Berlin - Parochialkirche

  • ...im norddeutschen Raum (sorry),


    und darüber lässt sich auch trefflich streiten.


    Aber es ist nicht irgendeine Kirche und es wirkten bei der Entstehung die besten Baumeister ihrer Zeit mit. Auch daran muss man das Ergebnis messen.

  • . wobei das nichts mit Interpretation zutun hat, sondern mit Ignoranz (seitens des Architekten), Kompetenz (Ausführungsplanung) und Transparenz (Projektstruktur) neben den schon aufgeführten Aspekten wie handwerkliche Fähigkeit und finanziellen Möglichkeiten. Letzteres spielt aber bei den hier genannten Mängeln keine Rolle. Es ist kein Scherz: Die Kapitelle hat eine Praktikantin bzw. Auszubildene gefertigt, zumindest in der Anfangsphase.

    Brrrr....... mich überläufts gerade.... Das darf doch alles nicht wahr sein....... <X:wuetenspringen::kopfwand:

  • Man kann natürlich auch Erbsen zählen....wenn eine Reko nicht ganz so original im Detail ist, wie es ursprünglich mal war, sehe ich das jetzt nicht als großes Drama - für mich ist die Reko durchaus gelungen.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.


  • Es ist kein Scherz: Die Kapitelle hat eine Praktikantin bzw. Auszubildene gefertigt, zumindest in der Anfangsphase.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, war das Projekt ja ohnehin eine Art Lehrstück für Auszubildende.

  • Das ist in unserem Beispiel nicht korrekt und muss differenziert betrachtet werden.


    Am Turmprojekt war eine Ausbildungsstätte aus Spandau beteiligt , die gute Arbeit geleistet hat. ( das Gerüst und die Beplankung für die Turmpyramide) Dieselbe Ausbildungsstätte hat auch schon vor Jahren im Gruftgewölbe Leistungen erbracht. Ohne solche Einrichtungen ist es manchmal gar nicht möglich, im Kostenrahmen zu bleiben.


    Was die Kapitelle angeht, war es keine Ausbildungsstätte. Die beauftragte Firma war mit diesen handwerklichen Herausforderungen schlicht überfordert. Sie hat ein Dumpingangebot für die gesamte Verblechung des Kirchturms abgegeben und die Firma, die auf dem Gebiet der Blechkunst führend war und eigentlich schon den Zuschlag bekommen hat, damit ausgestochen.


    Eigentlich hätte diese Firma nie beauftragt werden dürfen, weil sie im Denkmalbereich nicht über das notwendige Knowhow verfügte, von der vergaberechtlichen Seite mal ganz zu schweigen.

  • Na, wie immer ist nicht alles schwarzweiss.


    Zuerst: das Vergaberecht trifft den Bauverein nicht - schliesslich ist man keine öffentliche Hand obschon man öff. Mittel vewendet.


    Dann: Wenn Architekt, Ausführungsplanung, Projektstruktur - also eigentlich alle - blöd gewesen sind riecht das nach verletzter Eitelkeit. Es ist aber unstrittig, dass die Blecharbeiten nicht annähernd an das Original herankommen. Das ist zwar aus der Straßensicht idR unerheblich, aber dennoch entscheidend für die Qualität der Rekonstruktion. Mit den Refenzen tue ich mich auch schwer: renommierte Firmen lassen Idioten arbeiten und Newcomer wahre Künstler. Das ist nicht einfach.


    In Potsdam und Dresden - bspw. läuft das alles etwas anders: Die städtische Denkmalpflege akzeptiert die Begleitung von Wiederholungsbauten als ihre Zuständigkeit. Es wird ein privatrechtlicher Vertrag zur Qualitätskontrolle geschlossen. Damit sind zwar Fehler nicht ausgeschlossen, aber die Qualität einer Rekonstruktion ist durchgängig besser.


    zum Schluß: In Berlin hat man den Eindruck man wünscht sich in der Denkmalpflege geradezu den Verriss, dass Scheitern, um zu sagen: seht Ihr es geht eben doch NICHT. Wie gut, dass wir viele Beispiele haben, in denen es kongenial gelang.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

    Edited 2 times, last by Konstantindegeer ().

  • Nochmal einige Ansichten zum Abschluss des Projekts des Turmwiederaufbaus.




    Ein neues Informationsschild vor der Kirche:



    Immer noch deutlich weniger patiniert, die Südseite des Turms. Hier allerdings verstärkt durch die Sonneneinstrahlung.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Der abgebildete Laubengang des Grauen Klosters (Foto von 1890, siehe oben) ist auch nicht mehr vorhanden, oder doch?

  • Nein, außer der Kirchenruine ist nichts mehr vorhanden. Vielleicht wäre es eine Aufgabe für die Zukunft, zumindest die Klosterkirche zu rekonstruieren? Aber das ist jetzt hier off-topic.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Eine der lezten Ruinen in Berlin, also geeignet zur Rekonstruktion würde ich sagen.


    Die alte Mitte mit nur moderne Bauten bebauen wie meisten heutigen Pläne zeigen ergibt nicht die von manchen gesuchten authentische Atmosphäre oder endlich ein Stückchen "Alt Berlin".
    Das ist gleich auch die Kritik am Weideraufbau Potsdams und Dresden Neumarkt: die alte authentische Atmosphäre wurde nicht im Rekonstruktion mitgenommen, im gegenteil: immer wurden Kompromisse geschlossen mit Modernen.

  • Eine Aufnahme des Turms während des Nachmittagsglockenspiels:


    Diese Perspektive habe ich erst heute neu entdeckt - das Bild stammt aus der östlichen Jägerstraße in der Friedrichstadt.

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    (Immanuel Kant)

  • Auch von der Oberbaumbrücke ist der neue Turm der Parochialkirche deutlich zu sehen.



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    (Immanuel Kant)

  • Wundersam, dass die Sozialisten nicht gegen den Kirchturm protestiert haben, weil er eine Blickachse auf einen sozialistischen Wohnturm verstellt.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Mal wieder ein Besuch in der Kirche.







    Nicht nachvollziehbar ist die Vernachlässigung der Eingangshalle, wo die zunehmenden Schäden offenbar niemanden zu stören scheinen. Es ist zwar bislang nur Putz und Tapete, aber dennoch...





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    (Immanuel Kant)