Budapest - Perle an der Donau

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Tja, früher haben die Deutschen und Österrreicher immer sehr überheblich auf ihre Nachbarn geschaut.

    Wenn in Ungarn alles vollsaniert sein wird, wird es umgekehrt sein.

  • @ Atala


    Mag sein, dass eine Regierung wie in Ungarn eher pro-Rekos ist. Das ist natürlich gut für das Stadtbild. Wenn das auf Kosten des Rechtstaates (siehe hier) und massiver Korruption mit sich führt, verzichte ich lieber auf Rekonstruktionen.


    Nur ein Paar Beispiele:


    - Die Umsätze der Kern-Unternehmen von Orbáns Vater haben sich von 2013 bis 2015 verdoppelt.

    - Die Unternehmen von Orbáns Brüdern generieren, laut eigenen Angaben, mehr als 2/3 ihrer Umsätze durch öffentliche, EU-finanzierte Ausschreibungen. Über diese Ausschreibungen befindet in letzter Instanz - und im Unterschied zu dem von der EU gewünschten Verfahren - das Amt des Ministerpräsidenten. Ein klarer Fall von Interessenskonflikt.

    - Die Unternehmen von Orbáns Vater (Gyözö Orbán, u.a. Dolomit Kft.) traten hingegen nie direkt als Gewinner von EU-finanzierten Ausschreibungen in Erscheinung, jedoch stets als exklusiver Zulieferer für Gewinner solcher Ausschreibungen. Den Bewerbern wird also unmissverständlich klar gemacht, was zu tun ist, um den Zuschlag zu erhalten.
    - Die Unternehmen von Orbáns Intimus (Strohmann, Gutsverwalter...) Mészáros profitierten nach dem gleichen System, in Größenordnungen über 600 Mio. EUR in den vergangenen zwei Jahren.


    Quelle: Artikel aus 2017


    Das wird wahrscheinlich wieder als Fake News bezeichnet... Auf Dauer kann es aber nicht für Ungarn nützlich sein, dass EU-Gelder an Mafia-ähnliche Strukturen auf höchster Ebene in der Regierung und deren Familien fliessen. Ungarn war im Ostblock in den 1980'er Jahren mit Jugoslawien auf einen Weg zur Demokratie - ich finde es sehr Schade, dass die Hoffnung nicht erfüllt wurde.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Könnt ihr bitte das Abschweifen in politische Off-Topic Bereiche bleiben lassen? Hier geht es um Rekonstruktionen in Budapest, nicht um Fragen der Demokratie in Ungarn.

  • Off Topic: Eigentlich ist das ja immer so eine deutsche Unart, wildfremden Menschen aus anderen Ländern auf biegen und brechen eine politische Diskussion aufbinden zu wollen.

    Aus dem nichts kommt dann vorwurfsvoll: Aber deine Regierung...!, euer Präsident...! und überhaupt alles ganz schrecklich, wie hältst du es dort überhaupt aus...! Und erst die Straßen...! Dann werden allerlei Sachen wiedergekäut, die man hier irgendwo in den Medien aufgeschnappt hat und zum Schluss kommt dann eine verheißungsvolle Stille, die bedeutet: Nimm Stellung! Bekenne dich! Sag mir wie hältst du es mit xy?!! In Deutschland wissen wir nämlich, wie der Hase zu laufen hat in der Welt. Der „Angeklagte“ weiß meistens nicht wie ihm geschieht und versucht aus der Situation irgendwie mit peinlich berührtem lächeln rauszukommen. Zum Fremdschämen war das oft, wenn Kommilitonen auf diese Art und Weise unbeholfen versucht haben, auf Partys oder anderen studentischen Veranstaltungen „Kontakt“ zu nicht deutschen Studenten mit einem penetranten, ungefragten Politisieren aufzunehmen. So kommt mir Däne hier auch vor.

  • Dann ist es ja auch eine dänische Unart :smile: ... Ich finde es schon berechtigt darauf hinzuweisen, dass die Rekonstruktionen in Buda-Bereich eng mit der "Vision" für Ungarn von Orban zusammenhängt. Orban möchte ja an Ungarn vor 1920 anknüpfen, was sich auch hier in der Architektur deutlich wird (und natürlich hier im Forum auf viel Gegenliebe stösst). Insofern finde ich nicht, dass die Diskussion "aus dem nichts kommt", denn hier gibt es eine direkte Verbindung von (teilweise totalitärer) Politik und Architektur. Ich war von ein Paar Jahren in Budapest und habe sowohl kritische als positive Meinungen zur Umgestaltung des Burgviertels gehört. Die negativen waren eher mit den Kosten verbunden.


    Jeder seiner kann sich seine Meinung über die Regierung in Ungarn bilden. Ich finde es persönlich erschreckend, was sich in Ungarn abspielt, nicht nur Betrug von EU-Mittel (dazu trage ich als Steuerzahler auch zu), sondern vor allem was Pressefreiheit und Antisemitismus betrifft. Die George Soros-Bilder, die ich mehrmals in Budapest gesehen habe, sprechen Bände.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Tja, früher haben die Deutschen und Österrreicher immer sehr überheblich auf ihre Nachbarn geschaut.

    Wenn in Ungarn alles vollsaniert sein wird, wird es umgekehrt sein.

    Sie meinen es umgekehrt: Die Polen verwenden fuer Deutsche den Spitznamen "Dumkoepfe"

    Die Ungarn hatten immer ein gutes Bild im Westen und vor den Tschechen hatten die Deutschen Angst.

  • Wie´s in Dänemark läuft, weiß ich nicht. Aber "Däne" kann sich gerne auch über die Zustände in Deutschland erschrecken...


    Pressefreiheit? Wer hat sie? Wo ist sie? Die Zeitungen gehören meist Konzernen, die Abweichungen bei den Redaktionen sind mittlerweile marginal, zumal sich die meisten Organe ohnehin bei dpa bedienen. Es gibt alternative Medien, deren Kanäle, sobald es youtube, Twitter, Facebook und Correctiv (u.a. finanziert von Open Society Foundations... knickknack) beliebt, gesperrt oder nicht mehr angezeigt werden. Beispiele werden mir regelmäßig mitgeteilt. Der Rest sind geduldete Spielwiesen für ein Randpublikum, häufigen Attacken ausgesetzt.


    Antisemitismus? Nimmt hier auch zu. Man höre mal Berichte aus manchen Schulen. Daran sind selbstverständlich die wachsenden Massen an AfD-Anhängern unter den Schülern schuld, gerade in innerstädtischen Wohnlagen.


    EU-Mittel? Der deutsche Steuerzahler zahlt doch gerne Steuern. Oder gibt es einen Aufschrei in der Bevölkerung gegen die Target-Salden, die Aufkäufe von Anleihen maroder Staaten durch die EZB oder überhaupt gegen den umverteilenden EU-Haushalt mit Deutschland als größtem Euro-Nettozahler?


    Bilder? Uns werden z.B. regelmäßig unvorteilhafte Bilder Donald Trumps präsentiert (siehe hier, hier oder hier). Stört offenbar niemanden, da blond. Also, alles superlustig, alles supergut.

  • Egal die Politik - es ist doch erfreulich dass Budapest wirklich schöner wird. Fur 8 Jahren war die Stadt zwar sehr schön aber auch arg mitgenommen.

  • Mal ein wenig zur Architektur im wunderschönen Budapest, gelegen im vernunftgeleitet regierten Ungarn.


    Der imposante, durchaus sanierungsbedürftige Anker-Palast (Anker palota) am Franz-Deak-Platz (Deák Ferenc tér).

    Meine Bilder stammen aus dem Jahr 2015. Im Hintergrund sind die Türme der St.-Stephans-Basilika zu sehen.


    Links des Gebäudes führt in rundem Schwung eine Straße (Anker köz) hinter das Gebäude.


    Die Fassadierung der gegenüberliegenden Seite entspricht dem Anker-Palast, ist aber - offenbar in unterschiedlicher Stärke/Tiefe - den dort liegenden Gebäuden nur vorgeblendet.



    Wer kann denn etwas zu dieser Besonderheit sagen?


    Hier das Gebäude bei seiner wahrscheinlich letzten Sanierung im Jahr 1960:

    1024px-De%C3%A1k_Ferenc_t%C3%A9r%2C_Anker_h%C3%A1z_fel%C3%BAj%C3%ADt%C3%A1sa_1960-ban%2C_Budapest._-_Fortepan_103232.jpg

    FOTO:Fortepan - ID 103232, Adományozó/Donor: Budapest Főváros Levéltára. CC BY-SA 3.0

    Auch schön: https://hungarytoday.hu/budapest-now-picture-day-73036/

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Finde in Budapest vieles was ich bisher in Berlin vergebens suchte. Orban hilft Budapest ein bisschen zu heilen wo die Deutschen schon 70 Jahren versagen und abrissen statt zu rekonstruieren. Architekten oder Bauherren sind in D. unfähig modern klassisch oder traditionel schön zu bauen während das in der Gründerzeit ganz normal war. Brauerstrasse Potsdam oder Friedrichswerder Berlin sind exemplarisch für dieses Versagen. Gar noch zu schweigen von einer klotzige "Petrikirche" ohne jeden Geschmack.

  • Na ja, Brauerstraße Potsdam braucht man jetzt in diesem Zusammenhang nicht unbedingt zu nennen. Abgesehen davon gibt es in Budapest ungleich weniger zu "heilen" als in Berlin. Da ist ein intaktes Stadtbild die Regel, dort die Ausnahme.

    Was die "Vorblendung" von Fassaden betrifft, so erscheint das bei einem Gebäude, das in einem Guß entstanden ist, also einer einzigen Epoche angehört, ein klein wenig tautologisch. Ich würde eher sagen, dass darauf Wert gelegt wurde, eine kurze Gasse mit homogener Fassadierung auszustatten.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Schon richtig, aber in dieser Art und Weise habe ich das noch nicht irgendwo gesehen. Die Straßenrundung wurde ja wohl erst mit dem Neubau des Palastes dort hineingeschnitten und die linken Häuser schätze ich dementsprechend auch eher nicht als zeitgleich errichtet ein.


    Nachfolgend zwei gut bebilderte Artikel. Allerdings habe ich über die genaue Baugeschichte mit der etwas holprigen Browser-Übersetzung auch nichts Präzises erfahren.


    Hiányzó horgony a Deák téren - vasárnap.hu


    Az Anker-palota - Kép-Tér Blog - Teil 1

    Az Anker-palota - Kép-Tér Blog - Teil 2

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    (Immanuel Kant)

  • Liebe Deutsche,

    Noch eine gute Nachricht aus Ungarn. Der Turm des Ungarischen Nationalarchivs wird wiederaufgebaut sein. Es gibt noch keine sehr konkrete Angaben bezüglich des Zeitraumes, aber jetzt wird es sicher wiederaufgebaut als Teil des Hauszmann Projekts.


    Alt





    1945



    Bald




    Quelle: Magyar Epitok (Lesen Sie mehr hier)

  • Ein interessantes Projekt.


    Wie stark waren die Zerstörungen in Budapest durch den 2. WK?

    Sind die ganzen Abrisse nur auf die Kommunistische Partei zurückzuführen oder waren die Gebäude bereits durch den Krieg stark zerstört?

  • Ein interessantes Projekt.


    Wie stark waren die Zerstörungen in Budapest durch den 2. WK?

    Sind die ganzen Abrisse nur auf die Kommunistische Partei zurückzuführen oder waren die Gebäude bereits durch den Krieg stark zerstört?

    Nicht nur, sondern vor allem durch die Zerstörungen der Sowjets 1945 und dann wieder durch selbige 1956. 1945 wurde der Burgbezirk mitsamt der Burg stark zerstört und 1956 bei der Niederschlagung der bürgerlichen Revolution haben die sowjetischen Panzer vor allem die Altstadtbereiche entlang der Donau. Wie auch immer, diese Zerstörungen sind trotzdem harmlos im Gegensatz zu den Zerstörungen, die man aus Großstädten in Deutschland kennt.


    Die Ungarn - wie man hier im Strang wunderbar beobachten kann - machen sehr viel richtig mit der Wiederherstellung ihrer Bauwerke! Budapest wird von Jahr zu Jahr schöner. Ähnlich wie Dresden und Posdam, wobei Budapest im Vergleich zu Dresden in Relation dann wirklich nicht mehr viel herzustellen hat, weil die Zerstörungen in Budapest nur ganz punktuell und nicht flächendeckend waren wie in Deutschland.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Atala,wie geht man bei Ihnen in Ungarn mit dem Thema Rekonstruktion verlorener historischer Gebäude oder Rekos von verlorenen Gebäudeteilen wie hier der Turm des Ungarischen Nationalarchivs in der Öffentlichkeit und Presse um?

    Bei uns in Deutschland jedenfalls wird erst einmal ordentlich dagegen gehalten alles abgelehnt und lange Diskussionen (viel politisch und geschichtlich)geführt ehe sich die ein oder andere Reko am Ende durchsetzt oder auch nicht.Bei der Moderne in geht es in Deutschland bedeutend ruhiger und entspannter zu.

  • In Budapest ist mit der Rekonstruktion der Burg und Regieringsgebäuden und einige ehemalige Türmaufbauten am Gründerzeitler (wie am Eckgebäude am Anfang der Andrassy Boulevard) und Sanierung 100 Wohngebäuden schon sehr viel erreicht. In Hamburg, Berlin, Köln, Dresden, Magdeburg ist so etwas ein Tropfen in der verheerende Zerstörung im Krieg und Abstuckung and Abriss danach von hunderttausende von bedeutende und ortstypische Gebäuden. An der Donauseite von Pest sehe ich noch keine Rekonstruktionen, so lange noch viele Bauten Sanierung benötigen. Budapest ist, im gegensatz zur Deutsche Grosstädten, noch ganz intakt. Es fehlen "nur" 100 Gebäuden. In Magdeburg sind das leicht 3000 Gebäuden, gar zu schweigen von Berlin.

  • Also an der Hangseite hier vorne rechts soll der Turm dann wieder errichtet werden.


    Ich hätte gar nicht vermutet, dass dem Gebäude des Staatsarchivs etwas gefehlt hat und besonders essentiell erscheint mir dieser ein wenig merkwürdig gestaltete Turm auch nicht.


    Aber selbstverständlich schön, dass selbst solche Sachen in Budapests wiederhergestellt werden.

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