Das alte Köln

  • Wenn man vom Bahnhof schreibt, darf man eines nicht unerwähnt lassen:
    Köln war und ist verbunden mit dem edelsten Zug auf deutschen Gleisen - dem Rheingold von 1928.
    Aber Achtung, nur die Farbvariante in Pflaumenblau/-Lila ohne die Aufschrift Rheingold ist das Original.
    Vor 90 Jahren wars.

  • Der Bahnhof wäre in Köln relativ leicht wiederherzustellen. Denn sowohl die gesamte Gleishalle wie auch der historische Wartesaal sind ja erhalten. Es fehlt praktisch nur die Fassade zum Platz. Und diese könnte theoretisch bei einer anstehenden Sanierung relativ leicht vorgeblendet werden.
    Jetzt aber das große Aber: nirgendwo anders sehr ich ein solchen Szenario aktuell als unrealistischer an wie in Köln. Es gibt überhaupt keine Anzeichen in Politik oder Bevölkerung, dass das aktuell gewollt ist. Zudem handelt es sich um ein Gebäude der Gründerzeit was das ganze nochmal unrealistischer macht. Man hätte mit dem Bahnhof, dem Domhotel und der kompletten Neuordnung des Roncalliplatzes einen wesentlichen Teil des alten Kölns wieder erlebbar machen können. Aber man wird diese Großchance bedauerlicherweise komplett verstreichen lassen. ;(

  • Langfristig gesehen wird bei einer Neugestaltung des Domumfeldes auch die Rekonstruktion des Centralbahnhofs ;) zwingend notwendig sein. Vor allen Dingen, da er in meinen Augen historisch eine Art Dreiklang bildet mit der Fertigstellung des Doms und der Errichtung der Hohenzollernbrücke. Die aktuelle Eingangshalle ist einer Stadt wie Köln meiner Meinung nach jedenfalls nicht würdig.
    Das Argument, der Glaskasten würde doch einen so tollen Blick auf den Dom bieten, noch bevor man den Bahnhof verlassen hat, kann man insofern entkräften, als dass auch der alte Bahnhof eine große Glasfront hatte, durch die man den Dom wohl auch schon recht gut sehen konnte.


    Bedauerlicherweise hat @Apollo aber auch Recht, wenn er schreibt, aktuell sei das praktisch unmöglich durchzusetzen. In Köln müssten erstmal ganz andere Rekonstruktions-Projekte realisiert werden, bevor überhaupt die Möglichkeit bestünde, so etwas wie den Hauptbahnhof anzugehen.


    So einfach wie hier beschrieben würde das aber leider nicht, betrachten wir einmal den ursprünglichen Bahnhof:

    Man beachte links neben dem Eingangsportal die langgestreckte Halle. Im Wiederaufbau nach dem Krieg hat man dort angebaut:



    Man sieht, wie eingequetscht die alte Eingangshalle plötzlich wirkt und die stolze Wirkung des trotz Notdachs immer noch imposanten Eingangsportals von einem sich in den Vordergrund drängenden Fünfziger-Jahre-Klotz eingeschränkt wird.


    Der Fünfziger-Jahre-Klotz steht heute noch und beinhaltet Gastronomie und Hotelzimmer, was in der Lage natürlich schwer wieder wegzudenken wäre:



    Eine Umgestaltung müsste also die gesamte Front mit einbeziehen, um eine gelungene Gesamtwirkung zu erzielen. Ob es möglich wäre, den historischen Bahnhof so umzugestalten, dass er ebenfalls die vorhandenen Räumlichkeiten beinhaltet (im passenden Stil natürlich, dieses Fünfziger-Jahre-Gebilde muss dann weg), ohne aber seine Proportionen zu verlieren, bezweifle ich. Wäre eine interessante Aufgabe für einen begabten Architekten, da eine Lösung zu finden.


    Aber wie gesagt, das sind alles Überlegungen, die in weiter Ferne sind. Aktuell sollte es eher darum gehen, den nächsten modernen Klotz im direkten Domumfeld zu verhindern.

  • Ein begabter nicht existenter Architektur Baumeister könnte auch einen komplett neuen Bahnhof im Stile der neo Gotik entwerfen. Damit wäre ich auch zufrieden ;)

  • Bevor ich Schwimmbad gelesen hatte, dachte ich es wäre eine Villa. Dann wider diese Harmonie aus nutzen und Optik, die Tragenden Gewölbenichen sind gleichzeitig umkleiden.

  • Die gute Architektur kommt nie wieder.

    Ich hoffe schon, dass sie eines Tages wiederkommt.


    Gleichwohl hat Köln noch einige historistische Großbauten, lässt sie aber im entdachten und teils entstuckten Zustand vegetieren. Z.B. die ehemalige Reichsbank (einst und heute). Hier könnte man mit weniger Geld ansetzen und etwas verbessern.

  • Ich liebe ja die gründerzeitlichen Hallenbäder, derer es in ganz Deutschland nur noch wenige gibt... gut renoviert sind das einmalige Erlebnisse. Ich weiß, dass es in Berlin und in Hamburg noch solche Bäder gibt. Auch das alte Bremer Stadtbad am Breitenweg hatte den Krieg teilzerstört überstanden und wurde noch bis weit in die Fünfziger Jahre als Stadtbad verwendet. Sein Nachfolgebau am Richtweg hatte auch keine lange Halbwertszeit und musste in den 90er Jahren einem Musicaltheater weichen.

  • Und hier das Alte Kölner Opernhaus am Habsburgerring. Im Krieg zwar schwer getroffen aber in Berlin und München wurde ganz anderes wieder aufgebaut. Nicht zu glauben was heute da steht und auch noch unter Denkmalschutz.










    Alle Fotos aus meiner Sammlung

    Heilen ist besser als Wunden offenhalten!

  • Ich hoffe schon, dass sie eines Tages wiederkommt. (...)

    Mit Bauwerken wie dem viel beachteten Eisenzahn 1 in Berlin, dürfte man schon hochzufrieden sein.


    Was ich meinte, sind die reich geschmückten Fassaden und sehr aufwändig durchdachten und konstruierten Bauformen. Das wird es sicher nicht mehr geben. Diese Meisterwerke sind wahre Schmuckstücke für jede Stadt auf der Welt. Und in Deutschland hat man viele davon einfach weggeworfen, anstatt die Perlen im Stadtbild aufzupolieren. Die sind verloren und etwas ästhetisch Gleichwertiges wird es nicht geben.

  • Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Sollte sich der 3-D-Druck durchsetzen, könnte plötzlich ganz vieles möglich sein. Ich bin mir sicher, dass die heutige "Baukunst" nicht das Ende der Geschichte darstellen wird. Dazu ist das Unbehagen an ihr zu weit verbreitet. Warten wir ab und bohren wir weiter Löcher in ihre geistigen Mauern.

  • Das Kölner Opernhaus und das Frankfurter Schauspielhaus galten nach dem Krieg als Beispiele für den schwerfälligen, antiquierten Historismus, den man ein für alle mal überwinden wollte. Damit war das Schicksal beider Häuser besiegelt. Aus der Zeit heraus kann ich dieses Denken sogar verstehen, auch wenn wir den Verlust heute wiederum bedauern. Einen Wiederaufbau halte ich in beiden Fällen für äußerst unwahrscheinlich.

  • Da hier kürzlich noch die "Alte Oper Köln" thematisiert wurde:
    Am alten Standort steht eine Gedenktafel mit einigen Informationen, die sonst nur schlecht zu recherchieren (und zu verifizieren) sind. So wird die Ratsmehrheit (Markierung rechts unten) mit 27:16 für den Abbruch angegeben.


    Sehr interessant finde ich auch, dass wohl einige Gemälde des ehemaligen Foyers im Besitz des Stadtmuseums befindlich sind: Quelle:Kölner Stadtanzeiger - der-verlorene-koelner-opern-prachtbau



    Bild von mir, alle Angaben ohne Gewähr.

  • Das ist ja eine ganz tolle Gedenktafel. Billiger geht es ja nicht. Blatt Papier in einem undichten Rahmen.


    (...) Einen Wiederaufbau halte ich in beiden Fällen für äußerst unwahrscheinlich.


    Zumindest in Frankfurt am Main halte ich den Wiederaufbau für möglich. Es bestehen noch Reste des Hauses. Zudem gibt es einen Verein, der sich engagiert und für den Wiederaufbau kämpft. Die Argumente sprechen, meiner Meinung nach, auch deutlich gegen die Sanierung des Nachkriegshauses. Nun kommt es leider wieder auf einige wenige Politiker und deren Architekturgeschmack an, ob es mit der Reko klappt.

  • Das ist ja eine ganz tolle Gedenktafel. Billiger geht es ja nicht. Blatt Papier in einem undichten Rahmen.

    Ja der Zustand ist nicht sehr erbaulich. Allerdings wurde die Tafel privat finanziert/erstellt wie man auf rechts unten lesen kann. Man kann davon ausgehen, dass es ohne dieses Engagement wohl gar keine Tafel geben würde. Wenn die Leute wegsterben (meine Annahme) kümmert sich natürlich niemand mehr...

    Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller