Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Stimmt, Uhugreg, Du hast nicht nur die fehlende Funktion sondern auch die unvollständige Rekonstruktion bedauert. Von außen betrachtet hat sie aber schon eine enorme ästhetische Funktion und daher ist die innen unvollständige Kuppel natürlich besser als keine. Da wohl keine zwingenden Gründe für die Zwischendecke bestehen, kann man auf eine Rekonstruktion in paar Jahren hoffen. Das Beispiel des Kunsthistorischen Museums in Wien ist bestechend!

  • Die Decke wurde eingezogen, weil es das aktuelle Raumkomzept des Museums so vorsieht (...)

    Genau.


    Und zum Zeitpunkt der Planung des Raumkonzeptes ist man noch von einem Schloss (zunächst) ohne Kuppel ausgegangen - diese kam durch eine überraschende Großspende erst später hinzu.

  • Die Zwischendecke unter der Kuppel ist übrigens am Übergang vom Achteck zum Tambour aufgehängt, von daher statisch also problemlos später zu entfernen.

    Die Abendschau war im und auf dem Schloss, sowie in und auf der Kuppel hautnah. Sehr interessante Einblicke. :daumenoben:

    Bei Minute 02:00 gut zu sehen.

  • Und da wundert sich der unbedarfte, aber aufmerksam schauende Betrachter, weshalb ein Barockschloß in den Decken Doppel-T-Träger hat und in den Wänden Stahlträgerfachwerk. Einzige Erklärung, die mir dazu einfällt ist:
    Wir schauen aus dem nördlichen Westflügel heraus. Dieser wurde ja zu Wilhelms Zeiten verbreitert und die neuen Wände und die anschließenden Räume wurden also der Zeit gemäß mit Stahlträgern wiederaufgebaut. Der Blick schweift über den nicht mehr vorhandenen Eosanderhof hinüber zum Dom. Sehr interessant!
    Übrigens im neuen Berliner Extrablatt gibt es seitenweise unbekannte Fotos aus der Abrißzeit zu bestaunen und zu betrauern!

  • Die Kuppel mit Kreuz und Laterne vollendet das Stadtschloss (HuF). Es ist eine Kuppel, die im Innenraum keine Funktion hat.

    Genauso ist es! Und gar nicht weit von Berlin finden wir ein prominentes Beispiel, das schon ursprünglich in diesem Sinne gebaut wurde. Verantwortlich dafür war kein Geringerer als Friedrich der Große.


    Potsdam, Neues Palais, Kuppel und Mittelrisalit zum Ehrenhof (Foto: J Naveso, Juli 2019, CC-BY-SA-4.0)


    Kuppeln sind immer starke architektonische Gesten. Beim Neuen Palais geht es nur um die Schauwirkung nach außen hin. Aber was heißt "nur"? Die "Außendarstellung" eines Gebäudes ist die genuine Aufgabe der Baukunst.


    Ein anderes Beispiel, das dem Fall der Berliner Schlosskuppel näher kommt, ist das 1888 bis 1895 errichtete Reichsgerichtsgebäude in Leipzig.


    Leipzig, Reichsgerichtsgebäude, jetzt Bundesverwaltungsgericht, die Kuppel vom Simsonplatz aus
    (Foto: Nikolai Karaneschev, April 2013, CC-BY-3.0)


    Aus Gründen der Außenwirkung benötigte dieses Gebäude eine Kuppel - ähnlich wie das Nationalmuseum in Prag, die beiden Hofmuseen in Wien und einige andere Großbauten des Historismus oder eben das Neue Palais in Potsdam aus der Zeit des Barock. Der quadratische Kuppeltambour birgt einen Raum, der nie ausgebaut wurde. Es besteht keine Verbindung zu den Foyerbereichen darunter. Vom Innern des Reichsgerichts gedacht ist diese Kuppel nutzlos. Im Zuge der Sanierung des Gebäudes für die Nutzung durch das Bundesverwaltungsgericht gab es Überlegungen, den Kuppelraum für repräsentative Zwecke nutzbar zu machen. Sie wurden aber aus Kostengründen nicht umgesetzt.


    Schöne Beispiele für Kuppeln, die auch im Gebäudeinnern eine Funktion haben, finden wir in direkter Nachbarschaft des Berliner Schlosses: den Berliner Dom und die Hedwigskathedrale. Das Bode-Museum übertrifft das Kunsthistorische Museum in Wien zumindest darin, dass es zwei große Kuppeln mit entsprechenden Hallen darunter aufzuweisen hat. Und es gibt im Bode-Museum ebenfalls ein Café. Ja, wir brauchen gar nicht nach Wien zu schauen. Das Gute liegt oft näher, als man denkt. Stühle und Tische des Museumscafés befinden sich dort nicht direkt unter der Großen Kuppel, denn da reitet schon der Große Kurfürst, aber auf der Galerie im Obergeschoss am Rande der Kuppelhalle.


    Die Baukunst kennt aber nicht nur das Phänomen der nach außen sichtbaren Kuppel, die im Gebäudeinnern keine Funktion hat, auch das Gegenteil kommt vor.


    Dresden, Schloss Pillnitz, der Mittelbau des Neuen Palais, Fassade zum Lustgarten (Foto: Felix König, September 2014, CC-BY-SA-3.0)


    Der Mittelbau des 1818 bis 1826 errichteten Neuen Palais in Pillnitz, der Sommerresidenz der sächsischen Könige, birgt einen prächtigen Kuppelsaal, dessen Wölbung nach außen hin aber durch steile chinesische Dächer kaschiert wird. Diese Dächer treffen sich nicht in einer Firstlinie, sondern lassen an ihrem oberen, durch ein Ziergitter geschmückten Ende eine relativ große rechteckige Fläche frei, die - nur aus der Vogelperspektive erkennbar - flach gedeckt ist.


    Dresden, Schloss Pillnitz, der Mittelbau des Neuen Palais, Fassade zum Fliederhof (Foto: Jerzy Strzelecki, Mai 2012, CC-BY-3.0)


    Das fast zeitgleich entstandene Alte Museum in Berlin, birgt in seinem Zentrum eine Kuppelhalle, die "Rotunde" genannt wird. Auch hier zeigt der Außenbau die Wölbung nicht an. Die nach innen wirksame Kuppel wurde in einen flach gedeckten, hohen Baukörper eingepackt, der durch Skulpturen und Ziergitter geschmückt ist.


    Berlin, Altes Museum vom Dom aus gesehen (Foto: Dguendel, März 2013, CC-BY-3.0)


    Das dahinter liegende Neue Museum enthält zwei eindrucksvolle Kuppelsäle, die nach außen hin durch die Deckung mit Flachkuppeln kaum auffallen. Die Säle erstrecken sich über zwei Geschosse und die innere Kuppelkonstruktion wird weitgehend im zweiten Obergeschoss des Gebäudes hinter fensterlosen Wänden versteckt.


    Zurück zum Berliner Schloss:
    Die Rekonstruktion von Innenräumen ist dort derzeit nicht vorgesehen. Da ist es nur folgerichtig, die Kuppel im Innern nicht zu rekonstruieren. Nach außen hin wird sie aber detailgetreu rekonstruiert. Sie ist eine richtige Kuppel und für die Wirkung des Schlosses im heutigen Berliner Stadtraum von unschätzbarem Wert. Kaffeetrinken kann man im modernen Dachrestaurant nebenan.

  • Ich stimme Dir im Prinzip zu, @Rastrelli - aber zumindest das erste Beispiel ist denkbar schlecht gewählt. Der obere Abschluss des Neuen Palais ist eine Scheinkuppel - keine Kuppel. Denn diese ist definiert als eine bestimmte Wölbungsform eines Raumes. Die Kuppel des Berliner Stadtschlosses ist eine echte Kuppel, auch wenn der Innenraum nicht genutzt wird. Das Innere der "Scheinkuppel" des Neuen Palais besteht aber aus einem hölzernen Dachstuhl - da ist nichts gewölbt.
    Nennt mich einen Pedanten, aber korrekte Anwendung von Fachbegriffen ist wichtig - gerade in einem Forum, das sich der klassischen Architektur widmet. Sonst kommen wir nicht über das Niveau von "das gefällt mir aber nicht" hinaus...

  • Ich glaube einige wollen mich nicht verstehen.
    Nochmals : ich will nicht zwnagsläufig eine Rekonstruktion des Original-innenraumes der Kuppel.
    Mir geht es nur darum, dass überhaupt ein Raum dort gebaut und verwendet wird. Insbesondere wenn dort überall Fenster angebracht wurden. Mann hätte alles mögliche damit machen können(Sichtplattform?Mini-Planetarium?).
    Stattdessen ist es nur eine Verschwendung von Freiraum und Beleuchtung.
    Die Kuppel wurde ja Auch in diesem Sinne gebaut : nicht nur zur Deko, sondern primär zur Unterbringung weitere Raümlichkeiten.
    Die Kuppel in Leipzig lässt sich Auch von Innen bestaunen. Was uns wieder zum Thema Beleuchtung bringt. Ganz zu schweigen vom Eindruck. Selbst eine solche Funktion hätte gereicht.

  • @uhugreg Handelt es sich bei dem Foto in deinem letzten Beitrag um eine Innenansicht der Kuppel des Leipziger Reichsgerichtsbaus? Dann ist das aber offensichtlich eine Innenkuppel. Unterhalb der von außen sichtbaren Kuppel auf rechteckigem Grundriss ist offenbar eine innere Kuppelkalotte eingebaut. Wenn ich richtig vermute, gibt es oberhalb dieser inneren Kuppel einen weiteren Raum, der eben nicht erfahrbar, weil unzugänglich ist. Kann das jemand aus Leipzig bestätigen oder widerlegen?

  • Ich hatte das schon ganz richtig geschrieben. @uhugreg hat ein Foto vom Foyer des Reichsgerichtsgebäudes hervorgekramt. Der Blick zur Decke dieser großen Halle ist aber nicht der Blick in die Kuppel.


    Leipzig, Reichsgerichtsgebäude, Foyer (Foto: Gbecker248, Oktober 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Die markanten halbrunden Fenster oben in der Halle sind von der Straße aus gar nicht zu sehen.


    Leipzig, Reichsgerichtsgebäude (Foto: Nikolai Karaneschev, April 2013, CC-BY-3.0)


    Nach außen sichtbar ist die Kuppel, die ich in meinem vorigen Beitrag gezeigt hatte. Und darin befindet sich hinter den Fenstern ein Raum, der mit der Eingangshalle nicht das Geringste zu tun hat. Eigentlich sollte das jeder erkennen, wenn er Bilder der Kuppel und der Halle vergleicht. Die Fensterformen und Größendimensionen sind völlig verschieden. Wir brauchen einen erhöhten Standpunkt, um die halbrunden Fenster der Halle von außen sehen zu können. Zum Glück hat das Neue Rathaus einen hohen Turm.


    Leipzig, Reichsgerichtsgebäude vom Turm des Neuen Rathauses aus gesehen (Foto: Frank Vincentz, Juli 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Der Außenbau der zentralen Halle wird im Hof versteckt und darf deshalb ein ziemlich grober Klotz sein. Die für die Gesamterscheinung des Gebäudes zur Stadt hin überaus wichtige Kuppel nutzt diesen klobigen Hallenbau als Unterbau. Man kann das nicht als zweischalige Kuppelkonstruktion interpretieren. Die Kuppel ist konstruktiv vom Hallenbau unabhängig und bildet für diesen nur eine zusätzliche Last. Ich bin mir nicht sicher, ob man das Foyer als "Kuppelhalle" bezeichnen kann. Die Decke des mittleren Bereiches ist ziemlich flach gewölbt.


    Leipzig, Reichsgerichtsgebäude, Blick zur Decke der zentralen Halle (Foto: Andreas Praefcke, April 2010, CC-BY-3.0)


    Kuppeln werden häufig mit Blick auf die Außenwirkung errichtet und nicht aus einer "inneren Notwendigkeit" heraus. Das "Ding" auf dem Neuen Palais zu Potsdam wird übrigens im Allgemeinen als Kuppel bezeichnet, auch seitens der SPSG. Dass es konstruktiv keine richtige Kuppel ist, war mir bekannt. Es ist aber trotzdem das richtige Beispiel.


    Beim Berliner Schloss finde ich die Lösung, den Kuppelraum ungenutzt zu lassen, auch nicht besonders elegant, aber ein Drama muss man daraus nicht machen. Die ursprüngliche Schlosskuppel wurde errichtet, weil der König eine Kuppel haben wollte, nicht weil eine evangelische Schlosskapelle zwingend eine Kuppel benötigen würde. Man baut Kuppeln nicht, weil sie so wahnsinnig praktisch sind, sondern aus künstlerischen Erwägungen heraus.

  • Es erscheint mir ziemlich unwarscheinlich dass der König eine Kuppel wollte, und dass die Einrichtung einer Kapelle nur eine Konsekenz war.
    Ich sehe es genau umgekehrt, insbesondere wenn mann die Rolle einer Kuppel bei Sakralbauten betrachtet...Sei es die Hagia Sophia, den Berliner Dom, den Aachener Dom,Santa Maria del fiore in Florenz, die Dresdner Frauenkirche...Gar die Mutter aller Kuppeln im römischer Pantheon.
    Und im Gegensatz zu Friedrich der Grosse war Friedrich Wilhelm der IV extrem glaübig, um es diplomatisch auszdrücken. Auf französisch würden wir bigott sagen.
    Ausserdem habe ich überall gelesen dass der König primär eine Kapelle wollte. Sein Auftrag war klar, eine Kapelle mit Kuppel, klar als Sakralbau erkennbar. Ihm ging es um die religiöse Wirkung.


    Quote from Goerd feschken

    Damals sollte die barocke Residenz monumentalisiert werden, „in einem Akt monarchischer Selbstfeier“. Entgegen der losbrechenden bürgerlichen Revolution ließ Friedrich Wilhelm IV. „eine große, neue Kapelle bauen, die sein Gottesgnadentum betonen sollte, und diese Kapelle mit einer großen Kuppel das Schloss und die Stadt überragen“.

  • Ich weiß nicht, in welchen Thread diese Meldung sonst noch passt...


    Ein Instrument des aktuellen hiesigen Kulturmarxismus ist es, möglichst große Teile der deutschen Geschichte als Verbrecheralbum darzustellen. D.h. positive Bezugspersonen der nationalen Vergangenheit werden nach Möglichkeit dekonstruiert, indem man aus heutiger Sicht negative Aspekte sucht und danach Bewertungen vornimmt.


    Aktuell sind die Humboldt-Brüder im Visier. Alexander von Humboldt wird als Vorläufer von Rassisten und als Gegner der Menschenwürde dargestellt. Wilhelm von Humboldt wird zum Antisemiten gekürt, u.a. weil er einen jüdischen Bankier als "roh" und "ungebildet" bezeichnet hat.


    Der Zeitpunkt der Attacke dürfte angesichts des absehbaren Endes der Bauarbeiten am Humboldt-Forum bewusst gewählt sein.


    Sollten die Freunde des Stadtschlosses diese Attacke ihrerseits dazu nutzen, zu fordern von der Bezeichnung "Humboldt-Forum" offiziell abzurücken und nur noch vom Berliner Schloss zu reden? Nun, so verlockend es erscheint, auf diesen Diffamierungs-Zug sollten sie wohl besser nicht aufspringen...


    Ausstellung über die Humboldt-Brüder
    Vom Sockel geholt
    Sie gelten noch heute als Idole: Eine Ausstellung in Berlin widmet sich Wilhelm und Alexander von Humboldt - und stellt die Brüder in ihrer sonst so gern übergangenen Widersprüchlichkeit dar.
    https://www.spiegel.de/kultur/…-in-berlin-a-1297394.html

  • Dabei hat sich Alexander von Humboldt bei seiner Amerika-Reise beim damaligen amerikanischen Präsidenten massiv über dessen Sklavenhaltung beschwert (was Jefferson allerdings nicht beeindruckt hat) und auf sein Bestreben hin wurde die Sklaverei in Preußen verboten (auch wenn das in der Realität mangels Sklaven praktisch keine Auswirkungen hatte, aber immerhin).


    Es ist allerdings in der Tat ein System dahinter zu erkennen, auch Luther wurde ja zuletzt schlecht gemacht. Da bleibt nur zu hoffen, dass diejenigen, die ohne Unterlass so einen Schwachsinn produzieren schon bald von niemandem mehr Interesse entgegengebracht bekommen...

  • Zur Schlosskuppel - sie war natürlich auch eine Kompensation dafür, dass FW IV die Erweiterung des Doms, die ja recht gigantisch hätte werden sollen, nicht realisieren konnte.

  • @ Heimdall
    das mit Humboldt geht schon länger, sie diesen unsäglichen Bestseller "Die Vermessung der Welt".

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Dabei hat sich Alexander von Humboldt bei seiner Amerika-Reise beim damaligen amerikanischen Präsidenten massiv über dessen Sklavenhaltung beschwert (was Jefferson allerdings nicht beeindruckt hat) und auf sein Bestreben hin wurde die Sklaverei in Preußen verboten (auch wenn das in der Realität mangels Sklaven praktisch keine Auswirkungen hatte, aber immerhin).


    Es ist allerdings in der Tat ein System dahinter zu erkennen, auch Luther wurde ja zuletzt schlecht gemacht. Da bleibt nur zu hoffen, dass diejenigen, die ohne Unterlass so einen Schwachsinn produzieren schon bald von niemandem mehr Interesse entgegengebracht bekommen...

    Nun, es wäre schön wenn man friedlich mit kritischen Stimmen umgehen könnte, und mit Gegenargumente, statt sofort zu rechtsextremen Beschimpfungen überzugreifen. Warum wird sofort an Wörter wie "Kulturmarxismus,Von Schnitlzer..." zurückgegriffen, oder ähnlische Rethorik? Ich fühle mich ein bisschen zu oft wie in einem Brauner Bierkeller der 20ger Jahren. Denn ich sehe eigentlich selten Argumente. Es ist viel viel besser und einfacher Kontrahenden als DDR-Schergen usw zu bezeichnen.
    Oder auf Komplotte oder angeblische Systeme hindeuten. Was reiner Schwachsinn ist.
    Ich werde es mal so sagen :
    1)Mann kann gegen Sklaverei sein, und trotzdem durch und durch Rassist sein, und andere Volker als "minderwertige Rasse" betrachten. Ich sage nicht dass es so der Fall bei den Humboldt Brüder sei, aber es schliesst sich nicht aus. Lincoln wollte die Sklaverei abschaffen, und er war dennoch Rassisst. Picard wollte dass die Unschuld von Alfred Dreyfuss anerkannt wird, und trotzdem blieb er bis zu seinem Tod ein glühender Antisemit.
    2)Zum Thema Luther : nun, vor kurzem hat mann sein Jubiläum gefeiert oder? Mann hat fast pausenlos über ihm berichtet. Also ist es normal dass es auch einige kritische Stimmen gibt, denn Luther war Vater zwar der Reformation, gegen Opulenz und Ablasshandel, aber gleichzeitg judenfeindlich und Befürworter Ketzer-und Hexenverbrennungen. Wie Calvin. Beide haben in der Hinsicht mit der katholischen Inquisition kollaboriert. Und das sind reine historischen Fakten. Einer der kritischten Werke über Luther, der sich mit den Thema befasste, wurde 2017 von einem lutherianischer Pastor veröffentlich (Marc Lienhard). Aber warscheinlich ist es nur ein Komplott von bösen Stasi Mitarbeiter.
    Der einzige System den ich bis jetzt erkannt habe, ist die sofortige Verurteilung als Linksextremist in ziemlich unschöne Wörter wenn jemand anders denkt. Ich befürtworte Rekonstruktion, bin aber offen für Debatte und Höflichkeit, Argumentation und Rethorik.
    Warum glaubt Ihr denn dass einige Reko-Gegner Rekonstruktionen als Symbol Brauner Pest verunglimpfen? Die brauchen nur hier vorbeizuschauen, und schon werden Munitionen auf einem Silbertablett serviert.
    Und nur zu Info : ich habe nie in meinem Leben links gewählt. Und ich habe keine versteckte Mao, Marx, oder Enghls-Werke in meiner Bibliothek.

  • Du schreibst davon, man solle "friedlich mit kritischen Stimmen" umgehen und nicht auf "Beschimpfungen" zurückgreifen. Und umgehend fängst Du mit "rechtsextrem", "Brauner Bierkeller", "Braune Pest" an. Das ist vielleicht nach Deiner Selbstwahrnehmung ein Verzicht auf Beschimpfungen und ein friedlicher Umgang mit anderen Meinungen.
    Was erkennt man daran? Manch einer schreibt über andere, dabei ist es er selbst, über den er schreibt. :zwinkern:


    Zwar ist der Begriff Kulturmarximus bei der amerikanischen Rechten (als Begriff) entstanden. Er meint aber inhaltlich die nachweisliche Weiterführung marxistischer Strategie nach dem Scheitern orthodoxer Klassenkampfkonzepte. Heute finden die Transformationsversuche nicht mehr über den Rückgriff auf die Arbeiterklasse und deren Klassenkämpfe statt, sondern über das Konzept der Nutzung angeblich diskriminierter Minderheiten als soziale Basis und die Erziehung durch den kulturellen Überbau. Zur Vertiefung kann man sich mit der Frankfurter Schule, Frantz Fanon, 68er, Lyotard beschäftigen.


    Das Konzept der Dekonstruktion von Leuten wie Humboldt und Luther funktioniert dergestalt, dass Personen der Geschichte nach heutigen ideologischen und "moralischen" Strichlisten hinsichtlich ihrer Vorbildfuktion bewertet werden. Dabei wird vor allem gerne nach irgendwelchen Fehl-Äußerungen gegraben. Und letztlich findet man die bei jedem Menschen.
    Jeder Mensch äußert sich irgendwann in seinem Leben mal "rassistisch", "sexistisch", "ethnozentrisch" oder gegen irgendetwas "phob". Klappe herunter, Urteil gesprochen.
    Zu anderen Zeiten hätte man Humboldt mit der gleichen Verve vorgeworfen, zu "judenfreundlich" gewesen zu sein, vielleicht zu wenig "maskulin", vielleicht "zu verständnisvoll gegenüber schwarzen Wilden". Klappe herunter, Urteil gesprochen.
    Zukünftige Zeiten werden ihre Urteile fällen. Luther war kein Veganer. Igitt. Humboldt hat keine transsexuellen Erfahrungen machen wollen. Ein beschränkter Geist also. Bismarck trug Bart. Ein Symbol des Islamismus, also. Wilhelm II. hat die Industrialisierung gefördert, ist somit Hauptverantwortlicher für den Klimawandel. Schreckliche Menschen. Keine Vorbilder. Straßen umbenennen. Klappe herunter, Urteil gesprochen.


    Exakt nach diesem Muster läuft das Spiel.


    Und "uhugreg" hat sein Ziel erreicht. Die Hinweise auf Humboldt werden von der Moderation gelöscht, weil nun eine politische Diskussion enstanden ist. Ich denke, das war die ganz bewusste Absicht. :sleeping: