• Ups, das kannte ich noch nicht. Mir waren nur Mays Pläne für das sog. Villengebiet Ost ("Das neue Wiesbaden") bekannt. Dass er auch das Bergkirchenviertel platt machen wollte, ist mir neu. Zum Glück ist dieser Kelch an Wiesbaden vorbeigegangen... (hier übrigens in etwa dieselbe Perspektive wie auf dem von Wikos verlinkten Modell)

  • Warum man überhaupt die überheblichen Ideen hatte INTAKTE Wohnungen abzureißen?

    Die größenwahnsinnigen Abrisspläne gab es in ganz Deutschland. Im Wedding z. B. beseitigte man 9.000 von 14.700 Altbauwohnungen und machte in den 60iger Jahren aus dem Berliner Brunnenviertel eine banale, moderne Großsiedlung. Hätte man die Gründerzeitler stehen gelassen wäre es heute vielleicht ein zweiter Prenzlauer Berg. https://www.berliner-mieterver…/online/mm1113/111320.htm Der zu dieser Zeit regierende Bürgermeister Willy Brandt verkündete damals das grausame Stadterneuerungsprogramm.

  • Abriss von Teilen von Wedding, Rollberge Viertel in Neukölln und Vineta Platz Viertel waren die drei schlimmsten Greueltaten der Nachkriehszeit in D. So wurde das ehemalige Gross Berlin kaputt saniert umd das alles von eigen Leute. Leider traf es alle drei Berlin....und das nach zehntausend fachen Abstuckung und Dächervereinfachung auch in Berlin.

    Der Hass gegen Gründerzeitler war offenbar enorm!!! Unglaublich und gerade das nach dem grausamen Bombenkrieg.

  • ... und gerade das nach dem grausamen Bombenkrieg.

    Aber vielleicht war auch eben genau das der Grund. Es ist zwar wahnsinnig schrecklich von diesen Abrissen zu hören, aber ich habe versucht Frieden mit sowas zu schließen indem ich mir klar mache, mir nicht klarmachen zu können wie kaputt manche Seelen zu dieser Zeit waren. Um zu differenzieren dass die Gründerzeitler nichts dafür konnten assoziiert zu werden mit einer Vergangenheit, die man abschütteln wollte, dazu fehlte sicher die Objektivität.


    Ich habe mal einen Film über Frankfurt in den 60ern gesehen und auf eine erstaunliche Art und Weise konnte ich der Stadt einiges an Ästhetik abgewinnen - nicht unbedingt mein Geschmack - aber wenn die 60er Jahre Laterne mit dem 60er Jahre Auto und Gebäude zusammen stehen dann sieht das relativ harmonisch aus. Leider altern diese Gebäude schlecht. Was damals toll aussah wirkt heute deplatziert und runtergekommener als jedes schiefe Fachwerkhaus oder Historismus Gebäude ohne Turmdach...

  • Ich kann mich noch an eine ältere Gasthörerin während meiner Studienzeit erinnern, die vermutlich zum sich progressiv wähnenden Teil der Bevölkerung gehörte. Die erzählte mir etwas, dass man in der Nachkriegszeit "eine Chance verpasst" hätte. Damit meinte die nicht Rekonstruktionen oder angepasstes Bauen. Die meinte, dass man hätte noch mehr tabula rasa machen müssen, um irgendwelche modernen Bauutopien zu verwirklichen. Solches Gerede von der "verpassten Chance" habe ich danach noch öfters gehört.

  • Ich habe ein wenig in Google Maps herumgescrollt und dabei zufällig diese Ansicht gefunden:


    https://www.google.com/maps/@5…-ro-0-fo100!7i9728!8i4114


    Sehr interessant finde ich ja das Fachwerkhaus, was dort zu sehen ist. Weiß jemand, was es damit auf sich hat? In einer Gründerzeitstadt wie Wiesbaden erstaunt mich das doch sehr. Die beiden älteren Häuser scheinen ja noch älteren Datums zu sein. Ich hätte nur das ursprüngliche Zentrum von Wiesbaden weiter Richtung Marktkirche und Rathaus verortet.

  • Die Nerostraße, in der du dich hier befindest, ist Zentrum. Sie befindet sich innerhalb des sog. Historischen Fünfecks , das auf den Generalbebauungsplan von Christian Zais aus dem Jahr 1818 zurückgeht. Es finden sich darin auch noch einige klassizistische Häuser, auch wenn viele später durch gründerzeitliche Neubauten ersetzt wurden. Fachwerkgebäude war auch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts meist noch günstiger als Steingebäude, auch wenn sie i.d.R. verputzt wurden und wie Steingebäude aussehen sollten. Das rechts neben dem Fachwerkgebäude stehende "Wirtshaus" (Nerostraße 24) - vermutlich um dieselbe Zeit errichtet - stammt bspw. aus dem Jahr 1810. Möglicherweise besteht es ebenfalls aus verputztem Fachwerk.

  • Nun ist es ja schon wieder ein halbes Jahr her, dass die Wilhelmstraße 12 (ehemaligen Grand Hotel Metropole)

    saniert wird. Gibt es aktuelle Bilder? Steht das Gerüst noch?

  • Dsnke vielmals! Es ist einfach der Hammer! :applaus:So toll!cclap:)


    PS: Das sollte bitte auch mit den Gebäuden gegenüber des Hauptbahnhofs in Frankfurt passieren *beten*!

  • Leider macht die Revitalisierung alles noch mehr unschön!!! Nur ursprungszustand war der Hammer. Alles was anders gemacht wird, bewirkt Verunstaltung. Genau wie das heutige Schloss in Budapest. Historische Gebäuden die noch zu staunen sind befinden sich im Kurorten wie Karlovy Vary/ Karlsbad, Baden Baden, das Kurhaus in Scheveningen (Niederlande) usw.

  • An der Dachlandschaft des Nassauer Hofs wird architektonisch ständig Herumgedoktert ohne ein wirklich gutes und dauerhaftes Endergebnis zu erzielen.Ist es denn kreativen Architekten nicht möglich ein richtig schickes neuentworfenes Ziegeldach mit Gaubenfenster passend zum Rest des Gebäudes hinzubekommen?!Muss ja keine Reko aus der Kaiserzeit sein,aber es könnte alles zumindest harmonisch zueinander passen.Die Revitalisierungsidee ist auch nur wieder so eine moderne Dachzeitgeistarchitektur die so einigen hist. Häuser heute aufgestülpt bekommen. :kopfschuetteln:Ja,ich weiß, die heutige Wirtschaftlichkeit der Bauherren und Investoren,kaun noch Dachschrägen möglichst Vollgeschosse und und....

  • Leider macht die Revitalisierung alles noch mehr unschön!!! Nur ursprungszustand war der Hammer. Alles was anders gemacht wird, bewirkt Verunstaltung. Genau wie das heutige Schloss in Budapest.

    Klassiker da haben Sie Recht.Das Schloss in Budapest wurde nach dem Krieg innen wie außen stark vereinfacht wiederhergestellt.Um so erfreulicher ist es jetzt, daß das Schloss äußerlich architektonisch nach und nach wieder dem Vorkriegszustand angeglichen wird.(Siehe Strang Budapest)

  • Das große Problem ist, dass die Umbaumaßnahmen nach dem Krieg viele Zusatzetagen und damit Platz für mehr Gästezimmer geschaffen haben und den Platz können sie bei einem Umbau nicht wieder verlieren. Im Gegenteil, man will sehr wahrscheinlich noch mehr Platz für geräumige, moderne, lichte Gästezimmer gewinnen. Das gerät unweigerlich in Konflikt mit einer Rekonstruktion. Vielleicht hätte es aber doch mit einem klassischeren Look auch geklappt...?

    Ich stimme dem ewig schwarzsehendem Klassiker allerdings nicht zu, dass es nun noch schlimmer kommt als vorher. Was mir an den neuen Plänen um einiges besser gefällt, ist dass der Altbau nun wieder einen würdigen Abschluss mit einer durchgängig umlaufenden Balustrade erhält. Das diese bei der derzeitigen Gestaltung teils wegfiel und der Nachkriegsbau mit dem Vorkriegsbau verschmilzt, gefällt mir überhaupt nicht. Dann doch lieber alt und neu strikt getrennt. Wirkt alles authentischer und weniger verbaut als die derzeitige Fassung.

    Aus dem gleichen Grund war ich auch immer ein Befürworter für eine klare Trennung der barocken Fassaden und der Stella Fassade des Berliner Schlosses. Besonders bei der Nordfassade hat das ja gut funktioniert. Ein Frankensteinmonster, wo barocke Fassaden mit der modernen ohne klare Trennung verschmelzen, und diese Vorschläge/Visualisierungen gab es ja, halte ich für schrecklich und hässlich.

  • "Ewig schwarzsehenden Klassiker"?? Ich habe tatsächlich immer wieder Kritik das es sich leider niemals um (das schönsten ) Aussehen aber nur um Funktionalität handelt. Kapitalismus hat so viel zerstört weil es immer um Gewinne und Profit handelt. Bei Kommunismus sind es wieder andere Motiven, wie es in der DDR gezeigt hat mit Abbrüche vieler Kirchen oder stehen geblieben Kirchentürmen wie in Dresden und Berlin. Modernismus ist dann die dritte Faktor, warum die D. die meisten Städten wenig Altbauten und dadurch Atmosphäre aufweisen im Vergleich zu den Niederlanden oder Grossbritannien. War in Kleve aber sogar meine Frau war enttäuscht von der Innenstadt: es wurde nach Wiederaufbau in der 50-er Jahren bis heute bitter wenig daraus gemacht. Gilt für vielen Städten die vom Krieg betroffen waren.