Eigene (utopische) Architekturentwürfe

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wirklich eine sehr schöne Zeichnung! Sie erinnert mich auf angenehme Weise an die Stadtansichten Merians.
      SchortschiBähr hat nicht Unrecht; in vielen Publikationen habe ich schon Zeichnungen aller Art gesehen, die sehr viel schlechter waren.

      Mündener schrieb:

      Aber wo sonst, außer in Egisheim, und beim Castel del Monte, gibt es auch eine achteckige Burg
      Du meintest das vermutlich als Scherz, aber damit das Publikum keine falschen Ideen mitnimmt, sei bemerkt, dass Burgen mit einem regelmäßigen achteckigen Grundriss zwar selten sind, aber doch häufiger als nur zweimal vorkommen. Ein weiteres Beispiel finde ich fast vor meiner Haustür, nämlich Schloss Kilchberg bei Tübingen.
    • Um ehrlich zu sein, ist dem Ganzen nicht allzu viel Recherche vorweg gegangen. In manchen Fällen war der Erkenntnisgewinn einfach, etwa beim romanischen Vorgängerbau der heutigen Kirche, deren Grundriss entsprechend der Ausgrabungsergebnisse glücklicherweise im Pflaster markiert wurde. Zur Burg gibt es genug Quellen, die Stadttore, wie ich sie gezeichnet habe, sind durch nichts belegt, und allein anhand von Referenzen so erdacht. Selbiges gilt für fast sämtliche Profanbauten in der Stadt, lediglich ein Steinhaus mit Treppengiebel steht heute noch, und kein einziger Fachwerkbau von vor 1500 scheint mehr erhalten zu sein. Die großen Steinhäuser der 5 kirchlichen Domänen (4 Klöster und das Straßburger Bistum waren einst die Eigentümer) habe ich anhand der Position der heutigen Hauptgebäude dieser Komplexe platziert, ihr Aussehen wiederum ist nicht belegt.
      Die Freie Landschaft ist ebenfalls weitestgehend unbelegt, hier hat die Flurbereinigung ganze Arbeit geleistet - ich habe die Hauptachsen in etwa so gezeichnet, dass sie als Verbindungen zu den nahe gelegenen Städten (Colmar, Turckheim, Kaysersberg, Rouffach) sinnvoll erscheinen.


      Tübinger schrieb:

      Du meintest das vermutlich als Scherz, aber damit das Publikum keine falschen Ideen mitnimmt, sei bemerkt, dass Burgen mit einem regelmäßigen achteckigen Grundriss zwar selten sind, aber doch häufiger als nur zweimal vorkommen. Ein weiteres Beispiel finde ich fast vor meiner Haustür, nämlich Schloss Kilchberg bei Tübingen.
      Das war tatsächlich nicht als Scherz gedacht, dementsprechend ist es gut, dass ich korrigiert wurde. Interessant ist auch, dass auch das Kilchberger Schloss ein Bau der Stauferzeit zu sein scheint, womit es sehr wahrscheinlich ist, dass auch die Egisheimer Burg aus dieser Zeit stammt, und damit Leo IX sie noch nicht kennen konnte.


      PS: Nach dieser Stadtansicht mit eher mäßigem wissenschaftlichen Anspruch sollen noch ein paar Weitere folgen, mein nächstes Thema könnte Stolberg im Harz sein, wo ich mittlerweile über eine recht gute Quellenlage (und einen sehr großen erhaltenen Baubestand) verfüge.
    • Deine Zeichnungen erinnern mich auch an die Bände von David Macauley, wie "Sie bauten eine Kathedrale". Mit diesen Stadtansichten kannst Du Dich echt sehen lassen. Manche zeichnerische Visualisierung in kunsthistorischen, oder archäologischen Werken kommt da nicht heran. Bei Egisheim hast du schön mit Lavierungen Licht und Schatten eingefügt und damit Plastizität! Sogar die Burg spiegelt sich im Wasser des Burggrabens! ... und die Blattzier des Rahmens, allerlliebst!
      Also mindestens ein Bändchen "Sie bauten eine Stadt" wäre doch drin, oder? 8) :thumbup: :daumenoben:

      Hier Dein Vorläufer, z.B.:

      thalia.de/shop/home/suggestart…hedrale&stype=productName

      amazon.de/Es-stand-einst-eine-…fRID=82KKAXSJR413QRMGWVWC

      amazon.de/stand-einst-bauten-K…ords=sie+bauten+eine+burg
    • Sehr schön! Ich glaube in der Tat nicht, dass die Felder um Egisheim herum damals ganz frei von Bebauung gewesen sind. Vorstädte waren damals schon ganz üblich, selbst bei sehr kleinen Städten.

      Heute ist die Ringstraße auf der ehemaligen aüßeren Stadtmmauer die weitaus größte Sehenswürdigkeit dieses Städtchens. Diese Straße kann es damals aber noch gar nicht so gegeben haben, wie du es schon richtig gezeichnet hast. Mittelalterliche Fachwerkbauten habe ich ansonsten auch nicht erkennen können (nur das kleine Haus rechts auf diesem Bild vielleicht?), sehr viel anders als in Colmar, Kaysersberg und Reichenweier werden die aber sicher nicht ausgesehen haben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Niederländer ()

    • Bezüglich Vorstädten war ich mir unsicher, dachte aber dann, es ist unwahrscheinlich, dass es schon Vorstädte gab, bevor man auch nur den Zwinger zwischen beiden Mauern geopfert hatte. Zudem ging damals wohl noch ein Großteil der wirtschaftlichen Leistung des Ortes von den 5 Höfen der Klöster Ebersmünster, Maursmünster, Unterlinden und Pairis sowie Dem des Straßburger Bistums aus, welche wohl beachtliche Flächen bewirtschafteten, sodass ich zumindest für die Weinbaugebiete von nur sehr wenigen Einzelhöfen und Weilern außerhalb der Stadtmauern ausgehen würde.

      Und ja, Bauten des 14. und 15. Jahrhunderts aus Colmar, Riquewihr (Dachwerk links), Kientzheim und Kaysersberg waren hier meine Referenzen.
    • Tübinger schrieb:

      dass Burgen mit einem regelmäßigen achteckigen Grundriss zwar selten sind, aber doch häufiger als nur zweimal vorkommen.

      Mündener schrieb:

      Interessant ist auch, dass auch das Kilchberger Schloss ein Bau der Stauferzeit zu sein scheint, womit es sehr wahrscheinlich ist, dass auch die Egisheimer Burg aus dieser Zeit stammt,
      Zufällig mir soeben unter die Augen gekommen: Die Holsterburg "ist eine 1191 erbaute und 1294 zerstörte abgegangene Niederungsburg südöstlich von Warburg in Nordrhein-Westfalen. [...] Die achteckige Burg ist die einzige ihrer Art in Westfalen."

      Bericht von den Ausgrabungen mit Luftbild: nw.de/lokal/kreis_hoexter/warb…ebbar-gemacht-werden.html

      Achteckige Burgen scheinen tatsächlich eine Spezialität der Stauferzeit zu sein.
    • Der Bergfried der Burg Oberhohenberg war übrigens auch oktogonal, über das erhaltene Fundament erstreckt sich heute eine Stahlplattform:

      schwaebische.de/landkreis/land…nwart-_arid,10016949.html

      de.wikipedia.org/wiki/Burg_Oberhohenberg

      Berühmteste Tochter der Familie, die hier ihren Stammsitz hatte, war wohl Gertrud von Hohenberg, die als Ehefrau Kaiser Rudolfs I. und Stammmutter der österreichischen Habsburger in die Geschichte eingegangen ist.
    • Suebicus schrieb:

      Der Bergfried der Burg Oberhohenberg war übrigens auch oktogonal, über das erhaltene Fundament erstreckt sich heute eine Stahlplattform:
      Somit ist er auch der höchstgelegene Bergfried der Schwäbischen Alb. Den Achteckturm hatte ich gar nicht mehr im Gedächtnis; bei meinem Besuch 2010 war er allerdings auch noch nicht ausgegraben.

      Suebicus schrieb:

      schwaebische.de/landkreis/land…nwart-_arid,10016949.html
      Dort steht: "Der teilweise unter archäologischer Begleitung freigelegte Achteckturm, einzigartig im deutschen Burgenbau, kam in Anlehnung an das Castell Monte [sic] des Kaisers Friedrich II. in Apulien zustande."
      Bei Bauten der Stauferzeit, die ungefähr achteckig sind, wird sehr gerne das Castel del Monte als Vorbild genannt (zumindest von Laien). Mir scheint das Spekulation und oft auch unwahr zu sein. Der Turm von Oberhohenberg (1220-1250) ist z.B. ungefähr gleichzeitig mit dem Castel del Monte (1240-1250) erbaut worden. (Vgl. zu Oberhohenberg die knappe, aber solide Darstellung von Christoph Morrissey:
      journals.ub.uni-heidelberg.de/…ticle/viewFile/12998/6827)

      Die Verwendung von regelmäßigen geometrischen Grundrissen im Burgenbau scheint überhaupt eine Mode der Stauferzeit gewesen zu sein, und das müssen nicht immer Achtecke gewesen sein. Die Wäscherburg, zwischen 1220 und 1250 erbaut und keine 3 km vom Hohenstaufen entfernt, ist ein schönes Beispiel mit sechs Ecken:


      Plan Waescherschloss EG [GFDL (gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], by pippo-b, from Wikimedia Commons

      Übrigens gibt es noch mehr oktogonale Bergfriede in Deutschland. Bekannt ist Burg Steinsberg bei Sinsheim; der Bergfried wurde vermutlich VOR dem Castel del Monte errichtet.


      201203221253a Steinsberg [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0
      (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], by Hartmann Linge, from Wikimedia Commons

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tübinger ()

    • @Mündener

      Großes Kompliment für deine Kunst; die Zeichnungen sind eine Augenweide. Karl Gruber kam auch mir sofort in den Sinn. Dass sich der Fokus bei Deinen Zeichnungen auf Süddeutschland richtet, macht es für mich noch attraktiver.
      Vielleicht hast Du bei zukünftigen Projekten einmal Muße das alte Villingen ins Visier zu nehmen? Merian scheint die Stadt zumindest nicht aus eigener Betrachtung gekannt zu haben, wenn man dessen Stich hierzu untersucht: vintage-maps.com/de/antike-lan…llingen-schwenningen::604
      Das gotische Münster wurde von ihm beispielsweise eher romanisch interpretiert, auch die Lage der anderen Kirchen innerhalb der Stadtmauern wirken sowohl von ihren Standorten als auch von ihrer Ausformung sehr frei ausgelegt. Letztlich weisen auch die Festungsanlagen der Zähringerstadt einige Merkwürdigkeiten auf, welche die Annahme bestärkt, dass Merian Villingen betreffend wohl auf Erzählungen zurückgriff. Auch das hier abgebildete alte Wappen war zugunsten des verbesserten Stadtwappens bereits 1530 erloschen, sprich 113 Jahren nach Druck und Erscheinen des Stichs in Frankfurt am Main. Selbst wenn man die entsprechende Vorlaufzeit berücksichtigt, ist dieser letzte Aspekt ein Hinweis darauf, mit welch dürftigen Informationen Merian teilweise seine Veduten umsetzte, ganz im Gegensatz wiederum zu seinen detailierten und eindrucksvollen Stadtansichten von Nachbarstädten Villingens wie Rottweil, Überlingen oder Konstanz.
      Jedoch auch Karl Grubers Rekonstruktion des alten Villingen wirft einige Fragen auf: i539.photobucket.com/albums/ff…waco075/1_40.jpg~originalNicht willkürlich hat er den südlichen Teil der mittelalterlichen Stadt in seiner Zeichnung in den Hintergrund gesetzt, sondern vermutlich um etwaige Unkenntnisse über den Verlauf der in diesem Abschnitt seit dem 19.Jahrhundert unterbrochenen Stadtmauer nicht in den Hauptfokus des Betrachtenden zu setzen. Dabei hätten Gruber eigentlich alle bekannten Pläne und Ansichten seinerzeit zur Klärung bei Rekonstruktionsfragen vorliegen müssen...

      Bei der zukünftigen Umsetzung eines solchen Vorhabens würde ich selbstredend bei den entsprechenden Detailfragen und Korrekturen gerne weiterhelfen und zur Verfügung stehen.

      Magst Du dich bei deinen Zeichnungen eigentlich bewußt auf die Zeit um 1500 festlegen oder wäre auch das 17.Jahrhundert vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges beziehungsweise ein späterer Zustand einer Stadt für Dich noch reizvoll?


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Franka schrieb:

      Ein kleines Paradies. Ich könnte es stundenlang anschauen. Du bist so begabt!

      zeitlos schrieb:

      Großes Kompliment für deine Kunst; die Zeichnungen sind eine Augenweide.

      tegula schrieb:

      Merian hätte es nicht besser machen können.
      Vielen herzlichen Dank für all die lobenden Worte! Es ist mir ein große Ehre, die Zeichnungen hier zu zeigen, in einem Forum, wo man neben Lob auch viele fachlich sehr kompetente Rückmeldungen bekommt - siehe vor allem zur Eguisheim-Zeichnung, aus der sich eine Diskussion über Staufische Burgen entwickelte!
      Daher zeige ich auch weiterhin immer wieder gerne Werke, so sie es denn wert sind, gezeigt zu werden.

      zeitlos schrieb:

      Karl Gruber kam auch mir sofort in den Sinn.
      Tatsächlich habe ich mir die Zeichnungen von Karl Gruber erst noch einmal angeschaut, als der Name hier schon einmal fiel (bekannt waren sie mir allerdings schon, aus der allseits bekannten Baustilkunde von Wilfried Koch). Ein wenig habe ich mich davon auch inspirieren lassen - hauptsächlich bei der Darstellung der Natur, ich habe mich dann jedoch in einigen Punkten, etwa der Gestaltung der Bäume, ganz bewusst anders entschieden.

      zeitlos schrieb:

      Dass sich der Fokus bei Deinen Zeichnungen auf Süddeutschland richtet, macht es für mich noch attraktiver.
      Das ist tatsächlich Zufall - ein süddeutsches Thema für eine groß angelegte Stadtansicht zu nehmen, lag aufgrund der guten Quellenlage nahe, und die Eguisheim-Ansicht ist eher spontan aus einer Anregung in einem anderen Forum entstanden. Ansonsten zeichne ich hauptsächlich Städte und Bauwerke quer durch das mittelalterliche Europa - aber nicht ausschließlich.


      zeitlos schrieb:

      Vielleicht hast Du bei zukünftigen Projekten einmal Muße das alte Villingen ins Visier zu nehmen?
      Das wäre auf jeden Fall denkbar. Villingen hat für mich auf den ersten Blick einige Eigenschaften, die es für ein solches Projekt sehr attraktiv machen. Zunächst scheint die Stadt in ihrer mittelalterlichen Grundstruktur weitgehend unbeeinträchtigt, außerdem scheint ein Großteil der wichtigen Bauwerke des Mittelalters noch zu existieren. Desweiteren scheint mir die Stadt bei der Betrachtung zähringischer Stadtgründungen immer im Schatten von Freiburg, Rottweil und Bern zu stehen. Daher wäre ich einem solchen Projekt gegenüber durchaus aufgeschlossen, ich kann aber keinen Zeitrahmen garantieren, da übernächste Woche mein Studium wieder losgeht und selbstverständlich oberste Priorität hat.


      zeitlos schrieb:

      Bei der zukünftigen Umsetzung eines solchen Vorhabens würde ich selbstredend bei den entsprechenden Detailfragen und Korrekturen gerne weiterhelfen und zur Verfügung stehen.
      Das wäre ein weiterer Punkt, der für ein solches Projekt spräche. :D


      zeitlos schrieb:

      Magst Du dich bei deinen Zeichnungen eigentlich bewußt auf die Zeit um 1500 festlegen oder wäre auch das 17.Jahrhundert vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges beziehungsweise ein späterer Zustand einer Stadt für Dich noch reizvoll?
      Tatsächlich reizt mich bei der Darstellung einer Stadt in der Regel ihre ursprüngliche städtebauliche Konzeption, etwa das Zusammenspiel von Sakralbauten und der in der Anfangszeit einer Stadt noch recht homogenen Masse an Wohnbauten. Besonders spannend finde ich es dabei, wenn Ausnahmebauten (in der Regel besonders ungewöhnliche Kirchen und Profanbauten, die in krassem Kontrast zu ihrem Umfeld stehen) in die Situation mit hineinspielen, und dies am ehesten, wenn diese Bauten heute nicht mehr erhalten sind (ein Beispiel wäre die Brandenburger Marienkirche).

      Ansonsten kann ich mir aber auch gut die Darstellung späterer Epochen vorstellen, so sie denn bemerkenswerte Spuren im Stadtbild hinterlassen haben.


      Und last but not least :biggrin:

      tegula schrieb:

      Aber die Bettelordenskirche ist auch weiterhin außerhalb der Stadtmauern.
      Stimmt leider, aber die Situation war schon beim letzten Mal klar, die Vorstadt war schon da, und es hätte bei ihrer geringen baulichen Dichte seltsam gewirkt, sie noch willkürlich mit einer Mauer zu umgeben. Beim nächsten Mal liegt das Kloster dann innerhalb des Mauerrings.
    • Naja, für Golvins zeichnerische Versiertheit brauchts bei mir noch ne ganze Weile :D

      Wobei ich mich durchaus schon mit Aquarell versucht habe (in einer etwa zweieinhalb Jahre alten Ansicht der Stadt Sandomierz um 1400), aber in diesem winzigen Maßstab geht das leider fast zwangsläufig auf kosten der Details. Golvins Stadtansichten sind auch i. d. Regel deutlich detailärmer, meist werden bei den Häusern nicht einmal Fenster angedeutet.

      Was mich bei Golvin jedoch wirklich stört, ist die oft sehr nachlässige Recherche, die dann in wunderschönen, aber historisch total inkorrekten, ja teils widersinnigen Zeichnungen resultiert. Seine Darstellung von Notre-Dame im Bau etwa zeigt die Kathedrale in einem Stadium, in der von den frühgotischen Türme vom Anfang des 13. Jahrhunderts gerade erst die Untergeschosse im Bau sind, die hochgotischen Umbauten des Querhauses aus der Mitte desselben Jahrhunderts aber bereits vorhanden sind. Nachdem schon Viollet-le-Duc diese Umbauten ausführlich untersucht hat, aufwendige Rekonstruktionszeichnungen dazu erstellt hat und sogar den Rückbau zweier Langhausjoche initiiert hat, wäre dieser Fehler doch eigentlich vermeidbar gewesen, oder?

      Bei seiner Darstellung von Nantes im 15. Jahrhundert verhält es sich ähnlich, die Kathedrale ist dargestellt als beinahe vollendet mit den Türmen noch im Bau - einem Zustand, den es so nie gab. Der Neubau der Kathedrale ab dem 15. Jahrhundert verlief gebau umgekehrt - der einzige Teil, der noch in diesem Jahrhundert fertig wurde, waren ironischerweise die Türme. Das Langhaus war im 16. Jahrhundert noch im Bau, erst im 17. Jahrhundert wurde der südlichen Querhausarm errichtet und das Vorhandene gewölbt, alles weitere stammt erst aus dem 19. Jahrhundert. Eine einfache Google-Suche (Suchwort: Nantes Cathédrale Histoire) hätte ihm unter anderem diese Ansicht aus dem 19. Jahrhundert gezeigt, die ein durchaus anderes Bild als das Seine von der Kathedrale zeigt und ihn auf Gedanken gebracht hätte, die letztendlich mit Sicherheit diesen Fauxpas vermieden hätten.

      PS: Habe zu Nantes noch eine (mittelmäßige) Rekonstruktionszeichnung des spätmittelalterlichen Zustands gefunden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Mündener ()