So schön könnte Bauen sein (Architekturentwürfe)

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Michael:
    Richtig - das Hotel d'Angleterre und das rechs benachbarte Hotel de Russie bildeten die Vorgängerbebauung der DaNat-Bank am Schinkelplatz.

    Aktuell steht dort ja bekanntlich die Entscheidung um die Gestalt oder Ungestalt der erneuten Bebauung an.
    ___


    Nun ein paar (allesamt verwirklichte?) Entwürfe für das Wien der Belle Epoque um 1900:


    Stiftungshaus am Schottenring


    Palais Herberstein


    Römerhof am Hohen Markt


    Geschäftshaus Schönbrunner Straße


    Universitätsgebäude


    Ziererhof


    Priv. Allg. Verkehrsbank

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • @Palantir: Danke für die Entwürfe aus Wien. Mich würde interessieren woher diese stammen, sie ähneln denen aus der Architektonischen Rundschau in der Wien auch sehr häufig vertreten ist?


    Das Hotel d'Angleterre stand dann ja nur ca. 50 Jahre, das war mir noch gar nicht bewusst.

  • @Palantir


    ad Wien:


    1. Auf dem Gelände des Sühnhofes, welcher im Krieg beschädigt und nach 1945 abgerissen wurde, steht heute ein hässlicher Neubau des Innenministeriums.


    2. Palais Herberstein: Steht heute noch - bis auf das neu ausgebaute DG - unverändert am Michaelerplatz.


    3. Römerhof: Steht heute noch, allerdings ohne bereits in den 30er Jahren abgeschlagenen Fassadenstuck am Hohen Markt Ecke Wipplingerstraße. Eine Fassadenreko wäre wunderbar, aber ist in Wien derzeit noch eher unrealistisch - wir hinken da zB Leipzig noch 20 Jahre hinterher.


    4. Schönbrunner Straße: Hast Du da bitte eine genauere Adresse? Ich gehe nämlich davon aus, das dieses Haus noch steht, aber ad hoc kann ich es nicht zuordnen.


    5. Universität am Dr. Karl Lueger Ring: Steht noch unverändert.


    6. Ziererhof? Ist das der Identnamen für Philipphof neben der Albertina? In Wien ist das im März 1945 bei einem Bombenangriff stark beschädigte Gebäude unter dem Namen Philipphof bekannt. Bei diesem Bombentreffer wurden ca. 300 Alte, Frauen und Kinder mit in den Tod gerissen. Es gab bis vor ein paar Jahren auch eine Erinnerungstafel an diese Tragödie, die aber - aus welchen Gründen auch immer - von der Stadt Wien nicht mehr aufgestellt wird...dafür heißt der Platz jetzt nach einem Wiener Bürgermeister, der im kalten Krieg unser Vaterland für die tschechischen Kommunisten ausspioniert und verraten hat...."Wien ist anders" - leider möchte man meinen... . Abgesehen davon ist dieser Bürgermeister allrdings auch für die eine oder andere Rekonstruktion (Naglergasse, Schwarzenbergplatz) verantwortlich, wodurch auch ich ihm dankbar bin. Da hat er sich nämlich gegen eine Phalanx von Architekturideologen durchgesetzt und gewonnen! Sein Name: Helmut Zilk - sehr widersprüchliche Persönlichkeit, wie in Wien eben üblich.


    7. Priv. Allg. Verkehrsbank: Steht heute noch unverändert und beherbergt heute den Wiener Stadtschulrat. Ein hässliches Schild hängt halt längs zur Fassade, aber das ist rückstandslos entfernbar.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Michael:
    Es ist die Architektonische Rundschau; die Bilder habe ich mal irgendwo im Netz aufgesammelt.
    Falls du interessiert bist, hier finden sich einige weitere derartige Zeitschriften in digitalisierter Form:
    Digitalisate von Alex bis Zille / Zentral- und Landesbibliothek Berlin


    @Wiener:
    Danke für die weiterführenden Erläuterungen.
    Der Ziererhof wurde laut Wikipedia schon kurz nach Fertigstellung in Philipphof umbenannt.
    Das Wohn- und Geschäftshaus in der Schönbrunner Straße wurde nicht näher bezeichnet. Es wurde von den Brüdern Drexler entworfen und laut deren Wikipedia-Eintrag gab es einen Bau in der Schönbrunner Straße 119-121.
    Für dich gibt's auch noch einen interessanten Link:
    Flickr: Search Boston Public Library's photostream

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Das in Beitrag #145 vorgestellte neugotische Gymnasium ...


    ...wurde in Anklam gebaut. Bauzeit 1850-52 nach Plänen des kgl. Hofbaurates Gottgetreu




    Plus Outre

    Edited once, last by Lupi ().

  • Lupi: Vielen Dank für die Infos und die Bilder, gerade das Gymnasium ist mein Lieblingsentwurf aus dem Taschenbuch. Schön dass das Gebäude so gut erhalten ist und auch noch als Schule genutzt wird.

    Edited once, last by Michael ().

  • So schön könnte bauen sein...


    ...in Russland, in der Nähe von St. Petersburg ist das möglich. Genau genommen am Kupfersee, wo zwei Architekten Slava Valoven und Elena Barykina ein "Gutshaus" errichteten, welches mittlerweile schon 3 Jahre alt ist! Die Deckenmalereien hat ein Restaurator aus der Eremitage hergestellt - einfach wunderbar! Hätte ich viel Geld, ich würde mir auch nur solche Häuser bauen!


    Aber seht selbst. Wer russisch kann ist im Vorteil, aber Bilder sagen ohnedies mehr als tausend Worte:


    http://www.admagazine.ru/inter…ersburg.php#image_im_2802

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ja, so möchte ich auch gerne wohnen! Ok, vielleicht nicht so übertrieben, aber ja, doch.... :biggrin:
    Sehr toll, muss ich sagen. Unter dem neuen Zar Vladimir dem Glatzerten wird sich wohl noch eine gute Architektur entwickeln...

    Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.

  • Wow, die beiden Häuser am Schinkelplatz waren ja zwei klassizistische Schönheiten! Echt schade, dass sie recht schnell schon wieder abgerissen wurden für das Bankgebäude, das zugegebenermaßen ob seiner Größe und Üppigkeit schon etwas den Rahmen des Schinkelplatzes sprengte.
    Die beiden Vorgänger könnte man doch eigentlich 1 zu 1 rekonstruieren. Aber das ist nur Wunschtraum... Mit dieser Möglichkeit, oder überhaupt Recherche dazu, haben sich die Verantwortlichen sicher nicht mal eine Sekunde beschäftigt. :(

  • Das russische Gutshaus sieht wirklich geschmackvoll aus, aber im Esszimmer ist wohl das Geld ausgegangen. Auch die Holzwände finde ich jetzt nicht wirklich optimal. Ich hätte es innen im klassisch-modernen Loungestil eingerichtet.

  • Hier einige Entwürfe für die Rheinuferstraße in Köln aus der Architektonischen Rundschau von 1903, vielleicht kann manches davon als Inspiration für das Gründerzeitviertel unserer Idealstadt dienen.







    Wenn die Bilder etwas zu groß sind kann ich sie gerne durch kleinere ersetzten.

  • Das Traurige ist wohl, dass vermutlich jeder Entwurf eines Wettbewerbs vor 100 Jahren zur Verschönerung des Stadtbildes beigetragen hat/hätte. Was man heute leider gar nicht behaupten kann :sad:

  • Schöne Entwürfe sicherlich. Aber in etwa so kölsch wie Altbier! Sollten die wirklich an der Rheinuferstraße stehen? Dann kann man nur sagen, dass der Architekt seine Hausaufgaben nicht genacht hat. Kein Bezug auf das mittelalterliche Köln, derlei Renaissancehäuser gab's in Nürnberg, Köln war rheinisch geprägt. Für den Südwesten, Frankfurt oder Franken sicherlich passend, aber Köln? Sicher ein Grund, warum der Historismus so verhasst war. Krass gesagt: Stadt(bild)zerstörung wie in den Sechzigern, nur mit anderen Mitteln.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Das ging mir auch durch den Kopf, für Köln ist diese Architektursprache irgendwie nicht passend. Vermutlich (man berichtige mich) sind die Entwürfe auch deswegen dort nie realisiert worden. In Nürnberger Großbürgerliche Viertel allerdings hätten sie - etwas reduziert - schon hinein gepasst. In die Altstadt wiederum eher nicht. Auffällig ist die offensichtliche Vorgabe ein Handtuchgrundstück zu bebauen.

  • Die von mir eingestellten Entwürfe waren nur ein sehr kleiner Teil dieses Wettbewerbs der 1901 stattfand, es wurden insgesamt 125 Entwürfe eingesandt. Auf dieser Internetseite gibt es noch mehr davon. Die oben gezeigten Siegerentwürfe passen wirklich schlecht an das Rheinufer in Köln, aber heute prämieren die Preisrichter ja auch oft nicht das beste, ob etwas davon gebaut wurde weiß ich nicht.

  • Hallo Pfälzer Bub,
    der Bildindex spricht gegen Deine These, daß in Köln derartige Bauten nicht vorhanden waren. Ich möchte nur an das Palais Oppenheim, Lippisches Palais, Haus Alsberg, Deichmann-Haus, Haus Tolner, Haus "Zum großen Bachem", Haus Wolkenburg etc. erinnern.

  • Geniale Entwürfe in diesem Strang, großartig! Hatte ihn fast vergessen. :)



    Habt ihr Literaturtipps für ungebaute Entwürfe?


    Eigentlich sollte zu dem Thema mal ein Online-Portal entstehen, in dem man nach allen Orten und Jahrgängen (und ggf. Architekten & Funktionen) suchen kann.


    Das wäre ein unendlicher Fundus, aus dem wir noch in 100 Jahren genialste Gebäude errichten könnten, ohne uns den Vorwurf des Replizierens vergangener Bauten anhören zu müssen! :D


    Vielleicht könnten/sollten sich sogar mehrere Architekturbüros auf genau solch eine Aufgabe spezialisieren. Ich kann mir vorstellen, dass die Kundschaft dafür durchaus existiert, es entstehen ja immer mehr historisierende Gebäude für die zahlungskräftige Schicht (gerade, wenn man sich weiter ostwärts oder westwärts von D bewegt...).

  • @ erbse und Pilaster


    vielen Dank für den Hinweis auf diesen Strang. Hier gibt es ja wirklich fantastische Entwürfe.


    Ich kann erbse nur zustimmen. Es sollte ein Online-Portal geben, in dem solche Entwürfe gezeigt werden. Die heutigen Architekten müssten ja gar nichts mehr tun, außer die Entwürfe in den PC übertragen und fertig ist. Vorausgesetzt, heutige PC-Programme können so etwas überhaupt noch :wink:


    Ansonsten gilt allgemein, dass es für aufwändigere Bauten doch trotzdem einen Markt geben sollte, insbesondere bei Leuten, die auf Prestige setzen und die für einen repräsentativeren Bau auch mehr zahlen würden.

    APH - am Puls der Zeit

  • Leute, ich bin eben auf eine sehr interessante Seite gestoßen!!! Und zwar von der BTU Cottbus auf der alle Deutsche Bauzeitungen von 1867 bis 1920 digitalisiert und kostenlos als PDF-Dateien einsehbar gemacht wurden (da diese Zeitungen jeweils um die 70 Seiten mit Fotos, Grundrissen, Zeichungen und ausgiebigen Beschreibungen bestückt sind dauert es seine Zeit bis die Seite geladen wird!).
    Hier zur Seite:#mce_temp_url#