Berlin in alten Bildern

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    • Klosterstraße

      Habe hier noch Fotos von der Klosterstraße, wo ich mir nicht sicher bin, ob die Nummern so stimmen:




      Klosterstraße 88-90, vor 1930:






      Klosterstraße 91, Ecke Kalandsgasse, um 1880 (?):






      Hier ein Bild, wozu ich keine Angaben habe. Es soll die Klosterstraße sein. Es könnte am Haus mit der tollen Kuppel in die Kalandsgasse gehen ??? Hinten schließt sie m. M. nach mit der Neuen Friedrichstraße ab.







      Das Foto mit dem Haus Königstraße 54 ist von 1890, Sorry !!!
    • @Spreetunnel
      Du liegst m.M.n. richtig
      Klosterstraße 88-90, links wäre die 90, es ist das gleiche Haus welches auf dem Bild ohne Angaben rechts steht. Dann käme die 91 und die einmündende Gasse wäre die Kalandsgasse. Die N° 92 sollte mal ein Gefängnis gewesen sein, sieht jetzt allerdings nicht mehr so aus.
      Zur N° 91 kann ich nur ein kleines etwas klareres Bild beitragen, vielleicht hilft es die Häuser an der Königsmauer zu identifizieren.
    • Interessantes Bild, Spreetunnel, und gut gesehen, Hopfenbruch.
      EDIT: Sehe gerade, dass die Bilder aus dem Bildindex sind - dort steht bei der fraglichen Aufnahme doch angegeben, dass es gegenüber der Nummer 16 ist.

      An der Ecke Klosterstraße 92/Kalandsgasse stand zunächst der mittelalterliche Kalandshof.

      C. von Kertbeny schrieb im Jahr 1831 in seinem Werk "Berlin, wie es ist":
      Das Gebäude dieses Ordens, den sog. Kalandshof kaufte im Jahre 1696 der Magistrat der Stadt Berlin für 2200 Thaler und ließ es, da der Stadthof am Stralauer=Thore baufällig geworden war, zum Gefängnis errichten. So wurde derselbe Ort, der früher der Menschenliebe und Wohlthätigkeit geweiht gewesen, ein Aufenthalt für Verbrecher und diejenigen, welche sich durch Vergehen der Freiheit verlustig gemacht, und behielt diese Bestimmung bis auf den König Friedrich Wilhelm II., der die jetzige Stadtvogtei am Molkenmarkt bauen ließ. Der alte Kalandshof wurde nun Eigenthum eines Privatmannes und von diesem so umgebaut, wie sich das Haus N°92 in der Klosterstraße noch jetzt zeigt.

      Der Abriss und die Neubebauung Klosterstraße 91 und 92 beiderseits der Kalandsgasse müssten dann wohl gegen 1900 erfolgt sein.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Kalandsgasse und Zentrale Markthallen

      Noch einige Bilder zur Kalandsgasse, auf die im vorigen Beitrag eingegangen wurde.

      Kalandsgasse, zur Marienkirche, 1938:






      Klosterstraße 16, Durchgang zum Marienkirchhof, um 1940:






      Klosterstraße 16-18, vor 1930:





      Und ein paar Bilder von den Zentralen Markthallen im Komplex Neue Friedrichstraße, Rochstraße, Kaiser-Wilhelmstraße, Dircksenstraße und Gontardstraße. Dort trifft die Kalandsgasse auf die Neue Friedrichstraße, die zu Ehren Friedrich II. (im Gegensatz zur Friedrichstraße, die an seinen Großvater Friedrich I. erinnert) jenseits der mittelalterlichen Stadtmauer entstand und heute nicht mehr existiert bzw. zerschnitten ist und verschiedene Namen trägt:


      Straubeplanausschnitt mit Kalandsgasse und zentralen Markthallen:





      Neue Friedrichstraße, Zentrale Markthallen, Fassade von der Rochstr aus gesehen, um 1930:






      Dircksenstraße, Bhf Alexanderplatz, rechts die Laderampe der Markthallen:






      Zentralmarkthallen, Neue Friedrichstraße, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße, um 1900:






      Zentralmarkthallen, Neue Friedrichstraße, 1901:






      Zentralmarkthallen, Neue Friedrichstraße, 1928:






      Zentralmarkthalle, Rochstraße, im Hintergrund Turmspitze der Marienkirche, Blick auf das Haus Neue Friedrichstraße 71 von Holst & Zaar von 1887 (?), um 1900:






      Zentralmarkthallen, Zugang Gontardstraße, 1961:







      Neue Friedrichstraße, Zentrale Markthallen, 1928:






      Zentralmarkthallen, Fischauktion in den Stadtbahnbögen, 1896:






      Zentralmarkthallen, Fischauktion,Zander & Labisch, 1896:






      Zentralmarkthallen, Neue Friedrichstraße, um 1937:






      Dircksenstraße, Kartoffelverlauf an den Stadtbahnbögen, 1916:

    • @Hopfenbruch:
      Was hat der Bau des Kaufhauses Israel mit der Königstraße 553-54 zu Tun? Bin verwirrt :biggrin:

      Laut Adressbuch fand 1900-1901 ein Besitzerwechsel statt, aber über all die Jahre gibt es im Adressbuch keine Hinweise auf den Neubau, er könnte demnach wirklich 1900 in großer Eile entstanden sein. Die Firma André Mauxion sen. ist noch 1906 verzeichnet. Leider fehlt auf dem Bild von 1906 der größte Teil der Fassade.

      Man müsste alle Adressbücher von 1890-1900 durchforsten und mit den abgebildetetn Schildern vergleichen, um das genaue Datum meines Fotos aufzuklären. Meine Quelle besagte jedenfalls wg. des Fotografen in Haus 52 dass es um 1890 sei.

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    • Hopfenbruch schrieb:


      Zum Schluß ein Luftbild der Königsstraße am Rathaus, 1920erJahre
      Man sieht hier übrigens zwischen Klosterkirche und Großem Jüdenhof das Dach der Französischen Kirche von 1726 aufragen.


      Bildquelle: bildindex.de


      Dieses grob gerasterte Luftbild von ca. 1925 zeigt recht gut das Kaufhaus an der Spandauer Straße (>Diskussion weiter oben), wie es sich zwischen Eiergasse und Propststraße erstreckt.


      Auf beiden Luftbildern fällt mir an der der Jüdenstraße gegenüber dem Rathaus, hinter dem Gouverneurshaus ein sehr großer, grob erscheinender Bau auf, der sich auch recht dicke in den Hof erstreckt. Kann jemand dazu etwas sagen?

      Dann zur Klosterstraße hinter der Marienkirche; auf diesem Luftbild von etwa 1910 sieht man sehr gut die zuvor gezeigten Neubauten (N°91 und N°92) beiderseits der Kalandsgasse.

      Bildquelle: Landesarchiv Berlin

      Von der gegenüber liegenden Seite habe ich eine Abbildung des Hauses Klosterstraße N°13-15a; es liegt direkt rechts der Durchwegung zum Marienkirchhof und ist auf dem obigen Bild der Nummern 16-18 bereits knapp rechts angeschnitten zu sehen.

      Das Haus zeigt sich mit ähnlicher Fassade auch zur Kirchofseite (siehe voriges Luftbild) und hatte m. E. den Krieg auch einigermaßen überstanden.

      Schließlich darf das Brosehaus (ursprünglich Waren- und Wechselhaus Fetschow) in der Klosterstraße 87 nicht fehlen, auf welches die Bischofstraße direkt zugelaufen ist.


      P.S.: Berliner Altstadtforschung ist recht anspruchsvoll - es ist kaum noch ein Bau oder auch Straßenverlauf mehr als Anhaltspunkt da.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Bei dem Gebäude zwischen Marienkirchhof und Klosterstr (13a-15) handelt es sich um das Kaufhaus Riemer, von Albert Rietz um 1897-98 erbaut, erwähnt in der Berliner Architekturwelt (BAW) von August 1899.

      Bei dem masssiven Gebäude hinter dem Gouverneurshaus handelt es sich wohl um den Zellentrakt des alten Landes- und Amtsgericht I. (Straube 1910), so ein Gericht musste sicherlich die Untersuchungshäftlinge irgendwo unterbringen (Könnt ich mir so denken, ist aber nur Spekulation)

      und zum Schluss noch ein paar Gebäude rund um die oben erwähnten Ecken:




      Marienkirchhof, Kaufhaus Riemer, um 1899:







      Marienkirchhof, Kaufhaus Gebrüder Friedländer & Maas, von Richard Schäfer, um 1900:






      Neue Friedrichstraße 9-10, Kaufhaus Friedrichskron, um 1890:






      Neue Friedrichstraße 44, Kaufhaus, von Richard Schäfer, um 1900:

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    • Palais Creutz in der Klosterstraße

      Irgendwo habe ich mal hier auf einer der Seiten im Forum gelesen, dass Berlin keine solchen prächtigen Palais und Bürgerhäuser gehabt hätte wie z. B. Wien. Das kann man so pauschal nicht sagen. Gewiss war die Architektur sparsamer, preussischer, aber es gab Dutzende von solchen Adelspalais und nicht nur in der Wilhelmstraße.

      Das Äußere war meistens sehr schlcht gehalten, aber imm Inneren verbarg sich manch barocke oder klassizistische Perle der Innenarchitektur.

      Über barocke Palais gibt es ein ganzes Buch, dessen Titel ich gerade nicht parat habe, da ich im Ausland weile. Wenn ich wieder in Berlin bin, werde ich davon mal ein paar Sachen einstellen.

      Heute mal, da wir gerade bei den vorigen Seiten in der Klosterstraße weilen, ein Gebäude, das immerhin bis 1945 dort stand: das Palais Creutz (Kreutz) und seine Umgebung:



      Straubeplanausschnitt von 1910 mit der Gebäudegruppe Klosterstraße 32-36 (rot markiert):









      Gemälde von Eduard Gaertner (1830) von der Klosterstraße mit Blick zur Parochialkirche mit der Schinkelschen Gewerbeschule und dem Palais Kreutz rechts. Auf dem Bild kann man einige Berliner Zeitgenossen erkennen. K. F. Schinkel (mit Zylinder), P. C. Beuth (mit Burschenkappe) (beide rechts), mittig der Maler F. "Pferde"-Krüger natürlich zu Pferde, der Bildhauer C. D. Rauch (links mit weißer Hose) in einer Gruppe von Kollegen.

      Im Hintergrund links, vor der Parochialkirche, das Palais Podewils, links auch die Gebäude des Gymnasium "Zum Grauen Kloster" . Die Klosterkirche ist nicht sichtbar, da etwas zurückgesetzt, wo die Pappel links steht. Ganz links angeschnitten das Königliche Lagerhaus, wo sich das Atelier von C. D. Rauch befand, wohin er zusammen mit seinen Mitarbeitern strebt.







      Klosterstraße 32-36, um 1880:






      Klosterstraße 36, Palais von Kreutz, Gewerbeakademie, 1871:






      Klosterstraße 36, Palais von Kreutz, Gewerbeakademie, um 1900:






      Klosterstraße 36, Ecke Siebergasse, Palais Kreutz, F. A. Schwartz, 1892:






      Klosterstraße 33-35, Risalit mit Palladio-Motiv auch "Serliana" genannt, da Sebastiano Serlio als erster das Motiv verwendet hat, Bild vor 1900:






      Klosterstraße 36, Palais von Kreutz, Vestibül, 1942:






      Klosterstraße 36, Palais Kreutz, Treppenhaus, 1910:






      Klosterstraße 36, Palais Kreutz, Treppengeländer, 1931:






      Klosterstraße 36, Palais Kreutz, Schlütersaal, 1919 + 1942:









































      Und hier, falls es jemanden interessiert noch einiges zur Geschichte des Palais (Quelle Berlinarchiv):

      Klosterstraße Nr.36, Palais Creutz, zerstört

      1713 wahrscheinlich nach einem Entwurf von A. Schlüter erbaut

      Baugeschichte: Das Grundstück lag an der Ecke Siebergasse und war stets kurfürstlicher Besitz. Seit 1487 wurde es als Burglehen vergeben. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das darauf befindliche Gebäude als Kadettenschule genutzt. Nachdem diese abbrannte, vergab Friedrich Wilhelm I. 1713 das Grundstück an den Staatsrat Bogislav von Kreutz, der das Palais durch Martin Böhme, vermutlich nach Plänen von Andreas Schlüter, errichten ließ.

      Ende des 18. Jahrhunderts ging es in den Besitz des Grafen Hacke über, 1820 wurde es zusammen mit den Nachbargebäuden ein Teil des von Peter Wilhelm Beuth gegründeten Gewerbeinstituts. Für diese neue Bestimmung wurden einschneidende Umbauten im Innern und Äußern vorgenommen. Dabei wurde das II.Obergeschoss erhöht, und die Fenster wurden vergrößert. Auf den Grundstücken 32-34 wurde 1861/65 ein weiteres Gebäude errichtet, das im Aussehen ganz dem alten Bau von Martin Böhme entsprach.

      Der dazwischenliegende, ebenfalls zum Gewerbeinstitut gehörende Gebäudekomplex Nr. 35 war in den einfachen Formen der Schinkelschule gehalten. Im 20. Jahrhundert diente die Gebäudegruppe als Museum. Im alten Haus Nr. 36 befanden sich zuletzt das "Museum für Deutsche Volkskunde" und eine Musikinstrumentensammlung.
    • RMA schrieb:

      Gab es in Berlin keine bedeutenden Bürgerhäuser des Barock oder frühen Klassizismus, so wie in Potsdam oder Frankfurt an der Oder? Ich erkenne in dem Panorama ein sehr nobles Stadtbild des Klassizismus, wie es es heute so wohl nur noch in einigen nicht so stark überformten Teilen von Paris gibt.

      Spreetunnel schrieb:

      Irgendwo habe ich mal hier auf einer der Seiten im Forum gelesen, dass Berlin keine solchen prächtigen Palais und Bürgerhäuser gehabt hätte wie z. B. Wien. Das kann man so pauschal nicht sagen. Gewiss war die Architektur sparsamer, preussischer, aber es gab Dutzende von solchen Adelspalais und nicht nur in der Wilhelmstraße.


      Dass in Berlin - obgleich Residenzstadt - nicht ganz so viele Paläste existierten lag zum einen sicherlich daran, dass Berlin bis zur Gründerzeit keine übermäßig reiche Stadt war. Zum anderen waren am preußischen Hofe, vermute ich, verhältnismäßig eher nicht ganz so viele Höflinge, Konkubinen, Puderquasten und menschliche Schoßhündchen vorhanden, die gerne mit angemessenen Unterkünften ausgestattet wurden. Schließlich haben diejenigen, welche aufgrund militärischer Verdienste geadelt und beschenkt wurden, bevorzugt eher auf dem Land residiert; die Zahl der im alten Brandenburg, Pommern, Preußen und Schlesien befindlichen Schlösser, Herrenhäuser und Rittergüter war schließlich erheblich.

      Abgesehen vom Berliner Schloss gab es dennoch - zwar weniger im Altstadtbereich - überschlägig und "aus der Lameng" aufgezählt folgende palastartigen Gebäude:
      Schloss Bellevue, Schloss Köpenick, Schloss Charlottenburg, Schloss Monbijou, Schloss Friedrichsfelde, Schloss Schönhausen, Kronprinzenpalais, Prinzessinenpalais, Altes Palais (Kaiser-Wilhelm-Palais), Niederländisches Palais, Palais des Prinzen Heinrich, Palais des Prinzen Karl (Ordenspalais), Palais des Prinzen Albrecht, Palais der Prinzen Alexander und Georg, Ribbeckhaus, Palais Schulenburg (Radziwill), Palais Arnim, Palais Blücher, Palais Wrangel, Palais Voß, Palais Donner, Palais Wartenberg, Palais Grumbkow, Palais Kreutz, Palais Ephraim, Palais Podewils, Palais Itzig, Palais Schwerin (2x), Palais Raczyński, Palais Pleß, Königsmarcksches Palais, Palais Kurland, Palais Redern, Palais Beauvryé, Palais Solms-Baruth.

      Dies erst mal ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Hinzuzählen kann man ggf. noch Bauten à la Possarthaus, Ermelerhaus oder weitere sog. Freihäuser im Schlossbezirk.

      Ab der Industrialisierung kamen dann natürlich noch die zahlreichen Palais bürgerlichen/kaufmännischen Ursprungs (z. B. Palais Strousberg, Palais Borsig, Mosse-Palais, Palais Pringsheim, Palais Schönfeldt etc. pp.) hinzu.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • @Volker:

      Berlin ist die Stadt der Warenhäuser. Da war en Haus, und da war en Haus.


      Es mag etwas haarspalterisch sein, aber Berlin war die Stadt der "Kaufhäuser". "Warenhäuser" gab es nur die von Jandorf, Tietz und Wertheim, vielleicht noch von Hertzog, da bin ich mir nicht ganz sicher.

      Man definiert Kaufhäuser als Geschäfte, die ein eng begrenztes Sortiment führen, z. B. Teppiche, Gardinen und Stoffe oder Hüte, Spitzen und Posamentierartikel.

      Warenhäuser führten dagegen Waren aller Art von der Stecknagel bis zum Sarg (wirklich!) und natürlich auch Lebensmittel. :lehrer:
    • Irgendwo habe ich mal hier auf einer der Seiten im Forum gelesen, dass Berlin keine solchen prächtigen Palais und Bürgerhäuser gehabt hätte wie z. B. Wien.


      Nur so eine Idee, aber eventuell ist an meinem Input auch etwas dran:

      Der Unterschied zwischen Wien und Berlin könnte auch daran oder vor allem daran liegen, dass Wien - bis auf Interimszeiten - bis 1804(6) die Hauptstadt des Hl. Röm. Reiches Deutscher Nation war. Das erklärt auch, dass in Wien sowohl als auch der deutsche, böhmische, mährische, schlesische, galizische, ungarische, norditalienische et cetera Hochadel in Wien unzählige Palais errichten ließ, während es in Berlin aufgrund dieses Umstandes vor allem hauptsächlich brandenburgische und polnische Familien waren, die sich vor Ort niederließen.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit!"

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    • Diese Ansicht ist sicher richtig.

      In Paris ist dies auch so, denn der zentralistische Staat, seit Ludwig XIV., zog den gesamten Adel Frankreichs an den Hof und so baute sich eben, wer es sich leisten konnte und bei Hof etwas zu sagen hatte (oder wollte) ein hübsches kleines Palais. Das doch sehr dezentrale Deutschland hatte bis zur Reichsgründung seine dutzend Ländchen und auch Preußen war nur eines von ihnen, wenn auch bald ein sehr mächtiges. Dennoch zog es der märkische Landadel meistens vor zur Miete zu wohnen, wenn man z. B. in der Ballsaison in Berlin weilte oder gerade der Tochter die Aussteuer zusammenkaufte. Sonst war man auf seiner Kuhbleke (richtig so ?) im märkischen, pommerschen oder sonstwo-Sand glücklich und erfreute sich seines Landhauses (hier auch Schloss genannt).

      Man denke nur an den Aufstand, als Friedrich Wilhelm I. einige seiner adeligen Untertanen aufforderte sich in der Friedrichstadt ein Haus zu bauen (Der Kerl hat Geld, der Kerl soll bauen!). Für viele adelige Militärs war das auch reichlich unpraktisch, denn sie lebten, meisten unverheiratet, bei ihren Soldaten in den Garnisonsstädten und verbrachten nur kurze Zeiten in der "Hauptstadt".

      Daher verkauften auch die Familien sehr schnell die Palais, wenn der "Beglückte" verstarb, bzw. als der (obige) König ins Gras gebissen hatte, da man mit den kostspieligen Häuschen nicht gerade glücklich war. So ging z. B. das Palais Wilhelmstraße 73 (das spätere Reichspräsidentenpalais) an den Buchhändler, Verleger und Drucker Georg A. Reimer, der hier produzierte.

      Der König pflegte ja hin und an Ehen zu stiften und wer dann nicht die Auserwählte heiraten wollte, konnte sich evtl. mit dem Bau eines Palais aus der Schlinge ziehen (z. B. Baron Francois Matthieu Vernezobre de Laurieux mit seinem Palais in der Wilhelmstraße 102, auch als Prinz-Albrecht-Palais bekannt).
    • Trotzdem begründet dies nicht völlig den geringen qualitativen Standard des historischen Alt-Berliner Bestandes. Für eine Stadt dieser denn doch beträchtlichen Größe war da extrem wenig vorhanden. Die überkommene Altstadt wies keinen wirklich überdurchschnittlichen Bürgerhausbestand, keine wirklich herausragenden Palais (Spitzenleistungen wie die Villa Kameke lagen außerhalb), keine herausragenden Kirchenbauten in nahezu allen älteren Epochen auf. Interessant erscheint, dass sich die architektonische Entwicklung in die nach und nach eingemeindeten Vorstädte wie die Friedrichstadt verlagert hat.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ... was ja einer der Gründe der nationalsozialistischen Regierung war, die Stadt umzugestalten und mit pompösen Gebäuden zu garnieren. Und auch der Kaiser hatte ähnliche Ambitionen, wie wir wissen.

      Gerade das macht es ja so schade, dass nach der großflächigen Zerstörung der Stadt die neuen Chancen, die sich seit der Wiedervereinigung auftun, nicht nur nicht genutzt werden. Es werden stattdessen Leute in die verantwortlichen Positionen gehieft, die für eine schlüssige Hauptstadtgestaltung keinen Sinn haben. Schlimmer noch: Frau Lüscher hat ja mal sinngemäß geäußert, dass sie ein schlüssiges Bild nicht möchte (wie kann sie als Schweizerin hierzu überhaupt kritiklos einen Willen äußern?!). Im Gegenteil verfolgt sie ja das Ziel, die zerklüftete Geschichte der Stadt in einer zusammenhanglosen Neoarchitektur zum Ausdruck zu bringen.

      Und da schließt sich natürlich der Kreis: Keineswegs kann man von einer solchen Frau wie ihren übergeordneten Politstatisten erwarten, dass sie sich für eine Hervorhebung, geschweige denn Rekonstruktion oder aber wenigstens gestalterischen Betonung (vgl. Schinkelplatz) alter Gemäuer einsetzt?!

      Doch ich möchte nicht vermissen lassen, was mich hier am meisten bedrückt: der Fetischismus, sich diese alten Bilder anzusehen. Ein anderer Forumsteilnehmer hat kürzlich darauf hingewiesen. Dennoch überkommt es auch mich immer wieder mal, hier reinzulunzen. :wink:
    • Stauffer schrieb:



      Schlimmer noch: Frau Lüscher hat ja mal sinngemäß geäußert, dass sie ein schlüssiges Bild nicht möchte (wie kann sie als Schweizerin hierzu überhaupt kritiklos einen Willen äußern?!).


      Ach die Dame ist Schweizerin? Na dann wundert mich nichts mehr...die haben wohl ohnehin ein etwas anderes Verhältnis zu ihrem Altbaubestand - da wird dann auch mal am Züricher See ein 400 Jahre altes Fachwerkhaus abgerissen, ohne daß es jemanden stört - nun gut, im Gegensatz zu Berlin ist ja in der Schweiz nicht eine einzige Bombe gefallen, das mag den Umgang mit historischer Bausubstanz vielleicht auch ein wenig leichtfertig machen.
      Amateure bauten die Arche, Profis die Titanic...