Potsdam - Quartier Barberini und Alte Fahrt

  • Das die unterschiedlichen Traufhoehen - vor allem die viel zu niedrigen der beiden angesprochenen Gebaeude - dem Stadtbild schaedlich sind, wirst doch aber auch Du einsehen, oder?


    Die Fassadengestaltung gefaellt mir durchaus, nur die Proportionen passen an dieser Stelle - nebst wuchtigem Palais Barberini und gegenueber wuchtigem Stadtschloss - einfach nicht hin.


    EDIT: Nicht wundern, dass ich noch wach bin. Sechs Stunden Zeitverschiebung bringen so Einiges mit sich. Habe mich jetzt mal noch etwas mehr ins Forum eingelesen und gesehen, dass ich mich mit meinen Aussagen natuerlich in ein schoenes Wespennest gesetzt habe. ;)
    Stehe aber dazu und freue mich endlich ein Architekturforum gefunden zu haben (bin eigentlich eher im DAF anzutreffen), in welchem Potsdam ausfuehrlich behandelt wird. Muss aber auch dazu sagen, dass ich kein absoluter Verfechter von Rekonstruktionen bin, sondern mir immer einen gesunden Mix wuensche. Gerade in der Potsdamer Mitte - und gleich um de' Ecke wurde ich geboren - wuensche ich mir, dass eine gewisse Anzahl an staedtebaulich wichtigen Leitbauten in originalen Proportionen und zum Teil auch mit moeglichst originalen Fassaden wieder errichtet werden, jedoch ringsherum auch mutige, moderne, aber vor allem anspruchsvolle Architektur ihren Platz finden kann.

  • Die unterscheidlichen Traufhöhen sind ein ganz typisches Element von Potsdam. Wer gleiche und hohe Traufhöhen durchgängig sucht, der geht innen Prenzlauer Berg oder zum Schlaatz.


    Hier noch mal der Noack’sche Gasthof in der Humboldtstraße 4, angrenzend an das Palais Barberini. Errichtet vom Architekt des Königs Carl von Gontard. Friedrich und Carl wussten schon, was sie tun :!: Das ist alles sehr intelligent durchkomponiert mit den sechs Statuen auf dem Dach um den Übergang zum Barberini zu verbessern. Ich hoffe doch, dass selbst bei modernen Bauwerken keine einheitliche Traufhöhe mit dem Palais Barberini festgelegt wird. Ein monolitischer Block a la Uppereastsideberlin wäre verfehlt für die Potsdamer Innenstadt, Abwechslung muss sein.



    http://www.bildindex.de">http://www.bildindex.de

  • Danke, tolle Ansicht unify! Einer meiner absoluten Reko-Favoriten. Traumhaft.



    Ich denke, in Potsdam sollte das Frankfurter Modell verfolgt werden. Heißt: Außerhalb der Leitbauten bevorzugte Vergabe von Baugrund an rekonstruktionswillige Investoren und diverse Anreize, um Rekos voranzutreiben. Das wird auch in Potsdam funktionieren, wenn es für Investoren transparent (ohne Verunstaltungsbeirat) und unkompliziert zu handhaben ist.
    Bin guter Dinge, dass hier einiges besser laufen wird als in Dresden, schon weil das Klima für Rekos wesentlich gesünder ist. Kaum Störenfriede dort 8)

  • Oho! Habe ich nicht etwas von einer geplanten beratenden Expertenkommission gelesen? Bei dem Wort alleine überkommt mich das kalte Grauen!!! Und 80 - 90 Prozent "moderner" Architektur lassen mein Herz auch nicht gerade höher schlagen. :augenrollen:

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • ^ Eben drum. Das ist aber alles noch in der Schwebe und verhandelbar, von daher bin ich optimistisch, dass sich da noch eine ganze Menge mehr herausholen lässt.


    Im Großen und Ganzen kann man aber auch sagen, dass ein höherer moderner Anteil hier weniger schädlich wäre als am Dresdner Neumarkt bspw. Potsdam hat noch eine sehenswerte Altstadt hinter dem Alten Markt. Hier wäre eine Komplettrekonstruktion jedenfalls meinem Empfinden nach nicht erforderlich, moderne Bauten sollten sich aber möglichst unterordnen und nicht um Aufmerksamkeit brüllen. Den Rest erledigen dann die Leitbauten, die zu einem stimmigen Gesamtbild beitragen werden.

  • Das stimmt erbse. Es geht mE allein um die Anzahl der Leitbauten, die ist wichtig.
    Was die unterschiedliche und unpassende Traufhöhe betrifft, kommt hier keiner auf die Idee, dass der Fehler beim Palasthotel und nicht etwa beim wunderbaren Noakschen Haus uU Roten Adler liegen könnte?


    Aber irgendwie ist die Interpretation von dem, was so durchsickert, die reinste Kaffeesudleserei.
    Offenbar sind in P. auch die üblichen Verhinderer eifrig am Werk. Wenn nicht mal das Barberini gesetzt ist, was eigentlich dann???

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Nachschlag zum Haus in der Humboldtstraße 3 mittig zwischen dem Barberini und dem Palasthotel.


    Als Vorbild diente der Palazzo Pompei in Verona, der von Michele Sanmicheli um 1530 entworfen wurde. Die Wikipedia weiß hierzu:


    Quote

    Palazzo Pompei (probably begun around 1530) is an enriched version of Bramante's House of Raphael. The entrance has been moved to the center of a seven-bay façade[4] and given a slightly wider central bay; in order to prevent the composition from rifting apart, the corner columns of the outermost bays are stressed by being doubled with square pilasters.


    http://en.wikipedia.org/wiki/Michele_Sanmicheli


    Gute Bilder aus Italien sind hier schwer zu finden:


    Als Vorbild für den Palazzo Pompei diente wiederum Donato Bramantes (Architekt des Petersdom) Palazzo Caprini, das Vorbild für viele Renaissancepaläste. Das Haus wurde später von Raphael bewohnt und ist deshalb auch als Haus des Raphael bekannt.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Donato_Bramante\r
    en.wikipedia.org/wiki/Donato_Bramante


    Quote

    Another noteworthy design was that of the Palazzo Caprini (House of Raphael; later destroyed) in the Borgo, which became the model for many 16th-century palaces. This palazzo was later acquired by Raphael. According to Vasari, Bramante, about 1509, had designed the architectural background for the School of Athens by Raphael (1508–11; Vatican, Rome).



    Das Bauwerk in Potsdam

  • Es gibt einen Nachschlag zur letzten Sitzung des Potsdam-Forums, wo die angeblichen 90% moderne Architektur einhellig beschlossen wurden.


    Quote

    Barbara Kuster von der Bürgerinitiative „Mitteschön“ hatte schon im Vorfeld des Potsdam-Forums innerlich tief Luft geholt... Und natürlich habe man sich beim Workshop nicht geeinigt, zu 90 Prozent moderne Architektur zu bauen.


    Ganz im Gegenteil: „Mitteschön“ will bei den historischen Vorbildern schon mal die Pflöcke eingeschlagen wissen. Beim Forum lag das Faltblatt mit der Forderung aus, rund um das Schloss mindestens elf verlorene Gebäude des barocken Potsdam als Leitbauten zu rekonstruieren. Zumeist entstünden also Kopien von Kopien, denn den preußischen Architekten dienten im 18. Jahrhundert Stadtpalais aus Vicenza und Rom als Vorlage, die damals bereits zwei Jahrhunderte alt waren...


    Mit Interesse aufgenommen wurde der Vorschlag zur „harten Kante“. Der Architekt Christopher Kühn plädierte für Gebäude direkt an der Wasserlinie der Alten Fahrt. Historische Fotos zeigen dort eine Situation, die an Venedig erinnert. (Von Volkmar Klein)


    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11550881/60709/Mitteschoen-will-elf-Leitbauten-Plaedoyer-fuer-die-harte.html\r
    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... harte.html


    Leider habe ich diese Leitbauliste nicht und sie steht auch nicht zum download zur Verfügung.
    http://www.mitteschoen.de">http://www.mitteschoen.de

  • Ungefähr so venezianisch wie Stainach-Irdning.
    Vielleicht wäre da für manche ein Bildungsreise anzuregen?
    Im Ernst, Venedig ist mehr als ein paar sich im Wasser spiegelnde Hinterhöfe.
    Hier sich auch Rekos zu caprizieren, ist mE eine Verschwendung von Kapazitäten. Nicht, dass ich den Reiz dieses Stadtbildes leugnen würde, das Gegenteil ist der Fall, aber ein derartiges Ambiente ist durch relativ anonymes Bauen ohne konkreten historischen Bezug leicht realisierbar. Das Schicksal von Potsdams Mitte wird sich nicht hier entscheiden, sondern ein paar Meter stadteinwärts.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Zumal eine Bebauung ohne oeffentlich zugaenglichen Uferweg eh nicht moeglich sein wird. Die Einwohner wuerden da - meiner Meinung nach zu Recht - auf die Strasse gehen. Wer die juengsten Diskussionen um den Uferweg am Griebnitzsee verfolgt (hier sieht es meiner Meinung nach anders aus, da es private Grundstuecke sind und die Sperrung des Weges daher rechtens), wird wissen von was ich rede. ;)


  • Wir haben das angesprochene Dokument mal gescannt und zur Verfügung gestellt - ihr könnt es ja einmal rausladen bei uns und woanders hochladen, dann müßt ihr euch nicht immer auf unsere Seite quälen :)


    Das Leitbautendokument lag bei der Veranstalung zum Mitnehmen aus - also wenn Du (Unify) mal bei Mitteschön anfragst bekommst du es bestimmt auch als PDF oder so.


    Viel Spaß damit :)

  • Als Vorbild für den Noakschen Gasthof neben dem Barberini diente der Palazzo Chiericati in Vicenza, entworfen von Andrea Palladio im Jahr 1580.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Palazzo_Chiericati


    In Potsdam:



    Das Vorbild aus Italien, die Abwandlungen sind hier deutlicher. Es wurde nur der Mittelteil übernommen, wobei vor allem auf die Säulen im Obergeschoß verzichtet wurde.



    http://www.artrepublic.com/prints/12284-vicenza-palazzo-chiericati.html\r
    http://www.artrepublic.com/prints/12284 ... icati.html



    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:IB-Vicenza-01.jpg\r
    commons.wikimedia.org/wiki/File: ... nza-01.jpg

  • Auch verbunden mit der Hoffnung, dass der seinerzeit emsige Potsdam-Informant unify sich lediglich in einem längeren Urlaub befindet und sich nicht aufgrund des überwiegend auf optische und informatorische Digestion beschränkende Verhalten der meisten APH-Mitglieder zurückgezogen hat, möchte ich eine weitere Ansicht des Barberini-Palastes (ca. 1920) einstellen, welche wohl hier m. E. noch nicht gezeigt wurde und durch ausgezeichnete Bildqualität besticht. Mahlzeit!


    Quelle: bildindex.de

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • ^^ Sehr schönes Bild.


    Für dieses Quartier sieht die Zukunft sehr gut aus. Die drei relevanten Leitbauten in Richtung Alter Markt sollen kommen! Möglicherweise sogar ohne die unnötigen Tiefgaragen, welches die Nutzung der noch vorhandenen Fundamente ermöglichen würde.


    Quote

    Zu den Kandidaten für eine Rekonstruktion am Originalstandort zählt die Bauverwaltung das Palais Barberini in der Humboldtstraße 5/6, den Palazzo Pompei in der Humboldtstraße 3 und den Palazzo Chiericati in der Humboldtstraße 4.


    http://www.pnn.de/potsdam/221821/\r
    http://www.pnn.de/potsdam/221821/

  • Alles schön und gut, aber fällt da irgendwann einmal auch eine konkrete Entscheidung?
    Ich mein doch, 'Kanditaten' waren diese schönen Bauten schon immer.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ab und zu mal die verlinkten Artikel lesen, bildet ungemein...


    Quote

    [...] Dieses bis Jahresende entstehende Konzept der Leitbauten (Anm. der Redaktion aka. des Philipps) beschränkt sich auf den Bereich, der 2006 in der Planungswerkstatt Potsdamer Mitte überplant worden ist. [...]