Berlin in alten Bildern

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Auguste-Viktoria-Platz - Breitscheidplatz

      Morgen wird das Bikinihaus wieder eröffnet, dazu passend ein paar Bilder des Platzes, auf dem die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche steht. Hier war einst das "Romanische Forum", ein Ensemble von Gebäuden im neoromanischen Stil mit den beiden "Romanischen Häusern" und den Wilhelmshallen.

      Das erste der Häuser im romanischen Stil hatte die Haunummer Kurfürstendamm 10-11 und stand auf der Westseite des Platzes wo jetzt das "Upper West" gebaut wird.



      Kurfürstendamm 10-11, erbaut von Franz Schwechten 1893-96, Foto 1900:







      Kurfürstendamm 10-11, erbaut von Franz Schwechten 1893-96, Foto 1905:






      Der Rolandbrunnen vor dem Haus, 1928 wegen Straßenverbreiterung abgebaut und nach Riesenberg Westpreussen (Prabuty, Polen) verkauft. Der Brunnen wurde nach einem Entwurf von Franz Schwechten für die Gewerbeausstellung 1896 gebaut. Foto 190:






      Auguste-Viktoria-Platz, Romanisches Haus, Torweg vom Kunstschlosser Hammeran, aus BAW Februar 1900:




      Da das Geäude über riesige Wohnungen verfügte, dienach dem 1. Weltkrieg unvermietbar waren, wurde das Gebäude 1924-25 umgebaut und bekam ein Kino in den unteren Stockwerken. Der Beginn des "Gloria-Palastes", Foto 1925:






      Kriegsruine 1946:






      Das 2. Romanische Haus wurde 1900-1901 nach Plänen von Franz Schwechten auf der Ostseite des Platzes errichtet, wo heute das Europa-Center steht und bekam die Hausnummer Kurfürstendamm 238. Hier befand sich von Anfang an das "Romanische Café" und neben 2 Läden an der Tauentzienstraße eine Filiale der Dresdner Bank.


      Es war nicht das erste Gebäude an diser Stelle, denn in den Adressbüchern aus der Zeit vor dem Bau sind hier Einwohner vermerkt. Leider konnte ich kein Foto aus der Zeit vor dem Neubau ausfindig machen.


























      Der Giebel mit dem Heiligen Georg:






      Kurfürstendamm 238, Neues Romanisches Haus, von Franz Schwechten, aus "Berliner Architekturwelt" Juni 1902:
















      Kudamm 238-43, Ecke Auguste-Viktoria-Platz, Romanisches Café, um 1915:







      Das Romansiche Café, um 1908:







      Kriegsruine 1946:





      An der Nordseite des Platzes befand sich der Zoologische Garten. hier verzichtete man wegen der Sonneneinstrahlung auf hohe Gebäude. Als erstes wurden hier an der hardenbergstraße die "Wilhelmshallen" errichtet.

      aus Wikipedia:

      Das Gebäude wurde ursprünglich von Carl Gause (1851–1907), einem der Architekten des Hotel Adlon, entworfen und in den Jahren 1905 und 1906 als Ausstellungshallen am Zoologischen Garten – auch Wilhelmshallen genannt – erbaut. Im Jahr 1912 wandelte Arthur Biberfeld (1874–1959) die westliche Halle in ein Theater um. Von 1913 bis 1915 war es zur Aufführung des Films Quo Vadis? der Cines-Filmgesellschaft durch Oskar Kaufmann mit einem Bildwerferraum ausgestattet. Zwischen 1913 und 1914 trug das Filmtheater den Namen Cines-Palast. Der Architekt Max Bischoff baute das Theater im Jahr 1919 für die Ufa zu einem Kino mit 1740 Plätzen um. Es eröffnete am 18. September 1919 mit der Premiere des Films Madame Dubarry von Ernst Lubitsch.[3]


      In den Wilhelmshallen fand 1908 die Deutsche Schifffahrtsausstellung statt.

      Fotos von 1905 - 1945:

      1905:





      1907:



      1910:




      Hardenbergstr, Ufa-Palast am Zoo, innen, Logen, um 1919:



      1924:




      1925:




      1926:




      1932:




      1934:




      1941:




      1945:




      Der Richtung Osten errichtete Komplex mit dem Capitol, 1928:






      Hardenbergstraße 29a, Haus Germania, um 1930:




      und das Capitol 1946:





      Sollte jemand zufällig in Berlin weilen und am 8. April Zeit haben, so empfehle ich folgende Veranstaltung:

      urania.de/programm/2014/u621/

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Spreetunnel () aus folgendem Grund: Korrektur

    • Spreetunnel herzlichen Dank für diese großartige Dokumentation und die Mühen der Recherche! :daumenoben:
      Meines Erachtens sind schon auf den Bildern der Zeit nach dem 1. Weltkrieg deutliche Zeichen der Respektlosigkeit gegenüber der Würde, Harmonie und Großzügigkeit der gründerzeitlichen, hier neoromanischen Platzbebauung zu erkennen, so wie auch an vielen anderen Orten in Berlin - der Potsdamer Platz sei hier als weiteres Beispiel genannt. Die Bauten selbst wurden anscheinend nur stehengelassen, weil sie hinsichtlich der Wertschöpfung intakt waren. Man kannte aber offensichtlich keinerlei Hemmungen, die Fassaden bis unters Dachgeschoss mit schriller Werbung zu verunstalten und die Fassaden bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu "modernisieren" (siehe weiterer Kurfürstendamm). Ansonsten hielt hier, wie an den Neubauten im Zoobereich erkennbar, schon in den 20ern die Moderne Einzug. Der Bombenkrieg hat dann wohl nur noch einer Entwicklung freie Bahn verschafft, die sich schon ab 1918 zum Mainstream entwickelt hatte, wenn man einmal von den Bauten des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und der Zeit von 1933-45 absieht.
      Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

      Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir
    • Vielen Dank für diese Bilderserie! Dieser Platz war ein Gesamtkunstwerk und es ist bitterschade, dass er nicht mehr existiert! Der heutige Platz macht für jedermann ersichtlich, was hier Berlin an Baukultur verloren ging. Schadest! :kopfschuetteln:
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Exilwiener ()

    • Der Platz hieß Auguste-Viktoria-Platz, nicht Kaiserin-Augusta-Platz. Augusta war die Frau Wilhelms I. Die Ausguste-Viktoria war die "Kirchenguste", weil sie so im Kirchenbau engagiert war und die Gemahlin Wilhelms II. Beides aner besser als der schnöde Breitscheidplatz. Irgendwie klingen "demokratische" Platznamen immer ziemlich banal. Ich bleibe allerdings bei meinem Urteil was das Romanische Forum betrifft. Großartige Architektur war das sicherlich nicht aber trotzdem einzigartig in der deutschen Stadtlandschaft. Schade drum.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pfälzer Bub ()

    • Diese neoromanischen Profanbauten mögen zwar nicht mehr existieren, aber lösten unzweifelhaft eine neue Welle in der Verwendung neoromanischer Stilelemente aus. Gebäude, die sie in der zweiten Hälfte der 1890er und die ganzen 1900er Jahre hindurch rezipieren, findet man in ganz Deutschland. Es ist mal interessant, hier die Hauptwerke zu sehen, deren wie von Volker schon angesprochener Abriss höchst bedauerlich ist. Aber gerade die neoromanischen Gebäude hatten in ihrer grimmigen Monumentalität natürlich eine vermeintliche Nähe zur NS-Architektur und schon deswegen nach 1945 keine Überlebenschance.
    • Kurfürstendamm - zwischen Auguste-Viktoria-Platz und Corneliusbrücke

      Der Kurfürstendamm begann vor dem 22. 4.1925, wie schon früher ausgeführt, an der Corneliusbrücke mit der Nummer 1 und endete dort ursprünglich auch mit der Nummer 264.

      Nach der Umbennenung des Teilstücks bis zum Auguste-Viktoria-Platz entfielen daher die Nummern 1-9 (oder 10) und der Rest ab 239.

      Auf dem Pharusplan von 1925 (?) ist zwar schon die Budapester Straße eingezeichnet, aber die alten Hausnummern sind geblieben. Wobei es mit den Hausnummern auch ziemlich durcheinander geht. Ich habe die Hausnummern so übernommen, wie es meine Quellen angaben. Sie müssen aber so nicht stimmen.







      Auf diesem älteren Plan von 1878 von Julius Straube ist fast noch gar keine Bebauung eingezeichnet, das Dreieck, auf dem später das Hotel Eden errichtet wurde existiert hier nicht als Grundstück.







      Nun zuerst die Häuser auf der südöstlichen Seite des Kurfürstendamms also Nr. 239 - 264.




      Kurfürstendamm 239-241, Postkarte, um 1905:






      Kurfürstendamm 241, um 1900:






      Kurfürstendamm 241-243, um 1900:




      Das Hotel Eden entstand 1912 auf dem Dreieck, das durch den Kurfürstendamm, die Kurfürstenstraße und die Nürnberger Straße gebildet wird. Häufig wird aber als Standort das Grundstück genannt auf dem das Gebäude der Grundkredtbank (jetzt Volksbank) entstand. Das kann aber nicht stimmen, denn wenn man sich den Grundriss des Hotels und einige Außenaufnahmen anschaut wird schnell klar, dass nur dieser Dreiecksplatz gemeint sein kann. Heute wäre das ein Teil des Olof-Palme-Platzes und der Budapester Straße.

      Auf dem Pharusplan hat das Dreieck die Nummer 242, aber andere Quellen geben als Hausnummer für das Hotel immer die Nummern 246-247 an, was wiederum mit anderen Häusern kollidiert. Spielte dann keine Rolle mehr, als dieses Stück des Kurfürstendamms umbenannt wurde und ohnehin neue Nummern bekam.



      Kurfürstendamm 246-247, Eden-Hotel, von Moritz Ernst Lesser, aus BAW Februar, 1914:













      Kurfürstendamm 246-247, Eden-Hotel, Golfplatz, auf dem Dach, 1. Oktober 1930:








      Kudamm 246-247, Eden-Hotel, Grundrisse, von Moritz Ernst Lesser, aus BAW Februar 1914:














      Kurfürstendamm 247, Kurfürstenstraße 97, Ecke Nürnberger Straße, Modehaus Georg Drucker, um 1910:







      Kurfürstendamm 246, Ecke Kurfürstenstr 97, Modehaus Drucker, um 1900:




      Jetzt wird's bei mir ab Nr. 247-264 bildmäßig etwas mager, bitte um Ergänzung :anbeten:


      Kurfürstendamm 252, Villa Ernst Borsig, um 1910:







      Kurfürstendamm 264, Restaurant Leipner, um 1900:






      Nun zum Schluss der Beginn des Kurfürstendamms von der Corneliusbrücke bis zum Zoologischen Garten, die Nr. 1-9 (10)

      In einer Luftaufnahme sieht man die ersten Häuser und die riesige Restaurationsanlage im Zoologischen Garten. Hiervon auch einige Fotos. Das Gelände gehört heute zum Komplex des Hotels Interconti und dahinter liegenden Bürogenäude.


      Luftaufnahme Kurfürstendamm - Zoologischer Garten, um 1935:






      Kurfürstendamm 1, Ecke Lützowufer 36, 1880 erbaut, um 1900:





      Kurfürstendamm 6-6a, 1882-83 erbaut von Heinrich Kayser und Karl v Großheim, um 1885:








      Die auf dem vorigen Bild zu sehende Villa links, Kurfürstendamm 7, wurde um 1900 abgerissen und durch folgenden Bau ersetzt:



      Kurfürstendamm 8 (7), von Hart & Lesser, 1905:





      Kurfürstendamm 8, Aquarium 1911-13 erbaut, um 1915:







      Budapester Straße32, Aquarium, Reparatur des Dinosauriers, 1948:





      Kurfürstendamm 9, Zoologischer Garten, Verwaltungsgebäude und Wirtschaftseingang, erbaut von Zaar & Vahl, aus BAW Mai 1900:








      Kurfürstendamm 9, Dreisternpromenade Zoologischer Garten, um 1900:






      Kurfürstendamm 9, Zoologischer Garten, Hauptfestsaal, Restaurations- und Saalgebäude, von Jürgensen & Bachmann, aus BAW Juli 1912:































      Die Budapester Straße (einst Kurfürstendamm) mit dem damaligen Hotel Hilton, 1963:

    • @ Volker... Genau das dachte ich während des Betrachtens der Bilder, noch bevor ich Deinen Beitrag las.

      Und so geht es mir bei den Bildern aus dem alten Berlin eigentlich fast immer. Es ist schön, ja wunderschön, sie zu sehen, aber gleichzeitig empfinde ich einen tiefen Schmerz. Nicht nur über den Verlust, sondern auch über die Arroganz, die nach dem Krieg gegenüber der alten, schönen und oft zu rettenden Bausubstanz. Aber auch heute noch, nachdem wir doch fast mit 70 Jahren Abstand zum Krieg und dem 3. Reich viel weniger emotional belastet daran gehen könnten, die Architekturkunst der vorherigen Jahrhundertwende zu schätzen und auch die technischen Möglichkeiten, die ja doch viel besser sind als nach dem Krieg, wird uns immer wieder Bauklötzchenmist à la Leipziger Platz, Schinkelplatz und vieler anderer zentraler Stellen in Berlin. Es ist zum :kotz:
    • Diese letzte Bilderreihe von Spreetunnel dürfte bei uns vermutlich die selben Gefühle aufkommen haben lassen! Da soll doch noch wer sagen, dass diese Zeit monoton gewesen sein soll?! Vielseitiger und abwechslungsreicher geht es doch kaum noch und ästhetisch für mich zumindest unschlagbar. Ungefähr so oder so ähnlich stelle ich mir das (gebaute) Paradies vor...in dieser Hinsicht haben meine Urgroßeltern bereits den Himmel auf Erden erleben dürfen. Wenn meine Urgroßeltern vermutlich heute durch diese Gegenden gehen müssten...fühlten sie sich vermutlich wie Adam und Eva nachdem sie vom verbotenen Baum gegessen haben - kalt, verstoßen und verloren.

      Zum Glück gibt es noch diese traumhaften Ansichten! Sie sollen zumindest unseren Kindern die Zukunft weisen und wieder den europäischen Weg finden, hin zu Kultur und Tradition, bevor es für imer zu spät ist und wir uns und unsere Welt selbst abgeschafft haben.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Einige Ergänzungen zu den tollen beiden letzten Beiträgen von Spreetunnel.

    • Budapester Straße 5, heutige Ebertstraße /Potsdamer Platz, Rheingold / Adlon Garten

      hier mal eine Ansicht eines Straßenzugs, von dem es wenige Bilder gibt...



      und eine alte Postkarte vom Weinhaus Rheingold am Potsdamer Platz hänge ich gleich noch mit ran...


      und ein Blick in den Goethe-Garten des Hotel Adlon

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Oberbaumbrücke ()

    • Danke an Hopfenbruch für die tollen Bilder.

      Zur Frage des Künstlerhauses an der Ecke Budapester Straße / Nürnberger Str / Kurfürstenstraße zwei ergänzende Fotos:



      Nürnberger Str 70-71, Deutsches Künstler-Theater, 1935:






      und noch ein Bild, um 1960, mit der Ruine im Hintergrund an der Budapester Straße:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Spreetunnel () aus folgendem Grund: Ergänzung

    • Hallo Spreetunnel, für einen angelernten Berliner kennst Du dich sehr gut aus, alle Achtung.
      Nun zum Catcher-Zelt, in den 50er Jahren stand auf dem Gelände des Romanischen Cafes ein großes Zelt in dem allabendlich Catcher-Schaukämpfe ausgetragen wurden.
      An 2 Matadore kann ich mich noch Erinnern; René Lassartes, Paris und Josef Vavra, Chechoslowakei, so wurden sie immer angekündigt.