Wiesbaden - zwischen Abriß und Neubau, Sanierung und Umbau

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    • Re: Wiesbaden - zwischen Abriß und Neubau, Sanierung und Umbau

      Was ist im letzten halben Jahr in der hessischen Landeshauptstadt "bau/sanierungs/abrißmäßig" passiert?


      Ein neuer Abrißkandidat: Der ehemalige Schlachthof Wiesbaden



      Das 1884 erbaute und 1990 stillgelegte Gebäude gehört zwar nicht zu den architektonischen Glanzlichtern Wiesbadens; der vor einigen Wochen beschlossene Abriß erhitzt dennoch die Gemüter und ist mehr als umstritten. Denn der Schlachthof ist seit den 90er Jahren ein beliebtes und renommiertes Kulturzentrum und Veranstaltungsort für Partys, und außerdem Konzerthalle für Pop- und Rockkonzerte; hier spielten neben vielen weniger bekannten Gruppen auch die unterschiedlichsten erfolgreichen Bands wie Motörhead, Sisters of mercy, Sportfreunde Stiller, Gossip oder die Fantastischen Vier.

      Das seit kurzem geschlossene Kulturzentrum soll auch bleiben, aber die alten Hallen sollen durch Neubauten ersetzt werden. Die Gegner dieser Lösung argumentieren, daß Abriß und Neubau länger dauern als eine Sanierung und daß nach der langen Bauzeit möglicherweise die Szene weitergezogen sein wird; außerdem böte ein Neubau nicht mehr den leicht schrottigen Charme der alten Hallen. Ein Bürgerbegehren läuft, auf Facebook bekennen sich Tausende gegen den Abriß - bald haben wir hier unser eigenes Miniatur-Stuttgart 21.



      Immerhin ist eine Sanierung und Einbeziehung des zu dem Ensemble gehörenden und seit längerem vor sich hingammelnden Wasserturms im Gespräch.




      Inzwischen restauriert ist das benachbarte Mahnmal zur Deportation der Juden:



      2009 sah es noch so aus - zum Fremdschämen. (noch schlimmer: architekturforum.net/viewtopic.php?f=7&t=2215&start=24)
      Der Bodensatz hat eben vor gar nichts Respekt; was will man erwarten, wenn schon wieder in den Zeitungen zu lesen ist, daß das Schimpfwort "Jude" in manchen Schulen wieder gebräuchlich wird...




      Im Zuge der Sanierung wurde diese Anlage mit Bäumen davorgesetzt (die im Sommer natürlich einen freundlicheren Eindruck macht - aber im Grunde ist "freundlich" hier gar nicht unbedingt angebracht).




      Demselben Thema widmet sich die nächste Baustelle: Die künftige Gedenkstätte am früheren Standort der Wiesbadener Synagoge am Michelsberg:



      So sah die Synagoge aus, die nach Plänen von Philipp Hoffmann in den Jahren 1869 fertiggestellt, 1938 niedergebrannt und 1939 abgerissen wurde.

      1998 wurde die Synagoge von Studenten der Wiesbadener Fachhochschule virtuell rekonstruiert, zu sehen hier und hier .



      Wie in anderen deutschen Städten war man auch in Wiesbaden nach dem Krieg so sensibel, daß man in den 50er Jahren auch noch den stehengebliebenen Sockel der Synagoge beseitigte. Seitdem fahren die Autos direkt durch den Gebetsraum. In den 70er Jahren klotzte man dann auch noch diese Hochbrücke drüber, die 2002 gottlob wieder abgerissen wurde. Später waren die Umrisse der Synagoge auf dem Asphalt der den Standort durchschneidenden Coulinstraße eingezeichnet.

      Die neue Gedenkstätte wird auf beiden Straßenseiten die Umrisse der Synagoge nachzeichnen; die Straße wir dann sogar ein Stück verlegt. An einer Seitenwand wird in die Mauer eine Glasscheibe eingelassen, auf der ein Bild der Synagoge in ihrem ursprünglichen Zustand eingraviert ist, außerdem ein weißes Band aus Basaltstein, auf dem die Namen von 1.507 Opfern zu lesen sein werden.





      Fast fertig ist das bereits hier gezeigte Projekt Dernsche Höfe (Um- und Anbau des gründerzeitlichen Polizeipräsidiums)



      Hier noch mal die Situation vor dem Krieg und vor Teilabriß und Neubau.

      Ebenso ungewöhnlich wie erfreulich bei so einem Beton-Neubau ist die Tatsache, daß das neue Dach auf dem Altbau mit Holz gedeckt wurde, wie man auf diesem Bild vom September sehen kann.



      Und sogar die rekonstruierte kleine Kuppel ist aus Holz.




      In diesem Jahr abgeschlossen wurde die Sanierung dieser beiden Häuser in der Luisenstraße:





      Sie wirken wie neu, und das sind sie auch mehr oder weniger. Der bauliche Zustand war relativ desolat, so daß die Gebäude regelrecht auseinandergepflückt wurden. Die Fassaden sind dabei abgeschlagen und originalgetreu rekonstruiert worden.





      Ich habe leider kein "Vorher-Foto", aber von außen war der Zustand vor der Sanierung in etwa der des Nachbargebäudes rechts im Bild.



      Ohne den unhistorischen Mittelteil ging es leider nicht. Die Häuser gehören zum Justizministerium und werden als Bürogebäude genutzt, und auch vorher gab es schon einen Verbindungsbau (aus den 60er oder 70er Jahren).

    • Re: Wiesbaden - zwischen Abriß und Neubau, Sanierung und Umbau

      @Schloßgespenst: Danke für den Bericht und die Fotos aus Wiesbaden. Dass in der heutigen Zeit der Schlachthof (DER Kulturbau in WI) zum Abriß freigegeben wird ist ein absoluter Skandal. Es ist ein Wunder dass dieser Bau nicht schon in den siebziger Jahren gefallen ist. Aber heute nach einem jahrelangen Diskurs über Denkmalschutz, kritischer Rekonstruktion und Rückbesinnung auf das bauliche Erbe einen solchen Bau platt machen zu wollen - unglaublich.
    • Re: Wiesbaden - zwischen Abriß und Neubau, Sanierung und Umbau

      Der Schlachthof ist halt eine Szene-Lokalität. Deshalb wird das von dieser zum großen Thema gemacht. Stände die Halle irgendwo etwas außerhalb an der Bahnlinie würde kein Hahn danach krähen, wenn die Abrissbirne anrückt. Wie viele Hallen habe ich fallen sehen (bzw. durch die Medien davon erfahren) und es gab keine Unterschriftenaktionen und kein Interesse von irgendwem dafür.
      Z.B. hierfür liegt eine Abrissgenehmigung vor - bislang hat sich kein kleines Stuttgart 21 daraus entwickelt. Schließlich haben nur ein paar nette Künstler ihre Ateliers drin, die zudem nicht ausreichend spektakulär mit der underground-Szene vernetzt sind:
      da-imnetz.de/nachrichten/kultu…-kunstfabrik-1001899.html
      Die hier wurde unlängst für einen Baumarkt plattgemacht:
      fotocommunity.de/pc/pc/display/14401639
      faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5B…Tpl~Ecommon~Scontent.html
      Da ging´s weiter:
      op-online.de/nachrichten/offen…-endgueltiges-443609.html

      Zu Denkmalen:
      2008 sanierten sie das Kriegerdenkmal auf dem Neroberg. Mal sehen, wann das vom nächsten kreativen Sprayer verziert wird. Die "Frankfurter Rundschau" sprach abwertend vom "müden Reiter", vom "ollen Reiter". Und die "grüne" Kulturdezernentin sagte: "Heute würden wir so was nicht mehr aufstellen". So wenig Respekt hätten sie dich diejenigen, die 1909 an die Gefallen des deutsch-französischen Krieges erinnern wollten, wohl damals nicht vorstellen können. Merke: Geschichtsgedenken hat immer mit Politik und einer bestimmten Zeit zu tun und kann sich des Respekts der Nachwelt nie sicher sein.
      fr-online.de/rhein-main/wiesba…2860/3184710/-/index.html
      wiesbaden-photos.de/category/w…raktionen/kriegerdenkmal/
    • Neues aus Wiesbaden:


      Das ist die ehemalige (trotz der Lage in der Mauritiusstraße mitten im Zentrum) seit ein paar Jahren leerstende Mauritiuspassage:



      Die Fassade täuscht über das Alter des restlichen Gebäudes hinweg - die Fenster und die Gauben deuten es für den Kennerblick schon an...

      ...was sich weiter innen bestätigt:





      Die Stadt Wiesbaden hat die Passage im letzten Jahr gekauft, und hier wird in naher Zukunft die Stadtbibliothek einziehen. In architektonischer Hinsicht ist das gewissermaßen ein Quantensprung, wenn man sich den bisherigen Standort der Stadtbibliothek in der Neugasse anschaut:



      Für mich ein heißer Abrißkandidat - oder, zumal es noch andere Nutzer in dem Gebäude gibt, zumindest ein Fall für eine Fassadenumgestaltung; es könnte nur besser werden.


      Der Nachfolgebau für das abgerissene historische "Pfeifen-Haus" am Mauritiusplatz steht bereits im Rohbau und wird laut Bauschild so aussehen: Nicht direkt schlecht - wenn dieser seltsame und störende "Kasten" nicht wäre.



      Kleinvieh macht auch Mist: Während das Nachbarhaus auf dem obigen Bauschild-Bild noch mit den unpassenden Ganzglasfenstern abgebildet ist, hat es in echt inzwischen wieder denkmalgerechte Fenster bekommen:



      Nur der verhunzte erste Stock ist geblieben - aber immerhin.



      Die Gedenkstätte am früheren Standort der Synagoge am Michelsberg (Stadtzentrum) ist inzwischen fertiggestellt und vor wenigen Monaten eingeweiht worden.

      Die Mauern zeichnen den Grundriß des zerstörten Gebäudes nach...



      ...und an den Wänden sind die Namen von 1507 Wiesbadener Holocaust-Opfern (alle bisher namentlich ermittelten) zu lesen:



      An einer Glasscheibe (auf dem obersten Bild der Spalt links zwischen den Mauern)wird mittels einer Fotografie der Blick in den Gebetssaal wiedergegeben (man kann also in die Synagoge "wieder hineinschauen").



      Da die Coulinstraße nach wie vor durch die frühere Synagoge verläuft, ist die Gedenkstätte geteilt:



      Rechts im Bild sieht man übrigens einen übel verhunzten Altbau - für mich ein dringender Kandidat für eine Fassadenrekonstruktion...


      ...genau wie dieser auf das übelste verunstaltete Altbau ein paar Straßen weiter (in der Philippsbergstraße):



      Und hier guckt - wie zum Beweis - sogar noch ein Relikt von der einstigen Pracht heraus:




      Nicht nur Wunsch, sondern schon Realität: Ein Gründerzeithaus (Schwalbacher Straße, im Stadtzentrum), seit Menschengedenken mit häßlichen grau-bräunlichen Eternit-Platten verkleidet, wird zur Zeit freigelegt...



      ...und gibt den Blick frei auf die Reste der früheren Fassade:



      Ich weiß allerdings nicht, ob die historische Fassade wiederhergestellt wird. Ich hoffe es natürlich, kann aber auch nicht ausschließen, daß stattdessen Wärmedämmung drangeklatscht und das Ganze verputzt und mit greller Farbe gestrichen wird. Mal abwarten...


      Der Hammer dieses Beitrags (im negativen Sinne): Man kennt ja die Fassadenverhunzungen der 50er, 60er und 70er Jahre (zu denen auch die oben gezeigten Beispiele gehören), aber das so etwas wie auf dem folgenden Bild noch im 21. Jahrhundert möglich ist, macht mich mehr oder weniger fassungslos:



      Was geht eigentlich in den Köpfen mancher Hauseigentümer vor? :kopfschuetteln:

    • Das scheint mittlerweile wohl der Normalfall zu sein. In Zeiten der europaweiten Ausschreibungen, wo es nur darauf ankommt wer das günstigste Angebot vorlegt, muss man sicht nicht über solche Baumängel wundern. - Meine Schwester arbeitet im Landgericht Düsseldorf. Als die in das neue Gebäude eingezogen sind, berichtete sie mir auch sofort von gravierenden Schäden, wie zum Beispiel fetten Rissen in den Wänden. Der Schriftzug an der Fassade war wochenlang unvollständig, weil die polnische Firma die Buchstaben nicht liefern konnte. Das finde ich alles mehr als peinlich und traurig.

      Hier ist übrigens ein Bild vom neuen Land- und Amtsgericht:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…berbilk%2C_von_Westen.jpg
    • Aktualisierung, Juni 2011:

      Der moderne Teil der Dern'schen Höfe (das umgebaute gründerzeitliche Polizeipräsidium ist noch eingerüstet) ist fertig - und sieht meiner Ansicht nach eigentlich doch gar nicht so schlecht aus, zumindest kommt es bei weitem nicht so popelig daher wie manch ein anderer Bürobunker.




      Historisierende Architektur war eben hier nicht zu haben. Ein Lichtblick in diesem Sinne ist allerdings die zum selben Neubaukomplex gehörende Bebauung in der Mauergasse um die Ecke. Dazu muß man wissen, daß die Mauergasse bis auf den Neubauteil ausschließlich mit original und unverhunzt erhaltenen Altbauten aus dem frühen 19. Jahrhundert bebaut ist und mit vielen kleinen Läden und Cafés ein gewisses Flair beherbergt, was man druch maßstablose Neubebauung leicht ruinieren könnte.

      Der Beton-Rohbau der Neubebauung (vorher waren da Parkplätze und ein paar Bäume) ließ schlimmes befürchten - umso positiver überrascht war ich, denn das Resultat suggeriert - auch wenn es nur einem großen Gebäudekomplex vorgeblendet ist - tatsächlich etwas Kleinteiligkeit und fügt sich relativ gut in die alte Bebauung ein:





      Wenngleich die "zugemauerten" Fenster etwas seltsam wirken:



      Zusammenspiel von Alt- und Neubauten:




      Andere Baustelle: Seit Jahren dringend sanierungsbedürftig ist die aus dem Jahr 1906 stammende Bahnhofshalle des Wiesbadener Hauptbahnhofs:



      Während Empfangsgebäude und Querbahnsteighalle schon vor rund sieben Jahren mustergültig saniert wurden, rostet hier bislang alles vor sich hin und bietet einen recht schäbigen Anblick:



      Seit ein paar Monaten wird endlich wird das Dach angepackt, und nun auch richtig grundlegend:



      Ersetzt werden muß u.a. auch diese marode Holzabdeckung am Hallendach, die deren Löcher nicht nur ein paar Sonnenstrahlen, sondern wenn's dumm läuft, auch kübelweise Regen hereinkommt. Die neue Abdeckung wird nicht mehr aus Holz sein, aber aus Blech mit entsprechender Holzoptik.




      So ein bißchen "Mogelei kann man ganz gut verkraften angesichts der Tatsache, daß etwa im benachbarten Mainz Ende der 90er Jahre die gußeiserne Bahnhofshalle von 1939 komplett abgerissen und durch eine Betonplatte ersetzt wurde, unter der man sich jetzt vorkommt wie in einer U-Bahn-Station aus den 60er Jahren. In Wiesbaden hingegen wird bald wieder alles so aussehen wie zur Zeit der Dampfrösser. cool:)
    • Die „Dernschen Höfe“ sind fertig:

      Und ich muss zugeben, dass der Neubau doch im Ergebnis etwas mehr hermacht…




      …als der Vorgänger aus den 50er Jahren:




      Hier der Altbau-Teil mit der sanierten Fassade des ehemaligen Polizeipräsidiums zur Friedrichstraße:



      Im Vergleich mit dem Zustand vor dem Umbau fallen vor drei Veränderungen auf: Die rekonstruierte Kuppel, die neuen (und zu hohen) Gauben und die veränderten Fenster im unteren Bereich, die zu Schaufenstern wurden.




      Die sanierte Fassade aus der Gegenrichtung:






      Zu dem Komplex gehört auch diese ebenfalls frisch sanierte Fassade des Nachbargebäudes:



      Ein paar Straßenecken weiter

      Die Hoffnung stirbt zuletzt: Die alte Fassade des seit den 60er Jahren mit (asbesthaltigen) Platten verhunzten Altbaus Schwalbacher Straße 47 (Bilder siehe hier), deren freigelegte Reste zu sehen waren, wurde nicht wiederhergestellt bzw. rekonstruiert, sondern verschwand tatsächlich hinter Wärmedämmung:




      Kleiner Trost: es hätte schlimmer kommen können, und das Resultat läßt zumindest etwas guten Willen erkennen – Im Vergleich zum Zustand vor der Sanierung ist es sogar eine deutliche Verbesserung: (Vorzustand)


      Der Ersatzbau für den abgerissenen Altbau (sog. „Pfeifenhaus“) am Mauritiusplatz ist fertig. Kann man wohl getrost als mittelmäßig bezeichnen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schloßgespenst ()

    • Nun, was das Pfeifenhaus betrifft, sind es natürlich einige Details wie das 1. OG und dieses seltsame Dachkonstrukt, bei denen eine bessere Lösung durchaus vorstellbar gewesen wäre; aber man kann nicht gerade sagen, daß man dem Bau nicht auch positive Seiten abgewinnen könnte. Eine klare ruhige Gliederung, keine gerasterten Strichcodefenster, Gesimse, eine doch deutliche klassizistische Anlehnung, ein Bau, der auf die Nachbarn gesehen wenigstens keinen großen Störfaktor darstellt - wie sehr würde ich mir wünschen, daß ein Bau jener Art z.B. auf dem Neumarkt stehen würde.
      Verkehrte Welt - unserem Schloßgestpenst gefällt´s nicht - ich, der Erzfeind, lobe den Bau über den grünen Klee...
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    • Warum bist Du denn der "Erzfeind"? Weil Du´n Meeenzer bist? Der Streit wegen Castel? huh:)

      Der Commerzbank-Bau ist halbwegs erträglich geworden, jedenfalls zumindest die Turmrekonstruktion des Altbaus. Um das alte "Pfeifenhaus" ist es zwar schade, aber der Neubau ist auch grundsätzlich akzeptabel. Der Dach-Aufbau ist natürlich komisch. Ich assoziiere damit irgendwie, dass jeden Moment der "Duce" da oben am Geländer erscheint, um von seinem Rednerbalkon zum Volk zu sprechen. :lachen: Aber es gibt ja heutzutage weiß Gott störendere Architekturdetails. Insofern hat Wiesbaden hier mal keinen zu großen Schaden genommen.
    • Weingeist schrieb:

      Verkehrte Welt - unserem Schloßgestpenst gefällt´s nicht - ich, der Erzfeind, lobe den Bau über den grünen Klee
      Ich finde den Neubau ja nicht grottenschlecht, sondern - wie bereits geschrieben - mittelmäßig. Da schwingt eben auch immer noch mad:) der Ärger über den Abriß des Altbaus mit. Nicht daß Wiesbaden einen akuten Mangel an Altbausubstanz hätte - aber mehr wird's eben auch nicht. Und es handelte sich eben auch nicht um ein Häuschen irgendwo am Stadtrand, sondern im Herzen der Innenstadt, zentraler geht's kaum. Da hätte man die Fassade wiederherstellen können, wenn sie nicht sogar mehr oder weniger unversehrt unter den Eternit-Platten lag. Man konnte beim Abriß nicht mal schauen, was noch da war, da das Gebäude komplett mit Planen verhüllt war - so als ob man etwas zu verbergen gehabt hätte...
    • April 2012:

      Das Schenk’sche Haus (siehe auch hier), ein 1813 begonnenes Baudenkmal in der Friedrichstraße wird endlich renoviert. Die stark verrottete und halb abgebröckelte klassizistische Fassade wurde komplett abgeschlagen und wird nun originalgetreu rekonstruiert:











      Und noch ein weiteres erfreuliches Projekt, ebenfalls in der Friedrichstraße: Dieses klassizistische Haus aus dem Jahr 1811 wird demnächst saniert:




      Daß dieses im Krieg unversehrt gebliebene, mitten im Stadtzentrum gelegene Häuschen sowohl in der Kaiserzeit als auch in den 1960er Jahren (als man solche Häuser ja allerorts (und auch in WI) massenhaft durch ein stattliches Gründerzeithaus bzw. einen Betonklotz ersetzt hat) von der Abrißbirne verschont blieb, erscheint fast wie ein Wunder, ist aber vermutlich durch die Lage zu erklären: Das Haus steht genau zwischen einem dieser Gründerzeitler und dem Erbprinzenpalais, und der Platz (man hätte ja nicht direkt an das Palais anbauen können) war einfach zu klein für Gründerzeit oder Nachkriegsmoderne. So wirkt das Gebäude heute fast wie ein urzeitliches Tier, das eigentlich ausgestorben sein müßte. Umso erfreulicher, daß das heruntergekommene Haus bald wieder erstrahlen wird.




      Ein ganz anderes Projekt: Das ehemalige Gesundheitsamt in der Dotzheimer Straße, ein Waschbeton-Riegel von unglaublicher Häßlichkeit, wie man hier ganz gut erkennen kann, wurde bis auf den Rohbau auseinandergenommen und sieht jetzt so aus:



      Operation geglückt - finde ich.

      Der Neubau bzw. Umbau ist noch immer keine Schönheit, aber er beißt sich nicht mehr ganz so brutal mit der gründerzeitlichen Nachbarbebauung:



      Und dieses Fassadendetail nimmt Bezug auf die in Wiesbaden sehr häufig anzutreffenden Erker-Balkon-Vorbauten...



      wie hier, drei Häuser weiter:

    • Schloßgespenst schrieb:

      April 2012:

      Das Schenk’sche Haus (siehe auch hier), ein 1813 begonnenes Baudenkmal in der Friedrichstraße wird endlich renoviert. Die stark verrottete und halb abgebröckelte klassizistische Fassade wurde komplett abgeschlagen und wird nun originalgetreu rekonstruiert:

      ]


      Inzwischen sind an der Straßenfassade und der Seitenwand des Hauptgebäudes die Gerüste verschwunden:



      Die ehemals von Idioten bis zur Unkenntlichkeit vollgeschmierte Seite...



      ...sieht jetzt so aus - mal sehen, wie lange.

    • Es mag sein, daß es Leute gibt, die den Vorzustand des ersten Reviers in der Landeshauptstadt Hessens nicht glauben würden oder sich Bilder jener Art ernsthaft würden vorstellen können, doch hat sich dieses Bild tatsächlich geboten... Das Ergebnis ist eine große Freude (auch für einen Mainzer); aber wie Schloßgespenst richtig sagt, wird man sehen, wie lange die Herrlichkeit vor dem Spraydosenproletariat verschont bleibt. Wem dieses alte, authentische, richtige, wirkliche, klassizistische Wiesbaden noch nicht bekannt ist, dem sei es dringlichst zur Besichtigung empfohlen - gibt es doch glücklicherweise noch einige Dinosaurier im Innenstadtbereich, die dies und das überlebt haben. Abgesehen von diesem Punkt ist der Hinweis auf einen weiteren, sehr interessanten Punkt, nämlich der der dampfenden und qualmenden Kanaldeckel im Winter, die quasi von unten (Erdwärme) geheizt werden, aber auch das äußerstmögliche, was ich mir an Werbung für diese Stadt erlauben kann.
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