte losgeht und - neben der Rückkehr der Ringerkolonnade, der Wiederuafstellung des Steubendenkmals und der Rückführung der Bittschriftenlinde etwas mehr Dynamik in das Projekt kommt.


    In diesem Zusammenhang habe jetzt mal eine Frage an das Forum: Was ist mit "Rückführung der Bittschriftenlinde" genau gemeint?
    Zur Potsdamer 1000-Jahr Feier 1993 wurde angeblich der besagte Baum neu gepflanzt.
    Handelt es sich um den hier?



    Wenn ja, wohin soll der Baum rückgeführt werden? Mitten in die Humboldtstraße?


    Danke für eure Antworten und Gruß aus Potsdam

  • Nein, der Baum, den zu zeigst ist eine Dreikaisereiche aus dem Dreikaiserjahr. Die Bittschriftenlinde stand weiter westlich und kommt nach Fertigstellung der Baumassnahmen aus der Baumschule zurück an den historischen Ort.

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    George Sand

  • Bitte, bitte. Hier gibt es mehr Infos und auch Bilder. Der Baum war herrlich aus der Zeit gefallen. Direkt nach dem Weltkrieg hat die FDJ die Bittschriftenlinde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umgesägt, sozusagen als ersten Schritt zum Abbruch des Stadtschlosses.

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    George Sand

  • Das ist typisch. Ein ideologisch aufgeladener Mopp lässt seine Wut an einem Naturdenkmal aus. Sicher war die Geschichte der Bittschriftenlinde auch romantisch verklärt. Dass der "alte Fritz" die Bittschriften, die da angeblich angeheftet wurden, persönlich in Augenschein genommen haben soll, passt ins preußische Selbstbild von der aufgeklärten, volksnahen Monarchie und steht für preußische Toleranz. Für die SED waren die Bittgesuche der Bevölkerung Zeichen der Unterdrückung, das arme Volk musste für seine Rechte zu Kreuze kriechen. Friedrich II. ist ja bis heute eine umstrittene Persönlichkeit. Einerseits aufgeklärt, Protz und Pomp waren für ihn nur Mittel zum Zweck um die Stärke Preußens zu demonstrieren, auf der anderen absolutistisch und militaristisch, siehe siebenjähriger Aggressionskrieg gegen Österreich. Der Baum allerdings konnte wirklich nichts für all dies.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Interessantes Motiv: Jeder kann nun selbst mal prüfen, was sich seit 1955 so verändert hat. Rechts unten das einzige übrig gebliebene Gebäude der "Acht-Ecken-Kreuzung". in der Mitte die Garnisonkirche, kennt inzwischen jeder. Und unten der heute geplante neue Standort der Synagoge.



    Quelle: Foto ca. 1955, privat


    Mehr Informationen zur Nikolaikirche sind hier zu finden.