Berlin in alten Bildern

  • Wie in Eiserner Pirat s Bildern ist es interessant zu sehen, wie der langsame Durchbruch der Technologie "Elektrisches Licht" zu Beginn des 20. Jahrhunderts ("Berlin war Ende der 1920er Jahre erst zu 50 % an das Stromnetz angeschlossen." Quelle: Wikipedia) nicht nur zu einer immer größeren Breite der Verwendung führte sondern auch zu ganz neue Impulse für Architektur und Reklamedesign brachte. So etablierte sich - nach temporären Aktionen wie der "Lichtwoche" - irgendwann auch das Element der akzentuierten Architekturbeleuchtung als Bestandteil des Gesamtentwurfs, wie wir es heutzutage kennen. Ebenso das "in Szene setzen" von markanten Gebäuden oder das Kreieren von Lichtinstallationen. Der Lichtdom von Albert Speer gehört auch dazu.


    Manche Gebäude profitieren in meinen Augen auch von einem Lichtkonzept. Zum Beispiel das Cines-Lichtspieltheater am Nollendorfplatz (UFA-Pavillon). Bei Tag ein grauer Kasten, ähnlich einem Hochbunker oder Mausoleum.


    Quelle: Wikipedia


    Und bei Nacht ein "Tempel" der Filmkunst. Hier zur Premiere von Fritz Langs Film "Metropolis" 1927.

    Quelle: Facebook

  • Ich muss noch mal zu diesem Bild zurückkehren, es lässt mir einfach keine Ruhe!


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    Im Wikipediaartikel steht zwar, das das Café 1913 an die Adresse Kurfürstendamm 26 gezogen ist, was auch der Fertigstellung des Hauses entspricht, dort war die Filmbühne Wien, ursprünglich als Union-Palast erichtet. Das markante Gebäude hat den Krieg fast unbeshadet überstanden und ist heute teilweise an Apple vermietet.


    Doch hat die hier gezeigte Fassade mit der der Filmbühne Wien nun garnichts gemeinsam. Hier scheint es sich doch eher um den Umbau eines älteren Hauses zu handeln, dem man die fassade gestohlen und eine moderne vorgeblendet hat. Auch das Bierzelt deutet ja darauf hin, dass das Nebenhaus entweder noch nicht errichtet war oder schon wieder abgerissen, also hier ein Leergrundstück existierte.


    Da ich mal schätze, dass das Foto nicht vor 1928, aber vor 1932 gemacht wurde, es fehlt der damals geliebte Fahnenschmuck.


    1930 aber war die Adresse bereits wieder eine andere, nämlich Kurfürstendamm 18-19, also wieder an der Ecke der Joachimsthaler Straße. dort aber soll ab 1932 das Café Kranzler eine Zweigstelle gehabt haben.


    Das imposante Eckegebäude wurde bereits Ende der 20 Jahre 'modernisiert', ob dabei Teile abgerissen wurden, weiß ich leider nicht, würde aber das Bierzelz erklären.


    Ich habe mal zwei Fotos von 1935 mit Kranzler, ganz andere Terrassenbegrenzung und Lampen.


    Kurfürstendamm


    Kurfürstendamm


    Im Adressbuch von 1935 taucht das Café des Westens dann unter der Adresse Kurfürstendamm 24 auf????


    Könnte es also doch die Adresse wie Eiserner Pirat angegeben hat sein? Rätsel über Rätsel, aber lösbar!

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    Quelle: Deutsches Historisches Museum


    Schade, dass die Amerikanische Kirche im Hintergrund nicht erhalten wurde. Viele Beispiele von Gebäuden mit gotischem Charakter in Berlin sind mir nicht bekannt..

  • Im Adressbuch von 1935 taucht das Café des Westens dann unter der Adresse Kurfürstendamm 24 auf????

    Das ist in der Tat verworren, aber lässt sich dann vielleicht mit weiteren Daten bestätigen. Die im Bild rechts zu sehende Pilsner-Urquell-Klause wird hier mit Ku'damm N°23 erwähnt, hier jedoch mit Ku'damm N°22. Vielleicht haben sich ja die Hausnummern verschoben, jedenfalls könnte das als rechtes Nachbarhaus des CdW (N°24) zusammenpassen.

    Die Hausnummer N°23, N°24, N°25 waren ja die symmetrischen Alfred-Messel-Bauten (der linke steht ja noch neben Haus Wien mit verschandeltem Dach, 'Hotel am Zoo').

    Ist also das CdW Anfang der 1930er temporär in den mittleren Bau eingezogen, dessen Fassade man radikal umgestaltet hatte? Oder könnte es sich nicht auch um die Ansicht der Hofseite handeln, die zusammen mit der Urquell-Klause genutzt wurde?


    Die ganzen Bilder des Piraten entstammen ja alle dieser Seite über einen im letzten Jahr veröffentlichten Bildband. Dort heißt es zum betreffenden Bild (wenn man draufklickt):

    "In diesem etwas vornehmeren Etablissement am Kurfürstendamm 18 verkehrte vorwiegend das gehobene Publikum der Umgebung. Die Fassade sowie die Beleuchtung des Außenbereiches waren im Stile der Neuen Sachlichkeit gestaltet. Die Terrasse wurde von einer üppigen Blumendekoration begrenzt. Rechterhand befand sich die Pilsner Urquell Klause."


    Dass halte ich dann aber hinsichtlich der Hausnummer aus den von Dir bereits genannten Gründen für nicht zutreffend. Vielleicht kommst Du jetzt weiter mit der Zuordnung; halte mich mal auf dem Laufenden, bitte.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Mosse-Palais


    https://de.wikipedia.org/wiki/…_from_Leipziger_Platz.jpg


    https://de.wikipedia.org/wiki/Mosse-Palais_(1885)#/media/Datei:Mosse-Palais_seen_from_Voßstraße_22.jpg


    Ohne Frage ein sehr schmerzlicher Verlust - mE eines der besten historistischen Palaisbauten mit außergewöhnlichem Bezug zur Architekturgeschichte seines Ortes, nämlich zum Berliner Schloss wie auch zu Potsdamschen Beispielen. Heute wohl unfinanzierbar.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • PariserPlatz-Super-Resolution-2020.05.28-2-klein.jpg



    Ein kurzer Gruß unseres Projektes 20s.Berlin.
    Wir Ihr vielleicht wißt bauen wir gerade ein Virtual Reality Version des alten Berlins. So schön wie es einmal war.

    Demnächst mehr auf diesem Kanal.

  • In Spandau, nördlich der Altstadt, wo die Schönwalder Straße in die Neuendorfer Straße mündet, sah es bis zur Zerstörung so aus wie auf dieser Postkarte.


    Berlin-Spandau


    Heute ist die Gegend von Bauten der 60er und 70 Jahre geprägt, schön (?) bei Goggle Earth zu sehen. Schade um das harmonische Stadtbild, für immmer passé.

  • 1945 wurde ein Photo gemacht von einer Ruine mit 2 gigantische Atlanten (ganz intakt) und Schmallspur durch den Torbogen um Trümmer zu beiseitigen. Wer von euch weiss von diesem Photo und welches Palast oder Gebäude dieser Atlanten besass. Heute kein Spur mehr von diesen gigantischen Atlanten. Das Gebäude muss ganz verschwunden sein.....

  • Meinst das Herti Kaufhaus am Alexanderplatz? Das hatte so einen riesigen Atlanten auf dem Dach. Die Ruine wurde aber nach dem Krieg abgerissen. Ebenso mit einem Atlanten geschmückt, das Herti Warenhaus in der Leipziger Straße...auch das steht schon lang nicht mehr.

  • Es gab in Berlin mehrere Gebäude mit schmückenden Atlanten im Dachbereich, dazu gehörten die hier schon angesprochenen Atlanten auf dem Dach der Kaufhäuser von Herrmann Tietz am Alex und in der Leipziger Straße, zusätzlich der Atlant auf dem Dach des Warenhauses Weiss in Schöneberg und der Atlas auf dem Dach des Reichspostamtes in der Leipziger Straße.

    Aber vielleicht gab es in Berlin noch mehr dieser bildlichen Darstellung ?


    Atlant Kaufhaus Herrmann Tietz am Alexanderplatz



    Atlant Kaufhaus Hermann Tietz Leipziger Straße



    Ruine des Kaufhauses Hermann Tietz Leipziger Straße vor dem Abriss in den fünfziger Jahren




    1947 Trümmerschutt Kaufhaus Hermann Tietz Leipziger Straße



    Atlant Warenhaus Weiss Schöneberg



    Atlas vom Reichspostamt Leipziger Straße



    Detail Atlas Reichspostamt Leipziger Straße

  • ^

    Das Reichspostamt ist ja noch als Museum für Kommunikation erhalten. Leider aber ohne die zwei Türme über dem Hauptportal.


    https://media.gettyimages.com/…e-id548188275?s=2048x2048


    Die Gelegenheit zur Rekonstruktion war schon einmal da, wurde aber nicht genutzt.

    (...) Im Jahr 1992 erhielt das Architekturbüro Henze & Vahjen den Auftrag, das Gebäude nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu restaurieren und ein neues Nutzungskonzept zu erarbeiten. Die Bewahrung der originalen Bausubstanz hatte Vorrang. Von der zunächst vorgesehenen Wiederherstellung nicht mehr vorhandener Bauteile – wie etwa der beiden seitlichen Schmucktürme auf dem Dach der Eingangsfassade – sah man ab. (...)


    Das ist aber wirklich ärgerlich. Hoffentlich bietet sich irgendwann noch eine weitere Chance zur Wiederherstellung.

  • Deine Bilder machen mich noch wahnsinnig, Eiserner Pirat. Was für ein Reichtum an Formen und Zierrat, was für ein Verlust!


    Selbst als ausgebrannte Ruine haben diese Gebäude noch mehr Strahlkraft und Vitalität als jede dieser unendlich öden Kisten, die heute am Leipziger Platz oder am Hauptbahnhof stehen.