Potsdam - Quartier Barberini und Alte Fahrt

  • Nord-Ostseite des ehem. Blücherplatzes mit Blick in die Burgstraße, etwa um 1910:

    Urheber 'Reinhold Mohr' via Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, CC BY-SA 4.0

    Im Jahr 1964:

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    Und dann unmittelbar vor dem Abriss im Jahr 1972 - man beachte auch die im Erläuterungstext erwähnten Türen!

    Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte
    #Museumsadvent „Alltag zwischen Aufbau und Zerstörung“ scheint sehr treffend für diese Aufnahme, die die Altbebauung der Burgstraße vor der Sprengung zeigt,…
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    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich würde gerne mal wissen, welche Altbauten deutschlandweit nach dem Krieg gesprengt/abgerissen wurden. Wahrscheinlich gibt es hier im Forum genügend Bilder, Texte und Diskussionen über dieses Thema. Wäre wohl ein gigantischer Aufwand, dies irgendwo in einem Thread zusammenzutragen 🫣🤔

  • Ich würde gerne mal wissen, welche Altbauten deutschlandweit nach dem Krieg gesprengt/abgerissen wurden.

    Dafür reicht kein Threat der Welt mein lieber.

    100.000e.

    Selbst wenn man die (hier so geliebte) historistisch-gründerzeitliche Massenware an Wohnbauten wegließe, käme man noch auf 1000e von bedeutenden Werken aus Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus.

    Nachzulesen in den beiden Standradwerken "Kriegsschicksale Deutscher Baudenkmäler" (jeweils 2 Bde. für Ost- [die DDR fing löblicherweise damit an!] und Westdtl.)

    Die traurigsten Bücher, die ich hier stehen habe. Schau sie mir deshalb nicht mehr an.

  • Danke an euch beiden. Soll ich mir das wirklich antun? Das bestärkt nur meine Meinung, über das schwierige Verhältnis der Deutschen zur eigenen Kultur und ihrer Architekturgeschichte.

  • Nach dem Krieg war das zumindest im Westen weniger ideologisiert, sondern handfest wirtschaftlich gedacht. Und schon im Dritten Reich, das sicher kein "schwieriges Verhältnis" mit der Geschichte hatte, nämlich im gemeinten Sinn, andersrum wohl schon, gab es massive Pläne, die in diese Richtung gingen. Vielleicht / wahrscheinlich war das einer Gründe, warum man gegen die Bombardierungen nichts wirklich Sinnvolles unternahm (Stichwort Me 262),

    Und erst früher... So gab es Planungen, den Breslauer Ring im Sinne dieses einen (leider) erhaltenen Hochhauses umzugestalten.

    Es gibt durchaus selbstbewusste Deutsche, die froh über die "Modernisierung" sind. Ein alter Hamburger, den ich in Brünn traf, sagte, man sei heute froh über die Kriegszerstörungen, so traurig und schrecklich sie auch gewesen sind, sonst wäre das moderne Hamburg nicht möglich gewesen.

    So wie wir denken nicht allzu viele, sonst wär die Welt schöner.

  • Ein alter Hamburger

    Das ist eine ganz bestimmte Generation bzw. die Generationen der Flakhelfer und der 68er. Ich habe auch im Studium eine ältere Frau getroffen, die meinte, in der Nachkriegszeit hätte man mehr die Chancen nutzen sollen. Damit meinte sie ganz offenbar nicht rekonstruktiven Wiederaufbau, sondern weitergehende Abrisse und modernistische Umgestaltung. Die Jüngeren aber haben diese Auffassungen nicht mehr. Sie sind eher der Meinung der Traditionalisten. Da ist es vor allem Abstumpfung, Desinteresse, Ungläubigkeit (über die technischen Möglichkeiten) wenn sie sich nicht pro reko positionieren.

  • Das ist eine ganz bestimmte Generation bzw. die Generationen der Flakhelfer und der 68er. Ich habe auch im Studium eine ältere Frau getroffen, die meinte, in der Nachkriegszeit hätte man mehr die Chancen nutzen sollen. Damit meinte sie ganz offenbar nicht rekonstruktiven Wiederaufbau, sondern weitergehende Abrisse und modernistische Umgestaltung. Die Jüngeren aber haben diese Auffassungen nicht mehr. Sie sind eher der Meinung der Traditionalisten. Da ist es vor allem Abstumpfung, Desinteresse, Ungläubigkeit (über die technischen Möglichkeiten) wenn sie sich nicht pro reko positionieren.

    War es ein Architekturstudium?

  • Hier hat die DDR den Stadtgrundriss nicht beachtet und einfach mit Wohnblocks überbaut. Somit ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, dass es wieder mal ein Verbindung geben wird zwischen Burgstraße und Alten Markt. Aber die Quartiere in der Breiten Straße wurden ja auch abgerissen um Platz zu machen für den Autoverkehr.

  • An der Breiten Straße sind zwar auf der Nord- und Südseite zu DDR-Tagen sanierungsfähige Altbauten abgerissen worden, jedoch nicht "um Platz zu machen für den Autoverkehr". Die Straßenbreite hat sich nicht geändert, mit den Vorbereitungen zur Wiederherstellung der Garnisonkirche wurden die Fahrspuren auch auf 2 mal 2 (von 2 mal 3) verringert. Um das historische Profil zu erfalten müsste man nur die mittleren beiden Spuren zu einem Grünstreifen zusammenfassen, was angesichts von ca. 50.000 Kfz/Tag illusorisch ist.

    Zwischen der heutigen Burgstraße und dem Alten Markt gibt es heute genauso eine Verbindung wie zwischen der Region der ehem. Burgstraße, die heute überwiegend eine Grünanlage und Sportfläche der Rosa Luxemburg-Grundschule ist. Deshalb macht auch der zweite Satz überhaupt keinen Sinn.

    Gemeint ist vermutlich etwas anderes, nämlich dass eine Straßenverbindung auf der Trasse der historischen Burgstraße nicht mehr möglich ist, da diese knapp südlich der Neubauten in dem Bereich der Feuerwehrzufahrten verläuft. Städtebaulich gravierender ist allerings, dass die Berliner Straße zwischen Blücherplatz (dem ehem. Ziegenmarkt) und dem Stadtkanal verschwunden ist.

  • Ein paar Gedanken zum Kriegsende.

    Ich war kürzlich in Peenemünde - der nordwestliche Haken der Insel Usedom - welcher als Raketentestgelände ausgewählt wurde, da man von hier aus sehr geschützt unauffällige Raketentests machen konnte. Damals erstreckte sich die deutsche Ostseeküste mit Unterbrechung im Raum Danzig bis weit hinter Königsberg. Im Laufe der Zeit machte man hier und dort Fortschritte, jedoch konnte von Serienreife der Raketen keine Rede sein. Die Tragik des Krieges und der menschlichen Schicksale zeigt sich in der Geschichte von Peenemünde sehr eindrücklich. So wurden ab Kriegsbeginn mehr und mehr Beschäftige an die Front geschickt und durch Zwangsarbeiter ersetzt. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung 1943. Die Briten hatten durch Luftaufklärung Kenntnis von der Einrichtung und deren Zweck erhalten und waren nach der Entdeckung von Raketen höchst alarmiert. Also wurde im gleichen Jahr die Operation Hydra durchgeführt, welche "der Schlange" Peenemünde den Kopf abschlagen sollte. Durch Fehlmarkierungen der Bomberstaffel wurden die Unterkünfte der Zwangsarbeiter bombardiert. Als direkte Reaktion beging der Generalstabschef der deutschen Luftwaffe Selbstmord. Das Regime reagierte mit noch mehr Zwangsarbeitern in Mittelbau Dora und der Verlegung der Serienproduktion unter Tage. Der Fanatismus des Regimes zog sich bis ins Jahr 1945. Und wer nun fragt, hätten die Alliierten nicht einfach die Bombardierungen einstellen sollen, der verkennt, dass gerade in dieser Zeit der Einsatz von V2-Raketen begonnen wurde. Es war Terrorkrieg - jeder gegen jeden. Eine Gewaltspirale ungekannten Ausmaßes.

    Deshalb bin ich heute um so mehr und überaus dankbar, dass wir uns alle u.a. Dresden, Leipzig, Halle, Görlitz und Potsdam wieder in alter Schönheit anschauen können.

  • Völlig unsinniger OT-Beitrag, den wirklich niemand braucht.

    Und wer nun fragt, hätten die Alliierten nicht einfach die Bombardierungen einstellen sollen, der verkennt, dass gerade in dieser Zeit der Einsatz von V2-Raketen begonnen wurde

    Welche Bombardierungen? Jene von Peenemünde oder Dora? Oder Lübeck?

  • Das zu Herzen gehende Bild zerstörter Bausubstanz in Potsdam hat mich zu meinem "völlig unsinnigen OT-Beitrag" animiert.

    Manchmal kann man halt nicht anders als seine Gedanken hier zu teilen, so wie mein Vorgänger auch.

    Und da ich eine Zeitangabe zum Einsatz der V2 gemacht habe, lässt sich mit etwas Recherche, wenn es nicht im eigenen Allgemeinwissen liegt, erkunden, welche Bombardierungen gemeint sind. Potsdam wurde noch am 14. April 1945 angegriffen, Dresden passt auch in diese Zeit: 13. - 15. Februar 1945.

    Viele Grüße in die West-zahorischen Ausläufer. Und nach Halifax. Dort wird man an die Ereignisse auch nicht gern erinnert, aber versteht ungleich noch weniger, dass ich die USA gar nicht kritisiert hatte.

  • Allgemeinwissen, nun gut, aber man setzt hin und wieder auch Logik voraus. Aber immerhin, solche Kausalzusammenhänge hat noch niemand hergestellt, aber bitte, alles muss einmal passieren.

  • Ein paar Bildchen von heute.

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    Später, ein winterlicher Durchblick über die Neue Fahrt.

    img_1994l3ecw.jpg

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Kennt ihr schon diesen netten Alternativentwurf für die beiden Häuser an der Brauerstraße, neben dem Palais Barberini? :)

    Er stammt von Kny & Weber Architekten, die Visualisierung von 3D Laboratory.

    Potsdam Brauerstraße Palais Barberini Kny & Weber Architekten 3D Laboratory Visualisierung

    Quelle

    Das Haus an der Alten Fahrt wurde auch visualisiert, wäre so mE definitiv ansprechender und klassischer gegliedert:
    http://3d-laboratory.com/archive-af-03.html