Potsdam - Wiederherstellung des Stadtkanals

  • Einige perspektivische Neuigkeiten zum Stadtkanal:

    Quote

    Nach der Fertigstellung des Landtagsschlosses 2013 soll „ernsthaft darüber diskutiert“ werden, wie der Stadtkanal möglichst zügig weiter ausgebaut werden und woher das Geld dafür kommen kann. Das sagte Siegfried Benn, Chef des Stadtkanal-Fördervereins, auf PNN-Anfrage. Der Kanal gehöre zu den Potsdamer Leitprojekten. Derzeit geht es am Kanal nur langsam voran. Laut Stadtsprecherin Regina Thielemann könnten umfangreiche Maßnahmen wie der Neubau der Kellertorbrücke oder der Aushub weiterer Kanalabschnitte nur vorbereitet werden. [...]
    Etwas bewegt sich aber doch. Laut Thielemann laufen derzeit Baumaßnahmen in der Yorckstraße, um die Ladenbergbrücke an ihren historischen Ort zu versetzen.

    http://www.pnn.de/potsdam/646194

    Das Kanalbett in aktueller Ansicht an der Yorckstraße.

    Hierhin an den Originalstandort wird die Ladenbergbrücke um einige Meter versetzt. Im Hintergrund ist das bedauerliche Brock(e)sche Haus zu sehen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ach, nur am richtigen Platz...Ich dachte schon, es wär die Kellertorbrücke (der Name ist mir eben erst eingefallen). Also isse jetzt auch richtig fixiert. Davor lag sie ja nur so auf. Immerhin wird sie genutzt :).

  • Hallo zusammen,

    doch nun gibt es einen neuen Vorschlag vom Vorsitzenden des Stadtkanalvereins. Der weitere Wiederaufbau soll nicht mehr der Stadt überlassen werden (die so offensichtlich dies nicht mehr als ihre Aufgabe erachtet), sondern einem privaten Investor übertragen werden. Und so kann sich der Stadtkanalsvorsitzende vorstellen, unter dem Stadtkanal eine Kulturhalle oder auch Tiefgarage zu errichten, welche die Investitionskosten und den Betrieb finanzieren soll. Nachzulesen in der Märkischen. Alles wäre besser, als der aktuelle Stillstand.

    Grüße aus der Hauptstadt der kleinen DDR
    Luftpost

  • Naja, "ausgegraben und geflutet" hat man den Fluss in Madrid nun auch nicht. Nur der Wasserspiegel wurde erhöht und wieder zum fließen gebracht und die die Ufer neu gestaltet. Und durch die Stadt fließt er auch nicht, eher dran vorbei. In Potsdam sieht das ja auf 3/4 des Kanals etwas anders aus...Und entlang dieses 1/4 stehen am "Südufer" des Kanals entlang der gleichnamigen Straße ja noch allerlei Wohnhäuser. Ob man die für sowas weg bekäme? Oder sollte das dann in der Plantage, hinter der Garnisonkirche entstehen? Oder im Zusammenhang mit dem Brockschen Palais? Naja, die werden schon wissen, was sie tun. Hauptsache es geht mal weiter.

    Edited 2 times, last by Benni (May 27, 2013 at 3:23 PM).

  • In Potsdam wird diskutiert, demonstriert oder es wird liegen gelassen...so ist die aktuelle Situation im Bezug auf Garnisonkirche, Ungersche Alte Post und den Langen Stall.

    Aber man muss sich eben auch beim Stadtkanal in Geduld üben, und außerdem handelt es sich nur um eine Idee, mich regen viel mehr die Leserbriefschreiber in PNN und MAZ auf, aber ich habe das Gefühl es sind immer die gleichen Leute und wenn dann das Bauwerk oder Projekt abgeschlossen sind, sind das sie ersten Personen die sich über das Erreichte, Schöne, in ganzer Summer begeistern.

  • Der potentielle 'Großinvestor' soll also einen DREIstelligen Millionenbetrag mitbringen, die Anlage fertigstellen (Wie habe ich mir das vorzustellen: wird ein Tunnel gegraben und/oder wird der Grund des Kanals ausgehoben?) und hernach auch betreiben (sprich Folgekosten tragen) wo das Wasser dann quasi von allen Seiten drückt? Nur um dann ein Bauwerk zu haben, das man größtenteils in der Stadtlandschaft nicht einmal sehen wird und dessen Baugrund ihm nicht einmal gehören wird? Wahrlich eine Vision! Na wenn da sich der Herr vom Stadtkanalverein nicht etwas vergaloppiert ähh verschippert hat...

  • Der potentielle 'Großinvestor' soll also einen DREIstelligen Millionenbetrag mitbringen, die Anlage fertigstellen (Wie habe ich mir das vorzustellen: wird ein Tunnel gegraben und/oder wird der Grund des Kanals ausgehoben?) und hernach auch betreiben (sprich Folgekosten tragen) wo das Wasser dann quasi von allen Seiten drückt? Nur um dann ein Bauwerk zu haben, das man größtenteils in der Stadtlandschaft nicht einmal sehen wird und dessen Baugrund ihm nicht einmal gehören wird? Wahrlich eine Vision! Na wenn da sich der Herr vom Stadtkanalverein nicht etwas vergaloppiert ähh verschippert hat...

    Pardon, thommstyle,

    das Stadtkanal wird man fast in der genzen Stadt sehen können wie auch schon heute besonders der eine, zentrale Teil zu sehen ist. Die DDR hat zwar analog vieler westdeutscher Städte den Potsdamer Stadtraum unter der Ägide des "sozialistischen Fortschritts" mit Hochhäusern verhunzt, doch am Kanal stehen diese Häuser, bis auf ein einziges, nicht.

    Auch wenn es Potsdam in seiner barocken und bedeutenden Gestalt OHNE die Entwässerungskanäle und damit auch ohne den jetzt hergestellten Kanalverlauf gar nicht gäbe, ist die Stadt dennoch finanziell überfordert, so einen in der Tat stadtprägenden Kanal wieder anzulegen, ohne ihre anderen Pflichtaufgaben zu vernachlässigen. Das wird immer dem Sponsoring überlassen bleiben. Wie die Tiefgarage, die angedacht wird, das Gewicht des Kanals tragen soll, weiß ich als Nichttechniker nicht, doch die Kanalbrücken des Mittellandkanals über Elbe und Weser halten ja schließlich auch. Warum sollte das gegründet ins Erdreich, nicht gehen?

    Am Problematischsten ist in der Tat der mittelst gelegenen Teil des Stadtkanals, der entlang der gleichnamigen Straße führt. Dort allerdings nicht wegen der Häuser - randscharf ist nur die umgebaute Bibliothek - sondern wegen der für heilig gesprochenen Stellplätze entlang seiner Bebauung.

  • Wenn man die noch nicht so alten Bilder sieht, fragt man sich unwillkürlich, warum in Potsdam in bester Lage immer noch soviel Barock vor sich hingammelt. In Potsdam sitzt doch genug Geld, oder? Kann das einer von den Potsdamern beantworten?

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Einer gewissen Gruppierung ist es wichtiger, die durch den Krieg zerstörten Gebäude wieder herzustellen (sprich: zu copieren), als die vorhandene Bausubstanz zu retten.

  • Außenseiter,

    dieser Gruppierung ist die Rettung der Bestandsbauten sicher auch sehr wichtig. Doch diese Häuser sind noch da. Wenn auch in schlechtem Zustand. Mit etwas Glück werden sie saniert. Aber bevor die freien Flächen, oder frei werdenden Flächen, mit Schrott bebaut werden, gilt es sich JETZT für die Rekonstruktion verlorener Architektur einzusetzen und zu kämpfen.

    Übrigens ist die Bezeichnung "kopieren" hier nicht ganz korrekt. Kopieren kann ich nur etwas, das noch im Original vorhanden ist.

  • Quote

    Einer gewissen Gruppierung ist es wichtiger, die durch den Krieg
    zerstörten Gebäude wieder herzustellen (sprich: zu copieren), als die
    vorhandene Bausubstanz zu retten.

    Das ist ein "Argument", das man auch bei den Projekten in Frankfurt oder Dresden immer wieder lesen konnte - nur ist es meines Erachtens nicht stichhaltig, da ein privater Investor, der z.B. ein Gebäude nach historischem Vorbild in der neu enstehenden Frankfurter Altstadt errichten möchte, nicht zwangsläufig daran interessiert wäre, noch original erhaltene Bausubstanz z.B. in Sachsenhausen zu erwerben und zu sanieren (und wenn er daran interessiert gewesen wäre, hätte er ja schon in den letzten Jahrzehnten entsprechend investieren können).

    Vielleicht liegt es an der Lage, vielleicht am schlechten baulichen Zustand, an ungeklärten Eigentumsverhältnissen, an Auflagen des Denkmalschutzes oder des Lärmschutzes usw., daß Bestandsbauten weiterhin verfallen, an zusätzlichen Reko-Projekten liegt es sicherlich nicht. Eher dürfte durch ein attraktives Potsdamer Zentrum auch das Umfeld für Investoren wieder attraktiver werden...

  • @ Außenseiter,

    das rührt jetzt sehr an eine Grundsatzdiskussion, doch zweifellos hat es AUCH mit der Wiederherstellung des Potsdamer Stadtkanals zu tun.

    Nachdem systemübergreifend nach dem Krieg die Vernichtungsspur des Krieges auf zivilem Weg fortgeführt wurde ...

    - im politischen Westen jenseits von Ideologie durch die "Wucht des Geldes" und der bloßen Funktionalität mehr alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden als durch den Krieg selber zuvor zerstört wurden

    - im politischen und geografischen Osten infolge ideologisch gefärbter Schriftsätze vor allem die Städte das Pech hatten, die zur sozialistischen Bezirkshauptstadt geadelt wurden

    ... gab es im Westen wie auch fast zeitgleich Im Osten ein Hände-über-den-Kopf-Zusammenschlagen, welcher Torso von Stadt da hinterlassen wurde.

    Das pure Missverständnis von Stadt lag schlichtweg darin, der jeweils spezifisch gewachsenen und gewordenen Stadt wie mit einem äußeren Stempel daherzukommen. Selbst bei Nachahmung in vorherigen Jahrhunderten wurde nie nur austauschbar gebaut, sondern sich spezifisch vor Ort umgeschaut und überlegt, was von dem woanders Gesehenen dem Ort kleidsam ist und wie sehr sich die dazukommenden Gebäude auf diejenigen beziehen, die vorhanden sind.

    Potsdams Stadtraum mitsamt seinem bedeutungsstiftenden Schloss, ohne dasjenige die Nikolaikirche wie nur zufällig und übriggeblieben da steht, ist in der Nachkriegszeit zerfurcht wurden, was schon seinerzeit auch unter DDR-Verhältnissen umstritten war, wenn wir uns die Positionen des seinerzeitigen Denkmalschutzes anschauen und die Äußerungen städtischer Architekten bis hin zur Einknastung.

    Die Wiederherstellung des Stadtschlosses zumindest in seiner äußeren Gestalt, die Wiederherstellung des Stadtkanals und der Garnisonkirche sind genau die Projekte, die Potsdam in der Innenstadt ausmachen, so wie Potsdam in seiner Wechselbeziehung zu den Schlössern in der umgebenden Gartenlandschaft geprägt wird. Alles, was sich abseits davon befindet und dieses Grundprinzip missachtet, ist auf dem Wege, Potsdam zu einer austauschbaren Allerweltsstadt zu machen.

    Dazu gehört das Mercure-Hochhaus ebenso wie die glücklicherweise verschwundene Allerweltskreuzung, die neu erbaute Industrie- und Handelskammer in ihrer Monströsität, als H I E R völlig unpassender Nachwende-Bau wie das Bahnhofs-Einkaufs-Zentrum als Koloss auf der anderen Havelseite.

    Sie müssen das Weltbild nicht teilen, doch zweifellos ist es wichtig darum zu wissen, wie sich gerade aus den Verheerungen des Nachkriegs-Städtebaus der "Zugang" zur Stadt insgesamt doch gewandelt hat: Im Kern spezifisch, im Kern einzigartig, hier so, da anders und dort wiederum anders. Keine nur drei oder vier verschieden ausfallende Fenster und Türen, sondern dutzendfach und hundertfach andere. Die Bebauung: Wie die Jahresringe eines Baumes nach draußen verjüngend, was die Anreicherung von Baustilen angeht.