Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Jetzt erkennt auch langsam die "kulturelle Elite" das nichts passt:


    Der Artikel ist zwar etwas alarmistisch, und die Autorin ist sicherlich keine Freundin der Rekonstruktion, aber grundsätzlich hat die Autorin recht. Es wird viel gefaselt von mangelnder Interdisziplinarität, Zusammenarbeit etc... von in der Vergangenheit lebenden Völkerkunde-Museen die keine Gäste mehr anzögen, aber vielleicht verhält es sich einfach so: In einer Zeit in der man die Welt "zu Gast" hat weil eine großzügige Kanzlerin eingeladen hat, an jeder Ecke uns Spezialitäten aus aller Herren Länder angeboten werde, uns täglich die Initationsrituale von abgeschiedenen Südsee- und Amazonasvölkern auf Discovery Channel präsentiert werden, da verliert der Reiz des Fremden und exotischen einfach an Bedeutung.



    weiter ein interessantes Detail:

    Quote from welt.de

    [...]
    Die jüngsten Versuche der Deutschen, auf Reisen in die beteiligten Länder zu vermitteln, Kuratoren nach Deutschland einzuladen, wirken eher befremdlich. Zumal rund 300.000 Objekte, gut zwei Drittel der Sammlung im Ethnologischen Museum, mit einem Chemikalien-Mix verseucht sind und gar nicht mehr gefahrlos an die Öffentlichkeit gegeben werden können.
    [...]

    https://www.welt.de/kultur/art…um-das-Humboldtforum.html


    Vielleicht spricht das dafür, dass der Angleich des Inneren an das Äußere schneller von statten gehen wird.

  • In einer Zeit in der man die Welt "zu Gast" hat weil eine großzügige Kanzlerin eingeladen hat, an jeder Ecke uns Spezialitäten aus aller Herren Länder angeboten werde, uns täglich die Initationsrituale von abgeschiedenen Südsee- und Amazonasvölkern auf Discovery Channel präsentiert werden, da verliert der Reiz des Fremden und exotischen einfach an Bedeutung.

    Das Exotische ist ja mitllerweile das Deutsche an sich geworden. Das einzig Wahre an diesem Ort kann nur eine weitgehende museale Rekonstruktion der (wichtigsten) Innenräume sein, alles andere ist zwar durch einen Zeitgeist vielleicht hip und interessant aber dem historischen Ort unangemessen.

  • Quote from welt.de

    ... eine so belastete Sammlung nicht zu den kläglichen Best-of-Ausstellungen, die dort geplant seien. ...

    Meint sie damit die von Chemikalien belasteten Sammlungsobjekte, oder die "koloniale Herkunft" der Objekte (was selbst ein Vorurteil weiter Kreise ist!).
    Wenn Chemieverseuchung gemeint ist, dann sind das Konservierungsstoffe, Fungizide, Insectizide etc. aus früheren Zeiten? Oh je!??

  • Quote from welt.de

    ...Die Sammlungen des ethnologischen Museums sind auf kolonialistischen Raubzügen nach Deutschland gekommen. Das ist zwar bekannt und gehört zur europäischen oder westlichen Museumsgeschichte....

    Das ist doch überhaupt nicht wahr, jedenfalls so eindimensional dargestellt nicht. Die meisten Objekte sind in die Sammlungen längst vor der deutschen Kolonialzeit gekommen, durch Käufe, durch Privatsammler, durch wissenschaftliches Sammeln. Bredekamp hat das doch schon klargestellt. Immer diese auch auf die deutschen Sammlungen projizierten anitkolonialen Vorurteile, tsss!? Kann's schon nicht mehr hören! Sollen sie sich doch die englischen und französischen Sammlungen mal anschauen,... !
    Und andersherum gedacht: wenn im 19.Jh. nicht gesammelt und konserviert worden wäre, hätten wir weit weniger dieser Objekte, weil sie schon längst zerstört oder vermodert wären!
    Wurden in islamischen Ländern antike Skulpturen ausgegraben, waren ganz schnell die Bilderstürmer zu Stelle und die Figur hätte keine Arme, Nase oder Hände mehr gehabt, wäre sie nicht schnell geschützt oder außer Landes gebracht worden.

  • Die Kritik ist reichlich überzogen. Die kunsthistorisch wertvollen Räume machten nur ca. 10% der Raumflächen im Schloss aus, von daher ist es doch logisch, dass in einem wieder aufgebauten Schloss die gewaltigen Raumflächen sinnvoll bespielt werden müssen. Der Chefplaner Horst Bredekamp hat die Kritik übrigens deutlich zurückgewiesen.
    Die ethnologische Sammlung in Berlin ist in diesem Genre die beste der Welt, vor London, vor Paris. Die Sammlung müsste innerhalb des Schlosses nur anders aufgeteilt werden, so dass z.B. im 2. OG. Platzkapazitäten für die Wiederherstellung der Paradekammern vorhanden wären. Dazu wäre es unumgänglich, dass Teile der ethnologischen Sammlung im 1. OG angesiedelt würden, wo ja ohnehin eine wohl mehr oder weniger substanzlose und überflüssige Ausstellung zur Geschichte der "Weltstadt Berlin" / Multikulti-Stadt angesiedelt werden soll. Ergo: Wenn man auf die überflüssigen volkspädagogischen Zeitgeist-Ausstellungen im Schloss verzichten würde und sich auf das Wesentliche, also Rekonstruktionen von bedeutenden Innenräumen und die Ausstellung herausragender ethnologischer Artefakte konzentrieren würde, könnte das Humboldtforum inhaltlich wirklich überzeugen.
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  • Wurden in islamischen Ländern antike Skulpturen ausgegraben, waren ganz schnell die Bilderstürmer zu Stelle und die Figur hätte keine Arme, Nase oder Hände mehr gehabt, wäre sie nicht schnell geschützt oder außer Landes gebracht worden.

    Stimmt! Das beste Beispiel ist der Pergamonaltar, den deutsche Archäologen vor den Marmormühlen der Osmanen gerettet haben!

  • "Etwas alarmistisch" ist da aber dicke untertrieben. XD Die verlinkten Artikel sind ganz klar ideologisch geprägt und stellen nichts anderes dar, als einen erneuten Zeriss und Versuch der Defamation des Stadtschlosses/Humboldt-Forums kurz vor Torenschluss
    Wen man da schon liest: "Auf Rohbeton aufgeklebte Fassade, Kuppel wirkt wie Pappe, kolonialistische Raubzüge etc."


    Hier sei auch mal die Frage erlaubt, warum sitzt jemand wie Frau Savoy überhaupt in einem Gremium des Humboldt-Forums, wenn sie grundsätzlich gegen das Projekt ist? Sie würde anscheinend lieber alle Ausstellungsstücke zurückgeben als sie auszustellen und sie ist auch gegen die korrekte, historische Rekonstruktion des Schlosses (sie regt sich über das Kreuz auf der Kuppel auf), wie es aber bereits seit Jahren genau so festgelegt wurde.


    Aiaiai... Die politische Überkorrektheit und das Gutmenschentum hier in Deutschland sind manchmal unerträglich. Ich möchte gerne mal sehen, dass ein Deutscher in einem Gremium des Louvre sitzt und dort lautstark die Rückgabe von den Austellungstücken und Bildersturm auf die Fassade des Louvre propagiert und sich die franz. Medien noch in großer Zustimmung darauf stürzen.

  • [...] Ergo: Wenn man auf die überflüssigen volkspädagogischen Zeitgeist-Ausstellungen im Schloss verzichten würde und sich auf das Wesentliche, also Rekonstruktionen von bedeutenden Innenräumen und die Ausstellung herausragender ethnologischer Artefakte konzentrieren würde, könnte das Humboldtforum inhaltlich wirklich überzeugen.

    Dass die Ausstellungen, die bisher geplant waren, überflüssig sind, wird den HuFonikern jetzt langsam bewusst. Das Schloss ist da, das HuFo ist ein Labyrinth aus widersprüchlichen Ideen, die meisten schon so angestaubt wie die Artefakte, die sie "ganz neu" präsentieren zu müssen meinen.


    Gerechterweise muss man zugestehen, dass das HuFo gegenüber dem Schloss eine sehr undankbare Rolle spielt: Wenn der Barockbau äußerlich wieder hergestellt ist, wird er bewundert werden und alle Kritiker des Wiederaufbaus schweigen.
    Der Krempel, der danach noch hineingeräumt wird, bleibt dem gegenüber weitgehend unsichtbar.


    Das dann immer noch verstümmelte Schloss hat eine Richtung, ob man will oder nicht. Das ist die Richtung hin zur weiteren Wiederherstellung. So wie es bald äußerlich da steht, ist es die Stein gewordene Aufforderung zur Ergänzung. Da braucht man nicht groß drüber nachzudenken; der Gedanke an das was noch nicht da ist, ist unwillkürlich präsent.


    Das HuFo ist dagegen ein Schlachtfeld unausgegorener Ideen und der hilflose Versuch, etwas auszufüllen, das für den geistigen Horizont der Macher eine Nummer zu groß ist.

  • Hallo!


    Mit allem Respekt. Ich finde die Bezeichnung "Krempel" gegenüber der im Humboldtforum auszustellenden Kunst hochgrafig respektlos und unangemessen. Ich würde doch sehr empfehlen, sich vorab zumindest über die Sammlungen zu informieren, bevor man sich so äußert. Nun weiss ich natürlich nicht, ob Sie vorher mal in den Dahlemer Sammlungen waren und das Museum für Ostasiatische Kunst, das Museum für Indische Kunst oder die Ethnologischen Sammlungen besucht haben. Dann wüssten Sie, das sich in den Sammlungen z.B. aztekische Skulpturen, Stelen der Maya, Gold der Inka, die berühmte Turfan-Sammlung (buddhistische Fresken von der Seidenstraße) oder indische Skulpturen aus der Gandhara-Zeit (zeigen die Verschmelzung indischer mit griechischer Kunst aus der Zeit Alexander des Großen) befinden. Vom chinesischen Kaiserthron, den japanischen Wandschirmen, der ostasiatschen Keramik ganz zu schweigen. Und wer von oben herab auf die afrikanische Kunst schaut, sollte mal Ife-Kunst oder Bronzen aus Benin googeln. Etwas mehr Respekt wäre angebracht. Und ich glaube auch, dass sich viele für die "berüchtigten" polynesischen Boote, das Haus aus Palau oder die Totenpfähle der Haida von der amerikanischen Westküste interessieren.

  • @ Barocksurfer:
    Die Sammlungen des Ethnologischen und Asiatischen Museums sind alles andere als "Krempel", sondern herausragende Sammlungen auf Welt-Liga Niveau, die ich in Dahlem gerne besucht habe. Auf diese Sammlungen sollte man im HuFo wahrlich nicht verzichten, sondern auf die substanzlose Multikulti-Ausstellung in 1. OG.; das ganze 1. OG. ist bisher total verschwendete Raumfläche, siehe diese Graphik. Die geplante Ausstellung "Welt.Stadt.Berlin" wird ein Krampf werden, Volkspädagogik pur, einer der Schwerpunkte soll natürlich das Zeitgeist-Thema "Migration" werden. Gähn! Man kann nun mal aus einem Pisspott keine Kristallvase machen, und das gilt auch für die geplanten Ausstellungen im 1. OG.


    Ganz anders hingegen ist die großartige Ethnologische und Asiatische Sammlung zu beurteilen. Das kommt demnächst ins HuFo:


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  • Im Humboldtforum wird Hochkunst vergangener Epochen des außereuropäischen Kulturraumes präsentiert und das wird - zumindest für mich - ein Hochgenuß werden, auf den ich mich schon sehr freue. Da gibt es überhaupt nichts zu deuten oder herumzukritteln. Ich meine am kulturgeschichtlichen, kunsthistorischen, kunsthandwerklichen, künstlerrischen und spirituellen Wert dieser Ausstellungsobjekte zu ZWEIFELN! :opa::)

  • Wenn ich "Krempel" im Bezug auf einer der umfangreichsten und beeindruckendsten Sammlungen außereuropäischer Kunst weltweit höre, dann muss ich mich doch auch sehr wundern.
    Nicht nur das, die Sammlungen fanden auch ihren Ursprung bei Alexander von Humboldt, dem weltweit angesehendsten deutschen Individuum überhaupt. Die halbe Welt und Tierwelt ist nach diesem benannt. ;) Seine Sammlungen und sein Gedenken im Großen zu ehren, hat Deutschland/Berlin meiner Meinung nach wirklich noch gefehlt. Und da hier von Patriotismus gesprochen wurde, ich finde es auch patriotisch und etwas auf das wir als Nation verdammt stolz sein können. (So fern man stolz auf die Errungenschaften einer anderen Person sein kann...)


    Außerdem mag ich jetzt auch mal eine Lanze für das Ethnologische und Asiatische Museum im Schloss/HF brechen.
    Die große Attraktion und der große Schwerpunkt der Museumsinsel liegt in den archäologischen Sammlungen der Hochkulturen Europas, Vorderasiens und Ägyptens, diese Sammlungen nun durch die großen Hochkulturen der restlichen Welt zu ergänzen und auf der Museumsinsel somit die Kunst und Kultur der gesamten Welt zu präsentieren, finde ich nicht nur sehr sinnvoll, sondern auch absolut einzigartig. Das wird etwas ganz Besonderes werden, weltweit in diesem Umfang und Qualität einmalig. Wir Deutschen reden uns ja gerne so klein und unbedeutend, aber selbst der Louvre und das British Museum können rein objektiv gesehen bei den geballten Sammlungen der zukünftigen Museumsinsel einpacken.
    Was glaubt man wohl was Neil MacGregor, Direktor der National Gallery London und des British Museums veranlasst hat, seinen Hut dort an den Nagel zu hängen und seine Karriere mit dem Humboldt-Forum in Berlin zu beschließen? Bestimmt nicht die Aussicht hier einem Provinzmuseum mit altem Krempel vorzustehen. ;)

  • Ich bin allerdings der Meinung, dass der Humboldt-Forum eine verpasste Gelegenheit ist, um daraus ein deutsch-historisches Museum zu machen, mit einem besonderen Fokus auf Teilung und Wiedervereinigung. Anders gesagt, ich hätte es interessanter gefunden, dort die Sammlungen des deutschen historischen Museums unter den Linden unterzubringen. Die bewegte Geschichte des Ortes finde ich zu diesem Zweck sehr passend.
    Dazu hätte mann Auch noch rekonstruierte / erhaltene wichtige Raüme des historischen Stadtschloss und des Palastes der Republik prima verwenden können.
    Nicht falsch verstehen : ich vermute die vorgesehene Sammlungen sind ebenfalls hochinteressant, aber ich finde die passen weniger zum Gebaüde und seine Geschichte.

  • ich hätte es nicht besser schreiben können, genau meine Meinung. Dann diese Zwischendecke in der Schlosskapelle was soll denn das ? verschenkter Raum

  • Zu den Schlossfassaden und ihrem Inhalt.


    Es ist keine Frage, dass die Gemäldegalerie des Kulturforums oder die Deutsche Geschichte oder andere bedeutende Sammlungen deutscher oder europäischer Kunst hervorragend in das Schloss gepasst hätten. Aber man darf sich dadurch nicht den Blick verstellen lassen auf den Zusammenklang der rekonstruierten Barockfassade des Schlosses mit den außereuropäischen Sammlungen, die ich in Dahlem oft und gerne besucht habe und deren weltweite Bedeutung, wie von Anderen bereits dargestellt, einmalig ist. Der Rahmen der Dahlemer Baulichkeiten war freilich seelenlose Beton-Moderne und hatte zu den in allen Sprachen den Betrachter anredenden Objekten keinerlei Bezug. Das heißt, man ignorierte die abweisenden Gebäude völlig - sie spielten keine Rolle. Ganz im Gegenteil zu den Museums-Bauten des 19. Jhds., die sich bemühten, den Betrachter auf die Sammlungen einzustimmen, die er zu Gesicht bekommen würde - wie z.B. das Alte Museum in Berlin das in vorbildlicher Weise leistet.


    Zu dem scheinbaren Widerspruch des Äußeren und es Inneren des künftigen Humboldtforums.


    In den Kunst- und Schatz-Kabinetten wohl aller großen Residenzen wurde seit Jahrhunderten gewetteifert, die exotischsten, rarsten, fremdesten, kuriosesten, entlegensten, wunderbarsten, wunderlichsten, köstlichsten und kostbarsten Objekte zu sammeln. Der Geist des Humanismus und der Aufklärung speiste sich zu gutem Teil gerade aus diesen Sammlungen, die oft so gar nicht - und das war beabsichtigt - in die höfische Umgebung der Schlösser und ihren Stil zu passen schienen.


    Die Kunst- und Kuriositäten-Kabinette waren aber gerade in dieser Verfremdung zwischen Objekten und Behältnissen bis hinein in die Räumlichkeiten seit vielen Jahrhunderten bereits das, was das Humboldtforum nun werden soll: eine Brücke hinaus in die Welt: damals zunächst nur für den Adel. Aber später wurden sie wie im Berliner Stadtschloss auch dem Bürgertum zugänglich gemacht, um dessen Bildung man seit der Reformation und der Aufklärung auch von höfischer Seite her bemüht war. Betrachtet man die Fassaden und Ausstattungen des Berliner Schlosses selbst, so ist zu sehen, wie auch hier verschiedenste kulturelle Einflüsse zusammenwirken: römische, griechische, christliche, jüdische, italienische wie französische oder deutsche und andere.


    Hinter diesen kostbaren Fassaden nun werden die Sammlungen ganz anders als in den modernen in Dahlem gewürdigt wie in einem wunderbaren Behältnis und sie könnten kaum irgendwo einen schöneren Rahmen finden. Wir können stolz sein auf dieses Schloss als Höhepunkt des deutschen Barock, aber auch als Höhepunkt europäischen und weltweiten Zusammenwirkens und dazu noch auf die ungewöhnlich fruchtbare und reiche Sammeltätigkeit der Hohenzollern, der die Fassaden höchste Würde verleihen. Und hier ragt sofort der Name Alexander von Humboldt auf, der als überragender Geist den wichtigsten Antrieb dazu bildete.


    Um so mehr bleibt zu wünschen und zu hoffen und sich dafür einzusetzen, dass auch die wichtigsten Innenräume dieses Schlosses am weltweit einmaligen Gesamtklang Schloss und Kulturen der Welt mitwirken können.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

    Edited 3 times, last by Bentele ().

  • Außerdem schließen sich rekonstruierte Räume und die Sammlungen nicht aus. Wie jeder weiß, war das Schloss von 1918-1945 schon u.a. dafür genutzt worden. Bentele hat es mal wieder auf den Punkt gebracht. Das was stört sind die Räume wie sie jetzt geplant sind und der ideologische Ausdruck, nicht die Gegenstände an sich.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Ich kann auch den angeblichen Widerspruch zwischen Fassade und völkerkundlichem Inhalt nicht erkennen. Wieso passt eine Römische Skulptur oder ein Rubens-Gemälde zur Fassade, ein Südseeboot oder eine Stammeskunst-Skulptur aus der Savanne aber nicht?? Diese Logik erschließt sich mir nicht, ich sehe darin vielmehr künstlich propagierte Widersprüche aus der Umfeld des Schlossgegner.
    Und eins müssen wir uns doch klar machen: Die Rückkehr des Berliner Schlosses ist nur Realität geworden, weil es gelungen ist, die gewaltige Bruttogeschossfläche mit vier Etagen im Inneren sinnvoll mit Leben zu füllen, was - mit einigen Abstrichen (1. OG) - durchaus geklappt hat. Eine Gemäldegalerie im Schloss wäre möglicherweise dort sinnvoller gewesen, aber für sie plante man ja noch vor kurzem einen Erweiterungsbau gegenüber dem Bodemuseum, jetzt bleibt sie am Kulturforum. Damit blieben eigentlich nur noch die völkerkundlichen Sammlungen aus Dahlem als einzig sinnvoller Inhalt für das Schloss übrig, zumal diese Sammlungen in Dahlem unverdientermaßen total in der touristischen Peripherie lagen.


    Und noch was: Wir als Reko-Freunde hätten das Schloss auch nur um seiner selbst Willen 1:1 wiederaufgebaut, damit vertreten wir aber nur realistisch gesehen nur eine Minderheitenmeinung. Aber selbst bei 1:1-Wiederaufbau mit einer Rekonstruktion besonders herausragender Innenräume (Paradekammern u.a.) wäre die Frage nicht vom Tisch gewesen, wie man die übrige riesige Bruttogeschossfläche (rund 90 %) hätte sinnvoll nutzen können. Und dann wäre man wieder ganz schnell bei den Südseeboten und den Figuren aus der Savanne gelandet... eye:)

  • Also, ich muss sagen, der Schlagabtausch welcher nach dem Reizwort "Krempel" über Pro und Contra bezüglich der geplanten Ausstellung der aussereuropäischen Sammlungen im neuen Stadtschlo/Humboldtforum hier geliefert wurde, hat mir ausserordentlich gut gefallen. Das war Argimentieren auf höchstem Niveau mit viel Empahtie und Sachlichkeit. Ich habe alle Beiträge gerne gelesen und obwohl ich auch dem Lager derjenigen angehöre, die lieber ein nationales Museum der eigenen Geschichte inklusiver rekonstruierter Innenräume gehabt hätten, so fand ich doch sehr anregend, wie uns die Sammlungen aus Dahlem hier schmackhaft gemacht wurden.
    So müssten hier alle Debatten ablaufen...... :applaus:

  • mmhhh, also was mich angeht, betrifft meine Argumentation ganz und gar nicht das rein physische Aspekt des Gebaüdes, Barok-Fassaden oder nicht. Worauf ihr euch gerade fokusiert.
    Es ist mir eigentlich egal ob es sich um Barokfassaden geht, ein Schloss, es könnte sich auch um ein Lagerraum oder eine Kirche handeln.
    Mir geht es darum, dass Inhalt sich der Geschichte des Ortes einbindet / anpasst, dass es dort eine Verbindung gibt.
    In diesem Schloss wurde die Vorgeschichte was später deutschland wurde geschrieben, dort hat sich auch die Eskalation im Richtung WK1 zum grössten Teil abgespielt, dort haben sich auch wichtige Szene zur Gründung der Republik abgespielt.
    Nach dem WK2 wurde dort ein Zeichen gesetzt, in dem mann die Vergangenheit zerstört hat, aus politischen Gründe.
    Dort wurde auch das Ende der DDR besiegelt, sowie die Wiedervereinigung.
    Anders gesagt : am Schlossplatz, und in den Gebaüden die dort standen, haben sich viele wichtige Momente der deutschen, und europäischen Geschichte abgespielt.
    Wenn man ein Museum errichtet, sollte es dann nicht in Priorität die Historie des Ortes wiederspiegeln, statt dort
    die Sammlungen aus Dahlem, die überhaupt kein Zusammenang mit den Ereignisse am Schlossplatz zu tun haben, und die Geschichte die sich dort abgespielt hat?
    Darum geht es mir. Die Sammlungen aus Dahlem hätten man auch an Ort anbringen können, was nicht so stark geprägt ist.
    Und entschuldigt nochmals meine mässige Beherrschung der deutschen Sprache