Dresden - Rathäuser

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    • Neues Rathaus: warum damals nicht vollständig rekonstruiert?

      Wenn ich dass alles so lese bekomme ich Tränen in meinen Augen: halte dieses einstiges Rathaus für das schönste in ganz D.
      Romantisch, nicht zu überwaltigend oder bombastisch aber richtig schöne Barock.

      Warum wurde nicht mehr getan um die einstige Ornamentik zu behalten? Oder in mehrjahren Pläne zu rekonstruieren wie dass Schloss?? :boese:
    • Lieber Klassiker, weil man damals die fatale Einstellung (in Kunsthistorik und Ideologie) hatte bei Gebäuden des Historismus handle es sich um wertlosen Kitsch, reinstes Disneyland, zudem Ausdruck des großbürgerlichen 19ten Jahrhunderts. So hielt sich auch die Wertschätzung für dieses phantastische Rathaus sehr in Grenzen. Man brauchte dringend Verwaltungsfläche, deswegen wurde es wohl nicht komplett niedergerissen, lediglich die Fassade wurde Neoklassizistisch neuinterpretiert um so die Fassade vom "Kitsch zu befreien"
      . Für den "echten" Barock hingegen zeigte man auch schon in frühen DDR Zeiten etwas mehr Respekt, als gegenüber dem Historismus. Trotz des absolutistischen Geschmackes erkannte man seinen Kunsthistorischen Wert. Leider war in vielen Fällen (Potsdamer und Berliner Schloss) die paradoxe Ulbricht-Ideologie jedoch einflussreicher als das Kunsthistorische Verständnis. Beim Historismus gingen künstlerische als auch ideologische Missachtung Hand-in-Hand. So hatte der Historismus lediglich dann eine Chance zu überleben, wenn das Gebäude wirklich unverzichtbar gebraucht wurde.
      Lediglich mit den Frühhistoristischen Werken, wie zB Semper ging man etwas weniger stiefmütterlich um, da sie schon historisch genug schienen.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kaoru ()

    • Zu Kaorus Antwort an Klassiker ist nur wenig zu ergänzen.
      Zu ideologischer und künstlerischer Missachtung des Historismus trat außerdem permanenter finanzieller Mangel hinzu, der den dekorativen Bauwerken der Gründerzeit weder Reparatur - Chancen, schon gar nicht die des vollständigen Wiederaufbaus einräumte.

      So kam es zu solch vereinfachenden Lösungen, wie bei der Nutzbarmachung des Neuen Rathauses, mit denen man sich in Zeiten des Mangels einrichten musste.
      Außerdem wurden vorhandene Baumaterialien vor allem dem Wohnungsbau zugeordnet, um die Wohnungssituation in der schwer geprüften Stadt zu verbessern.
    • Kaoru schrieb mich:
      Weil man damals die fatale Einstellung (in Kunsthistorik und Ideologie)
      hatte bei Gebäuden des Historismus handle es sich um wertlosen Kitsch,
      reinstes Disneyland, zudem Ausdruck des großbürgerlichen 19ten
      Jahrhunderts. So hielt sich auch die Wertschätzung für dieses
      phantastische Rathaus sehr in Grenzen.
      Ja leider wurde und wird dass in ganz D. so bewertet. In die Niederlanden finde ich Bauten aus dieser Zeit auch ziemlich Kitsch aber fremd genug liebe ich die Deutsche Gründerzeitbauten zärtlich.

      Ich träume von ganze Viertel mit sanierten Prachtbauten und sehe diese niemals als minderwertig, Kitsch oder sogar Disneyland (weit entfernt von Historismus Bauten mit dicken Mauern und schönen zierliche Formen). Das Dresder Rathaus (Vorkriegszustand) ist meine absolute Nummer EINS. Gefolgt von Rathäusern (Vorkriegszustand) in Hamburg, Leipzig, Hannover, Kassel, Frankfurt, Wuppertal-Barmen und.... Antwerpen (Gotik). Dann Gebäude wie die Ruhrknapp Gesellschaft, Verkehrsministerium in München, Gerichtsgebäude Berlins & Magdeburg und Oberpostdirektions Gebäuden wie in Karlsruhe, Dresden und Frankfurt. Selbstverständlich die Berliner Warenhäuser (Wertheim, Tietz, Hertie und Karstadt) und mancher Berliner Kirche aus der Jahrhunderwende: KWGK, Georgen Kirche, Gnaden Kirche, Pius Kirche, Auferstehungskirche, usw. Also schätzungsweise 250.000 Berliner, Dresdner, Magdeburger, Stettiner und Chemnitzer Wohnblocks (zusätzlich mit Jugendstill & Reformstill bis 1918). Die allen hätte ich geschützt weil sie mir besonders imponieren.
      Das diese schöne Bauten jetzt in Leipzig, Chemnitz und Halle schön und aufwendig saniert werden, freut mich ungeheuer. Aber eigentlich soll dann Berlin mitmachen, wie das Bahnhofsviertel in Frankfurt und die westliche Viertel in Kassel. Rekonstruktionen auch wenn es sich in Berlin noch genügend Löcher befinden, schliesse ich aus, weil dass noch immer nicht "erlaubt" ist. Einen richtigen Tabu also.
    • Gut, etwas offtopic, aber findest du Niederländische historistische Bauten wirklich Kitschig?
      Das ist zwar Geschmackssache, aber der Amsterdam Centraal, das Reichsmuseum, die Hauptpost in Amsterdam, die historistischen Reihenhäuser in Den Haag (die etwas englisch anmuten) oder ein bestimmter Gebäudekomplex an der Rathusstraat in Amsterdam wirken für ich einmalig und ungemein prächtig, vllt. nennst du mir einige Beispiele, die du als Kitsch empfindest.

      Ja, ich gebe dir recht, Historistik und Romantikhass war leider in beiden deutschen Staaten, ja auch in weiteren Teilen Europas sehr präsent. Meine Fast-Heimatstadt Münster hat mit der preußischen Seite des Domplatzes eines der beeindruckenden Historismusensembles Deutschlands verloren, teilweise durch Krieg aber im wesentlichen durch rigorose Abrisspolitik.

      Ich finde auch, dass das Dresdner Rathaus ein wunderprächtiger Bau war. Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen irgendwann wieder auf seine Schönheit besinnen, und die Fassade vielleicht wieder rekonstruiert wird. Ein unwahrscheinliches Ziel, ich gebe es zu, aber nicht unmöglich. Schließlich hat man nach der französischen Revolution während man Reformarchitektur plante, die heute noch Teils futuristisch, teils größenwahnsinngst im Stile Speers, teils utopisch interessant anmutet,auch nie für möglich halten können, dass man nach dieser "fast-moderne" noch nichteinmal hundert Jahre später Ritterburgen aus dem Boden stampfte, prächtiger und vor allem mittelalterlicher als das echte Mittelalter je war. Also bleibt zu hoffen, das man endlich wieder etwas guten Geschmack bekommt, frei nach Toyota: nichts ist unmöglich.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Gründerzeit, Reformstil & Jugendstil.

      Kaoru. Finde die Holländische "Gründerzeit" Bauten kitschig weil sie dünne Mauern haben und ich sie auch nicht sehr imponierend finde. Die Qualität der gebrauchten Materialen ist mies (schlecht). Die Flure und Treppen mit kleinen Fliesen sind schnell beschädigt. Es wurde viel Beton angewendet und wenig dauerhafte Backsteine. Dann die Abwechslung in Ornamentik: die sehen doch immer wie dasselbe aus. Wenig Variationen: Rijksmuseum ist gleich Zentral Bahnhofsgebäude Amsterdams, gleich vieler Kirchen von Architekt Kuypers, gleich (Disney) Schloss De Haar bei Haarzuilens.
      Die Wohnbauten in Den Haag hinter das Zentrum, die vielen Bauten in De Pijp in Amsterdam, Kinkerstraat buurt finde ich schmal, dunkel und billig.
      Weit bessere Bau befindet sich in Nieuw Zuid in Amsterdam rund die RAI und westlich davon (mn. Beethoven Straat). Das ist wirklich eine der am meisten beliebten Viertel der Niederlanden. Bauzeit: 1925-1940.

      Was ich aber doch ziemlich schön finde: die Villen und grossen Reihenhäuser in erhobenen Viertel wie im Staatenkwartier (Den Haag), teilen Alt Rijswijks, die Strassen rund das Rijksmuseum und entlang des Vondelparks und und die Strassen rund Zoo Artis in Amsterdam.

      Raadhuis (Rathus) Straat Bauten im Kurve dieser Strasse? Nein, für mich wirken die richtig kitschig und unschön, aber bieten doch gute Aufenthalt Atmosphäre. Hauptpostgebäude hinter Dam in Amsterdam: ok das ist dann ein bisschen akzeptabel weil das Gebäude schmale lange Türme hat die auffallen.
    • Sanierung Neues Rathaus

      Heute konnte man den DNN die wahrlich überraschende Nachricht entnehmen, dass bereits im Juli dieses Jahres die Gerüste am Festsaalflügel (Ostflügel) des Neuen Rathauses fallen sollen. Überraschend ist dies insofern, als man bisher von einer Fertigstellung des 1. Bauabschnittes im Jahre 2015 ausgehen musste, was sich jedoch vornehmlich auf den noch zu vollziehenden Innenausbau beschränkt.
      Nun also können wir schon in wenigen Wochen die Resultate der ersten Sanierungsmaßnahmen am Außenbau betrachten, die in ständiger Konsultation mit der Denkmalpflege stattfanden. Deshalb war ich auch erstaunt, dass sich die Fassaden nun in einem "abgetönten Weiß" präsentieren sollen. Daran wird man sich erst einmal gewöhnen müssen.

      dnn-online.de/dresden/web/dres…nftig-in-Weiss-2487442822
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Danke für die interessante Info!

      Erinnert mich ein bisserl an den neuen, alten Anstrich am Schauspielhaus - auch weiße Farbe, die sich meiner bescheidenen Meinung nach ganz wunderbar macht! Ich könnte mir vorstellen, dass das beim ziemlich monolithisch wirkendem Rathaus ähnlich positiv herüber kommen wird.

      Leider wird jedoch nicht die Teilrekonstruktion der Außenfassaden angegangen. Stünde das Rathaus in Leipzig, dann hätte man vielleicht diesen - wie ich finde - wichtigen Schritt der Rückführung der Fassade hin zum historischen Zustand vollzogen. So wirkte das Rathaus auf mich immer ziemlich plump mit seiner klobigen Nachkriegsfassade. Aber durch den weißen Anstrich wird sich das Erscheinungsbild sicherlich verbessern. Bin schon gespannt!
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Ich bin mir nicht sicher, ob das Rathaus wirklich angestrichen werden soll/muss. Schließlich wurde es aus hellem Sandstein erbaut. Und der hier übliche Cottaer Sandstein kann farblich von weiß, über grau, bis hin zu einem satten gelb changieren. Abwarten!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Was soll das denn? Das Rathaus war immer auf Steinsichtigkeit konzipiert von Anfang an! Im Gegensatz zum Barock wurde im Historismus und im Jugendstil Stein nie angestrichen. Was wird jetzt aus dem schwarzen Turm? Ich kann mir vorstellen, dass der Anstrich billig wirkt und die ohnehin schon schlichte Fassade dadurch modernistischer erscheint als sie ist.
      Beim Schauspielhaus sind ausschließlich die Putzflächen weiß!
      de.academic.ru/pictures/dewiki…chauspielhaus_dresden.jpg
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Den DNN war zu entnehmen, dass die Fassaden des Rathauses tatsächlich einen Anstrich erhalten sollen.
      Dies verwundert insofern, als um 1900 weitgehend eine Steinsichtigkeit von Fassaden vorherrschte, die man auch für das 1910 errichtete Neue Rathaus annehmem darf. Auf der anderen Seite erfolgen die Arbeiten unter der scharfen Beobachtung des Denkmalschutzes, der im Falle der Fassaden bestimmt keinerlei Experimenten zugestimmt haben dürfte. Kann es sich bei dem Anstrich also nur um eine Art "Opferschlämme" handeln, die den Farbton des junggebrochenen Sandsteins simulieren und ihn gleichzeitig schützen soll? Derartige Lasuren finden ja mittlerweile auch in der Zwinger-Bauhütte recht rege Verwendung.
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    • Rathausbaustellennachrichten
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      Gerüste fallen — Aufzug wird montiert


      In der kommenden Woche werden die Gerüste am Rathaus, Dr.-Külz-Ring, in den Innenhöfen C und D abgebaut. Dann beginnt die Montage des Personenaufzuges im Hof D. Dann beginnen außerdem Erd- und Entwässerungskanalbauarbeiten im Hof C.
      Anfang Juli wird das Gerüst am Ostflügel (Ostseite, zur St. Petersburger) abgebaut. Bis dahin ist auch die Fassade fertig saniert. Am Mittwoch, 3. Juli wird der Kran am Rathausvorplatz „Goldene Pforte“ abgebaut. Bis dahin sind die Stahlbauarbeiten im Dachgeschoss sowie der Dachdeckerarbeiten am Ostflügel fertig. Das Dach des Nordflügels soll bis Anfang August fertig werden.

      Diesen Artikel finden Sie auch im Web-Auftritt.
      dresden.de/de/02/035/01/2013/06/pm_223.php
    • Da dieser Tage auch die Gerüste am Festssaalflügel des Neuen Rathauses fallen, möchte ich aktuelle Ansichten präsentieren.


      Die Frontale mit Walter Reinholds Trümmerfrau von 1952/1967 kennen wir ja schon.


      In der Schrägansicht wird der durch Herbert Terpitz und Kollektiv von 1962 bis 1965 wiederaufgebaute Flügel "leider" durch eine größere Platane verdeckt.

      Mir gefällt die Architektur des Festssaalflügels ausgesprochen gut. Außergewöhnlich finde ich vor allem die stark sichtbaren Anleihen am Waren- und Kontorhausbau der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die zwar beiläufig auch auf die etwaige Entstehungszeit des Neuen Rathauses hindeutet, dafür aber für die fühen 60'er als durchaus ungewöhnlich angesehen werden darf. Demnach muss man Herbert Terpitz und Co. für ihre Leistung gratulieren und kann sich durchaus freuen, dass ihre Architektur für die nächsten Generationen erhalten bleibt.

      Bilder sind von mir.

      Nachtrag

      Als ich am Rathaus war, sprach mich ein älterer Dresdner auf die fleckige Dacheindeckung an. Sie resultiert aus einem Umstand, den ich zu Beginn mit Kopfschütteln registrierte.
      Nachdem weite Partien des Daches über Monate hinweg scheinbar ohne Grund offen standen, konnte man vor einigen Wochen die Abnahme großer Teile der schon verlegten Biberschwänze beobachten. Angeblich hatten Bauarbeiter die Unterspannplane beschädigt, sodass das schon teilgedeckte Dach fast vollständig wieder geöffnet werden musste. Durch das Umlegen der Dachsteine ist nun der fleckige Eindruck entstanden. Sehr schön!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Hier gibt es einen kleinen Artikel zum aktuellen Stand der Bauarbeiten am Neuen Rathaus:

      dnn-online.de/dresden/web/dres…noch-zwei-Jahre-734503773

      Man beachte die umfangreiche Galerie!

      Der weiße Anstrich, über den wir bereits so heftig diskutiert hatten, bezog sich also scheinbar doch auf die Innenhöfe. Ansonsten bin ich mit den bisherigen Ergebnissen hochzufrieden.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe