Berlin in alten Bildern

  • Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich jetzt nochmal Bezug zu den Beiträgen auf Seite 9 nehme:


    Ist evtl. jemandem das Baujahr des Schöbfeldt Palais bekannt?
    http://www.flickr.com/photos/41864362@N04/6097041544/



    Ich würde jetzt ja auf um 1900 tippen, aber ich kenne mich nun noch nicht wirklich allzu gut aus.



    Moderationshinweis (Palantir):
    Da das Gebäude (Palais Schönfeldt) in diesem Strang gezeigt wurde, habe ich die Frage hierher verschoben. Bitte ein wenig mehr Achtsamkeit.

  • Das Foto findet sich in der Ausgabe der Wiener Bauindustrie-Zeitung von 1888. Da sie sich vorwiegend auf Entwürfe, Pläne und Neubauten spezialisierte, tippe ich auf 1885-1888.

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • Das Schönfeldt-Palais befand sich in Berlin In den Zelten 21a-22, an der Ecke zur Großen Querallee und ist 1887 laut Adressbuch als Neubau ausgewiesen, ab 1888 ist der Eigentümer, der Bankier Hermann Schönfeldt im Adressbuch als Eigentümer und Bewohner eingetragen, der vorher in der Französischen Straße geführt wurde, also ist davon auszugehen, dass die Gebäude 1886-87 errichtet wurden.

  • Da ich mir doch nicht so sicher bin, ob das abgebildete Haus wirklich das Schönfeldt-Palais ist, hier noch weitere Aufnahmen, die ebenfalls das Schönfeldt-Palais darstellen sollen. Da der Architekt wohl das ganze Viertel zwischen den "Zelten" und der "Großen Querallee" bebaut hat, sehen sich die Fassaden alle auch recht ähnlich. Ich habe nur mein Problem mit dem großen Vorgarten, der eigentlich nur zu einem Haus an der Großen Querallee passt.




    Eingangsbereich des Schoenfeldt-Palais:



    Das Haus Nr. 21 (unten), 1889 vom Architekten Christian Heidecke für 392 000 RM erbaut, gehörte dem Ehepaar Mathilde (1828–1902) und Otto Wesendonk (1815–1896). Es war in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Treffpunkt der Berliner Gesellschaft. Bei ihnen wurde Musik großgeschrieben, die Sammelleidenschaft des Hausherrn und die so entstandene Bildergalerie waren bekannt (Wesendoncklieder). Nach dem Tode des Paares erbten Karl von Wesendonk (1857–?) und Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (1873–?) das Haus und machten 1902 die Bildergalerie öffentlich zugänglich.Bis 1909 blieb das Haus in Familienbesitz, 1911 übernahm der Fiskus den Besitz. Später wohnte in diesem Haus an der Ecke zur Großen Querallee Max Reinhardt (1873–1943), der hier auch seine Schauspielschule unterhielt. Immer mehr Künstler zog es aus der Stadt heraus in diese ruhige, beschauliche Gegend. Später Reichsklub der Deutschen Volkspartei E. V. im Haus In den Zelten 21-22, um 1930,


    Hier auch ein Bild von In den Zelten 21:


    Anbei ein Ausschnitt aus dem Straubeplan von 1910 (rot markiert das heutige Kanzleramt).


    Dazu noch ein Bild, das auch ohne Nennung des Ortes auf Seite 10 gezeigt wurd. Es hatte die Adresse Herwarthstr 3a/Ecke Kronprinzenufer 17. Links erkennt man den Eingang zum ehemaligen "National-Panorama", dessen Bild, Zeichnung um 1880, ich auch anfüge.


    und das Nationalpanorama:


    Ein weiteres Bild zeigt den Bau der neuen Moltkebrücke 1895, hier kann man im Hintergrund rechts gut das Haus an der Herwarthstraße erkennen.

    Edited 3 times, last by Spreetunnel: Versuch der besseren Gestaltung ().

  • Das Haus stand bis vor wenigen Jahren noch, auch wenn in leicht entstuckter Form. Es stand sogar unter Denkmalschutz. Jetzt steht an dieser Stelle ein modernes Einkaufszentrum.

  • Das ist nicht zutreffend - das Haus steht in schwer verunstalteter Gestalt noch heute hinter dem Einkaufszentrum. Hier zu sehen.


    ---


    Belle-Alliance-Platz 1885 von Norden:


    Und 1894 von Süden mit dem Halleschen Tor:


    Aus der Luft gesehen ca. 1935:


    ---


    Spreetunnel: Danke für die Bilder!

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Möchte gern so nach und nach das ehemalige Bankenviertel Berlins, die Behrenstraße, vorstellen. Im ersten Abschnitt befinden sich heute außer Plattenbauten an der Ecke Wilhelmstraße noch Einrichtungen der russischen Botschaft, so auch ein Schwimmbad.


    Das Eckhaus Behrenstraße 1 / Wilhelmstraße 67a, 1886-87 von Cremer u Wolffenstein errichtet, Foto: um 1910, rechts angeschnitten das Palais Pringsheim:



    Behrenstr 1, Wohnhaus, Portaldetail, 1886-87 von Cremer u Wolffenstein, Foto: um 1930:



    Behrenstr 2, Mitteldeutsche Creditbank, von Ende & Boeckmann, ZFB, um 1878, 3 Aufnahmen:





    Behrenstr 3, Bürohaus, Krupphaus, um 1935:



    Behrenstr 3-4, Deutsche Hypothekenbank Meiningen, Architekt: A. Sillich:



    Behrenstr 6, von Alfred Messel, aus BAW April 1901:



    Behrenstr 7, Bankgebäude von Adolf Wollenweber, aus BAW Dezember, 1909:



    Die nicht immer nachvollziehbaren Hausnummern-Doppel ergeben sich wohl aus den geänderten Grundstücksgrenzen und der damit verbundenen Umnummerierung der Häuser.


    Soweit der Abschnitt bis zur Mauerstraße, Fortsetzung folgt.

  • Berlin besaß wohl einst die variantenreichste Gründerzeitarchitektur der Welt. Mit der Vielfalt der Stile und Formen konnte z.B. nichtmal Paris mithalten. Sehr traurig, daß nur so wenig von all dieser Pracht übrig geblieben ist. Eigentlich sollte ich mir solche Bilder ersparen, aber das Interesse überwiegt dann doch immer wieder.

    In dubio pro reko

  • Das ist nicht zutreffend - das Haus steht in schwer verunstalteter Gestalt noch heute hinter dem Einkaufszentrum. Hier zu sehen.

    Danke für die Info, habe es verwechselt mit dem Eckhaus was eine Querstraße zuvor (In Bahnhofsnähe) stand.

  • Quote

    Berlin besaß wohl einst die variantenreichste Gründerzeitarchitektur der Welt. Mit der Vielfalt der Stile und Formen konnte z.B. nichtmal Paris mithalten.


    Paris sicher nicht, das ist sehr monochrom, wohl aber Wien. Sicher, Glanzleistungen wie das Palais Schönfeldt mögen bei uns schwer zu finden sein, aber es gibt eine ungemein große Palette an unterschiedlichen Stilen in noch beeindruckender Geschlossenheit. Man muss aber eher in den Vorstädten als in der Inneren Stadt suchen, wo die Gründerzeitler nur in wenigen Fällen über Standardware hinausgegangen sind.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Solche pompösen Gebäude wie das ehemalige Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz oder das Weinhaus Rheingold findest du nichtmal in Wien. Das war schon einmalig in Berlin.

    In dubio pro reko

  • Heute möchte ich den Teil der Behrenstraße zwischen Mauer- und Friedrichstraße (Südseite) vorstellen.


    Zwischen Mauer- und Glinkastraße (enst Kanonierstraße) die Gebäudegruppe der Deutschen Bank, heute Gebäude des Bundes:


    Behrenstr 10-13, Kanonierstr, Deutsche_Bank, um 1900:



    Behrenstr 10-13, Ecke Kanonierstr, Deutsche Bank, Weitere runde Ecke des Komplexes, 1898:



    Behrenstraße 14, Stadthaus des Architekten Heinrich Theising (wird hier auch in einem anderen Kapitel besprochen):



    Behrenstr 18-19, Hotel Hohenzollern, 1902:



    Behrenstr 21-22, A. Schaaffhausenscher Bankverein, von den Architekten Bielenberg & Moser, aus BAW Februar, 1914, ganz im Stile des preußischen Neo-Klassizismus, heute Bayerische Landesvertreung:



    Das selbe Gebäude 1993



    Behrenstr 23-24, Bierhaus Siechen, vom Architekten Armin Wegner, 1882:



    Und nun zum Schluss noch das sehr bekannte Eckhaus zur Friedrichstraße 165, das Pschorrhaus, in dem sich auch Canstans Panopticum befand.
    Vom Architektenteam Heinrich Kayser und Karl v. Groszheim 1887-1888 erbaut und der ehemaligen Kaiserpassage genau gegenüber:



    Viel Spaß beim virtuellen Ablaufen der Behrenstraße. Fortsetzung folgt.

  • Zum oben gezeigten Bierhaus Siechen in der Behrenstraße 23/24:


    Zu sehen ist nur das Gebäude mit der N°24. Auch das rechte Nachbargrundstück N°23 wurde später vom Bierhaus Siechen in einem Neubau bezogen, welcher seinen Nachbarn (die N°24) in ästhetischer Hinsicht m. E. tief in die Tasche steckte.


    Behrenstraße 23, ca. 1900 - wunderbar gestalteter neugotischer Bau mit Fialengiebeln:

    Ausgeschenkt wurde damals ein 'Reif-Bier' aus Nürnberg.


    Schon 1950 kein Stein mehr vorhanden - hier links neben der heutigen Bayerischen LV (dort stand zuvor übrigens das Wohnhaus von Leonhard Euler) in der N°21-22

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Heute folgt der Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Hedwigskirche (Südseite)


    Zuerst das Eckhaus zur Friedrichstraße Behrenstr 26a /Ecke Friedrichstraße 80-82, Foto um 1901. Das Haus steht noch, wurde aber in den 90er-Jahren aufgestockt.



    Leider fehlen mir die Fotos dazwischen, bis zur Charlottenstraße. Es folgt Behrenstr. 32-33, Berliner Handelsgesellschaft, von Alfred Messel, um 1900. Das Gebäude steht noch heute und war wohl der Anfang des gesamten Bank-Komplexex bis zum Gendarmenmarkt:



    Der Treppenaufgang, von Alfred Messel, Foto um 1920:




    Der Große Kassenraum, von Alfred Messel, Foto um 1920:



    Ecksituation Behrenstraße 35-38/ Markgrafenstraße 51 um 1890, Foto von Georg Bartels. Das Gebäude stammt wahrscheinlich von Georg Christian Unger, erbaut um 1780:



    Die Figuren auf der Balustrade des Gebäudes:



    Behrenstr 35, Ecke Markgrafenstr 51a, Pommersche Hypotheken und Aktien-Bank, um 1900, erbaut von O. Osbeck:



    Portal an der Markgrafenstraße, von O. Osbeck, um 1897:



    Die Tresortür, Wittling und Güldner, aus BAW, 1899:



    Die Kassenhalle, von Wittling, 1898:



    Der Sitzungssaal, von Wittling und Güldner, aus BAW 1899:



    Die Fassade an der Behrenstraße und der Eingang, Foto um 1897:




    Das "Hotel de Rome" steht auf dem Grundstück Behrenstraße 38-39, war einst die Dresdner Bank und hatte auch einen Vorgängerbau aus dem 18. Jh. :



    Beide Fotos wurden um 1875 gemacht:




    Behrenstr 38-39, Dresdner Bank, von Ludwig Heim, um 1898:



    Reliefs an der Fassade:




    Nach Umbau und Aufstockung um 1930:


  • Es geht weiter mit dem Abschnitt zwischen dem Bebelplatz, ehemals Kaiser-Franz-Joseph-Platz bzw. Opernplatz und der Charlottenstraße.


    Das kleine Gebäude ist Behrenstraße 40 um 1905 mit der südlichen Seite der ehemaligen Königlichen Bibliothek (Kommode). Auf den Grundstücken 40-42 befindet sich heute ein Funktionsbau der Humboldt-Universität:



    Eingang zum Haus Behrenstraße 40:



    Folgende Bilder zeigen die Behrenstr 41-42, Witwenverpflegungsanstalt, erbaut 1794 von Friedrich Wilhelm Titel, Foto 1910:






    Das Gebäude der Witwenverpflegungsanstalt, in der sich auch der Große Lesesaal der Königlichen Bibliothek befand, nach den Zerstörungen des II. Weltkrieges:





    Der Entwurf für die Behrenstr 43-44, von Friedrich Hitzig für die Berliner Disconto-Gesellschaft, ZfB, 1869,



    Fassade des Hauses Behrenstr 43-44, Disconto-Gesellschaft, vor 1899,



    Der repräsentative Treppenaufgang, BAW, 1903:



    Die Kassenhalle, um 1903:



    Behrenstr 43, Disconto-Gesellschaft, nach Aufstockung, Umbau und Erweiterung durch Ludwig Heim um 1900, Foto um 1930. Links die Charlottenstraße:


  • Wow, meine Oma war von Behrenstraße, leider ist sie nicht bei uns mehr... Die Bilder würden ihr sehr viel gefallen und bedeuten, mir bedeuten sie schon viel, ich kann sie herunterladen für private Galerie?

  • Schöne Zusammenstellung!
    Der Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Charlottenstraße ist anscheinend nicht sonderlich gut bildlich dokumentiert oder schlummert noch unveröffentlicht in den Archiven.


    Fassade des Hauses Behrenstr 43-44, Disconto-Gesellschaft, vor 1899


    Nach 1900 und dem Umbau sah das Haus N°43/44 zunächst so aus...

    ... bevor in den 20ern im Zuge des Ankaufs der Nachbargrundstücke weitere Umgestaltungen und dann aus Platzmangel 'bankentypische' rigorose Aufstockungen folgten.


    Für weitere Informationen zum gesamten Block der Disconto-Gesellschaft sei dieses Werk wärmstens empfohlen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Nun folgen die Häuser zwischen der Charlotten- und der Friedrichstraße, natürlich Nordseite (hatte ich beim letzten Mal vergessen zu erwähnen)


    Behrenstraße 46, um 1872:



    Behrenstraße 46, um 1895:



    Behrenstraße 46, Privat- und Commerzbank, um 1925:



    Hier hat man noch einen besseren Blick Richtung Friedrichstraße:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Fassadendetail, von R. Walter, aus BAW Februar 1906:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Blick in den Hof, aus BAW Februar 1906:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Brunnen im Hof, aus BAW Februar 1906:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Hoffassade, aus BAW Februar 1906:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Hofansicht, aus BAW Februar 1906:



    Behrenstraße 47, Trarbachhaus, Fassadendetail, von R. Walter, 1920:



    Behrenstraße 48, Café und Tanzpalast Kerkau, von A. M. Lange & K. Berndt, aus BAW Juli 1911:



    Ein Schrägblick zur Friedrichstraße, dort kann man die Eckhäuser schon erkennen, zum einen das Haus Friedrichstr. 82 und auch die Ecke der Kaisergalerie



    Das Eckhaus Friedrichstraße 82 bzw 82A / Behrenstraße 49 von 1904, Foto Waldemar Titzenthaler



    Das Eckhaus ist ein typischer Bau der Zeit um die Jahrhundertwende. Die aufwendig gestaltete Fassade betonte die Ecke Friedrichstraße/Behrenstraße durch einen Turmaufbau. Charakteristisch war die Nutzung nicht nur des Erdgeschosses, sondern auch der anderen Etagen durch Geschäfte. Im Eckgeschäft hatte die renommierte Wiener Hutfabrik P. & C. Habig eine Filiale. Die Ecke erhielt durch die Aufstellung einer Uraniasäule eine besondere Betonung.


    Zum Schluss noch eine alte Reklame-Postkarte vom Eckhaus Friedrichstraße / Behrenstraße



    Es muss bei der Behrenstraße mal eine Umnummerierung gegeben haben, denn die Quellen geben unterschiedliche Nummern bei gleichen Häusern an.

  • Immer wieder eine Folter zu sehen, wie schön und prächtig Berlin einst war. Dennoch vielen Dank für die diese wunderschöne Folter.