Potsdam - Architektur der Moderne

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Potsdam - Architektur der Moderne

      Das dunkle Zeitalter?

      Ein Thema, das mal fällig ist. Hier soll mal alles gesammelt werden, was so nach ca. 1918 entstanden ist. Da gibt es eine erstaunliche Bandbreite.

      Fangen wir mal an mit einem der ungewöhnlichsten Bauprojekte in Potsdam aus der 30er Jahren: die Siedlung Am Schillerplatz aka "Friedrichstadt". Rund ein Dutzend Neubauten, errichtet vom "Potsdamer Bauverein für Kleinwohnungen e GmbH" 1935-1938. Eine Mischung aus... dem Holländerviertel, englischen Landhäusern und einer seltsamen Variante einer germanischen Bauart, bevor man auf den griechisch-römischen Stil umgestiegen ist. Die Siedlung ist benannt nach Hans Friedrich, dem damaligen OB, der auch die Kuppeln von der Hauptpost abgeschraubt hat. Mehr Info: Siedlung am Schillerplatz – PotsdamWiki


      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-111,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-111,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]


      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-108,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-108,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]

      Die Häuser stehen heute übrigens noch, ich war mal in einem drin gewesen. Weitere Bilder in der wiki:
      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-113,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-113,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]
      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-112,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-112,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]
      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-110,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-110,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]
      [url=http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-109,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg]http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_170-109,_Potsdam,_Siedlung_Am_Schillerplatz.jpg[/url]

      Südlich am Wasser lieg "die Bastion", eine Aussichtsplattform, welche wiederaufgebaut werden soll:
      bastionamschillerplatz.de/ und myheimat.de/potsdam/beitrag/44…ie-die-potsdamer-bastion/

      Live.Maps:
      Bing Maps - Anfahrtsbeschreibungen, Verkehrsinfos und Straßenbedingungen
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Meine Meinung hiezu: dürftig, äußerst dürftig, aber, und dies ist das Allertraurigste: wären wir heute über einen derartigen Wiederaufbau nicht höchst erfreut?
      Man stelle sich die Ensembleverträglichkeit dieser Bauten vor!
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Diese Säulenvorbauten sehen aus, als wären sie samt Dach auf das Gebäude herabgelassen worden - es wirkt insgesamt irgendwie "giraffig" und disproportional.

      @ Unify
      Es wäre super, wenn Du mal heutige Aufnahmen dieser komischen Torhäuser machen könntest. Sind in den Erdgeschossen Gewerberäume und wohnen tatsächlich Menschen hinter den schattigen Bullaugenfenstern?
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      ^^Die Gebäude stehen noch und sehen aus wie früher. Ich werde mal Bilder machen, wenn ich mal wieder dort vorbei komme, was aber noch etwas dauern kann, da in der Gegend nicht viel Spannendes ist.

      Ein anderes Projekt aus DDR Zeiten - amgepasste Platten(?)bauten in der zweiten Stadterweiterung, genauer gesagt Gutenbergstraße /Hermann-Elflein-Straße. Insbesondere beim verfugten rechten Bau ist die Illusion erstaunlich hoch. Was den Bauten aber definitiv fehlt sind Fensterkreuze, welche man aber nachrüsten kann. Die Bauten haben sogar angedeutete Spiegel (könnte man aber bei der nächsten Sanierung handwerklich verbessern) und eine Plastik über jedem Eingang. Da es sich offensichtlich um Plattenabuten handelt, muss es späte DDR der 70er oder 80er sein.


      Ein par Meter weiter westlich: dies sind auch Neubauten, aber aus einer anderen Zeit. Die größeren Fenster mit den Fensterkreuzen könnten DDR 50-60er Jahre oder Nachwende sein.


      Zum Vergleich, original sehen die Häuser ungefähr so aus:


      Live.Maps: maps.live.de/LiveSearch.LocalL…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Eines der größten Bauprojekte war das neue Hans-Otto-Theater. Ursprünglich sollte zu DDR Zeiten auf der Stelle des Stadtschlosses ein Neubau errichtet werden, der aber noch im Rohbau wieder abgetragen wurde nach der Wende. Dann folgte ein jahrelanges Martyrium mit der Blechbüchse, welche an der Alten Fahrt stand. Erst 2006 wurde das heutige Theater eröffnet und 2007 die Blechbüchse abgetragen und weiterverkauft. de.wikipedia.org/wiki/Hans_Otto_Theater

      Das neue Hans-Otto-Theater:

      commons.wikimedia.org/wiki/Ima…o-Theater3.jpg?uselang=de

      Die Blechbüchse rechts im Bild.

      commons.wikimedia.org/wiki/Ima…adtschloss.jpg?uselang=de

      Livemaps: maps.live.de/LiveSearch.LocalL…&dir=0&tilt=-90&alt=-1000
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Diese Säulenvorbauten sehen aus, als wären sie samt Dach auf das Gebäude herabgelassen worden - es wirkt insgesamt irgendwie "giraffig" und disproportional.

      Wirkt eher etwas nach Giorgio de Chirico. Nicht untypisch also für die Zeit.
      img509.imageshack.us/img509/416/chirico10jk0.jpg
      Das neue Hans-Otto-Theater
      Die Oper Sydney abgekupfert und abgespeckt.
      anthes.org/digicam/ixus300/sydney-oper.jpg

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Heimdall ()

    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Ein interessanter Neubau am Neuen Markt aus den 90er Jahren. Die Lücke entstand durch Kriegsschäden und wurde somit geschlossen. Im Prinzip fast die alte Fassade "vorgehangen" auf eine Glaswand. Die Architektin Nikola Fortmann-Drühe hat sich bei der Gestaltung an den Vorgängerbau angelehnt: 1755 hatte Johann Gottfried Büring hat das ursprünglich hier stehende Haus entworfen.

      Front:


      Von der Seite:
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner bezieht Babelsberger Villa des Architekten Mies van der Rohe.

      Plattner plant nach eigener Auskunft keine Umbauten am Gebaeude.


      maerkischeallgemeine.de/cms/be…belsberger-Villa-des.html

      potsdam-wiki.de/index.php/Villa_Urbig
      deu.archinform.net/projekte/11076.htm

      potsdam-wiki.de/index.php/Bild:Villa_Urbig.jpg
      "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
      Friedrich der Große
    • Re: Potsdam - Architektur der Moderne

      jetzt trifft es auch mal die Moderne. Leider jedoch den besten Vertreter der Moderne in Potsdam:

      Bauhaus-Stil Haus des Architekten Heinrich Laurenz Dietz in der Kurfürstenstraße droht der Abriß:
      pnn.de/potsdam/350969/
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
    • Hallo zusammen,

      am 03.05.12 wurde dem Bauantrag stattgegeben, der einer ganzen Reihe von Villen in der Kurfürstenstraße den Garaus machen wird. Darunter auch das Haus Dietz im Bauhausstil, welches zu DDR-Zeiten (in den späten 80ern) abgetragen und unter Verwendung der Original-Bauteile wieder aufgebaut worden war. Damals wurde fälschlicher Weise das Nachbarhaus unter Denkmalschutz gestellt, weil dieses die entsprechende Hausnummer trug, während man in der Begründung zum Denkmalschutzantrag jedoch vom Haus Ditz sprach.

      Nun, 40 Jahre später und knapp 100 nach deren Errichtung schlagen die letzten Stunden des Hauses Dietz. Und dieses ist das Einzige, um das bisher gestritten wurde. Die beiden Nachbar-Villen werden ebenfalls fallen. Aber sie sind ja auch nur Neo-Klassizistisch oder im Heimatstil. Das ist dann unstrittig...

      Hier die Meldung von www.Potsdam.de, nach dem Motto, tut uns leid, wir waschen uns die Hände in Unschuld, wir können ja nicht anders. Und liebes Land Brandenburg, lieber Ministerpräsident, machen Sie doch mal was... Das Gleiche nochmal in der PNN und der Märkischen Volksstimme, sorry Allgemeinen.

      Wenn schon nicht mal ein originalgetreuer Wiederaufbau mit Original-Bauteilen unter Denkmalschutz gestellt werden kann (oder soll) was passiert dann mit der Kulka-Stadtschloss-Fassade in 30 Jahren, wenn die teuer saniert werden muss? Zitat Märkische Allgemeine: "Das Land misst dem in der DDR mustergültig wieder aufgebauten Zeugnis des Stils der Neuen Sachlichkeit keinen Denkmalwert bei, und Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) machte keinen Hehl daraus, dass er diese Ansicht uneingeschränkt teilt." Und aus dem PNN-Artikel "Im Hauptausschuss reagierten die Stadtverordneten mit Empörung. ... Mike Schubert (SPD) bemängelte, dass der Abriss schon am 3. Mai genehmigt worden ist – obwohl da noch die Antwort der Landesdenkmalpflege auf einen Brief des Oberbürgermeisters ausstand, in dem dieser erneut um eine Überprüfung bat, ob das Haus Dietz ein Denkmal ist oder nicht." Sollen hier Fakten und ein Exempel für alle weiteren Rekonstruktionen in Potsdam geschaffen werden? Nach dem Motto: was nicht Original ist, kommt spätestens zur ersten Sanierung wieder weg. Besser schon zuvor, wenn sich ein Investor findet, der da halt bauen will.

      Hier nochmals einige Bilder der Gebäude, die verschwinden werden (alle Fotos sind Thread hier zu finden):

      Haus Dietz







      Sportschule Ulrich (auch Bauhausstil, gleichzeitig mit Dietz gebaut und heute unter Denkmalschutz, bleibt einzig stehen)





      Grundstück neben rechts Haus Dietz, die Villa wurde bereits abgerissen und ist nur noch auf Google Earth und Bing zu sehen



      Grundstück rechts daneben, diese Villa wird ebenfalls abgerissen werden





      Und was bekommen wir dafür? Diese schöne neue Welt.

      Grüße aus der Hauptstadt der kleinen DDR
      Luftpost
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
    • der Abriss der Rekonstruktion des Hauses Dietz hat begonnen

      Hallo zusammen,

      was nützt es, für Rekonstruktionen zu kämpfen, wenn bestehende, rekonstruierte Gebäude nicht schützenswert sind und geschützt werden? Was passiert mit dem Stadtschlossparlament, wenn in 30 Jahren der dann neue Eigentümer, das Land Brandenburg, die Fassade entfernen lassen will. Wird dann ebenfalls, so wie beim Haus Dietz, welches sogar mit den Original-Materialien in den späten 80ern rekonstruiert wurde, alles zugelassen, sogar der total-Abriss? So sagt doch das Denkmalschutzamt (Zitat Märkische Volksstimme, sorry Allgemeine): "Unter normalen Umständen weist ein Nachbau keinen Denkmalwert auf. Wir haben keine Veranlassung, das anders zu bewerten" Ein weiterer Bericht in der PNN.

      abgerissene Grüße aus der Hauptstadt der kleinen DDR
      Luftpost
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
    • Aber warum wird denn auch die im Biedermeier-Stil rechts daneben stehende Villa ebenfalls abgebrochen? Sie macht einen baulich recht intakten Eindruck. Fenster und Dachdeckung scheinen mir relativ neu. Über das Haus Dietz mag man noch streiten, aber dieses Gebäude ist doch ein Schmuckstück, dass sich bestens verkaufen lassen sollte. huh:)

      Es geht wohl rein um Vermarktung von möglichst viel Raum, also Profit. Dies hier klingt nicht berauschend:

      Gegenstand der Baugenehmigung ist ein Bauantrag aus dem Jahr 2011, der den Abbruch des Hauses Dietz sowie die Errichtung eines parallel zur Straße entstehenden fünfgeschossigen Wohnhauses vorsieht. Die beiden obersten Geschosse sind als Staffelgeschoss ausgebildet. Hinzu kommt die Errichtung einer Tiefgarage und eines viergeschossigen Seitenflügels. Die Höhenentwicklung des Gebäudes orientiert sich am Eckgebäude der Hebbelstraße / Kurfürstenstraße und fügt sich somit in die nähere Umgebung ein.

      potsdam.de/cms/beitrag/10094926/1463075/

      :daumenunten:
    • Nun, sooo bedeutend war das wieder auch nicht. Schließlich handelt es sich nur um Bauhausstil, und vor allem um einen Solitär, um kein stadtbildprägendes Gebäude. Da gibt es schon herbere Verluste.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • War ein hübsches Häuslein!
      Allerdings rollt es mir immer die Fußnägel hoch, wenn ein solcher Bau mit dem inflationär oft vermuteten "Bauhausstil" assoziiert wird. Für mich gehört er eindeutig zur Neuen Sachlichkeit.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • „Das mit den Abrissen, das hört jetzt auf!“

      Hallo zusammen,

      Welch flammende Rede von Christian Wendland, Potsdamer Architekt. Doch was nutzt es, wenn sich niemand verantwortlich fühlt. Obwohl die größte Verantwortlichkeit die hiesige ideologisierte Denkmalschutzbehörte trifft. Nach dem Motto: "Was ein Denkmal ist, bestimmen wir. Heute."

      traurige Grüße aus der Hauptstadt der kleinen DDR
      Luftpost
      Brandenburgische Bauordnung
      § 8
      Gestaltung
      (1) Bauliche Anlagen sind nach den anerkannten Regeln der Baukunst durchzubilden und so zu gestalten, dass sie nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe nicht verunstaltet wirken.
      (2) Bauliche Anlagen sind mit ihrer Umgebung derart in Einklang zu bringen, dass sie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten oder deren beabsichtigte Gestaltung nicht stören.
    • Schönheit hat bei Paragraphenvollzug und bloßem Amtswalten als (inter)subjektive Kategorie schon immer die schlechtesten Karten gehabt

      Wir können das bedauern und es scheint ein Fakt zu sein: Menschen mit Vision, mit Herzblut und mit Liebe zur Stadt und zum Detail lassen sich in der Potsdamer Verwaltung, lassen sich in den beschließenden und maßgeblich entscheidenden Positionen offenbar nur mit der Lupe suchen. Dasselbe bei der übergroßen Mehrheit der Investoren und - mit Verlaub - auch der Geschäftstätigen.

      Der ins Bild gebrachte Bahnhof Griebnitzsee, jahrzehntelang Unterschlupf der Grenztruppen und seinerzeit von Mauern nahezu hermetisch umhaust, wurde nach 1989 eher notdürftig als filigran und schön restauriert. Viel zu breite Fensterrahmen, die mit den filigraneren Vorgängerfenstern nur die Gliederung gemein haben, haben den Bau ebenso vergröbert wie der Bahnhof durch die Süddrehung hin zur Universitätsstadt verwaist ist, wo es zudem offensichtlich keinen Spaß mehr macht, für einige verbliebene Meter unten den Weg ans Wasser zu suchen. Mit Glück kommt Leben im Sommer auf die im Norden befindliche MItteinsel. Der abgebildete Flügel ist allerdings noch nie dem Bauwerk gemäß genutzt worden, vielmehr nur im Sinne einer Billigbude, die hier, da oder auch ganz woanders hätte sein können.

      Der Denkmalschutz in Potsdam erweist sich - bei allen Verdiensten ansonsten zweifellos, die hier nicht in Abrede gestellt werden sollen - als zahnloser Tiger, der sich auf dreifach verdrehte Gitter stürzt, die nur die Bewohner des Hauses selbst in Augenschein nehmen können und auf Oberlichter, die - trotz originalgetreuer Gestaltung - keine Klappe haben dürfen, weil genau dies ein ungeheurer Eingriff in die Denkmalwürdigkeit des Hauses sei. Demgegenüber sind metergroße, schreiende und dauerhaft angebrachte Cutman-Figuren, weil nicht baulich untrennbar mit der denkmalgeschützten Barockfassade verbunden, mit dem Denkmalschutz ebenso kompatibel wie jene große Zahl von Auslegern an jedem zweiten Geschäft in der Brandenburger Straße, die sich zu 90 % NICHT auf die jeweilige Fassade beziehen, sondern genauso daherkommen wie ihre Brüder und Schwestern in Einkaufszentren und an Neubauten. Das Gleiche auch - weil ebenfalls keine BAULICHE Veränderung - bei den Fenstern in der 1. Etage der Barockhäuser, die oftmals zu nichts anderem taugen als dafür, verglaste Hintergrundfläche für schreiende, aufdringliche Werbung zu sein.

      Das nenne ich ebenso amtsverwalteten Denkmalschutz rein nach Paragraphen und völlig entgegen der menschlichen Anschauung, wie der hier angesprochene Abriss des Hauses Dietz, treffender: die Weigerung, das Haus weiterhin unter Schutz gestellt zu haben. Dass mit dem Neuaufbau des Hauses und der kreativen, bemerkenswerten Veränderung der Eingangssituation der Denkmalwert des Hauses abhanden gekommen sei, dies halte ich für genauso "stimmig" wie etwa dem Quedlinburger Schlossberg oder der Wartburg in Eisenach aufgrund späterer Umbauten - das Letztere, wie sie weder Elisabeth, noch die Sänger noch Luther gesehen haben - deren Denkmalwert absprechen zu wollen.