Baugeschichtliche Rekonstruktionen

  • toller Beitrag, riegel.
    Was treibt eigentlich die St.Gallener in ihrem Haß auf die eigene Stadt. Ich mein, soviel Abbrüche seit 1950 auf so engem, zentralem Raum, ist das in der Schweiz normal?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • ursus carpaticus: die hatten wohl Angst wegen ihrer unmodernen Bebauung ins Hintertreffen zu geraten, dieses Phänomen gab es in der BRD auch, siehe Lüneburg oder auch Celle ( Karstadt wer sonst? )

  • Danke für den interessanten Beitrag. Was sind denn das für komische Flurstücksbezeichnungen in der aktuellen Katasterkarte ? :?:

  • Wow, genial, ein sehr interessanter Beitrag, da steckt ein Idealist dahinter, keine Frage!

    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940

  • Auch von mir herzlichen Dank für diesen wertvollen Beitrag. Er zeigt, wie man aus verdammt wenig auch ohne bauarchäologische Untersuchung, die leider immer noch viel zu wenigen Gebäuden zukommt, eine Menge über die Baugeschichte herausfinden kann. Gleichzeitig ist zutiefst zu bedauern, dass man bei Rekonstruktionsprojekten nicht auf Fachleute wie dich zurückgreift, derer es sicher viel zu wenige gibt, sondern stattdessen allzu oft mit Halbwissen hantiert - oder auf akademisch ausgebildete Architekten zurückgreift, die einem nur Leid tuen können. Die Zahl der unfachmännisch sanierten und teils auch rekonstruierten Fachwerkbauten zumindest hier in Hessen ist erschreckend groß, wie du ja in der Limburg-Gallerie auch schon an manchem Beispiel dargestellt hast. Ich vermute mal, dass es in den fachwerkärmeren Regionen Deutschlands noch düsterer aussieht.


    Interessant finde ich ja die St. Gallener-Ständerbauten, die du an einigen Beispielen dargestellt hast. Auffällig die Eigenart (schweizerisch oder oberdeutsch?), dass die Ständer nicht wie hier im mitteldeutschen Raum alleine an den Traufseiten stehen, in die das Fachwerkgefüge "eingehängt" ist, sondern um das ganze Haus herumgeführt sind, wie bei Webergasse 15 zu sehen. Dies hat vermutlich relativ große, stützenfreie Innenräume sowie den Verzicht auf eine komplizierte Längsaussteifung der Gebinde ermöglicht? Hatten solche Häuser ursprünglich auch hohe Hallen in den Erdgeschossen oder waren hier schon immer eine Geschosstrennung vorhanden? Oder spielte das weniger eine Rolle, da viele Erdgeschosse von Anfang an massiv waren?