Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • In Goerd Peschken, Das königliche Schloss zu Berlin, Erster Band, München 1992, S. 209, ist ein Schnitt durch den Lustgartenflügel abgebildet, und zwar zwischen P IV und V. Auch dort gab es derartige Dienerkammern (auch von außen erkennbar), die eine Deckenhöhe von etwas über 2,10m besaßen, vielleicht 2,15m; durchaus ausreichend, um sich dort während der Dienstzeit aufzuhalten.

  • So wird in Berlin gebaut!!!


    Erst wird die Spreemauer gebaut, dann wieder die oberste Steinlage entfernt, dann versäubert,und jetzt neu was anderes eingebaut.
    Erst wird ein Stück gepflastert, dann der Bauzaun verschoben und das Pflaster beschädigt.


    :kopfwand::kopfwand::kopfwand:


    Aber wahrscheinlich plant der Berliner Senat gerade eine CO2- oder Bodennutzungs-Steuer auf das Betreten der Berlinausstellung im neuen Schloss, zur Finanzierung der Klimaanlage in dieser Ausstellung.
    Eins ist jedenfalls sicher: ausser dem Maulwerk und der Planung von neuen Steuern funktioniert im Senat nichts.

  • Mal eine kleine Anekdote für zwischendurch. Ich bin zurzeit in Berlin und hab von mir selbst einen Screenshot gemacht, indem ich gewartet habe bis die Stadtschloss Webcam mich fotografiert. Gucke mir die Cam ja schließlich seit Jahren an und nun bin ich selbst drauf zu sehen^^

  • @Suebicus hatte im Strang über Notre Dame (nr. 330) das Fortleben der Gotik angeschnitten.
    Paris - Notre Dame


    Ich möchte auf dieses Fortleben nun in Bezug aufs Berliner Schloss antworten und poste dies darum an dieser Stelle:


    Eines der bekanntesten Merkmale der Gotik ist die Auflösung der Wand in Glasflächen. Diese Auflösung kann man an den Risalten I-II und IV-V deutlich sehen. Vor allem in den Mittelachsen besteht die Wand nur noch aus Elementen der Gliederarchitektur, nämlich Säule und Gebälk. Anders als in der Gotik hat man die Säulen aber nicht zu dünnen Streben gelängt, sondern hat am Proportionskanon festgehalten. Nichtsdestoweniger gibt es diese Art der Wandauflösung in der Renaissance nicht. In der Romanik existiert sie allenfalls punktuell, z. B. in den Zwerggalerien.


    Die Antike wiederum kennt die in Kolonnaden aufgelöste Fassade, auch über mehrere Geschosse hinweg, man denke an die scenae frontes römischer Theater https://files1.structurae.de/f…eatre_sabratha_libya.jpeg
    oder auch an die Kelsos-Bibliothek in Ephesos und das Markttor von Milet. Aber dass in eine gliederhafte Makrsostruktur gliederhafte Mikrostrukturen eingestellt werden, kennt die Antike nicht. Das ist eine Leistung des gotischen Rationalismus: https://bnn.de/wp-content/uplo…K%C3%B6ln-3-1200x1600.jpg


    Das hochgotische Langhausjoch fasst Obergaden und Scheidarkade zusammen, der Obergaden ist - zumindest in der vollendeten Hochgotik - eine Kontraktion aus den eigentlichen Mittelschifffenstern und den Arkaden der Triforiumszone. Der Schildbogen fasst das ganze Maßwerk zusammen, dieses besteht aus eingestellten Maßwerkfenstern, in die ihrerseits kleine Lanzettfenster eingesetzt sind. Dieselbe Verschachtelung findet sich in den kleinen Rosetten des Couronnements.


    In Berlin ist das natürlich längst nicht so weit getrieben, die Verschachtelung beschränkt sich auf zwei Ebenen, aber von der Systematik her ist es gotisch gedacht.


    Ähnliches gilt auf für den großen Treppenhausrisalit, wo ursprünglich aber keine Glasfläche vorhanden war, sondern die Gliederarchitektur in die Tiefe der Räume wirkte. Hier sind die Fenster des 2. OG. und die Mezzaninfenster jeweils zu Einheiten zusammengefasst, die ihrerseits in der oberen Säulenordnung als übergeordneter Struktur aufgehen.


    Nicht zuletzt halte ich es für ein Relikt der Gotik, der Vertikale von unten nach oben konsequent durchzuziehen, auch dort, wo wie auf ein Gesims oder eine Gebälk trifft: indem sie das Gesims entweder unterbricht oder es gleichsam durchsticht, wie das Triforiumsgesims oder das Obergadengesims in Laon http://www.philippe-gavet.fr/08/12/photos/08-12_07.jpg. An der Universität in Salamanca kann man dann sehen, wie dieses gotischen Durchdringen des Gebälks dann am Übergang zur Renaissance zu einer Verkröpfung wird.
    http://www.heinrichschulze.de/…amanca_j.jpg?w=675&h=1200
    Verkröpfungen kennt die römische Antike zwar auch schon, aber nur unter tektonischen Gesichtspunkten: um das Gebälk nicht zu weit über einer Wand vorstehen zu lassen (https://media-cdn.tripadvisor.…/hadrian-gate-antalya.jpg oder http://www.roma-antiqua.de/abb…/kaiserforen/2000_326.jpg


    Kurzum: einzelne Formen waren in der Antike natürlich schon vorgebildet, aber wie Schlüter sie verarbeitet hat, ist ohne den Einfluss der Gotik m. e. nicht zu denken. Und eben wegen dieses Vertikalismus ist es auch nötig, die Kolossalordnungen an allen Risaliten in Balustradenfiguren auslaufen zu lassen.


    Hier die Deutung des Portals I in primärer, zusammenfassender Makrostruktur (orange) und sekundärer, eingestellter Mikrostruktur (ocker).


  • Ich habe nochmal nachgedacht: Schlüters Ineinanderschachtelung von primären und sekundären Strukturen geht zwar auf die Gotik zurück, aber es gibt einen Zwischenschritt: den Konservatorenpalast von Michelangelo. Jedes Element der Fassade kann man einer primären, sekundären, tertiären, quartären, quintären und sextären Ebene zuordnen. Ich hab's mal versucht. Gedanklich (natürlich nicht statisch) kann man immer die unterste Ebene wegnehmen, ohne dass der Rest zusammenfällt. Nur umgekehrt funktioniert es nicht:


  • Einen Beitrag gelöscht, zwei deaktiviert da nun kein Bezug mehr da ist. Bitte beim Thema bleiben.

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Quote from Humboldtforum

    EIN HAUS IN QUITTEGELB
    VON BERNHARD WOLTER


    »Quittegelb« leuchten die neuen alten Schlossfassaden am Lustgarten, seit die Gerüste fallen. Eigentlich ein schönes Zusammenspiel von Wort und Bild, denn – mal ehrlich – wer kennt noch das Aussehen (und den Geschmack) von Quitten?
    Genauso wenig bekannt ist, wie das Berliner Schloss vor 300 Jahren ausgesehen hat. Insofern gleicht die Festlegung des Farbtons des Putzes für die Rekonstruktionsfassaden am Berliner Schloss fast einem Detektivroman. Farbige historische Darstellungen gibt es von dem barocken Profanbau, dem Meisterwerk Andreas Schlüters, das er für Friedrich I., König »in« Preußen um die Jahrhundertwende von 1700 schuf, eher nicht.

    Quote from Humboldtforum

    Die Entscheidung zur Farbgebung der rekonstruierten Schlossfassaden passt damit zu der nicht »gefassten« Verwendung des Sandsteinmaterials in derselben Bauepoche. Damit ist gemeint, dass die Natursteinelemente an den Fassaden nicht angestrichen werden, wie das im Barock durchaus üblich war.

    Ganzer Artikel hier!

  • Hmmmmm... Die Entscheidung, die Sandsteinteile nicht farbig zu fassen, folgte vor allem praktischen Erwägungen. Farbig gefasster Sandstein muss etwa alle 20 Jahre nachgestrichen werden, das wäre ein zu großer Kostenfaktor gewesen.

  • Schöner Artikel, wie ich finde. Quitten hängen im Dresdner Albertinum an der Wand. Gemalt von Vincent van Gogh. Siehe hier. Eventuell kommen sie in einigen Monaten auch ins Potsdamer Museum Barberini. Dort wird eine Ausstellung mit Stillleben van Goghs vorbereitet. Ein Putzbefund ist immer eine gute Legitimation für die Farbgebung. Dass das Schloss um 1820 noch so hell war, hätte ich nicht gedacht. Aber zum Klassizismus, der ja sehr farbfreundlich war, würde das durchaus passen. Die Begründung für den Verzicht auf die Farbfassung des Sandsteins würde ich schon gelten lassen. Es ist ein interessanter Gedanke, das Schloss mit den Augen von 1820 zu betrachten. Müsste denn der Sandstein häufiger gestrichen werden als die Putzfassade?

  • Müsste denn der Sandstein häufiger gestrichen werden als die Putzfassade?

    Eine berechtigte Frage. Je nachdem kann auch Putz nach 20 Jahre einen neuen Anstrich vertragen. Das Problem beim Sandstein ist eben, dass die Farbe abgewaschen wird bzw. abblättert und beim Putz nur verdreckt.
    Das untenstehende Foto von Dürnstein zeigt den Turm vor der letzten Reovierung. Die Farbfassung des Putzes ist noch recht gut erhalten, die des Sandsteins (blau-weiße Turmhaube und vormals weiße Figuren) schon nicht mehr.


  • In mittlerweile leider schon gewohnt mediokerer Bildqualität ein paar weitere Ansichten vom Tage.





    Verputz-Arbeiten an der SW-Ecke.


    Und natürlich nochmals die Schokoladenseite des Baus.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Danke für die schönen Bilder, @Mantikor Man sieht jetzt gut, dass die Kuppel größtenteils schon Glasfenster hat.
    Apropos Glas: Der Aufzugturm aus Stahl-Glas neben der Oper setzt natürlich wieder mal ganz auf Kontrast.