Parochialkirche

  • Das Kirchendach









    Fenster im Eingangsbereich des inneren Kirchenschiffs:


    Hinter den Fenstern:


    Ausblick aus einem der Fenster:


  • Zu DDR Zeiten fanden hier Andachten statt.





    Das Treppenende am unteren Kichturmgewölbe:




    Gewölbe unter dem Kirchturm:


  • In der Tat hat der ruinöse Charakter des Kircheninneren seinen Reiz, der eigentlich zeigt, dass sogar ein geschundenes barockes Bauwerk noch hundertmal schöner ist, als ein aus dem Ei gepellter moderner Neubau. Es erinnert mich in diesem Fall an französische Zisterzienserkloster: schlicht, klar, formal auf das Wesentliche reduziert. Ein stiller und bescheidener Raum (man könnte beinahe sagen, es stellt den Inbegriff des Wortes „Raum“ dar), der einzig und allein der Andacht dient.

  • es fehlt eindeutig eine Decke und meiner Meinung nach sollen die Waende unbedingt verputzt werden: dieses Gebaeude muss in der Winter wirlich eiskalt sein....errinert mich irgendwie an der Kreuzkirche in Dresden

  • Der Innenraum übt auf mich schon eine gewisse Faszination aus, weil er konsequent rohbaumässig daherkommt, bis hin zum Altarbereich und den spartanischen Sitzbänken. Wenn jetzt nur die Wände verputzt und weiss gestrichen würden, wäre diese Stimmung dahin, und man erhielte weder Fisch noch Vogel. Das Einziehen einer Decke würde den Raum wohl bedrückend machen, wie ich dies nur anhand der Fotos beurteile.

    3. In den nächsten Jahren wird der Innenraum weiter barbeitet, er wird in Kürze eine Fußbodenheizung bekommen, die Decke wird geschlossen und der Kirchenraum wird ein dauerhafter Ausstellungsort für die Kunstwerke der Landeskirche werden.

    Wie ist denn jetzt der Stand dieser Decke? Ich habe mal die Bilder vom ursprünglichen Innenraum betrachtet (man sieht vom Kuppelgewölbe jeweils nur die Ansätze, da die historischen Fotos die Seitenkonchen zeigen). Demnach war über dem Mittelraum ein hohes Kuppelgewölbe vorhanden, das mit dem jetzigen Dachstuhl nicht rekonstruiert werden könnte. Entweder müsste bei einer Rekonstruktion des Innenraumes ein neuer Dachstuhl aufgesetzt werden, oder man änderte den jetzigen Dachstuhl ab und stützt ihn auf die zu rekonstruierende, neue Gewölbekonstruktion ab. Letzteres wäre aber eine grössere Herausforderung.

  • Bei der Bewertung des Innenraums sollte man berücksichtigen, dass es sich um ein evangelisches Gotteshaus handelt. Als solches steht der sehr karge Innenraum Idealen der Reformation nahe, nämlich dass es im Glauben auf die unmittelbare Beziehung zwischen Mensch und Gott ankommt. Äusserlichkeiten sind hierzu bedeutungslos, ja könnten von der Innigkeit zwischen Mensch und Gott ablenken.
    In den nackten, katakombenartigen Gewölben zeigen sich, wie auch im Hauptraum, weiterhin auch frühchristliche Bezüge. Auch das zentral positionierte Schrottkreuz aus nach der Zerstörung gefundenen Metallresten lässt an die Geschundenheit Jesu und der frühen Märtyrer denken.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Bei der Bewertung des Innenraums sollte man berücksichtigen, dass es sich um ein evangelisches Gotteshaus handelt. Als solches steht der sehr karge Innenraum Idealen der Reformation nahe, nämlich dass es im Glauben auf die unmittelbare Beziehung zwischen Mensch und Gott ankommt.

    Wenn man nicht gerade den Berliner Dom daher nimmt, oder die Berliner Kirchen vor der Reformation waren die protestantischen Kirchen ansich alle sehr schlicht gehalten - wobei diese Schlichthat in der Parochialkirche irgendwie wieder was anheimelnd gemütliches hat.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • War jemand kürzlich mal in der Dresdner Frauenkirche - einer protestantischen
    Kirche?


    Ja, war ich - aber ich sprach auch von den Berlner Kirchen, und die sind mir seit


    Baujahr nach der Reformation allesamt sehr schlicht in Erinnerung - dem Berliner Dom mal ausgeschlossen. :wink:

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Tatsächlich scheinen bei der Innenausstattung von Frauenkirche und Berliner Dom auch andere Faktoren wichtig gewesen zu sein, so der Willen, mit den katholischen Kirchen "mithalten" zu können, Repräsentationswünsche und auch der Zeitgeschmack. Auch die Parochialkirche war ja nicht von Anbeginn so schlicht gehalten.
    Meinem Eindruck nach hat sich das Ideal der Schlichtheit und Bescheidenheit in der Ausstattung der protestantischen Kirchen erst nach 1945 so richtig durchgesetzt, vielleicht auch mitbedingt durch Sühnegedanken im Zusammenhang mit dem Holocaust.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Meinem Eindruck nach hat sich das Ideal der Schlichtheit und Bescheidenheit in der Ausstattung der protestantischen Kirchen erst nach 1945 so richtig durchgesetzt, vielleicht auch mitbedingt durch Sühnegedanken im Zusammenhang mit dem Holocaust.

    Glaube ich nicht, die Schlichtheit und Bescheidenheit in der protestantischen Kirche war schon sehr früher der Fall, das hat mit dem Holocaust rein garnichts zu tun.
    Ein Beispiel - die Bekenntniskrche in der Plesserstraße in Berlin Treptow, gebaut 1933 (glaub ich) ist von Schlichtheit kaum noch zu überbieten - von außen sieht die aus wie ein Backsteinfabrikgelände, und von innen - naja, auch nich so viel besser.
    Da ist die Schlichtheit der Pariochialkirche doch noch eine andere, irgendwo auch eine gefällige - ja, einfach alles in Stein gelassen ohne zu verputzen, aber trotzaledem, meisterhaft gemauert und ansehnlich.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Vielleicht ist des Rätsels Lösung die Tatsache, dass evangelisch nicht gleich evangelisch ist. In der lutherischen Tradition sind Bilder, Farbigkeit, ja Prunk nicht ungewöhnlich. Dagegen ist die reformierte Kirche geradezu bilderfeindlich. Sachsen ist lutherisches Kernland... In Brandenburg-Preussen ist die Sache komplizierter, weil seit ca 1600 die Bevölkerung lutherisch, das Herrscherhaus dagegen reformiert war. Zwar wurde das reformierte Element durch Zuzug der Hugenotten verstärkt, und einige Provinzen bzw Herrschaftsgebiete waren auch reformiert - aber die Anomalie wurde erst durch die Zwangsvereinigung der Evangelischen Kirchen zur Preußischen Unierten Kirche im Jahr 1817 aufgelöst.


    Dem wiederum entgegen steht allerdings die Potsdamer Garnisonkirche, die ursprünglich reformiert, dabei aber sehr prunkvoll war...

  • Wobei sich die Schlichtheit nach 1945 nicht nur auf protestantische Kirchen beschränkt, wenn ich zum Beispiel an die Münchener Frauenkirche denke. Das liegt schlichtweg am Zerstörungsausmaß, das oftmals keine 1:1 Rekonstruktion zuließ. Oft baute man Kirchen auch auf den schlichteren romanischen Ursprungszustand zurück und verzichtete auf die Erweiterungen v.a. des 19. Jahrhunderts, weil es einfacher zu bewältigen war. Im Fall der Parochialkirche finde ich die Lösung sehr gut- es ist eine architektonische „Skizze“, die mir in diesem Fall fast besser gefällt, als ein opulentes „Gemälde“. Unfertig und fertig zugleich. Gerade im Großstadttrubel Berlins empfinde ich einen so andächtigen Raum wie eine beruhigende und beinahe über der Zeit stehende christliche Oase. Man hört hier förmlich das Geflüster von Mönchen und Priestern durch den kühlen Raum hallen (ja, ich weiß, sie ist nicht katholisch, aber das spielt bzgl des Eindrucks hier keine Rolle). Für Berlin ist diese Kirche m.E. eindeutig ein Gewinn.