Schloss Berlin - Wiederaufbau als Humboldtforum

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    • Führt zwar ein wenig von diesem Thread weg, aber gemeinhin sagt man wohl, daß Sachsen mit der Schlacht bei Poltawa 1709 im Prinzip aus der Riege der militärischen Großmächte ausschied und dann vor allem nur noch auf kulturellem Gebiet brillierte. Fünfzig Jahre später im Siebenjährigen, nachdem er in Sachsen einmarschiert war, konnte es dann Fritzens Armee schon nichts mehr entgegensetzen...

      Was allerdings das ständige und unwidersprochene Bashing der angeblich so übeaus kriegsbegeisterten und -treibenden Hohenzollendynastie betrifft, welches auch ganz wohlfeil zum Diskreditieren des Schloßwiederaufbaues dient, möchte ich einmal eine Lanze für diese brechen: Sie war dies - vielleicht mit Ausnahme von Friedrich II, der gleich nach seiner Thronbesteiung nach 'Gloire' strebte - nicht in höherem Maße wie andere Dynastien. Schauen wir uns ihre Herrscher, angefangen beim Großen Kurfürsten, der das Land Brandenburg überhaupt erst annähernd wieder aus dem Elend des Dreißigjährigen Krieges herausgeführt hatte, einfach einmal an:

      Friedrich I: Der 'schiefe Fritz' hatte nun wirklich GANZ andere Interessen als Kriegsspielchen und Schlachten! Etwas schwach vielleicht, mit erster Profilneuraose, daher prunkliebend und geltungsbedürftig (wie alle seine Kollegen damals eigentlich nicht weiter schlimm - siehe die Kurfürsten von Sachsen, Hannover, und nicht zuletzt auch den in Bayern) Widerspricht niemand, oder?!?

      Friedrich Wilhelm II: Rüstete die Armee als seine ganz persönliche Liebhaberei und zur Abwehr anderer Mächte zwar auf, führte aber niemals Angriffskriege.
      .
      Friedrich II: siehe oben, Vorwurf durchaus berechtigt, Expansionsdrang war allerdings aus dem damaligen Verständnis heraus legitim.

      FW II: Hatte im Grunde auch ganz andere Interessen, mehr ein 'homme des femmes' als ein Kriegsherr, die Zeitläufte (Französische Revolution etc.) zogen ihn jedoch in miliärische Händel hinein. Kulturell fand Preußen nach seiner Thronbesteigung wieder Anschluss auf ganz hohem Niveau.

      FW III: Beinahe dito - Fern von Kriegsambitionen, wäre am liebsten passiv in Neutralität verhaftet geblieben, musste aber letztlich auch durch die Zeitläufte irgendwann auch gegen Napoleon Stellung beziehen und mittun und wäre sicherlich liebend gern vor allem der erste 'bürgerliche', unprätentiöse König an der Seite seiner Gemahlin gewesen, mit der er - erstmals im preußischen Königshaus - sogar durch eine Liebesheirat verbunden war. Die zweite Hälfte seiner Regierungszeit war geprägt durch eine neue kulturelle Blüte Preußens.

      FW IV: Der 'Romantiker auf den Thron' - der liebend gerne eher Architekt geworden wäre und noch einmal entschieden zur Kultur- und Architekturgeschichte Preußens und darüber hinaus in weiten Teilen Deutschlands beitrug. Führte meines Wissens auch keine Kriege.

      Wilhelm I: Anfangs durchaus forscher und tatsächlich nicht zimperlich (48er Revolution), später aber durchaus gemäßigt und in Vielem eher von Herrn Bismarck getrieben. Nahm auch die Kaiserwürde eher mit viel Bauchschmerzen an und weigerte sich, etwa den Titel eines 'Kaisers von Deutschland' anzunehmen. Gelangte als alter Herr durchaus zu einer gewissen Popularität.

      Friedrich III: Man kann zu ihm wenig sagen, da eindeutig zu früh verstorben. Allerdings hätte er mit seiner liberalen Prägung durch seine Mutter und seine englische Gemahlin die Geschicke Deutschlands mit Sicherheit anders gelenkt als sein Nachfolger

      Wilhelm II: Durch seine körperliche Behinderung, deren grausige Behandlung und die, gelinde gesagt, danebengegangene Erziehung wohl wiederum mit einer Profilneurose und einem Geltungsdrang ausgestattet, die ihm zu Poltrigkeit und Taktlosigkeit ausschlug. Sicher - Spaß am Säbelrasseln dürfte er gehabt haben, aber den hatten damals im Grunde auch die anderen Potentaten auch schon wieder und über den Beginn des 1. Weltkrieges soll er trotz eigenen Zündelns auch selbst recht erschrocken gewesen sein.

      Das ist natürlich absolut grob heruntergebrochen, das gebe ich zu. Was ich nur ausdrücken möchte, ist, daß die Hohenzollernjungs auch nicht generell von anderem Holz geschnitzt waren als jene aus anderen Dynastien. In ihre Zeit haben sie jeweils durchaus gepasst und waren dabei sogar oft recht bedauernswerte und durchaus auch sympathische Kreaturen (so wie auch ihre Gemahlinnen mal mehr, mal weniger).
    • Hessen-Darmstädter schrieb:

      Preußen hat von allen europäischen Großmächten in den 200 Jahren seiner Existenz die wenigsten Kriege geführt. In dieser Zeit war Frankreich das mit Abstand kriegerischste Land, gefolgt von England.
      Alle preußischen Könige - ausnahmslos - haben kulturell bedeutende Taten verbracht, die bis heute sichtbar und wirksam sind.
      Das ist natürlich richtig, aber sowohl die radikale Linke als auch die radikale Rechte sah das doch in seltener Einigkeit anders. Wirkmächtig bis heute ist der Friderikus Rex Kult der 20er und die Verkürzung des Preussen auf das Militär und soldatischen Geist.

      Heute erst gibt es Menschen, die in Schlesien, Pommern, Ostpreussen, Ostfriesland, Brandenburg, Berlin geboren sind. Von Preußischer Identität blieb zu wenig. In die Reichidee passte eine preussische Identität nicht mehr hinein. Darum störte sich auch keiner an der Abwicklung Preussens durch die Weimarer Rechte bei gleichzeitiger politischer Instrumentalisierung der Idee Preussens. Im Adenauerstaat konnten sozialdemokratische Preussen nicht Fuß fassen. Vom Osten nicht zu sprechen, wo man sich erst in den 80er Jahren symbolisch mit seiner Geschichte zu versöhnen begann.

      All das führt dazu, dass die Verkürzung Preussens auf die Junkerkaste, auf soldatischen Geist usw. sehr wirkmächtig bleibt und die anderen Töne regelmäßig unter den Tisch fallen. In den letzten Jahren ist doch viel Differenzierung zu beobachten. Sogar die Verdammung Wilhem II durch Rechte (Deserteur), Linke (Obrigkeitsstaat, Militarismus, Kolonialismus), und Konservative (Bismarckkult) und die Kriegsgegner, weicht langsam einer differenzierteren Sicht, welche die Progressivität und Pluralität unter seiner Regentschaft, auch in sozialer und wissenschaftlicher Hinsicht, stärker wahrnimmt. Denn all die Kritik war bereits unter seiner Herrschaft auf dem Tisch, Teil des preussischen Diskurses. Wenn die Alliierten nach dem II. Weltkrieg Preußen mit Pathos abwickeln, dann ist das nur noch eine Chimäre, die Erdolchung eines Leichnams. Es bleiben eine Reihe von immer gleichen abgelutschten Herrscher-Anekdoten.
    • Hessen-Darmstädter schrieb:

      Preußen hat von allen europäischen Großmächten in den 200 Jahren seiner Existenz die wenigsten Kriege geführt. In dieser Zeit war Frankreich das mit Abstand kriegerischste Land, gefolgt von England.
      Alle preußischen Könige - ausnahmslos - haben kulturell bedeutende Taten verbracht, die bis heute sichtbar und wirksam sind.
      Eine Frage:
      Hat Frankreich die meisten Kriege gefuehrt? Oder war das im 18. Jahrhundert?
      Ich Weiss es nicht, darum frage ich. Ich bin selbst Britischer
      Staatsbuerger und weiss, dass England zwischen
      1860 und 1920 ganze 800! Kriege gefuehrt hat. Nach eigenen Angaben.
      Wegen der Golddeckung bis 1913 (1904) dauerten die meisten nur wenige Wochen.
      Fast alle davon selbst angefangen. Kommt da Frankreich heran? Die USA hatten damals
      120 Kriege in hundert Jahren.
    • Aktuelle Meldung aus dem Ausschreibungsanzeiger: Bekanntmachung vergebener Aufträge

      Fassadenarbeiten historisch. Portaldurchgänge
      Los 1 Naturstein- und Mauerwerksarbeiten Portaldurchgang II,
      Los 2 Naturstein- und Mauerwerksarbeiten Portaldurchgang IV,
      Los 3 Putz-, Rabitz- und Malerarbeiten Portaldurchgang I, II, V.

      Gesamtwert der Beschaffung (ohne MwSt.)
      Wert ohne MwSt.: 1 408 240,03 EUR

      Dieser angegebene Gesamtwert (man beachte: ohne Mehrwertsteuer) ergibt sich aus der Summe für die vereinbarten Preise für die Lose 1 und 3; Los 2 wurde nämlich nicht vergeben. Wörtliche Angabe dazu: „Der Auftrag/Das Los wird nicht vergeben. Es sind keine Angebote oder Teilnahmeanträge eingegangen oder es wurden alle abgelehnt.“


      VE 38014-32 Los 1 Portal II Portaldurchgang
      Mauerarbeiten:
      Ca. 165 m^3 Mauerwerk aus Mauerziegel, Wandstärken von ca. 11,5 cm bis
      36,5 cm.
      Betonfertigteile:
      Ca. 2 St. Betonfertigteile als Türstürze, Fassadenauflager, etc.
      Natursteinarbeiten:
      Ca. 75 m^3 Herstellung, Lieferung u. Einbau profilierter, handwerklich
      erstellter Werksteinstücke aus Quarzsandstein mit traditioneller,
      händischer sowie maschineller Oberflächenbearbeitung.

      VE 38014-32 Los 2 Portal IV Portaldurchgang
      Mauerarbeiten:
      Ca. 90 m^3 Mauerwerk aus Mauerziegel, Wandstärken von ca. 24 cm bis 38
      cm.
      Natursteinarbeiten:
      Ca. 65 m^3 Herstellung, Lieferung u. Einbau profilierter, handwerklich
      erstellter Werksteinstücke aus Quarzsandstein mit traditioneller,
      händischer sowie maschineller Oberflächenbearbeitung.

      VE 38014-32 Los 3 Portal I, II und V Portaldurchgang
      Putz- und Malerarbeiten:
      Ca. 1 500 m^2 mehrschichtiger Außenputz 26 mm auf Mauerwerk und
      Stahlbeton sowie der Farbbeschichtung.
      Rabitzarbeiten:
      Ca. 700 m^2 Rabitzdeckenkonstruktion als ebene und abgewinkelte
      Deckenbekleidung sowie der Farbbeschichtung und ca. 350 m^2 Gurtbögen
      mit anschließenden Kreuzgratgewölbe sowie der Farbbeschichtung.
    • BautzenFan schrieb:

      Los 2 Naturstein- und Mauerwerksarbeiten Portaldurchgang IV,
      ...

      Los 2 wurde nämlich nicht vergeben. Wörtliche Angabe dazu: „Der Auftrag/Das Los wird nicht vergeben. Es sind keine Angebote oder Teilnahmeanträge eingegangen oder es wurden alle abgelehnt.“
      Und was bedeutet das jetzt? Wird es neu ausgeschrieben? Welche zeitliche Verzögerung wird das bringen? Was, wenn sich dann wieder niemand dafür findet? huh:)
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)
    • Dann muß der Schloßverein halt eben selbst rann und die Ziegeln aufmörteln, von der Theorie in die Praxis, gleich mit museumspädagogischen Hintergrund unter Beteiligung der geneigten Bevölkerung und mit begleitenden Vorträgen von MacGregor !!! 8) :thumbup:

      Na ja, dann übernimmt es halt eine der anderen, bereits sich gemeldeten Firmen. Die Kenntnis, wie man solche Tordurchfahrten historisch und materialgerecht gestaltet scheint nicht so weit verbreitet zu sein? Im Grunde sind die bereits beteiligten Firmen doch aber kompetent genug, um viele Erfahrungen reicher und die werden das schon deichseln.
      :ueberkopfstreichen:
    • frank1204 schrieb:

      Und was bedeutet das jetzt? Wird es neu ausgeschrieben? Welche zeitliche Verzögerung wird das bringen? Was, wenn sich dann wieder niemand dafür findet?


      Genau diese Fragen habe ich auch. Um die Spekulationen wenigstens etwas einzugrenzen, hier noch einige Infos aus der betreffenden Vergabebekanntmachung. Ziemlich am Anfang wird nochmals explizit Folgendes benannt:
      Zuschlagkriterien: Niedrigster Preis

      Der vollständige Text für den Vergabestatus von Los 2 lautet wie folgt:

      Los-Nr.: 2
      Bezeichnung des Auftrags:
      Portal IVPortaldurchgang VE 38014-32 Los 2
      Ein Auftrag/Los wurde vergeben: nein
      V.1)Information über die Nichtvergabe
      Der Auftrag/Das Los wird nicht vergeben
      Es sind keine Angebote oder Teilnahmeanträge eingegangen oder es wurden
      alle abgelehnt

      Bezüglich des letzten Satzes ist zu berücksichtigen, dass in Ausschreibungstexten üblicherweise viel mit Textbausteinen gearbeitet wird. Da gibt es eben nicht den Freitext: „So hohe Kosten hatten wir nicht kalkuliert“.
      Für die Lose 1 und 3 gingen laut Bekanntmachung jeweils 10 Angebote ein. Ich denke mal, man kann wohl davon ausgehen, dass es auch für Los 2 etliche Angebote gab – aber vermutlich mit Bepreisungen, die deutlich über der Kostenschätzung liegen.
    • Die Baggerei, Verdichtung und Befestigung am Spreeufer dauert schon lange an.

      Zur besseren Betrachtung und stärkeren Betonung dieser städtebaulichen Innovation hat man das Buschwerk (womöglich noch aus Ostzeiten eek:) )auf dem gegenüberliegenden Ufer gerodet.


      Abgetreppt wird.








      Na denne...
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Zu @Vulgows vorletzter Fotografie (Beitrag vom 10. März 2018), die die Nordseite des Stadtschlosses zeigt:

      Man muss ja mal ankennend sagen, dass die Humboldt-Box baulich wirklich ganz hervorragend positioniert worden ist - keinen einzigen Blick lässt sie aus dieser Perspektive auf die modernen Schlossdach-Aufbauten zu. ;)

      Mal sehen, wie die Schlosssilhouette nach Rückbau der Humboldt-Box wirkt.
    • Im Lustgarten ist eigentlich immer ziemlich viel los und das sehr international. Ein Touristen-Hotspot eben, vergleichbar mit der Kölner Domplatte oder dem Altstadtmarkt (Staroméste namésti) in Prag. Als ich beim letzten Mal dort war (August 2017) war gerade eine große Gruppe - offensichtlich Südamerikaner - beim Tango tanzen...
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...