Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Bitte um Verzeihung für die wahrscheinlich dumme Frage, aber ist hier bekannt, weshalb die Nordseite der Humboldt-Box seit gestern eingerüstet wird ? Sind das schon die ersten Vorbereitungen für den Abriß ? ?(


    P.S.: Teile von den breiten 'Verstrebungen' der Box scheinen bereits abgenommen worden zu sein und stehen auf den Laufbrettern des Gerüstes.

  • Quote from https://humboldt-box.com/de/home/

    Doch jedes Kapitel hat sein Ende, so auch das der Humboldt-Box. Am 31.12.2018 öffnet die Humboldt-Box zum letzten Mal ihre Türen.


    Für die bisherigen Werbeplanen wurde nie ein Baugerüst erstellt, diese wurden wohl mit Kränen angebracht. Habe es selber aber nie gesehen. Es fällt auf, dass nur die horizontalen Verkleidungen entfernt werden, die vertikalen aber nicht. Möglicherweise müssen die irgendwie an die technischen Leitungen herankommen. Vielleicht ein spezieller Schlussakord? Weihnachtsbeleuchtung?


    https://cam05.berlinerschloss-webcam.de

  • Laut den Ausschreibungsunterlagen für die Metallbauarbeiten der Balkon- und Brüstungsgitter, die hier mal verlinkt waren (und die ich mir sofort gezogen hatte) kommt das Balkongitter für Portal IV, 2. Obergeschoss als originalgetreue Nachschöpfung - wie auf dem gezeigten historischen Foto zu sehen. (Die Datei ist leider zu groß zum Hochladen hier...)

    Vielleich ist dieses Standardbalkongitter lediglich ein den heutigen Sicherheitsnormen geschuldetes Gitter, das dann hinter dem (hoffentlich noch kommenden) Ziergitter, dessen Höhe, Sprossenbreite usw. nicht den Normen entspricht, verschwindet ...

  • Ich verstehe die Panik nicht. Glaubt ihr ernsthaft, man rekonstruiert jeden Adler einzeln und man baut dann ein Baumarktgitter ans Schloss? Es wird vermutlich einfach das hintergelagerte Geländer sein, was sein muss, weil es vermutlich wieder irgendeine EU-Norm gibt, die vorschreibt, wie groß die Abstände zwischen zwei Feldern maximal sein darf.


    Aber lasst den Leuten doch mal etwas Zeit. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Es wird alles gut werden :thumbsup:

  • Habe einen Weg gefunden... hier also Screenshots von der Zeichnung aus den Ausschreibungsunterlagen/ Balkongeländer Portal IV, 2. Obergeschoss:


    Ausschnitt_1
    Ausschnitt_2
    Ausschnitt_3

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Gab es überhaupt nennenswerte Unterschiede zwischen den Balkongittern von Portal IV und V ? Oder reden wir dabei lediglich von Details ?


    Hier die bekannte 'Innenansicht' des Gitters von Portal V, welche auch den schwarz-weiß gekachelten Bodenbelag des Balkons zeigt.


  • Habe ich mir gerade in den Plänen angesehen - das Balkongeländer am Portal IV, 2. OG ist 8,336 m lang, am Portal V, 2. OG sind es nur 7,368 m. Dementsprechend hat die Längsbrüstung beim Portal VI 5 x 8 Felder, beim Portal V sind es 5 x 7 Felder. Ansonsten sieht alles fast identisch aus.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Sorry, dass ich die Hysterie um die vermeintlich modernen Balkongitter ausgelöst habe. Seien wir zuversichtlich, dass die Ausschreibungsvorgaben umgesetzt werden.
    Ich habe mir gerade überlegt, aus welcher Zeit die Gitter stammen. Wenn ich mir die - freilich sehr schematischen - Zeichnungen der Ausschreibung ansehe, würde ich sie tendentiell nicht für barock, sondern für eine Mischung aus Jugendstil und Klassizismus halten. Aber die Zeichnungen können einen falschen Eindruck vermitteln.
    Das Monogramm FR (Fridericus Rex) lässt hingegen auf den Erbauer schließen - oder allenfalls auf dessen Enkel Friedrich II. Im ersten Fall wären die Gitter ein Beispiel für einen barocken Klassizismus, wie wir ihn aus dem ludovizianischen Frankreich kennen, im zweiten Fall wäre es eine Art Zopfstil.
    Die Blitzbündel weisen das Schloss als den Sitz des preußischen Jupiter aus (vgl. Gigantentreppe), was wiederum für Friedrich I. spräche.
    Eine Option: Das Gitter wurde um 1900 erneuert und in Erinnerung an Friedrich I. gestaltet. Aber ich kann mich irren und es ist doch ursprünglich.

  • Der Schlütersche Teil der Südfassade ist praktisch fertig.Nur die Skulpturen fehlen noch auf den Portalen. Ist es nicht beeindruckend?
    Links wo die drei dichteren Fensterachsen sind, befand sich ursprünglich auch ein Runderker. Der wurde erst von Eosander entfernt und die drei dichteren Fenster eingebaut um die Fassade Richtung Westen zu verdoppeln. Daher sind die Fensterachsen im Eosanderteil auch gleichmäßig. Schlüter musste ja den Renaissancebau (er war für Abriß und Neubau) verkleiden. Dadurch sind die Fensterachsen nicht immer im gleichen Abstand.


    An dem rekonstruierten Schloß kann man wieder schön die Baugeschichte ablesen. Nur der Ursprung an der Ostseite (Grüner Hut) fehlt leider.


  • Südseite, heute



    Portal I


    Nordseite, Portal IV, gestern


    Da sieht wie ein Glöckchen aus, welches von der linken Fama hinabhängt. Dürfte aber m. E. eher eine Halterung für die noch anzubringende Fanfare sein. Wer weiß es?

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • :!: Wieder absolut lesenswert:
    Das neueste Berliner Extrablatt ist online! Klick >> hier oder hier (PDF)


    Ab S. 30 gibt es Informationen zum Stand der Dinge bei den Bauarbeiten:
    Kuppeleindeckung: Beginn noch im Oktober 2018
    Aufsetzen der Laterne: Sommer 2019
    Vollendung der Verputzung der Fassaden: Ende 2018
    Schlossumfeld: Keine Neuigkeiten, man ist weiter "im Gespräch" mit dem Land Berlin (bzw. Bittsteller bei Rugula...)


    Weitere Infos:
    Alle Großskulpturen des Schlüterhofs sollen bis zur Eröffnung des Schlosses fertiggestellt sein.
    Auf S. 48 f. wird über die Inneneinrichtung des Schlosses berichtet. Besonders erwähneswert ist dass 14 monumentalen Marmorstatuen der brandenburgischen Kurfürsten bzw. röm.-dt. Kaiser aus dem ehemaligen Weißen Saal (vgl. Bild; zwischenzeitlich lange ausgestellt im Marmorsaal des Neuen Palais in Potsdam) zukünftig im 3 OG. des Treppenhauses des HuFo aufgestellt werden sollen. :daumenoben:


    Und auf S. 46 gibt es noch einen echten Leckerbissen für Pagentorn: Das Telefonbuch für die Telefonanlage des Schlosses in der Kaiserzeit. :koenig:
    .

  • @ Mantikor, hm eher kein Glöckchen, sieht eher nach einer Quaste aus, die an noch anzubringenden Kordeln an der Fanfare hängen wird, vielleicht kommt sogar noch eine zweite Quaste an anderer Stelle!?


    Edit.: ja, ist so! Hier sieht man, wie es nebenan am alten Staatsratsgebäude aussieht:
    https://images.ctfassets.net/7…l=progressive&w=1920&q=80


    Und hier am originalen Original:
    https://berliner-schloss.de/wp…87_seite_13_bild_0002.jpg

  • Also die Balkongitter werden definitiv historisch rekonstruiert, wie ich heute Abend erfahren habe. Aber zum Teil sind es unterschiedliche Firmen, die zusammenarbeiten. Die Fassadenfirma, die die Eintiefungen für die Staken anbringt und die Firma, die fürs Schmiedeiesen zuständig ist.
    Da das Ganze Millimeterarbeit ist, gestaltet es sich recht kompliziert.
    Die Teile für die Kuppelverschalung sind alle fertig, es geht nur noch darum, wie man das Gerüst richtig anbringt. Wieder einmal hieß es, dass man noch diese Woche beginnen wolle.

  • Wenn ich jetzt das fast abgerüstete Portal I sehe und daran denke das früher im 1.Stock der Sternsaal von Schinkel und im 2.Stock der Prachtvolle Elisabethsaal von Schlüter sich dahinter befanden. Trotz Zerstörung und fast 5 Jahre der Witterung ausgesetzt war immer noch 1950 die Innere Architektur erkennbar.An der West und Ost Seite des Saales waren die Atlanten und der Stuck erhalten.

  • Ja, das Schloß war weniger zerstört, als Schloß Charlottenburg.
    Nach einer ersten Sicherung mit Notdächern und zugemauerten Fenstern hätte man Zeit gehabt es langsam wieder instand zu setzen.


    Der Elisabethsaal:


    Dieses Foto finde ich besonders beeindruckend. Der bunte Gang. Man sieht, wie gewaltig die Baumasse des Schlosses war. Es waren bestimmt 20 mal mehr Ziegel im alten Schloß vermauert als jetzt beim Wiederaufbau verwendet wurden.



    Der Parolesaal:


    Die Marmortreppe:




    Und der Rittersaal:


  • Das Bild mit der Unterschrift Schloss Berlin 1.St ist glaub ich der Pfeilersaal Portal II ?wenn man auch andere Fotos sieht von 1950 auch die vom Wissenschaftlichen Aktiv, das Schloss war in der Substanz Wiederaufbaufähig,die DDR Propaganda hat den Bürgern immer wieder suggeriert,wir müssen abreissen.

  • "TAUSEND FENSTER FÜR EIN SCHLOSS.
    TECHNISCHE ANFORDERUNGEN AN EINEN GUTEN DURCHBLICK


    Die Wirkkraft der barocken Fassade des Berliner Schlosses im Stadtraum war und ist eine der größten Triebfedern für die Rekonstruktion des historischen Gebäudes. Die einstigen Fassaden werden mit dem Entwurf des Architekten Franco Stella akkurat wiederhergestellt. Die Ostseite nimmt sich dagegen angenehm zurück und überzeugt durch eine klare Komposition aus Sichtbetonfertigteilen aus Weißzement auf hohem Qualitätsniveau."

    weiterlesen ...