• In Ulm bahnt sich ein wichtiges Bauvorhaben an: Das Anfang der 60er Jahre erbaute Gebäude des Haushaltswarengeschäfts Abt am Münsterplatz wird entweder komplett saniert oder abgerissen. Ich persönlich plädiere für Sanierung, da an dieser exponierten Stelle sonst wieder nur banale Kistenarchitektur herauskommen würde.


    Quote

    Mit der Stadt Ulm gab es bereits Gespräche über mögliche Pläne für das Abt-Gebäude, konkret liege aber noch nichts auf dem Tisch, sagte OB Gunter Czisch auf Anfrage. Zu Gerüchten wolle er sich nicht äußern: „Am Ende muss Herr Müller sagen, was er machen möchte.“


    Ob Abriss und Neubau oder Sanierung und Umbau: „Die Stadt wird die Pläne aufgeschlossen begleiten.“ Eine öffentliche Tiefgarage unter einem möglichen Abt-Neubau, wie sie einmal im Gespräch war, sieht die Stadt wegen der schwierigen Zu- und Abfahrt durchs Quartier jedoch nach wie vor äußerst kritisch.


    Eine städtebauliche Neuordnung am Münsterplatz sei gut vorstellbar, sagte Czisch. Der Bereich sei städtebaulich allerdings sehr sensibel. Müller habe beispielsweise mit dem Umbau eines historischen Gebäudes in Budapest aber gezeigt, dass er mit städtebaulichen Anforderungen in innerstädtischen Lagen verantwortlich umzugehen wisse.


    Abt zieht vom Münsterplatz weg – Sanierung oder Neubau des Gebäudes?


    Ansicht des Gebäudes

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Boah, ist das ein hässlicher Kasten!
    Welche Schönheit könnte man denn an Stelle dessen dort wiedererrichten?

  • Ich wäre auch für Sanierung. Mit seinem kleinen Glockenspiel ist es ja noch das ansehnlichste der Häuser auf der Westseite. Trotz Traufständigkeit, Baumaterial und zu großen Fensteröffnungen.


    Es ist bei einem Neubau auch von einer Tiefgarage die Rede, dir zwar von der Stadt abgelehnt, vom Besitzer allerdings gefordert wird.


    Weiteres Zitat: „Eine städtebauliche Neuordnung am Münsterplatz sei gut vorstellbar, sagte Czisch. Der Bereich sei städtebaulich allerdings sehr sensibel. Müller habe beispielsweise mit dem Umbau eines historischen Gebäudes in Budapest aber gezeigt, dass er mit städtebaulichen Anforderungen in innerstädtischen Lagen verantwortlich umzugehen wisse.“


    Da müsste man mal eruieren, was und wie da in Budapest umgebaut wurde.

  • Denkmalschützer bekommen bei dem Haus vermutlich feuchte Augen als "typischem und stadtbildprägendem Beispiel der Wiederaufbauarchitektur" oder so ähnlich, aber das braucht uns ja nicht zu kümmern. Ganz nett ist das Glockenspiel von 1979 (das man wohl erhalten wird):


    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.


    Die Vorgängerbauten sind die beiden Häuser in der Mitte und rechts:
    https://www.augsburger-allgeme…-auf-Muensterplatz-wg.jpg

  • Wenn die Vorgängerbauten rekonstruiert würden, wäre gegen eine Neuordnung nichts einzuwenden. Wenn ein weißer Kasten a la "Neue Mitte" dort erstehen sollte, würde ich für einen Erhalt des Bestandsgebäudes plädieren.


    @"Grimminger"
    Offenbar hat Müller in Budapest das Traditionscafé Gerbeaud saniert. Ich kann aus der Erfahrung der mehrmaligen dortigen Einkehr als Gast sagen, dass es sehr gut gelungen ist.
    Allerdings ist besagter Artikel von 2004, und Erwin Müller wird darin als Mann im "hohen Alter" beschrieben. Ob es sich also um den selben Investor handelt, kann ich nicht sagen. (siehe hier)

  • Bitte auf jeden Fall abreißen!
    dieser billige möchte-gern-aber-kann-nicht-BRD-Wiederaufbau ist doch nur schiach, schäbig und unbeholfen. Auch wenn die Neue Mitte sich schon abgenützt haben könnte bzw an dieser Stelle nichts Fulminantes ergeben wird - es kann nur besser werden (eine Reko ist wohl - leider! - so gut wie ausgeschlossen. solche Bauten rekonstruiert keiner).
    Der Münsterplatz ist halt schon ein ganz besonderes städtebauliches Problem, für den nur schwer eine optimale Lösung zu finden sein wird. Der inferiore Nachkriegsaufbau jedenfalls ist das allerletzte. Je mehr da von unwiederruflich verschwindet, desto besser. Hoffentlich auch eines Tages auf der unsäglich banalen Westseite.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Für Ulm ist es übrigens hilfreich, sich diese Broschüre anzusehen (war glaube ich schon vor 9 Jahren mal verlinkt): https://www.ulm.de/-/media/ulm…tkonzept_2020_-teil-1.pdf . Auf Seite 24/25 ist dort ein Denkmalverzeichnis als Karte zu sehen, das sehr hilfreich für eigene Touren ist. Auch wenn der Unterschied zwischen blauen (besondere Bedeutung) und roten ("einfache" Kulturdenkmale) Punkten wenig Sinn macht - sollte das Ulmer Münster nicht eher blau sein :schockiert:? Man kann sich die Karte mit PDF Image Extraction Wizard leicht als eine File rausziehen. Da Baden-Württemberg aus irgendwelchen Datenschutzgründen als einziges Land nicht einmal Denkmallisten publiziert, abgesehen von einem Batzen von Ortsanalysen und Werteplänen sowie einer winzigen Handvoll gedruckter Denkmaltopographien, ist das schon hilfreich.


    So sieht man klar die zerstörten und die erhaltenen Zonen - und ich misstraue irgendwie auch der 80%igen Zerstörung der Innenstadt. Wenn man die Zerstörungszone westlich des Münsterplatzes rausnimmt, sind es östlich davon etwa 50/50. Und mit dem Westen dazu eher 60-70% Zerstörung, oder?

  • Das verlinkte PDF ist interessant. Mir sind Abb. 21 und 22 auf Seite 11 besonders aufgefallen. Offenbar wurde da nach 1995 ein hübsches kleines Fachwerkhaus plattgemacht. Der Beschreibungstext:


    "Das giebelständige Gebäude [= gemeint ist das Fachwerkhaus] sowie der Flachdach-Zwischenbau wurde durch zwei vier- bzw. fünfgeschossige Gebäude (...) ersetzt. Diese schließen nun selbstverständlich die Raumkante des Platzes."


    Die Baulücke zu füllen mag per se ja eine gute Entscheidung für die Ensemblewirkung sein. Nur wieso musste hierfür neben dem Flachdachbau auch das Fachwerkhaus weichen? Etwa bloß um eine gleiche Giebelhöhe mit dem Nachbarhaus zu erreichen? Als Ortsunkundiger kenne ich die Hintergründe hierzu nicht. Doch durch die Vernichtung der ohnehin in diesem Bereich sehr geringen Altbausubstanz wurde das Ziel der Aufwertung dieser Häuserzeile zumindest aus denkmalpflegerischer Sicht doch ad absurdum geführt. Was für eine Argumentation steckte da nur wieder dahinter ... :kopfwand:

    „Sollt ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder!“ (Inschrift am Schwarzhäupterhaus in Riga)


    Nach Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art Sehnsucht.
    Johannes Brahms (1833-1897)

  • Mir gefällt es nicht wirklich. Der Bau kommt viel zu glatt daher, einige Vorkragungen hätten der Front gut getan. Außerdem scheint er höher zu sein als der Vorgänger. Mich stören zudem die (natürlich) bodentiefen Fenster und die donauseitigen Balkons vom Typ "Legebatterie". Auch die Dachgauben und -fenster halte ich für misslungen. Die Biberschwanzdeckung und der angedeutete Knick im Dach können da auch nichts mehr retten.

  • Damit sollte ja jedem gedient sein und man kann sich wieder mit der Verschönerung des Stadbildes beschäftigen.

  • Mohr ist nicht verwerflich, der Name leitet sich vom Hl. Mauritius ab, dem Schutzheiligen der Deutschen Kaiser des Mittelalters,

    siehe Magdeburger Dom

  • Der Hl. Mauritius gehörte der Thebäischen Legion an, deren Mitglieder im Bekenntnis zu Christus alle den Märtyrertod erlitten. Die deutsche Kurzform von Mauritius ist Moritz. Viele Kirchen wurden ihm zu Ehren geweiht, so z. B. die Moritzkirche zu Coburg. In Coburg war er Stadtpatron und befindet sich dort als "Coburger Mohr" im Stadtwappen.