Budapest

  • Dieses Projekt ist offiziell Teil des Steidl-Imre-Programms, hat aber leider noch keine eigene Website. Vor der Belagerung von Budapest wurde die Stadt auch „Stadt der Türme“ genannt, weil fast jedes Gebäude einen Dachschmuck hatte. Die vom Krieg verschonten Kuppeln wurden vom neuen Sowjetregime systematisch abgerissen. Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum die Kuppeln verschwunden sind. Auf jeden Fall ist dieses Programm nicht so umstritten wie die Restaurierung des Schlosses, da sind sich fast alle einig. Das ist mir zumindest aufgefallen, als die Regierung einen Erlass zum Wiederaufbau von drei Kuppeln im Jahr 2020 erließ.

    Ansonsten sind diese Rekonstruktionen laut Regierung Reparationen.

  • Mit 1 Milliarde könntest du vielleicht 10 oder 20 Bauten in ganz Deutschland aufkaufen, um sie durch Rekonstruktionen zu ersetzen. Und da hättest du sie noch nicht abgerissen und die Rekonstruktionen gebaut.

    Nun, der Staat müsste gar nichts aufkaufen. Er könnte z.B. auch mit einer Milliarde willigen Eigentümern einen 100%-Zuschuss für Dachrekonstruktionen und Wiederbestuckungen in Aussicht stellen. Wenn der Staat sein Aufrüstungsprogramm zudem um die Hälfte abspecken würde, ständen zwar nur noch 50 Milliarden Euro für Panzer und Geschütze zur Verfügung (was in meinen Augen auch ausreichend wäre, allerdings werde ich nicht gefragt), dafür aber auch 50 Milliarden Euro für bauliche Verschönerungsmaßnahmen. Mit einer solchen Summe ließe sich wahnsinnig viel erreichen.

    Ich will damit aber nur ausdrücken: Es sind alles politische Prioritäten, die gesetzt werden. Und was oben steht, wird finanziert. Damit soll "erbses" Frage beantwortet sein.

  • Er könnte z.B. auch mit einer Milliarde willigen Eigentümern einen 100%-Zuschuss für Dachrekonstruktionen und Wiederbestuckungen in Aussicht stellen.

    Ja sicher, kosmetische Verbesserungen an noch bestehenden Gebäuden wären natürlich mit dem entsprechenden Geld auch so machbar. Ich meinte aber echte Rekonstruktionen.

    Zum Thema Rüstung sage ich nichts, um keine off-topic-Diskussion auszulösen. Nur soviel, dass ich das Programm in seinem aktuellen Umfang sinnvoll finde.

  • Danke für die Einblicke! Ich finde es sehr hilfreich, zu verstehen, wie das in anderen Ländern organisiert wird.

    Wobei man mit 1 Milliarde Euro realistischerweise in Deutschland nicht viel reißen könnte. Nicht, weil Rekonstruktionen so teuer wären, sondern weil die Innenstädte, von wenigen Ausnahmen, inzwischen schon wieder komplett zugebaut sind. Das heißt, für größere Rekonstruktionsprogramm müsste erstmal viel aufgekauft werden, um es abreißen zu können.
    Bei den aktuellen Immobilienpreisen in deutschen Innenstadtlagen wäre 1 Milliarde da ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Für komplette Neubauten, ja. Für Fassadenrekonstruktionen ist das schon eine Summe, mit der man so einiges anfangen kann.


    Wie wär's dazu mit einem Rechenbeispiel?


    Hier entlang: RE: Kosten von Rekonstruktionen/Sanierungen

  • Tolle Rekonstruktionsprojekte in Budapest - ich bin begeistert!

    Im Rahmen des Liget-Projektes im Stadtwäldchen gibt es einige Fertigstellungen - falls hier noch nicht darüber berichtet wurde:

    Das Haus der Musik des japanischen Ökoarchitekten Sou Fujimoto: https://www.baunetz.de/meldung…o_Architects_7957146.html Ist nicht der Oberkracher, aber stört zumindest nicht im Wald.

    Dann das Völkerkundemuseum auch im Stadtwäldchen in Form einer Wippe: https://ligetbudapest.hu/en/re…get/museum-of-ethnography

    Hier noch die im Stadtwäldchen geplante Nationalgalerie von Sanaa https://worldarchitecture.org/…dapest-s-green-mayor.html


    Bei aller Euphorie über die vielen Reko-Projekte in Budapest sollte trotzdem nicht vergessen werden, dass u.a. im IV.-Bezirk und in der Josefstadt hunderte Gründerzeitler unsaniert in einem schlechten Zustand sind. Mit Einschusslöchern vom 2.Weltkrieg und Ruinenbars a la Berlin der Nachwendezeit hat es Gewiss seinen Charme. Aber am Ende des Tages hat Budapest immer noch eine riesige Sanierungsarbeit vor sich. Zumindest wurden die Häuser nicht unnötig nach dem Krieg abgerissen und das Potential der Bauten ist gewaltig.

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • Im IV. Bezirk war ich nicht. Ich habe aber bei meinen Budapest-Besuchen stets an der Grenze zur Josefstadt gewohnt und bin auch somit regelmäßig dort durchgelaufen. Klar, ist das mit schwäbischen Sanierungsmaßstäben nicht vergleichbar, ist nicht steril, und es hat eben einen gelegentlich etwas rauen Charme. Aber ruinös kam mir das Viertel nicht vor. Gleichwohl will ich mir kein Urteil anmaßen und kann das nur aus der Perspektive des Stadtdurchwanderers beurteilen.

  • Im IV. Bezirk war ich nicht. Ich habe aber bei meinen Budapest-Besuchen stets an der Grenze zur Josefstadt gewohnt und bin auch somit regelmäßig dort durchgelaufen. Klar, ist das mit schwäbischen Sanierungsmaßstäben nicht vergleichbar, ist nicht steril, und es hat eben einen gelegentlich etwas rauen Charme. Aber ruinös kam mir das Viertel nicht vor. Gleichwohl will ich mir kein Urteil anmaßen und kann das nur aus der Perspektive des Stadtdurchwanderers beurteilen.

    Ruinös ist in der Gesamtheit in der Tat übertrieben. Aber vieles ist ungepflegt und unsaniert.

    Hier noch ein interessantes Denkmal: Die Reste des 1965 für den U-Bahnbau geopferten Nationaltheaters https://hu.wikipedia.org/wiki/…/F%C3%A1jl:Oldnemzeti.jpg

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  • Liebe Deutsche,


    Für den vollständigen Wiederaufbau des Archivs wurde eine öffentliche Ausschreibung angekündigt.

    Eine weitere gute Nachricht dazu ist, daß dieses Nebegebäude (Directorhaus oder sowas hieß es) wir gebaut. Interessanterweise wurde dieses Gebäude nie gebaut, also geht es nicht um einem "Wiederaufbau" in diesem Falle!



    Quelle: TallBuiling / skyscrapercity


    Eine zweite gute Nachricht ist, daß die Fassade des alten Gebäudes des Verteidigungsministeriums endlich beschlossen wurde: Sie wird originalgetreu wiederaufgebaut.


    Dies war eine große Unbekannte, da der ursprüngliche Plan folgendermaßen aussah:



    Original:


    Aufgrund sehr negativer Rückmeldungen änderten sie ihren Plan (deo gratias). In einigen Monaten dürften genauere Einzelheiten bekannt sein.


    Quelle: https://index.hu/kultur/jardas…t-gyorgy-teri-homlokzata/



    Danke!

  • Atala, das Archiv ,wo genau stand es und wird es wieder stehen?


    Der hintere Teil des Verteidigungsministeriums wird durch die Änderung des Plans deutlich länger ausfallen als noch auf der Animation zu sehen? Also dann die orginal historische Länge?

  • Ich bin zwar nicht Atala aber ich antworte trotzdem mal: Das Archiv liegt quasi - verglichen mit dem Burgpalast - genau auf der anderen Seite des Burgbergs, direkt neben dem Wiener Tor:


    https://www.google.com/maps/pl…3d47.5048185!4d19.0301632


    Wo die "Directorenwohnung" erbaut werden soll, steht momentan noch stand dieses seltsame "Gewächshaus":

    https://www.google.com/maps/@4…rd1ilQ!2e0!7i13312!8i6656


    Zum Verteidigungsministerium: Es gab einen Zwischenflügel zwischen dem Hauptquartier der Streitkräfte (das Gebäude, auf dessen Rumpf gerade die neue Stahlbetonkonstruktion aufgesetzt wird zur Rekonstruktion der Fassade) und dem Hauptgebäude des Verteidigungsministerium zum St.-Georgs-Platz hin, der die (Seiten-)Fassade des Hauptbaus in fast identischer Weise fortsetzte. In dem Artikel wird erwähnt, dass die Rekonstruktion verkürzt wird. Es wäre also eigentlich ein logischer Sicht Schritt, genau diesen Zwischenflügel (in diesem Beitrag gut zu erkennen) nicht wieder zu errichten (aus architektonischer Sicht kein Verlust) sondern das Hauptgebäude des Verteidigungsministeriums direkt an das Hauptquartier anschließen zu lassen. Da sich der gesamte Gebäudekomplex (Hauptgebäude+Zwischenflügel) zum St-Georgs-Platz hin ursprünglich verjüngte, müsste dementsprechend das rekonstruierte Hauptgebäude dann seine Flügel etwas breiter Strecken (oder auf einer Seite noch weiter), um auf beiden Seiten direkt an das Hauptquartier anzuschließen, damit keine hässliche Brandmauer-Lücke entsteht.

    Wollen wir mal hoffen das es so kommt, bislang gibt es soweit ich weiß keine offizielle Bestätigung der Informationen aus dem Artikel.

  • Atala, das Archiv ,wo genau stand es und wird es wieder stehen?


    Der hintere Teil des Verteidigungsministeriums wird durch die Änderung des Plans deutlich länger ausfallen als noch auf der Animation zu sehen? Also dann die orginal historische Länge?

    Das Archiv wurde zwischen 1913 und 1918 errichtet. Das Gebäude befindet sich am Wiener Torplatz der Budaer Burg.




    Für das Gebäude wurde ein zusätzlicher Flügel geplant, der aufgrund fehlender Ressourcen nicht realisiert wurde.


    (1934)


    Das einzigartige Merkmal des Gebäudes ist der im ikonischen Turm verborgene Schornstein, dessen Design an einen der Türme des mittelalterlichen Palastes erinnert.


    (1936)


    Eines der letzten Bilder des Gebäudes vor der Belagerung. (1941)



    Während der Belagerung erhielt das Gebäude mehrere Treffer. Leider wurde ein Teil der Sammlung zerstört.


    (1946)


    (1945)

    Leider wurde der Turm aus Sicherheitsgründen gesprengt.


    Der Stumpf des Turms


    (1946)


    Das Gebäude wurde schnell restauriert. (1963)



    Heute:

  • Vielleicht können die Kuppeln des Hauses Stein an der Mündung der Adrássy út wieder aufgebaut werden. Das Gebäude selbst wurde um 1882 im neobarocken Stil erbaut. Die Hälfte der im Krieg beschädigten Kuppeln wurde damals abgerissen. Später, Anfang der 2000er Jahre, wollten sie das Gebäude renovieren aber aufgrund eines Rechtsstreits kamen sie nur so weit, das gesamte Dach abzureißen. Bis heute gibt es ein provisorisches Dach auf dem Gebäude.


    Vor langer Zeit:





    Gegenwärtig:


    Zukunft:




  • Vielleicht für manche der an der eigenen Geschichte Interessierten unter Euch eine Überraschung, aber von der ersten Volkszählung im Jahr 1715 bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Stadt eine deutsche Bevölkerungsmehrheit. Noch im Jahre 1882 - also dem Geburtstag des Hauses Stein - war jeder 3. Budapester ein Deutscher! Auch interessant: Bei der Volkszählung 2011 hatte Budapest ca 80 Prozent Ungarn als Bevölkerungsmehrheit, aber die restlichen 20 Prozent verteilten sich auf Deutsche, Zigeuner, Rumänen und Sonstige (übrigens in dieser Reihenfolge)!


    Ich selber kenne zwei „Deutsche“ Budapester, wobei der zweite ein ehemaliger Klassenkamerad aus Wien ist, der in den 2000er Jahren nach Budapest auswanderte und dort eine Familie gründete, dessen Kinder zweisprachig aufwachsen. Irgendwie schön wie die alte, gute kuk Zeit im Kleinen wiederbelebt wird.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Und noch einige interessante Fakten zu Budapest. 1838 und 1876 wurde Budapest von extremen Hochwassern heimgesucht. 1838 zählte man bei der Flutkatastrophe 70.000 Todesopfer. Also auch ohne Klimawandelunwetter hatte die Menschheit schon immer mit Hochwasserkatastrophen zu kämpfen.

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • Auch in Budapest soll ein neues Kulturquartier entstehen und zwar im Stadtpark Varosliget. Bereits fertiggestellt ist das neue Ethnografische Museum. Verglichen mit dem Lausanner Beispiel ist weitaus ansprechender und enthält auch ornamentale Elemente.



    Quote

    Die gläserne Gebäudehülle befindet sich hinter einer auffällig dekorierten Vorhangfassade aus Aluminium, die an ungarische Häkelspitze denken lässt. Sie besteht aus einem Gitterraster, auf dem gut eine halbe Million kleine Würfelelemente sitzen. Die Muster, die sie formen, basieren auf ethnografischen Motiven aus den ungarischen und internationalen Sammlungen des Museums.


    Koloss mit Häkelspitze - Ethnografisches Museum in Budapest von Napur Architect

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Auch in Budapest soll ein neues Kulturquartier entstehen und zwar im Stadtpark Varosliget. Bereits fertiggestellt ist das neue Ethnografische Museum. Verglichen mit dem Lausanner Beispiel ist weitaus ansprechender und enthält auch ornamentale Elemente.




    Koloss mit Häkelspitze - Ethnografisches Museum in Budapest von Napur Architect

    Ja! Innerhalb des Lignet-Projektes wurde bereits das Haus der Musik eröffnet: https://www.baunetz.de/meldung…o_Architects_7957146.html

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  • Das Ethnographische Museum finde ich bedrückend. Nähert man sich den seitlichen Eingängen ist es, als laufe man unter die Unterseite einer Wippe, die einen jeden Moment zu zermalmen droht. Das Dachgrün reisst es nicht raus bei diesem Koloss. Das Haus der Musik hingegen ist im Vergleich weit gefälliger. Es hat etwas von einem Hobbit-Haus.