Passau (Galerie)

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    • Passau grüßt Bremen

      .... und die übrigen deutschen Lande natürlich auch !




      Sehr geehrter 'Niederländer' Sie haben mir mit den gestern hier eingestellten älteren Farbphotos der Drei-Flüsse-Stadt eine große Freude gemacht. Insbesondere das Bild welches die Schrottgasse mit dem Rathausturm zeigt hat es mir angetan. Denn jedesmal wenn ich als Bremer Student an der 'Alma Mater Pataviensis' durch diese Straße ging, richtete sich mein Blick kurz nach oben zu dem Wappenfries unterhalb des Helms des Rathausturms und wurde vom Wappen der Heimatstadt gegrüßt. Darum besten Dank dafür, daß Sie mit diesem Bild, jene schönen Erinnerungen in mir wach riefen. Der an der Südseite des Rathausturms angebrachte Teil des - um den ganzen Turm herumlaufenden -Wappenfrieses zeigt im Übrigen die Wappen von Schaumburg-Lippe, Waldeck, Hamburg, Bremen (der silberne Schlüssel auf rotem Grund), Lübeck und Reuß. Anbei ein aktuelleres Photo dieser Turmseite, eine Großansicht mit dem Bremer Wappen, sowie ein Artikel aus den PNN (Passauer Neueste Nachrichten), welcher auf die Geschichte und Bedeutung des Wappenfrieses etwas näher eingeht.






    • Gröbaz schrieb:

      Was mir immer wieder etwas negativ an solchen alten Bildern auffällt, ist der heruntergekommene bauliche Zustand der Städte. Es war zwar noch alles erhalten, jedoch in einer recht bröckeligen Verfassung. Ein fetter Sanierungsrückstand. Das passt so gar nicht zum pingeligen Deutschen.


      Und das ist es, was ich gerade so schön finde, es ist nicht diese Gelecktheit, diese Sterilität mit knalligen Baumarktfarben, sondern der Zustand und der Esprit den europäische Städte jahrhundertelang hatten. Natürlich gibt es eine (fließende) Grenze zwischen Patina und Verfall, ein Gebäude darf nicht soweit vergammeln, daß es in seiner Existenz bedroht ist. Diese Grenze wurde zB in der DDR wesentlich öfter überschritten, was zu sehr tragischen Verlusten geführt hat (und in der Nachfolge auch noch führt).
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kaoru ()

    • Dank für das Teilen der großartigen Bilder @Niederländer cclap:)
      volle Zustimmung @Kaoru! für mich haben diese Ansichten sehr viel mehr Flair als diese ewig gleich-geleckten Ansichten von heute - nicht falsch verstehen, ich finde auf Passau heute noch eine wunderschöne Stadt. Aber bei diesen historischen Ansichten habe ich viel mehr das Gefühl, auf einen funktionierenden Stadtorganismus zu blicken als es heute der Fall ist, wo alles auf Hochglanz in Pastellfarben gebracht wird, um den Touristenstrom nicht abbrechen zu lassen. Es kommt tatsächlich sowas wie Sehnsucht auf. Wenn man heute solche Blicke auf eine Stadt genießen möchte, dann muss man weiter (süd-)östlich fahren und selbst da werden sie langsam rar.

      Ein fetter Sanierungsrückstand. Das passt so gar nicht zum pingeligen Deutschen.
      Nun, diesen pathologische Reinheitswahn gibt es ja erst seit der Zeit der Nationalsozialisten und ist dann in den nachfolgenden Jahrzehnten auf die Spitze getrieben worden. Hinzukommt, dass man es sich zu dieser Zeit weder leisten konnte noch wollte, alle zwei Jahre die Fassade neu zu streichen und alle zehn Jahre das Dach komplett neu zu decken.
      Einen "fetten Sanierungsrückstand" kann ich nicht erkennen (wobei das natürlich anhand der Bilder schwierig zu beurteilen ist), vielmehr sieht man den Gebäuden die Spuren der Zeit an, sie verbergen ihr Alter nicht, sehen aber keineswegs marode oder gar unbewohnbar aus.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Ich bin auch vom Erhaltungszustand begeistert. Viel mehr Flair und Patina. Was gäb ich drum, durch solche Städte noch wandeln zu können... Sie sind heute von der Landkarte verschwunden.
      Ob das heutige Passau auch in diese Würde altern könnte?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • naja, die gezeigten nach außen öffnenden Kastenfenster sind neben etlichen anderen Details schon ein Kaliber, das sich heute nicht mehr antreffenden lässt...
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Kaoru schrieb:

      Und das ist es, was ich gerade so schön finde, ... Natürlich gibt es eine (fließende) Grenze zwischen Patina und Verfall, ... (...)
      Das ist ja zum Glück eine Geschmacksfrage. Für mich ist der Zustand, wie auf diesen Bildern,

      bildindex.de/bilder/d/fmlac42871

      bildindex.de/bilder/d/fmlac42884

      schon deutlich zu "verfallen" und heruntergekommen. Die Fassaden sind schmutzig und der letzte Rest von Farbe bröckelt herunter. Das sieht geradezu schimmelig aus. Alles grau in grau. Wie in einem heutigen "Problemviertel". - Nee, das ist nicht mein Fall. Dann lieber sauber und bunt abgeleckte Häuser. :biggrin:

      Die alten Bilder von Passau finde ich jetzt auch nicht sooo spannend. Eben weil das ja alles heute noch erhalten ist.
    • Und das ist es, was ich gerade so schön finde, es ist nicht diese Gelecktheit, diese Sterilität mit knalligen Baumarktfarben, sondern der Zustand und der Esprit den europäische Städte jahrhundertelang hatten
      Na ja, noch Anfang bis Mitte der achtziger Jahre war beispielsweise die Regensburger Altstadt in einem ziemlich ruinösen Zustand, den ich mir ganz sicher nicht zurückwünschen würde.

      Dazu ein passender alter Artikel aus dem Spiegel: spiegel.de/spiegel/print/d-41696570.html
    • Neu

      Ich war gestern nach langer Zeit wieder in Passau und habe einige Fotos gemacht, die ich gerne mit euch teilen möchte - diese wunderbare Altstadt hat es verdient, noch etwas ausführlicher in diesem Forum gewürdigt zu werden, obwohl Ursus und Markus ja früher schon viele Fotos eingestellt haben. Vieles von dem, was ich zeigen werde, ist auch schon in den bisherigen Fotos zu sehen, aber einiges auch nicht. Ich habe mich einerseits auf die beiden herausragenden Plätze Residenzplatz und Domplatz konzentriert und darüber hinaus Hausansichten aus der gesamten Altstadt angefertigt, die vielleicht noch nicht jeder kennt.

      Beginnen wir mit dem Residenzplatz, dem meiner Meinung nach nicht nur schönsten Platz Passaus, sondern einem der schönsten Plätze überhaupt! Ich finde ihn prachtvoll und zugleich immer noch intim und bezaubernd, er erschlägt einen nicht mit riesigen Dimensionen und ist trotzdem großzügig.



















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      Jetzt zum Passauer Domplatz: im Schatten des beeindruckenden Domes stehen verschiedene Domherrenhöfe, die mit Ausnahme des eleganten, spätbarocken Palais Lamberg eher schlicht gestaltet sind. Die oktogonalen Aufbauten mit den Hauben auf den Türmen des Doms stammen erst aus den 1890er Jahren, vorher hatten die Türme einen Abschluss mit Flachdächern ähnlich der Jesuitenkirche St. Michael, siehe eine alte Aufnahme von 1890: sueddeutscher-barock.ch/Bilder…assau_Dom_Fass_alt_Gr.jpg. Weitere sehr interessante Informationen zum Dom von Passau bietet wie immer die hervorragende Seite "Süddeutscher Barock" von Pius Bieri: sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/h-r/Passau_Dom.html
      Bzgl. dieser neubarocken Aufbauten und einer für heutige Verhältnisse undenkbaren Auffassung von "Denkmalschutz" schreibt Bieri einen interessanten Satz: "Nach dem Vorbild des Salzburger Domes erhalten die Türme bis 1898 nach Plänen von Architekt Heinrich von Schmidt oktogonale Aufbauten, welche mit welschen Hauben bekrönt sind. Sie stellen eine ausserordentlich glückliche und heute undenkbare Lösung im Sinne der jetzt verpönten schöpferischen Denkmalpflege dar." Bzgl. der seit der letzten Restaurierung vorgenommenen weißen Kalkfassung des gesamten Äußeren schreibt er: "Sie ist ausserordentlich gewagt, kaum lange haltbar und gehört auch zum Thema der schöpferischen Denkmalpflege." Meiner Meinung nach schaut die weiße Kalkfassung auf der Fassade sehr gut aus, die erhaltenen gotischen Teile des Chores erscheinen in weiß hingegen sehr gewöhnungsbedürftig bis eigenartig; ich hätte den Chor auf jeden Fall steinsichtig d.h. grau gelassen. Sei es wie es sei, dieser Dom St. Stephan ist schon etwas Besonderes und nicht nur, wie Ursus geschrieben hat, ein "Italoprotz" - die Integration des spätgotischen Chores in den barocken Neubau ist durchaus außergewöhnlich! Dass der barocke Neubau insgesamt noch sehr italienisch daherkommt, ist außerdem nicht verwunderlich, da der Zeitpunkt des Baubeginnes 1668 für den Barock in mitteleuropäischen Gefilden ja noch sehr früh ist und St. Stephan somit eine der ersten großen Barockkirchen nördlich der Alpen ist, nach dem Dom in Salzburg und der Theatinerkirche in München dürfte es die dritte komplette Barockschöpfung in diesen Dimensionen sein. Das Innere ist für meinen Geschmack etwas zu voll und pathetisch geworden, die vielen Stuckaturen wirken recht schwer und grob. Trotzdem ist es ein eindrucksvoller Raum, der nördlich der Alpen für die damalige Zeit schon etwas Außergewöhnliches darstellte. Im Vergleich dazu hat die Münchner Theatinerkirche aber etwas Höfisch-Geschliffeneres, sie wirkt auf mich erhebender. Ich habe bis auf eine Ausnahme keine Aufnahmen des Inneren angefertigt, aber das haben Ursus und Markus ja bereits getan.












      Das Palais Lamberg:

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Leonhard ()