Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • New

      Die Definition ist mir neu. Dann ist ja jedes Gebäude, dass seine Funktion (wenn auch nur temporär) verliert, dann nur eine Attrappe, die nur vortäuscht ein Gebäude zu sein.

      Die Sache ist nur die, dass die Kuppel nie mehr war als das was sie jetzt auch ist, abgesehen von der (nicht vorhandenen) Innengestaltung und der Abtrennung vom eigentlichen Kapellenraum (welcher bekanntermaßen als separater Raum mit vom Humboldt-Forum genutzt wird).

      Die Kuppel war die Erweiterung des Kapellenraums über dem Eosanderportal gen Himmel. Sowohl Außen als auch Innen eine reine architektonische Maßnahme, würde ich meinen.

      Quelle Wikipedia

      Warum sie nun ist wie sie ist, wurde hier oft genug geschrieben - aber ewig wird es bestimmt nicht so bleiben.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • New

      Bei Kirchenbauten gibt es oft zwei Kuppeln ineinander resp. übereinander: die äussere Kuppel mit einer Tragstruktur an der Innenseite, die das Bild des Innenraumes stören würde. Deshalb wurde dann oft eine separate Innenkuppel in leichterer Bauweise errichtet, die nicht noch die schwere Metallverkleidung und eine Laterne zu tragen hatte. Wie das beim Berliner Schloss war, weiss ich nicht. Es wird wohl jemand von den Berlin-Kennern einen Schnitt dazu finden.

      Bei der Nikolaikirche in Potsdam war dies offenbar ebenfalls mal so geplant gewesen:
      potsdamermitte.de/index.php?id=45
      Ist die äussere Kuppel nun eine "Attrappe ohne Gebäudenutzungsänderung"? :wink:

      The post was edited 1 time, last by Riegel ().

    • New

      Das ist jetzt ein bißchen Worthuberei hier. Im Grunde hat uhugreg ja nur bedauert, daß der Kuppelraum nicht in seiner ganzen Größe genutzt wird. Für wiederholte Kritik ist dieser Faden doch da.

      Auf die Gefahr hin, daß die Frage auch zum wiederholten Male gestellt wird: Gibt es eine offizielle und vernünftige Erklärung für die Zwischendecke? Klimatische Gründe lasse ich nicht gelten, da es nicht der einzige hohe Museumsraum auf der Welt wäre. Daß man damit jeden Gedanken an eine Rekonstruktion der Schloßkapelle im Keim ersticken wollte, glaube ich auch nicht. huh:)
    • New

      Die Decke wurde eingezogen, weil es das aktuelle Raumkomzept des Museums so vorsieht. So dramatisch ist das allerdings nicht. Sollte sich dieses Raumkonzept irgendwann mal ändern, dann lässt sich diese Decke wieder entfernen und sollten irgendwann mal der Wille und der Wunsch da sein, die Schlosskapelle zu rekonstruieren, dann wird sich das auch machen lassen.
    • New

      Citoyen wrote:

      Das ist jetzt ein bißchen Worthuberei hier. Im Grunde hat uhugreg ja nur bedauert, daß der Kuppelraum nicht in seiner ganzen Größe genutzt wird. Für wiederholte Kritik ist dieser Faden doch da.

      Auf die Gefahr hin, daß die Frage auch zum wiederholten Male gestellt wird: Gibt es eine offizielle und vernünftige Erklärung für die Zwischendecke? Klimatische Gründe lasse ich nicht gelten, da es nicht der einzige hohe Museumsraum auf der Welt wäre. Daß man damit jeden Gedanken an eine Rekonstruktion der Schloßkapelle im Keim ersticken wollte, glaube ich auch nicht. huh:)
      Nein, ich bedaure dass in diese Kuppel nichs ist ausser diese Trägestruktur. Kuppeln habe eine aüssere, aber Auch innere arhcitektonische Bedeutung. Hier hat mann sich nur auf das aüssere begrenzt, Reko nur zum zweck der Reko, ohne irgend ein Konzept für den Raum zu gestalten. Es ist ein leeres Raum mit nackte Betonwänder. Darum nenne ich es Attrappe, denn es erfüllt seine Funktion nicht. Wenn mann schonn die Kuppel wiederaufbaut, dann sollte mann Auch etwas gescheites daraus machen. Es wurden ja sogar die Fenster wiedereingebaut. Ist aber alles Nutzlos. Nur Dekorum. Und ich will ja nicht zwangsläufig eine neue Kappelle.
      Aber es hätte ein schönes, lichtbefluteter Raum werden können.
      Als Gegenbeispiel, wenn Auch extrem, fällt mir den Kuppelraum des Kunsthistorischen Museum in Wien, daraus ist ein Cafe geworden.

      c8.alamy.com/comp/R55TKX/the-c…vienna-austria-R55TKX.JPG
      media-cdn.tripadvisor.com/medi…ick-in-die-kuppel-des.jpg
    • New

      Stimmt, Uhugreg, Du hast nicht nur die fehlende Funktion sondern auch die unvollständige Rekonstruktion bedauert. Von außen betrachtet hat sie aber schon eine enorme ästhetische Funktion und daher ist die innen unvollständige Kuppel natürlich besser als keine. Da wohl keine zwingenden Gründe für die Zwischendecke bestehen, kann man auf eine Rekonstruktion in paar Jahren hoffen. Das Beispiel des Kunsthistorischen Museums in Wien ist bestechend!
    • New

      Bin ich eigentlich der einzige, der bis eben gar nicht vertraut war mit den Fotos von Eva Kemlein aus dem Jahr 1950, in denen Kemlein die Bergung von Spolien aus dem zu sprengenden Berliner Schloss und dessen fortschreitenden Zerstörung dokumentiert?

      commons.wikimedia.org/wiki/Cat…_Stadtschloss,_Abriss.jpg
      Images
      • Bundesarchiv_Bild_183-08243-0001,_Berlin,_Stadtschloss,_Abriss.jpg

        97.13 kB, 573×800, viewed 44 times
    • New

      Bautradition wrote:

      Heimat wrote:

      Die Decke wurde eingezogen, weil es das aktuelle Raumkomzept des Museums so vorsieht (...)
      Genau.
      Und zum Zeitpunkt der Planung des Raumkonzeptes ist man noch von einem Schloss (zunächst) ohne Kuppel ausgegangen - diese kam durch eine überraschende Großspende erst später hinzu.
      Jein, die Spende wurde bereits märz 2013 eingegangen, also bevor mann mit den Bau wirklich began.
      morgenpost.de/berlin-aktuell/a…erliner-Stadtschloss.html
    • New

      Und da wundert sich der unbedarfte, aber aufmerksam schauende Betrachter, weshalb ein Barockschloß in den Decken Doppel-T-Träger hat und in den Wänden Stahlträgerfachwerk. Einzige Erklärung, die mir dazu einfällt ist:
      Wir schauen aus dem nördlichen Westflügel heraus. Dieser wurde ja zu Wilhelms Zeiten verbreitert und die neuen Wände und die anschließenden Räume wurden also der Zeit gemäß mit Stahlträgern wiederaufgebaut. Der Blick schweift über den nicht mehr vorhandenen Eosanderhof hinüber zum Dom. Sehr interessant!
      Übrigens im neuen Berliner Extrablatt gibt es seitenweise unbekannte Fotos aus der Abrißzeit zu bestaunen und zu betrauern!
    • New

      Meister Lampe wrote:

      Die Kuppel mit Kreuz und Laterne vollendet das Stadtschloss (HuF). Es ist eine Kuppel, die im Innenraum keine Funktion hat.
      Genauso ist es! Und gar nicht weit von Berlin finden wir ein prominentes Beispiel, das schon ursprünglich in diesem Sinne gebaut wurde. Verantwortlich dafür war kein Geringerer als Friedrich der Große.


      Potsdam, Neues Palais, Kuppel und Mittelrisalit zum Ehrenhof (Foto: J Naveso, Juli 2019, CC-BY-SA-4.0)

      Kuppeln sind immer starke architektonische Gesten. Beim Neuen Palais geht es nur um die Schauwirkung nach außen hin. Aber was heißt "nur"? Die "Außendarstellung" eines Gebäudes ist die genuine Aufgabe der Baukunst.

      Ein anderes Beispiel, das dem Fall der Berliner Schlosskuppel näher kommt, ist das 1888 bis 1895 errichtete Reichsgerichtsgebäude in Leipzig.


      Leipzig, Reichsgerichtsgebäude, jetzt Bundesverwaltungsgericht, die Kuppel vom Simsonplatz aus
      (Foto: Nikolai Karaneschev, April 2013, CC-BY-3.0)

      Aus Gründen der Außenwirkung benötigte dieses Gebäude eine Kuppel - ähnlich wie das Nationalmuseum in Prag, die beiden Hofmuseen in Wien und einige andere Großbauten des Historismus oder eben das Neue Palais in Potsdam aus der Zeit des Barock. Der quadratische Kuppeltambour birgt einen Raum, der nie ausgebaut wurde. Es besteht keine Verbindung zu den Foyerbereichen darunter. Vom Innern des Reichsgerichts gedacht ist diese Kuppel nutzlos. Im Zuge der Sanierung des Gebäudes für die Nutzung durch das Bundesverwaltungsgericht gab es Überlegungen, den Kuppelraum für repräsentative Zwecke nutzbar zu machen. Sie wurden aber aus Kostengründen nicht umgesetzt.

      Schöne Beispiele für Kuppeln, die auch im Gebäudeinnern eine Funktion haben, finden wir in direkter Nachbarschaft des Berliner Schlosses: den Berliner Dom und die Hedwigskathedrale. Das Bode-Museum übertrifft das Kunsthistorische Museum in Wien zumindest darin, dass es zwei große Kuppeln mit entsprechenden Hallen darunter aufzuweisen hat. Und es gibt im Bode-Museum ebenfalls ein Café. Ja, wir brauchen gar nicht nach Wien zu schauen. Das Gute liegt oft näher, als man denkt. Stühle und Tische des Museumscafés befinden sich dort nicht direkt unter der Großen Kuppel, denn da reitet schon der Große Kurfürst, aber auf der Galerie im Obergeschoss am Rande der Kuppelhalle.

      Die Baukunst kennt aber nicht nur das Phänomen der nach außen sichtbaren Kuppel, die im Gebäudeinnern keine Funktion hat, auch das Gegenteil kommt vor.

      Dresden, Schloss Pillnitz, der Mittelbau des Neuen Palais, Fassade zum Lustgarten
      (Foto: Felix König, September 2014, CC-BY-SA-3.0)

      Der Mittelbau des 1818 bis 1826 errichteten Neuen Palais in Pillnitz, der Sommerresidenz der sächsischen Könige, birgt einen prächtigen Kuppelsaal, dessen Wölbung nach außen hin aber durch steile chinesische Dächer kaschiert wird. Diese Dächer treffen sich nicht in einer Firstlinie, sondern lassen an ihrem oberen, durch ein Ziergitter geschmückten Ende eine relativ große rechteckige Fläche frei, die - nur aus der Vogelperspektive erkennbar - flach gedeckt ist.

      Dresden, Schloss Pillnitz, der Mittelbau des Neuen Palais, Fassade zum Fliederhof
      (Foto: Jerzy Strzelecki, Mai 2012, CC-BY-3.0)

      Das fast zeitgleich entstandene Alte Museum in Berlin, birgt in seinem Zentrum eine Kuppelhalle, die "Rotunde" genannt wird. Auch hier zeigt der Außenbau die Wölbung nicht an. Die nach innen wirksame Kuppel wurde in einen flach gedeckten, hohen Baukörper eingepackt, der durch Skulpturen und Ziergitter geschmückt ist.

      Berlin, Altes Museum vom Dom aus gesehen (Foto: Dguendel, März 2013, CC-BY-3.0)

      Das dahinter liegende Neue Museum enthält zwei eindrucksvolle Kuppelsäle, die nach außen hin durch die Deckung mit Flachkuppeln kaum auffallen. Die Säle erstrecken sich über zwei Geschosse und die innere Kuppelkonstruktion wird weitgehend im zweiten Obergeschoss des Gebäudes hinter fensterlosen Wänden versteckt.

      Zurück zum Berliner Schloss:
      Die Rekonstruktion von Innenräumen ist dort derzeit nicht vorgesehen. Da ist es nur folgerichtig, die Kuppel im Innern nicht zu rekonstruieren. Nach außen hin wird sie aber detailgetreu rekonstruiert. Sie ist eine richtige Kuppel und für die Wirkung des Schlosses im heutigen Berliner Stadtraum von unschätzbarem Wert. Kaffeetrinken kann man im modernen Dachrestaurant nebenan.