Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Figuren Innenportal III im Großen Schlosshof , genannt Eosanderhof


    v.l.n.r. Glaube , Liebe (Caritas), Hoffnung , Gebet


    Wie bereits berichtet, haben Verleger Hubert Burda und sein Sohn Jacob mit 1 Million Euro die 4 Standbilder im Großen Schlosshof finanziert.

    ...Gruppe von vier Standbildern, die zusammen die vier Tugenden der Christen symbolisieren: Glaube, Liebe, Hoffnung – und hier eben das Gebet. Jede dieser Skulpturen aus Sandstein wiegt inklusive Sockel etwa 3,3 Tonnen und ist ungefähr 3,5 Meter groß. Kaiser Wilhelm I. hat sie einst als Dekor für das Berliner Stadtschloss der Preußenkönige in Auftrag gegeben. Der Bildhauer Karl Schuler schuf sie im Jahr 1886. Als er plötzlich starb, haben seine Gehilfen, die Bildhauer Paul Reuter und Rudolf Pohle, sie im neobarocken Stil vollendet.

    Ein historisches Foto von 1929 auf Bildindex, man kann gut ranscrollen, leider fehlt rechts die 4. Figur (Gebet) auf diesem Bild. Hab vereinzelt auch die Bezeichnung "Frömmigkeit" dafür gelesen.


    Eine Darstellung der aktuellen Baupläne hatte SchortschiBähr hier mal gezeigt.


    VanWuerzburg hatte für uns ein aktuelles Bild vom Innenportal gefunden auf instagram.


    Beim Betrachten des Fotos von 1929 war mir die fehlende 4. Figur rechts samt Säule und das somit gestutzte Portal aufgefallen. In der Deutschen Bauzeitung 1895 habe ich eine Erklärung dazu gefunden.

    Seit Beginn der 1890er Jahre wurde die gesamte Nordwestecke umgebaut. Es ging darum, die Isoliertheit des Weißen Saales zu beheben, einen besseren Anschluss zwischen Ostflügel, Paradekammern, Weißem Saal und der Schlosskapelle zu schaffen wie auch Nebenräume für die Vorbereitung von Festlichkeiten (Catering). Dazu wurde die Innenseite des westlichen Schlossflügels verbreitert und neue Galerien gebaut. Geplant von Ernst von Ihne in Zusammenarbeit mit Albert Geyer.

    Dieser Anbau machte eine Versetzung des nördlichen Pfeilers und der ihm vorgesetzten Säule erforderlich. Der Symmetrie halber war geplant, irgenwann auch die innere Südwestfront analog umzubauen und das ganze innere Eosanderportal zu versetzen, wie aus der o.g. Baubeschreibung und dem daraus entnommenen Grundriss zu entnehmen:



    Eine Luftaufnahme von 1920 zeigt, dass es nicht zu weiteren Umbauten am Innenportal gekommen ist. Ob die Skulptur Gebet weiterhin auf der versetzten 4. Säule stand, konnte ich nicht feststellen, wie es auch insgesamt wohl aufgrund des verstümmelten Portals kaum Ansichten der Nordwestecke des Großen Schlosshofes gibt.

    Umso erfreulicher ist es, dass das ursprüngliche Aussehen des Innenportals für das Humboldtforum wieder hergestellt wird und es somit im Eingangsbereich im Eosanderhof seine Wirkung entfalten kann. :daumenoben:

  • Was man an den Plänen auch gut erkennen kann, ist der Konnex zwischen Weißem Saal (= Thronsaal) und Schlosskapelle über die zwischengeschaltete Treppe. Thron und Altar als Einheit.

    Bei der Anfügung der Galerie durch von Ihne wurde übrigens auch der nordwestliche Hofrisalit ein Stück weit nach Osten versetzt. Geplant war, die Maßnahmen an der Südwestecke des Eosanderhofs fortzuführen und auch den dortigen Risalit zu versetzen,.


    Diese ganze Ecke wäre, hätte es den WK I nicht gegeben, verändert worden.


  • Zur Ergänzung der vorigen Beiträge, Aufnahmen aus dem großen Schlosshof




    Großer Schlosshof im Vordergrund Gewehrständer der Schlosswache



    Blick auf die Kuppel des Schlosses, noch ohne die Skulpturen des Innenportals



    Quote

    Ein Volk das keine Vergangenheit haben will, verdient auch keine Zukunft !

    Alexander v. Humboldt

  • Danke Eiserner Pirat für die ergänzenden Bilder. Auf den ersten beiden ist der Zustand nach dem Umbau zu sehen, der wohl von 1891-1895 dauerte. Und - die Skulptur Gebet ist auch wieder auf der Säule. :smile: Man hat wohlweislich scheinbar nie die ganze westliche Innenfront aufgenommen, eben weil dann der unfertige Versatz und das zerstückelte Innenportal III so richtig zu sehen gewesen wären...

    Dass es nie zu der geplanten Fortsetzung auf der Südwestseite kam, mag wohl daran liegen, dass sich der Onkel Wilhelm einfach verzettelt hat mit all seinen anderen Projekten um die Jahrhundertwende - die Schlossfreiheit, ganzen Kaiser Wilhelm-Denkmäler, die kaiserliche Marine - hat er ja nicht alles selbst bezahlt aber anteilig bestimmt.

    Auf dem letzten Bild sieht man schön den Zustand vor dem Umbau und auch vor 1886, vor Aufstellung der Figuren.

  • Ich kann nicht genau erkennen, um welche Figuren es sich am Boden liegend handelt, um die vielen Balustraden- und Kuppelfiguren ja nicht, die wurden mit weggesprengt, aber es sieht so aus, als sei das ein Bild von den wenigen geretteten Skulpturen, wovon wiederum später auch noch ein Teil abhanden kam bzw. nicht mehr auffindbar ist...


    Wer sich weiter mit der Sprengung 1950 und der Bergung von Teilen befassen möchte, für den mag vielleicht dieses Buch von Interesse sein. Es enthält unter Anderem einen Katalog, der die einstmals geborgenen den bis heute erhaltenen Fragmenten des Berliner Schlosses gegenüberstellt. "Denkmalpflege am Berliner Schloss" von Anja Tuma. 624 Seiten, nicht ganz preiswert. Die Autorin kommt darin zum dem Schluss, dass ca. 85% aller Schmuckteile und Skulpturen bis heute verloren sind. (Quelle)

  • auch wenn meine Augen Schmerzen, Aufnahmen des zerstörten Stadtschlosses. Es hätte noch vieles gerettet werden können, aber es fehlte der politische Willen !


    auf Grund der gemauerten Ziegelwand, müsste das eine Figur vom Portal lll Hofseite sein
















    beschädigtes Portal V nach der Novemberrevolution 1918



    wo ist das ? Teil eines Treppenhauses ? Wer kann helfen ?

  • auch wenn meine Augen Schmerzen, Aufnahmen des zerstörten Stadtschlosses. Es hätte noch vieles gerettet werden können, aber es fehlte der politische Willen !

    Nicht nur der politische Willen. Auch Zeit, Material, Maschinen, Arbeitskräfte...

    Und viele Menschen hatten so kurz nach dem Krieg naheliegendere Sorgen. Heute lassen die Leute alles stehen und liegen und bunkern Toilettenpapier!

    Während Teile des Gebäudes bereits gesprengt wurden, blieben der Gruppe, dem sogenannten »Wissenschaftlichen Aktiv«, nur drei Monate Zeit, um Ausbauten vorzunehmen, ein Bergungsregister anzulegen und Aufmaßpläne zu erstellen. Vor, während und nach der Sprengung entstanden allein über 5.000 Fotografien.

    Das ein oder andere Teil wird bei der Demontage sogar zu Bruch gegangen sein. Und das bißchen Holzwolle zur Polsterung hat auch kaum geholfen.

  • Dass die Menschen in der SBZ und später der DDR anderes zu tun hatten, leuchtet mir ein. Aber war es nur das? Für Vermessungsarbeiten hätte man den Kunsthistorikern auch ein Jahr länger Zeit gegeben können, ebenso für den Ausbau der Skulpturen. Was aber ist mit den ausgebauten Elementen geschehen? In welches Depot kamen sie? Wo sind sie geblieben?

    Waren Dokumentation und Ausbau für die SED-Diktatur nicht eher ein Propaganda-Coup? Jedenfalls empfinde ich allergrößten Respekt, wenn ich in diesem Zusammenhang bedenke, mit welcher Verve man gleich nach dem Krieg in Dresden begonnen hat, den Zwinger zu sichern und wieder aufzubauen. Aber Berlin ist halt nicht Sachsen - war es nicht und wird es auch niemals sein.

  • Ich sagte ja auch "nicht nur".


    Weiter im Programm. :wink: Ich glaube auch, dass es sich bei der abgenommenen Figur in Eiserner Pirat 's Nahaufnahme um die "Hoffnung" handelt. Jetzt aufgestellt werden ja aussen und an den Portalen generell Nachbildungen wegen der Standfestigkeit. Die Frage ist, ob die gerettete Skulptur überlebt hat oder letztendlich doch "verlorengegangen ist". Manche Teile hat man ja später durch Zufall auf Schutthalden u.ä. gefunden.

    Ohne ausreichende Planung hatte ein wissenschaftliches Aktiv etwa 2000 künstlerisch wertvolle plastische Arbeiten und Architekturteile geborgen und den Bau vor seiner Vernichtung in der Eile nur unsystematisch dokumentieren können. Dies war, wie die Zukunft erwies, zur Beruhigung der Öffentlichkeit geschehen. Die wissenschaftliche Bearbeitung der Dokumentation kam nicht zustande und die erhaltenen Teile verwahrlosten auf einem Lagerplatz, wo sich ihre Spur nach 1965 verlor.

  • Heute beim Aufbau zum Humboldt- Forum ein verschenkter Raum ohne Inhalt,

    Das muß keineswegs dauerhaft so bleiben- wenn ich recht informiert bin, hat die Zwischendecke keinerlei staatische Funktion und könnte wohl nach Bedarf auch wieder entfernt werden.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Ohne jemandem seine Arbeit vorwegzunehmen, möchte ich dennoch gerne einen Beitrag zu den Balustradenfiguren von Portal I verfassen.


    Figuren Portal I


    Vorab ein Bild des besagten Portals.

    Quelle: bildindex.de


    Die originalen Figuren aus der Barockzeit wurden 1817 entfernt. Aber man überlegte damals, ob man die Figuren erneuern und wieder aufstellen sollte. Schinkel liefert dazu einen Bericht, der das Unternehmen befürwortete, allerdings entschied sich dann Friedrich Wilhelm III. aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage dagegen.


    Die auf dem Bild zu sehenden Figuren wurden 1889 unter Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben. Schon unter Kaiser Wilhelm I. gab es aber schon Überlegungen, das Portal I wieder mit Figuren zu bestücken.


    Ausgeführt wurden dann schließlich von links nach rechts:

    Die Kriegskunst, von Albert August Karl Manthe,

    die Staatskunst, ebenfalls A. A. K. Manthe,

    die Naturwissenschaft, von Erdmann Encke und

    die Rechtswissenschaft, ebenfalls von E. Encke.

  • Figuren Portal II


    Leider gibt es keine guten Aufnahmen von Portal II, so ist eine genaue Zuordnung der Figuren etwas schwieriger, aber dennoch vorab ein Bild.

    Quelle: bildindex.de


    Das Gestaltungsprinzip ist wieder das gleiche wie bei Portal I, außen stehen männliche Figuren und innen zwei weibliche Skulpturen.


    Die Vorgeschichte ist die selbe, Abnahme der Originalfiguren 1817 ohne Ersatz.


    Kaiser Wilhelm II. ließ für Portal II 1888 vier Skulpturen anfertigen:

    den Ackerbau, von Moritz Schulz,

    die Fischerei, ebenfalls von M. Schulz,

    den Bergbau, von Walter Schott und

    den Eisenbahnbau, ebenfalls von W. Schott.


    Eine genaue Zuordnung von links nach rechts war mir leider nicht möglich. Gerne bin ich für Ratschläge offen.

  • Figuren Portal I


    Danke VanWuerzburg für die vielen Informationen. Ich dachte ohnehin, dass wir hier gemeinsam daran arbeiten, einen Überblick über die Figuren zu schaffen, wo die Rekonstruktion und Aufstellung derselben doch zu den Vorhaben gehört, die in nächster Zeit realisiert werden.


    Wo hast Du die Titel und Schöpfer der Figuren gefunden, ich hatte auch schon gesucht und mich z.B. gewundert, was die Dame (2. von r.) wohl in der Hand hat. Ich hatte auf eine Lupe getippt - Bingo :biggrin:.


    Quelle: Amazon


    Hier ein Bild nach 1945. Bis auf eine waren die Figuren scheinbar unversehrt... Okay, der Arm der Naturwissenschaft fehlt.


    Quelle: Humboldtforum

  • Onkel Henry


    das mit der Kuppel wird nicht so gehen, an Hand der alten Etagenpläne ging die Kuppel von der 2. Etage über die 3. Etage, also müsste die jetzige Betondecke wieder in der gesamten Breite aufgebrochen werden. Das kann ich mir in nächster Zeit nicht vorstellen, auch wenn der Wille dazu bei einigen da wäre, aber das zukünftige Museum wird sich vehement da gegen positionieren. Ich glaube es bleibt leider eine Illousion und sind wir alle Mal ehrlich es hätte viel schlimmer kommen können, zumindestens an 3 Seiten wird das Humboldt-Forum im alten Glanz des Stadtschlosses erstrahlen. Anders sieht es mit dem Gigantentreppenhaus aus, das wäre eine Chance es wieder original zu errichten, genauso das Schlossumfeld wenn die Besucher das unvollendete im jetzigen Zustand erblicken und erkennen das es jetzt der größte Murks ist, bei der Sommerhitze bei 40 Grad möchte ich mich nicht länger auf dieser Steinwüste aufhalten.




  • Onkel Henry


    das mit der Kuppel wird nicht so gehen, an Hand der alten Etagenpläne ging die Kuppel von der 2. Etage über die 3. Etage, also müsste die jetzige Betondecke wieder in der gesamten Breite aufgebrochen werden. Das kann ich mir in nächster Zeit nicht vorstellen,


    In der nächsten Zeit wohl sicherlich nicht. Aber es wird schon mal der Wunsch der Wiederherstellung der Schloßkapelle aufkommen, die Realisierung ließe sich durchaus bewerkstelligen.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.