Potsdam - Quartier Synagoge und Acht-Ecken-Kreuzung

  • Ein weiteres Projekt in der Potsdamer Stadtmitte.


    Kurzgeschichte:
    Die erste Synagoge wurde 1767 am damaligen Wilhelmsplatz erbaut. Ein zweites Bauwerk an der selben Stelle wurde 1802 geweiht. 1898 genehmigte Kaiser Wilhelm I. einen erneuten Neubau, verkleidet mit rotem Sandstein, welcher 1903 geweiht wurde. 1938 geplündert und umgenutzt, später im Krieg zerstört, seitdem ist Potsdam ohne Synagoge. Ein Neubau soll westlich des Alten Marktes erfolgen. Das auf dem Areal befindliche Bürogebäude der Potsdamer Wasserwirtschaft von 1971 soll abgerissen werden. Der Architektenwettbewerb wurde Okt 2008 ausgrufen und soll Ende April Ergebnisse bringen. Für die Fertigstellung des Siegerentwurfes wird das Jahr 2012 angestrebt.


    Weitere Info


    Die Lage der Neuen Synagoge (grün markiert)


    Die Synagoge mitte-links im Bild im Jahr 1925. Daneben ist noch die Neue Post mit den Kuppeltürmen zu sehen, welche später abmontiert wurden.

  • Sah ja toll aus - da wird der Neubau nicht heranreichen. Aber schön, dass der DDR-Kasten weg kommt.


    Schade, dass es zwischen Plantage und Neuem Markt keine Durchwegung gibt - das trägt sicher zum Hinterhofcharakter dieses zweiten berühmten Platzes Potsdams bei.
    Ein Haus an Diesem fehlt ja noch - und damit eine letzte Chance für den modernistischen Kontrast. Ich hoffe, das bleibt dem Neuen Markt erspart.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ich dachte, sie sollte in der Straße entstehen, die von der Achteckekreuzung zum Neuen Markt führt? Schade, dass sie nicht mehr an ihrem alten Platz entsteht. Wobei das wohl eh keine Reko geworden wär. Aber eben nicht so versteckt. Die alte war echt schön. Eine Reko hätte den Platz weiter aufgewertet, der von dieser Wilhelm-Passage (?) dominiert wird...Ich dachte, die Fassade bestand aus einfachem Sandstein, nicht aus rotem. Immerhin hat der kleine Neubau am alten Standort dieselbe Farbe...

  • Der Ort des Neubaus stimmt mit dem überein, was auf der Seite potsdamer-mitte.de steht. Wenn ich mich nicht irre, steht dort ab und zu auch so ein großer Lampenständer vor dem Bauwerk. Der Vorteil ist, dass dann der Platz für zwei potentielle Leitbauten, nämlich ein Acht Ecken Haus und den Gasthof "Zum Einsiedler" frei ist.


    Hier noch ein Bild von 1928. Man hat bereits die Post umgebaut und auch die Dachvasen der Synagoge entfernt. Sieht fast aus wie ein zusammenhängendes Bauwerk, beides Staats-Wilhelminismus.

    http://commons.wikimedia.org/w…z_(Platz_der_Einheit).jpg


    Das Teil heißt Wilhelmgalerie ;) Welch ein Ersatz für ein Dutzend Barockhäuser.

  • Eines der sehr seltenen Farbbilder der Ostseite des Wilhelmsplatzes (von Loebenstein wahrscheinlich) und damit der Alten Synagoge. Man erkennt deutlich die dunkelrote Fassade.


  • So, der Siegerentwurf wurde heute gewählt. Leider keine Bilder, aber eine Beschreibung:


    Quote

    Der Jury-Vorsitzende Wolfgang Lorch lobte den Entwurf als «eigenständigen Stadtbaustein, der sich hervorragend in die neue Potsdamer Mitte» einfügen werde. Nach außen sei der Entwurf zurückhaltend, nach innen verbinde er alle für ein jüdisches Zentrum nötigen Funktionen.


    http://www.news-adhoc.com/neub…geplant-idna2009042428269


    Die Architekten:
    Haberland Architekten Berlin

  • In der Berliner Morgenpost gibt es ein Bild des Holzmodells. Ineinander geschobene Kuben, die die umliegenden Häuser deutlich überragen :daumenunten: War bestimmt der schlechteste Entwurf.


    Siegerentwurf vorgestellt - Architekten aus Berlin bauen Potsdamer Synagoge - Brandenburg - Berliner Morgenpost - Berlin
    http://www.synagoge-potsdam.de


    Die Begründung:

    Quote

    „Idee der Verfasser ist es, die Synagoge als eigenständigen Stadtbaustein harmonisch in das neu zu errichtende Zentrum Potsdams einzufügen. Davon ausgehend wird der Blockrand mit differenzierten Baukörperstrukturen geschlossen. Der Neubau der Synagoge ist im Anschluss an das Kabinettshaus deutlich ablesbar und geht in der Höhenentwicklung über den First des Kabinettshauses (Sanierungsziele) hinaus. Dieser Höhensprung wird jedoch durch die Plastizität des Baukörpers und Respektierung der Gliederung des Kabinettshauses städtebaulich gut gelöst. Das Gebäude erhält einen markanten über zwei Geschosse reichenden Eingang, der die Bedeutung des Ortes auf einfache Weise hervorhebt. Öffnungen und geschlossene Fassadenbereiche entsprechen den inneren Funktionen. Insgesamt entsteht ein auch aus dem Umfeld erkennbarer besonderer Baukörper, der die Maßstäblichkeit insgesamt nicht zerstört, sondern bereichert. Die geplanten Gebäude des Ideenteils fügen sich in Höhenentwicklung, Eckausbildung und Parzellierung in das geplante Gesamtgefüge ein.“

  • Naja, eine Reko war nicht zu erwarten. Solange sich der Neubau auf diesen kleinen Bereich beschränkt. Er wird so gut wie nicht zu sehen sein, wenn man nicht unbedingt direkt davorsteht. Mehr Sorge bereitet mir mal wieder Herr Speer, der in der PNN ankündigt, man könne die Synagoge doch bis zu Achteckenkreuzung vergrößern und damit die Friedrich-Ebert-Straße einbeziehen. Das wäre dann allerdings schrecklich, stehen in diesem Gebiet doch zwei mögliche Leitbauten. Einer der Eckbauten der Acht-Ecken-Kreuzung und das Hotel Zum Einsiedler.

  • Wenn es nach Speer allein ginge, dann würde die Alte Mitte bald wirklich alt aussehen. Warum immer wieder so nichtssagende Apparatschiks die entscheidenden Posten vereinnehmen müssen. Dieser Speer mutiert immer mehr zur persona non grata. Kann man diesen Speer nicht endlich über die Havel hinwegschießen...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Quote

    Dieser Speer mutiert immer mehr zur persona non grata


    Der Fessi aus Potsdam :augenrollen:


    Hoffentlich hat er nicht so viel Einfluss wie der ehemalige Baubürgermeister des einstigen Elbflorenz. Dann gute Nacht Potsdam!

  • Quote

    Dass der Haberland-Entwurf nicht historisiert, sondern durchaus eine moderne Anmutung hat, bereitet Rabbi Ehrenberg keine Sorgen: „Man muss mit der Zeit gehen.“ Der gekürte Entwurf verbinde alt und neu. Der für die Finanzierung des Projektes verantwortliche brandenburgische Finanzminister Rainer Speer (SPD) erklärte, die jüdische Gemeinde Potsdam wolle „behutsam in Potsdam ankommen und nicht weltweit in die Architektur-Zeitschriften kommen“.


    Allerdings, so Minister Speer, könne „theoretisch“ auch der zweite Preisträger „zum Zuge kommen“, das Architekturbüro Gramazio & Kohler aus Zürich. Das sei „eine Frage von Inhalt und Geld“. Eine „breite öffentliche Diskussion“, so Speer, könnte sogar dazu führen, dass der Beitrag der Berliner Arbeitsgemeinschaft italienischer Architekten „Archea – male“ gebaut wird. Dieser Vorschlag sieht eine große langgestreckte Synagoge in der Schlossstraße vor, die bis zur Friedrich-Ebert-Straße reicht, was „besondere Herausforderungen und höhere Kosten“, auch im späteren Unterhalt, mit sich bringen würde, erklärte Speer: „Wir wollen niemandem ein Geschenk machen, dass er nicht verkraftet.“ Der Finanzminister kündigte im Zuge der höheren Folgekosten einen besser dotierten Staatsvertrag mit der jüdischen Landesgemeinde an.


    Quelle:http://www.pnn.de/potsdam/174225/

  • Quote

    Man muss mit der Zeit gehen.


    Dann muß man rekonstruieren.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • :schild6:
    :übelkeit: :übelkeit: :übelkeit: :übelkeit: :übelkeit:


    Da passt der Name SPEER ja hervorragend zum BUNKER.


    Ein paar weniger tun's auch.

  • Wie so oft...Für sich gesehen gehts. Aber weder Material (auch nicht schlecht) noch Gestaltung/Höhe passen. Wär vielleicht eher als Townhouse geeignet. Kann man sich nicht an der Mannheimer Synagoge orientieren, statt an München und Dresden? Wengstens ne Kuppel oder ein Giebel mit Rundfenster mit nem Davidstern drin, als Anspielung auf die alte...

  • Der erste Preis hat nun wenigstens Fenster (ein seltenes Element in der heutigen Architektur). Gelbe Ziegel sind für Potsdam eigentlich untypisch, aber dann harmoniert es eben zum neuen Hauptbahnhof ;)


    Schlimmer gehts immer. Der Sonderpreis (unten im Bild) ist fast eine Offenbarung der heutigen Architekturwelt. Ein fünfstöckiger Wohnblock/Kaufhaus/Kannallessein, der irgendwo auf einer Diskette lagert und zu jedem beliebigem Wettbewerb abgeschickt wird. Noch nicht mal die Mühe hat man sich gemacht, das Bauwerk auf die vogesehende Grundfläche anzupassen. Auch die dann entstehende Ecksituation wird mit einer Mauer beantwortet und dies zum Stadtschloss hin. "Repräsentativ" wäre dies nur im Sinne von Auffälligkeit durch seine verfehlte Größe und seine Deplaziertheit in der Potsdamer Architekturwelt. Da wäre sogar die Sanierung des DDR Baus besser. Es zeigt sich, dass Architektenwettbewerbe für spezifische Aufgaben ungeeignet sind. Alle schicken nur ihren Standard CAD Kram los, weil jeder Einzelne sich eh kaum Chancen ausrechnet.


    Die angedrohte öffentliche Debatte, die Speer nun lostrampeln will, soll er lieber stecken lassen. So ein trojanisches Speerd hilft keinem.