Berlin in alten Bildern

  • Was man nicht vergessen darf, daß sich natürlich auch die Bebauung Berlins im Laufe des 20. Jahrhunderts geändert hätte, aber es wäre natürlich nicht so ein radikaler Umbruch gewesen, die der 2.Weltkrieg, seine Zerstörungen und die Nachkriegswirkungen ausgelöst haben. Der Umbau wäre sanfter vollzogen worden und wir hätten damit (jedenfalls was mich angeht) vermutlich auch weniger Probleme.


    Wie harmonisch alte und "neuzeitliche" Architektur harmonieren können, zeigt doch das Berlin der späten Kaiserzeit. Da steht die Staatsbibliothek des Hofbaumeisters Ernst von Ihne neben dem Forum Friedericianum und niemand sieht einen schmerzlichen oder gar unerträglichen Gegensatz zwischen der Mitte des 18. Jh. und dem beginnenden 20. Jh.


    Der krasse Gegensatz kommt doch erst durch Beton-, Glas-, und Stahlfassaden ohne Gesicht und Baurichtlinien, die es nicht verhindern, daß ein modernes Gebäude die historischen Nachbarn erschlägt.
    Darin sehe ich eine ungerechtfertigte Arroganz der heutigen Architektenkaste.



    Um aber noch einmal (aus bisher hier noch nicht gezeigter Perspektive) ein Beispiel eindrucksvoll, ja beinahe dramatisch und gleichzeitig einzigartiger Stadtlandschaft zu zeigen, noch ein Bild vom Mühlendamm


  • Eine Stadt lebt von der Veränderung, das sollte man immer bei all der berechtigten Diskussion im Hinterkopf behalten. So wie auf dem Stich von 1730 hat doch der Platz niemals ausgesehen. Es wird hier ein Idealzustand gezeigt, der dem König Friedrich Wilhelm I. am meisten zusagte. Er war es nämlich, der die Friedrichstadt erst zu seiner Ausdehnung verholfen hat. Das folgende Bild zeigt, wie in der Friedrichstadt gebaut werden sollte, aber nie gebaut wurde. Der Kasernenstil, den sich hier der Maler Dismas Dägen vorstellte scheiterte schon an den sehr unterschiedlichen Vermögensverhältnissen der Neuansiedler, die zum größten Teil als Glaubensflüchtlingen aus Frankreich, Böhmen, Tirol nach Preußen kamen.


    Etliche Häuser waren so primitiv, dass nach Zeitzeugen einiges bald wieder abgerissen werden mussten, oft standen die Häuser dem Straßenraster im Wege und wurden woanders wieder aufgebaut. Es waren ja nur Fachwerkhäuser mit einfachen aber zeitgemäßen Fassaden.


    Und in den 170 folgenden Jahren hat sich ja nicht nur der Geschmack der Besitzer, sondern die gesamte Stadt verändert und neue Bedürfniss kamen auf. Man sollte Baugeschichte als einen fortwähremdem Prozess betrachten, der durch Krieg oder Naturkatastrophen radikal unterbrochen wird und dann kommen eben neue Ideen zum Zuge. Ob es uns nun passt oder nicht.


    Dägen Dismas, Bauen in der Friedrichstadt, 1735:



    Wie es viel wahrscheinlicher ausgesehen hat zeigen die Stiche von Rosenberg von 1780. Hier ein Blick in die Mauerstraße mit der Bethlehemkirche





    Und nun einige historische Aufnahmen, zeitlich geordnet:



    Belle-Alliance-Platz nach Süden, 1882:



    Belle-Alliance-Platz, 1885:



    Östlich vom Hallesches Tor, F. A. Schwartz, 1891:



    Belle-Alliance-Platz, Postkarte, um 1895:



    Der Belle-Alliance-Platz, Postkarte, um 1900:



    Die Brücke über den Landwehrkanal am Halleschen Tor und der vorgelagerte Blücherplatz, um 1900:



    Der Belle-Alliance-Platz, um 1900:



    Belle-Alliance-Platz, 1916:



    Hallesches Tor, um 1925:



    Der Belle-Alliance-Platz um 1930:



    Belle-Alliance-Platz, Luftaufnahme um 1935:



    Belle-Alliance-Platz und Hallesches Tor, Luftaufnahme mit Ballon, vor 1940:



    Der unselige Plan von Düttmann und Scharoun sollte nicht nur die ideale Autostadt schaffen, wozu man die Wilhelmstraße und Lindenstraße verlegte, sondern auch Licht , Luft und Sonne für alle bringen. Das Ergebnis heute ist ein sozialer Brennpunkt, Gründe kann sich jeder denken. Auch die Architektur ist Schuld, die den ehemals sehr großzügigen Platz, der als Exerzier- und Marktplatz diente, zu stark unklammert und, trotz der aufgeständerten Häuser des Innenrings, eine Hinterhofatmosphäre zwischen den beiden Ringen schafft. Abends ist das ganze auch noch schlecht beleuchtet und herumlungernde Jugendliche machen das ganze auch nicht heimeliger. Dazu kommt dann noch die klobige Randbebauung von Düttmann, die den ganzen Rahmen sprengt und den Platz entgültig von der Friedrichstadt abschottet.


    Wenn hier nicht so viele Menschen leben würden wäre das einzige Resultat: Abriss


    Mehringplatz, Luftaufnahme, 1975:


  • Letztendlich ist doch jede Epoche zu einem gewissen Grad ignorant ggü. dem vorherigen. Sonst bestünden die Städte von heute noch aus Holzhütten. Die Vorgängerbebauung des letzten Marienviertels war ja auch nicht mehr die von vor 700 Jahren.


    Die barocke Bebauung des Platzes scheint ebenso monoton, wie die heutige. Wobei es sich bei dem Bild nur um einen Kupferstich oder so von oben handelt. Da ist sicher das eine oder andere Detail verloren gegangen.


    Das Mühlendammgebäude war schon ein hammer Teil. Wäre heute sicher ne zweite (oder erste) Kulturbrauerei.


    Ach Mensch, Spreetunnel war schneller...

    Quote

    Der unselige Plan von Düttmann und Scharoun sollte nicht nur die ideale Autostadt schaffen, wozu man die Wilhelmstraße und Lindenstraße verlegte, sondern auch Licht , Luft und Sonne für alle bringen.


    Genau. Die Autogerechte Stadt bedeutete eben nicht nur mehr Platz usw. für Autos, sondern auch Platz und Raum für den Fußgänger. Also um Grunde - als Gegensatz zum heute angesagten Shared Space oder zum allgemeinen "Mixed Space" - ein "Separated Space". Das könnte man ja auch bei einer Neubeuaung beibehalten, und trotzdem die alten Einmündungen zur Öffnung des Platzes wieder herstellen. Nur eben nicht als Autostraße, oder höchstens für Anlieger.

  • Beim Durchsichten der hier geposteten alten Fotos bin ich auf zwei Sachen gestoßen:


    In #89 hatte Palantir ein sehr altes Foto von der Alten Leipziger Straße eingestellt. Ich habe lange darüber gerätselt von wo das Bild wohl aufgenommen wurde und in welchem Kontext die Spitze der Marienkirche zu sehen sein mag und ich bin darauf gekommen, dass das Bild ja von einer Glasplatte stammt und einfach seitenverkehrt ist.


    Dann stimmen auch die Häuser der Ecke Kurstraße wieder (von denen ich auch Abbildungen habe), der Knick der Alten Leipziger Straße zeigt richtig nach rechts und die Marienkirche steht an der richtigen Stelle. Das kann man gut mit einem Lineal auf einem alten Stadtplan nachvollziehen.


    Hier das Foto, wie es ursprünglich abgebildet war



    und nun umgedreht:



    Die zweite Sache bezieht sich auf ein Foto, welches @schlosshof unter #99 gepostet hat. Es stellt ein Zinshaus in der Mohrenstraße dar, leider ohne Hausnummer. Nun bin ich auf einem Foto von 1907 auf eine Ansicht der Mohrenstraße, Ecke Kanonierstraße (heute Glinkastraße) gestoßen und das schmale Handtuch mit der Nummer 57, auf beiden Fotos läßt sich das "Zinshaus" gut erkennen bzw. verifizieren. Anbei auch der Straube-Stadtplan von 1910 mit dem rot markierten Haus:



    Mohrenstraße 56:



    Das schmale Handtuch Mohrenstraße 57:



    Ansicht des Abschnitts Mohrenstraße 62 - 51 zwischen der Kanonier- und der Friedrichstraße:



    Ausschnitt aus Straubeplan von 1910 mit rot markiertem Grundstück Mohrenstraße 56



    Wieder ein Mosaiksteinchen mehr im unendlichen Puzzle der Berlinforschung. :smile:

  • Wahnsinn! Dankeschön!


    Wenigstens blieben noch die Abbildungen dieser herrlichen Häuser erhalten...damit unsere Nachkommen vielleicht pro futuro das eine oder andere Prachtgebäude doch wieder auferstehen lassen, die meiner Meinung nach - was vor allem die Aufenthalts- und Lebensqualität anbelangt - den bisherigen Höhepunkt europäischen Wohnbauens bildeten.


    Dieses "Wiener Bauten Album" möcht´ ich auch gern haben...!!!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Letztendlich ist doch jede Epoche zu einem gewissen Grad ignorant ggü. dem vorherigen. Sonst bestünden die Städte von heute noch aus Holzhütten. Die Vorgängerbebauung des letzten Marienviertels war ja auch nicht mehr die von vor 700 Jahren.


    Jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Kern vieler solcher Abneigungen eher im Sinne einer ästhetischen Idee standen als der gesprungenen Funktionalismusplatte der modernen Architekten. Das zeigt z.B. ein Blick auf die Deutsche Architekturgeschichte: Der Gotik war das Romanische zu stumpf und karg, der Renaissance das Gotische zu vulgär und direkt (nicht umsonst leitet sich "Gotik" von der Schmähung Vasaris als "stile gotico", also "Stil der (barbarischen) Goten" ab). Das Barock wiederum empfand die Renaissance als zu streng und abwechslungslos, während der Klassizismus das Barock als "verwilderten Dialekt der Renaissance" schimpfte. Der Historismus wiederum reagierte auf die industrielle Revolution mit der Idee, dass sich die kunsthistorische Gestaltung eines Baus aus seiner Funktion (bspsw. Rathaus -> Bürgerstolz -> Gotik) ergeben sollte und leitete die gestalterische Übertrumpfung ein. Expressionismus und Jugendstil schließlich versuchten sich von der schablonenhaften Beliebigkeit durch individuellere Ornamentik zu distanzieren, und der dekorativen Quantität völlig überdrüssig, setzte die Frühmoderne schließlich dem Ganzen zurückhaltende Eleganz und lichte Individualität entgegen.
    Und dann kam das Funktionale. Das Ergebnis sehen wir ja heute.


    Als der Dom von Chartres brannte, entschloss man sich zum Bau jener kühnen gotischen Konstruktion, die wir heute so schätzen. Nachdem London 1666 in Flammen gestanden hatte, wuchsen Perlen des Barocks in den Himmel. Doch als das Feuer nach Berlin kam, schlug man Straßen und Satellitenstädte durch die Ruinen. Und genau das ist Berlins Problem.

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • In diesem Jahr wird am Leipziger Platz das neue Einkaufszentrum eröffnet. Es steht auf dem Areal des früheren Warenhaus Wertheim.


    Der Platz heißt seit genau 100 Jahren so, um an die Völkerschlacht bei Leipzig zu erinnern, er hieß vorher "Oktogon" und war neben dem "Rondell", heute Mehringplatz, und dem "Quarree", heute Pariser Platz, einer der großen Plätze der barocken Stadterweiterung unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.


    Historische Ansicht vom Oktogon, von Friedrich August Calau, um 1800:





    Von Wilhelm Barth, um 1800:





    Beginnen will ich mit den Hausnummern 1-3, dem Hotel Fürstenhof.


    Hier aber zuerst zwei Ansichten des alten Fürstenhofs, Foto: Max Missmann, 1899:



    Der alte Fürstenhof, jetzt in Besitz der Familie Aschinger, aus BAW Oktober 1908:




    Soweit nicht anders benannt sind alle weiteren Bilder aus der "Berliner Architekturwelt" (BAW) von Oktober 1908.


    Das Hotel sah aus wie eine riesige Burg mit vier Festungstürmen, hatte aber nur drei Türme, alle dachten es habe vier Türme, denn von welcher Seite man es auch sah, den vierten Turm konnten man sich immer nur denken.









    Details der Fassade zum Potsdamer Platz, dem Leipziger Platz und den 2 Innenhöfen:
















    Erkerkrönung am Potsdamer Platz:





    Diese Bild stammt von der Seite der "Farbfotos im alten Berlin" :wink: von Dirk #2 hier im Forum, ca. 1942:






    Nun Bilder vom Innnenleben des Hotels:


    Eingang am Leipziger Platz:



    Das Vestibül:



    Schnitzereien im Vestibül:




    Korridor des Hotel:



    Kaffee im EG:



    Aufgang zum Kaffee in der I. Etage



    Kaffee in der I. Etage:




    Treppe zur Bierschwemme in der I. Etage



    Aufgang zur Bierschwemme in der I. Etage:



    Bierschwemme in der I. Etage



    Bierschwemme in der I. Etage, Stütze:



    Innenansicht der Bierschwemme, noch ohne Bier:




    Automatenrestaurant:



    Alle weiteren Fotos aus unterschiedlichen Quellen :lachen:



    Am unteren Bildrand angeschnitten der Fürstenhof:



    Luftaufnahme vom Potsdamer- und Leipziger Platz, um 1935:





    Die beiden Schinkelschen Wachhäuser, die bis etwa 1866 wegen der Zoll- und Akzisesteuer hier Dienst taten, Foto: 1936:



    Der U-Bahneingang am Leipziger Platz, dahinter der Fürstenhof, um 1910 (?):



    Fürstenhof als Ruine, dahinter die Kuppel des Hauses Vaterland. Das nördliche Wachhaus von Schinkel in Schutt und Asche 1946:



    Der Leipziger- und Potsdamer Platz, 1955:



    Blick in die heutige Stresemannstraße mit der Ruine des Fürstenhofes und des Hauses Vaterland:


  • Hätte man gut noch retten können, wie auch Wertheim, Vaterland, Columbushaus, Potsdamer Bahnhof, aber war wohl alles zu nah an der Grenze. Verschwundener Glanz.

  • Hätte man gut noch retten können, wie auch Wertheim, Vaterland, Columbushaus, Potsdamer Bahnhof, aber war wohl alles zu nah an der Grenze. Verschwundener Glanz.


    Das sehe ich genau so. Das Haus Vaterland wurde allerdings mitte der 70iger Jahre von Westberliner Seite aus weggerissen, und denen war es eigentlich ziemlich wurscht wie nahe ihre Gebäude an der Grenze standen (ich sag bloß Axel Springer Hochbunker Haus ). Für mich gab es keinen vernünftigen Grund, die Ruine des Hauses Vaterland zu beseitigen, es wäre durchaus sanierbar und auch rekonstruierbar gewesen.
    Die Beseitigung der Gebäude auf Ostberliner Seite hatten natürlich wohl eher politische Gründe.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Das Areal des Potsdamer Bahnhofs und auch das unmittelbar daneben liegende Haus Vaterland kam erst 1972 durch einen Gebietsaustausch vom Bezirk Mitte zum amerikanischen Sektor, sprich West-Berlin, Anfang der Achtzigern wurde die Bernburger Straße verlängert genau über das alte Bahnhofsgelände hinweg zur Potsdamer Straße hin, außerdem wurde das M-Bahn-Projekt über das Gelände geführt. Eine wirtschaftliche Nutzung direkt an der Mauer wäre vermutlich nicht zu erreichen gewesen.


    Ich habe von 1984-86 eine kaufmännische Ausbildung in dem Eckgebäude Reichpietschufer/Schellingstraße absolviert. Außer diesem Haus und ein paar anderen wenigen gab es so gut wie keine Bebauung, wenn man in Richtung Potsdamer Platz schaute.... und auch sonst herrschte in der Gegend Richtung Anhalter Bahnhof eine relative Kleinstadtidylle im Schatten der Mauer. Da man sich schon in den 70er Jahren auch von westlicher Seite insgeheim längst damit arrangiert und abgefunden hatte, daß die Teilung Berlins noch lange Bestand haben würde, ist es also nicht verwunderlich, daß niemand Interesse am Erhalt des "Haus Vaterland" hatte.


    Das Columbushaus hatte den Krieg ja so einigermaßen überstanden. Es gab ja Verkaufsräume der HO (bis zur Enteignung durch die SED hatte Wertheim dort Verkaufsräume) und Büros der Volkspolizei, die am 17.Juni 1953 gestürmt wurden und das Haus wurde in Brand gesteckt und dann 1957 abgerissen. Es stand übrigens, was bekannt sein dürfte, dort, wo heute das Ritz Carlton ist. (ehemaliges Lenné-Dreieck)

  • Ja, das stimmt Oberbaumbrücke. Das Haus Vaterland wurde genau 1976 abgerissen, das etwas avantgarde Columbushaus 1957, nach dem es als ausgebrannte Ruine 5 Jahre lang leerstand - dies wurde aber meines Erachtens nach von Seiten der SBZ (Ostberlin) entfernt. Dem Columbushaus weine ich allerdings keine Träne nach, schauen uns wir mal die Bilder des Potsdamer Platz aus den 30iger Jahren an, so erweist sich entsprechendes Kaufhaus an dieser Stelle doch als arg modernistischer Schandfleck - dort hat mal etwas schöneres gestanden. :wink:

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Ja, genauso wie am Alexanderplatz die beiden Neubauten von Peter Behrens ja erst der Anfang eines kompletten Umbaus sein sollte und viel schöne Gründerzeitarchitektur vernichtete, wäre auch das Columbushaus nicht der einzige Neubau geblieben, zumal ja mit dem geplanten und begonnenen Haus des Fremdenverkehrs bereits ein Anfang gemacht wurde im Rahmen der Germania-Planung

  • Nun die Häuser Leipziger Platz 4-11. Leider ist mir bei der Vorstellung des Fürstenhofes ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Fürstenhof hatte die Nummer 2 und 4-5, denn die Nr. 1 gehörte dem südlichen Wachhäuschen von K. F. Schinkel. Sorry.


    Hier ein Übersichtsplan vom Leipziger Platz von Straube 1910:



    Das Haus Rheingold, ein Aschingerweinlokal, Leipziger Platz 3:



    Leipziger Platz 4-5, zum Hotel Fürstenhof:



    Leipziger Platz Nr. 6, einst Privathaus, dann Teil des Landwirtschaftsministeriums, 1937:



    Der Komplex des Reichslandwirtschaftsministerium, der sich bis zur Königgrätzer Straße hinzog, Leipziger Straße 6-10,



    Der Komplex des Reichslandwirtschaftsministerium, der sich bis zur Königgrätzer Straße hinzog, Leipziger Straße 9-6,





    Leipziger Platz 10, einst Palais des Prinzen Adalbert von Preußen, später zum Landwirtschaftsministerium,




    Innenräume des Palais, von Eduard Gaertner um 1856:


    Der Salon:



    Kabinett:



    Vortragszimmer:



    Vom Dach des Preussischen Landtages mit einem Imker, der ein Bienenvolk einfangen will, Blick Richtung Leipziger und Potsdamer Platz,
    Die Villa im Vordergrund gehörte mE als Dienstvilla des Präsidenten zum Preußischen Herrenhaus oder Abgeordnetenhaus, bin mir da nicht so ganz sicher.


    Foto: Willy Römer, 1933,




    Blick zum Leipziger Platz 11 + 11A:




    Leipziger Platz 11, von Johann Heinrich Strack, Foto 1907:





    Leipziger Platz 11, Innenraum:



    Blick über den Leipziger Platz zu den Häusern 10 + 11:



    Zerstörungen am Leipziger Platz, 1947:



    Gleicher Blick, um 1900:



    Blick in die Leipziger Straße mit dem Leipziger Platz Nr. 11


  • wäre auch das Columbushaus nicht der einzige Neubau geblieben, zumal ja mit dem geplanten und begonnenen Haus des Fremdenverkehrs bereits ein Anfang gemacht wurde im Rahmen der Germania-Planung


    Wobei hier auch zu bedenken sei, daß man sich im 3. Reich dieser Architektur und insbesondere von Architekten wie Erich Mendelsohn abwandte. In sofern wirkt es schon ein wenig verwunderlich, daß das Columbushaus nicht schon in den 30iger 40iger Jahren der Spitzhacke zum Opfer fiel.
    Wenn ich auf Bildern aus den 30iger und 40iger Jahren modernistische Gebäude erblicke, mußte ich doch immer wieder feststellen daß diese vor 1933 gebaut wurden.
    Ich weiß ja nicht, hat jemand ein Beispiel für ein modernistisches Bauwerk welches in Berlin zwischen 1933 und 1945 errichtet wurde ?

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Dem Columbushaus weine ich allerdings keine Träne nach, schauen uns wir mal die Bilder des Potsdamer Platz aus den 30iger Jahren an, so erweist sich entsprechendes Kaufhaus an dieser Stelle doch als arg modernistischer Schandfleck - dort hat mal etwas schöneres gestanden. :wink:


    Das Columbus-Haus war in seiner Zeit nicht nur eine konstruktive Leistung, die von den Fähigkeiten des deutschen Ingenieurswesens zeugte, sondern weit mehr noch ein ästhetisches Fanal. Bis heute zeugen Aufnahmen des Gebäudes von einer fast schon zeitlosen Modernität. Erich Mendelsohn war ein wirklich großer Architekt!


    Ja, genauso wie am Alexanderplatz die beiden Neubauten von Peter Behrens ja erst der Anfang eines kompletten Umbaus sein sollte und viel schöne Gründerzeitarchitektur vernichtete, wäre auch das Columbushaus nicht der einzige Neubau geblieben, zumal ja mit dem geplanten und begonnenen Haus des Fremdenverkehrs bereits ein Anfang gemacht wurde im Rahmen der Germania-Planung


    Was bitte haben das Columbus-Haus und das Haus des Fremdenverkehrs gemein? Ersteres zeugte noch von der organischen Überformung der Stadt durch das Neue Bauen. Im Falle der Planungen für die "Welthauptstadt" aber wollte man eine Demonstration der Macht errichten, die der gewachsenen Stadt förmlich aufgezwungen worden wäre und sie sich Untertan gemacht hätte.

  • Das Columbus-Haus war in seiner Zeit nicht nur eine konstruktive Leistung, die von den Fähigkeiten des deutschen Ingenieurswesens zeugte, sondern weit mehr noch ein ästhetisches Fanal. Bis heute zeugen Aufnahmen des Gebäudes von einer fast schon zeitlosen Modernität.


    Reine Ansichtssache. Ich halte das Columbushaus für grauenhaft - ein schäbiger überdimensionierter Klotz, der den Fensterbändern Bahn brach und einer der Vorreiter für brachiale Innenstadtbauten war.
    Ich bin der Meinung, dass Erich Mendelsohn ansonsten viel bessere Bauwerke errichtet hat und das Columbushaus den Tiefpunkt seines Schaffens darstellt. Gut, dass es fort ist und nicht heute als einziger "Altbau" am Potsdamer Platz steht.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Das Columbushaus war seinerzeit sicherlich ein Fortschritt, empfand man doch Stuck und Zierrat als "kitschig". Für meinen Geschmack allerdings war es zu arg expressionistisch geraten, und störte m.E. nach die einstige Pracht des Potsdamer Platzes.
    Gegen die Fabrikbauten welche Mendelsohn entwarf, will ich ja nichts sagen, es waren ja zumal reine Zweckbauten welche auch in entsprechenden Gegenden standen.


    Ach ja, vielleicht zum Vergleich noch mal der altehrwürdige Vorgängerbau: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Potsdamerplatz3.jpg

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Was bitte haben das Columbus-Haus und das Haus des Fremdenverkehrs gemein? Ersteres zeugte noch von der organischen Überformung der Stadt durch das Neue Bauen. Im Falle der Planungen für die "Welthauptstadt" aber wollte man eine Demonstration der Macht errichten, die der gewachsenen Stadt förmlich aufgezwungen worden wäre und sie sich Untertan gemacht hätte.

    Bitte richtig lesen! Ich wollte keinen architektonischen Vergleich zwischen "Neuem Bauen" und den Planungen der Nazis ziehen, sondern nur darauf hinweisen, daß ohne Krieg und Zerstörung der Potsdamer Platz verändert worden wäre.... und wäre die Weltwirtschaftskrise nicht gewesen und es keine braune Herrschaft gegeben hätte, wären zum Columbushaus noch weitere Neubauten entstanden, nachdem man sich dem Erbe der Kaiserzeit entledigt hätte.

  • Ehrlich gesagt, ich wäre froh, wenn das Columbushaus noch an Ort und Stelle wäre - das war doch wirklich "Neues Bauen" - großstädtisch und modern - wenn ich das mit dem heutigen Schrott an Ort und Stelle vergleiche, wäre es doch ein Hingucker! Natürlich treten einem die Tränen in die Augen, wenn man sieht, wie urban und weltstädtisch Berlin war - auch ich wünschte mir Fürstenhof, Haus Vaterland, das Café Josty und den alten Potsdamer Bahnhof zurück, aber weg ist weg... In Berlin finde ich es einfach nur beklagenswert, was für ein nichtssagender Müll (Ausnahmen bestätigen die Regel) heute in der ehemals pulsierenden Innenstadt steht. Bislang funktionierten ja wenigstens die Potsdamer Platz Arcaden, aber das dürfte nach der Fertigstellung des neuen "Wertheim-Areals" ja auch der Vergangenheit angehören, es wird schon fröhlich umgezogen!


    In Summe darf man noch dankbar sein, dass wenigstens das Weinhaus Huth überlebt hat - Herr Jahn hat's ja für sein Sony-Center noch nicht mal geschafft, die Überreste des Esplanade sinnvoll einzubeziehen! Immerhin scheint der Potsdamer Platz bislang ein Touristen-Magnet zu sein und zu funktionieren - auf die Architektur achtet eh keiner, solange es drumrum lustig und bunt ist!

  • Nun ja Meran, das Columbushaus wäre wohl am neu umgestalteten Potsdamer Platz gar nicht mehr als Altbau aufgefallen, bedienen sich doch viele modernistische Architekten einer solchen Vorlage. Daß das Weinhaus Hut überlebt hat, da bin ich auch froh darüber, warum man allerdings nicht das Esplanade in seiner ursprünglichen Schönheit wieder rekonstruierte stößt bei mir persönlich auf Unverständnis.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.