Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Wenn ich es mir richtig überlege, wäre die Benennung von Sälen nach den Bundesländern eigentlich aus der Geschichte des Schlosses heraus zwingend geboten: Der heutige deutsche Föderalismus resultiert ja aus der Struktur der beiden alten Kaiserreiche, dem Heiligen Römischen und dem von den Hohenzollern gegründeten, für welches das Stadtschloss stand.


    Die föderale Benennung würde die uralte Herkunft des modernen Bundesstaates selbst in den modernen Räumen des barocken Schlosses nachvollziehbar machen.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • Nichts passt besser, als Wappen unserer deutschen Bundesländer im Schloss zu haben.
    Jedes Land spendet für seinen Saal.
    Eine schöne Idee.

  • Der Vollständigkeit halber hier noch, wie bereits vermutet, ein Zitat aus dem Extrablatt 86:


    Spenden über eine Million Euro
    Diese Spender erhalten eine besondere Ehrung, die unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Wünsche individuell vereinbart wird, so z. B. die persönliche Namensgebung eines repräsentativen Raums, Saals oder Foyers im Schloss.

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Hm... vielleicht gibts ja doch noch die Hoffnung, dass man das Dachcafé materiell-farblich wenigstens noch soweit gestaltet, dass es sich etwas zurücknimmt und nicht mehr ganz so aufdringlich daherkommt.


    Das ist in dieser Sache eigentlich meine letzte Hoffnung...

  • Zur Baden-Württemberg-Spende:


    Sich für die übereilte Ablehnung der Spende entschuldigen, Geld annehmen, Kompromiss bei der Namensgebung des Saals finden. Warum auch einen Saal nach einem Bundesland benennen? Ich finde das in der Tat sehr phantasielos.


    Meiner Meinung nach sähe der Kompromiss bei der Namensgebung wie folgt aus: Benennung des Saals nach einem Landeskind Baden-Württembergs, das sich bestenfalls auch um die preußisch-deutsche Geschichte verdient gemacht hat.


    Wie könnte ein solcher Saal daher anders als "Hegel-Saal" heißen?

  • "Schelling-Saal", aber "Hegel-Saal" passt noch besser. Und nicht vergessen, dass ja auch die Bauherren des Schlosses Landeskinder des heutigen Baden-Württembergs waren!

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    Hölderlin

    Edited 3 times, last by Bentele ().

  • Zur Baden-Württemberg-Spende:


    Sich für die übereilte Ablehnung der Spende entschuldigen, Geld annehmen, Kompromiss bei der Namensgebung des Saals finden. Warum auch einen Saal nach einem Bundesland benennen? Ich finde das in der Tat sehr phantasielos.

    Nun ja...weil es die Spender so wollen. Soweit ich es verstanden habe, war der Name bisher Bedingung für die Spende ...insofern ginge ggf. auch nur eine andere Reihenfolge: für die übereilte Ablehnung entschuldigen, Kompromiss bei der Namensgebung des Saals finden und dann das Geld annehmen.


    (Soo phantasielos finde ich die Namensgebung nach einem Bundesland i.Ü. auch nicht.)

  • Schiller-Saal, Hegel-Saal, Schelling-Saal... alles gut.
    Aber "Baden-Württemberg-Saal" finde auch ich nicht recht passend, denn es handelt sich ja scheints nicht um eine Spende von Landesregierung u.a., sondern um eine Unternehmer-Privatinitiative.
    Ich finde auch nicht, daß man im Schloß auf die Bundesländer Bezug nehmen sollte (außer es würde von den Landesregierungen Steuergeld reingesteckt), denn es ist kein politisches Gebäude, sondern eben ein Museum.
    Sicher, man kann da die Augen zudrücken, aber dann bekommt man eben wie im Sport "Allianz-Arena" und dergleichen. Ich fände das sehr unschön.
    Benennung nach hervorragenden Personen der deutschen Geistesgeschichte gibt dem Ganzen eine gewisse Würde, Mogelpackungen und Eigenlob wirkt peinlich.
    Ich hoffe, die Spender versammeln sich noch hinter Schiller oder Hegel...

  • Ganz ehrlich, ich finde diese Namensdebatte mal wieder reichlich verlogen und so typisch deutsch. Man macht wieder Probleme aus Sachen, auf die man erst mal kommen muss.


    1. Niemand wird sich für die Saalnamen interessieren. Sie tauchen formal vielleicht mal in einem Flyer auf und in irgendeiner Ecke hängt eine Stiftertafel. Wen interessiert das bitte?


    2. Wie oben beschrieben, wurde seitens des Stadtschlossverweins offensiv mit der Namensbenennung geworben. Für mich heißt dass, dass der Stifter dann auch maßgeblich bestimmen kann, wie der Saal heißt.


    3. Wie schon ein Vorredner angesprochen hat, wäre ein Baden-Württemberg Saal vielleicht einAnreiz für andere Bundesländer, ähnliches auf die Beine zu stellen, daher würde ich das eher positiv sehen.


    4. Warum soll es nicht möglich sein, dass wenn Unternehmen eines Bundeslades dafür spenden, dass man dieses Bundesland dann auch herausheben darf? Wo ist das Problem? Die Diskussion darüber ist wieder typisch deutsch. Anstatt es so zu sehen, dass ein Bundesland für besonderes Engagement positiv hervorgehaben wird, denkt man hier wieder gleich negativ und macht sich Gedanken, dass ja andere Länder dadurch herabgewürdigt werden. Diese negative Haltung ist in so vielen gesellschaftlichen Bereichen in Deutschland ein massives Problem. Statt das positive zu sehen, stürzt man sich selbst bei solchen Dingen wieder gleich in eine negative Interpretation. Ich finde das absolut unterirdisch.


    In der Summe kann ich die Entscheidung daher nicht nur nicht verstehen, sie setzt auch wieder ein völlig falsches Signal. Mich wundert es daher nicht, dass das Mäzentum in Deutschalnd derart unterentwickelt ist. Wenn ich mir dann nochmal ins Gedächtnis rufe, was Herr Plattner in Potsdam alles ertragen musste, dann sollten wir mal grundsätzlich darüber nachdenken, wie wir in Zukunft Mäzentum in Deutschland organisieren wollen, damit sich solche Dinge in Zukunft nicht wiederholen.


    Denn eins ist klar. In einer Gesellschaft, in der es immer mehr extrem Reiche gibt, in dem der Staat perspektivisch immer weniger in der Lage sein wird gerade Dinge wie Kunst und Kultur zu finanzieren, da muss man sich schon überlegen, wie man in einer Gesellschaft, die in den nächsten 20 Jahren vor dramatischen Umbrüchen stehen wird, Kulturpolitik und Mäzentum organisieren kann, damit auch in Zukunft noch neue Museen in Deutschland eröffnen können und was noch viel wichtiger ist, diese auch mit Inhalten gefüllt weren können. Fakt ist doch, dass staatliche Museen zu nennenwerten Ankäufen gar nicht mehr in der Lage sind und auf Mäzen angeweisen sind.


    Wenn wir also verhindern wollen, dass Kunst irgendwann nur noch von Amerkianern, Chinesen und Scheichs vom Golf gekauft wird, dann muss sich grundsätzlich etwas in diesem Land ändern. Das Saalbeispiel in Berlin zeigt daher, wie dringend hier gegengesteuert werden muss.

  • Aber aber die Dachbauten wird man gar nicht wirklich sehen, erzählen uns doch einige Forumer seit Jahren hartnäckig. Und ob man das wird! Gerade vom Lustgarten aus wird das ziemlich ärgerlich sein, denn der Dachaufbau wird sich vor Teile der Kuppel schieben.
    Einzige Hoffnung bleibt, dass Seinsheim sich irrt und man nicht mit Glas und Stahl verkleiden wird, sondern wie vorher geplant größtenteils Kupfer, genau wie beim Rest des Daches.


    Zur Namensgebung und Spendendebatte:
    Man merkt hier mal wieder sehr gut, dass man eigentlich nicht mehr auf das Geld angewiesen ist. Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass alles bereits finanziert ist. Man kann sich eben nicht noch ein vermasseltes Großprojekt in Berlin leisten. Vor allem nicht bei einem, dass so viel Zoff im Voraus ausgelöst hat und bei dem sich so viele ein Scheitern sehnlichst erhoffen. Der Bund wird alles brav bezahlen und das wissen die Verantwortlichen des Projekts auch schon eine Weile. Aber das ist eine gute Nachricht. ;) Nun fehlt nur noch die Kuppellaterne, aber ich bin mir zu 99% sicher, die wird auch urplötzlich gespendet werden, womöglich wieder anonym, wenn es an der Zeit ist.

  • EDIT: Datum nach Hinweis von Spreetunnel korrigiert!

  • Jetzt geht die Diskussion schon wieder los - und schon wieder versuchen hier einige, die Aufbauten zu verharmlosen.

    Du täuschst Dich leider - und zwar gewaltig. Es geht ja gar nicht nur um die bisher zu sehenden Aufbauten. Gerade der nördliche, vom Lustgarten und von UdL aus zu sehende, also der viel prominentere von beiden, wird ja noch um den riesigen Glas-Stahl-Aufbau des Cafés erweitert werden, der fast die gesamte Dachfläche der Nordwest-Ecke einnehmen wird.
    Zu sehen ist das ganze Elend zum Beispiel in diesem Artikel. Wie kann man so ein Monstrum nur als Lappalie abtun wollen?


    Hm... vielleicht gibts ja doch noch die Hoffnung, dass man das Dachcafé materiell-farblich wenigstens noch soweit gestaltet, dass es sich etwas zurücknimmt und nicht mehr ganz so aufdringlich daherkommt.


    Das ist in dieser Sache eigentlich meine letzte Hoffnung...

    Die Aufbauten sollen sich nach Vorstellung der Architekten von der barocken Fassade deutlich abheben, weil sie ja nicht Teil des barocken Schlosses, sondern letztlich Verlängerungen des modernen Kerns sind. Also eben kein Kupferdach o.ä.
    Es kann sogar sein, dass zur Breiten Straße hin der Aufbau auch erweitert wird. Im Erscheinungsbild wird damit deutlich werden, dass es kein Berliner Schloss mit modernem Innenleben, sondern ein moderner Bau mit barocker Außenhaut sein wird. Es wird eben doch ein Humboldt-Forum und kein Berliner Schloss. Das ist sehr schade, aber politisch gewollt. Diesen Fakten muss man ins Auge sehen. Und die Aufbauten werden den Gesamteindruck enorm stören, auch die Wirkung der Kuppel. Sich das irgendwie schönzureden, hilft nichts.

  • Wenn ich mir die vielen Diskussionen über die Stella-Ergänzungen (Schlüterhof-Ostseite, Ostfassade) beziehungsweise aktuell das Dachcafé so durchlese, stellen sich mir folgende Fragen:


    Wer hat eigentlich folgende "Regeln der modernen Architektur" aufgestellt (zumindest nach meiner Wahrnehmung)?

    • Modern = schmucklos. Architektur mit Schmuckelementen hat nur Bestandsschutz
    • Rekonstruktionen, die sich nicht zu 100 Prozent an das Original halten, sind verboten
    • Verschiedene Stile wie Renaissance und Barock dürfen bei Rekonstruktionen nicht mehr miteinander in Berührung kommen
    • Ein historischer Stil darf aber sehr wohl durch einen modernen Stil ergänzt werden
    • Historische Stile stehen für Absolutismus und/oder Imperialismus, sind also zu vermeiden. Moderne Architektur ist hingegen "gut", denn sie steht für Demokratie oder (noch höher zu bewerten) Sozialismus


    Und wer hat folgende, jahrtausendealte Regel beseitigt?

    • Was gefällt, darf gebaut werden


    Kann es sein, dass sich zukünftige Generationen dereinst fragen werden, warum unsere Zeit sich derartige gestalterische Fußfesseln hat anlegen lassen?

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Deine da aufgeführten "Regeln der modernen Architektur" hat in dieser Form niemand je aufgestellt.
    Die an unseren Hochschulen gelehrte Architekturtheorie richtet sich momentan noch mehrheitlich nach der Ideologie der ersten Hälfte des 20. Jhdts., ist aber auch im Wandel begriffen. Siehe Christoph Mäckler, Hans Kollhoff, Tobias Nöfer.


    Und die "jahrtausendealte Regel": "Was gefällt, darf gebaut werden" hat es so im Übrigen auch nie gegeben.


    Zumindest nicht in den höher entwickelten Kulturen der letzten Jahrhunderte, die mehr gebaut haben als Lehm- und Strohhütten in der Steppe oder im Dschungel.



    In Ägypten, Griechenland und im alten Rom konnte beileibe nicht jeder bauen, was er wollte, wenn es dem Pharao, Tyrannen oder Kaiser nicht gefiel. Und auch in unseren Breiten wurde weitestgehend von oben vorgegeben, was und wie gebaut werden musste. Der alte Fritz, August der Starke und viele andere lokale Herrscher zu allen Zeiten hatten oft sehr klare Vorstellungen, was in ihren Städten gebaut werden durfte und was nicht. Bauvorschriften sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts...

  • Der alte Fritz, August der Starke und viele andere lokale Herrscher zu allen Zeiten hatten oft sehr klare Vorstellungen, was in ihren Städten gebaut werden durfte und was nicht

    So ist es. Es waren die Auftraggeber, die guten Geschmack und hohen Kunst- und Sachverstand aufwiesen. Damals waren Architekten nicht die Bestimmer, was an einen Ort passt und was nicht. Über heutige Architektenwettbewerbe und die arrogante Haltung der Star-Architekten, die überall Brüche und ihre persönlichen Stile vorantreiben wollen, hätten sich die Monarchen früherer Zeiten kaputt gelacht.

  • Umso wichtiger ist es, dass wir Bürger uns einmischen, wenn es um unser gebautes Lebensumfeld geht.
    Anders als andernorts ist das bei uns ja möglich.

  • Deine da aufgeführten "Regeln der modernen Architektur" hat in dieser Form niemand je aufgestellt.

    Ich glaube, wir reden hier von verschiedenen Dingen. Ich habe mich nicht auf die rechtliche Seite bezogen, also was seitens der Obrigkeit erlaubt war oder nicht.


    Mir ging es vielmehr um implizite Regeln, die zu befolgen viele heutige Architekten und Entscheider sich verpflichtet fühlen - mit einer Selbstverständlichkeit, als wären sie wirklich vom Feudalherrscher vorgegeben (wie es in der Tat zu vielen Zeiten der Fall war).


    Beispiele:


    1) Es hätte einen Aufschrei der Entrüstung gegeben, wenn die vierte Fassade des Schlüterhofes unter Verwendung der Elemente der anderen drei Fassaden geplant worden wäre - obwohl sie dann objektiv gesehen nicht schlechter ausgesehen hätte als jene.


    2) Wie kann man die Rekonstruktion der vierten Seite des Schlüterhofes (oder der historischen Ostfassade, oder des Apothekerflügels) ablehnen unter anderem mit dem Argument, dieser Stil passe nicht zu den Fassaden Schlüters - und dann einem Stil zustimmen, der mit den jetzt wieder aufgebauten Fassaden noch deutlich weniger gemein hat?

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Tja, wie macht man es richtig. Es ist ja kein historisches Wiedererstehen eines Bauwerkes schlechthin. Will man heute noch genauso bauen wie damals, zu den Entstehungszeiten? Dann wäre man in -zig Jahren erst fertig! Ich vermeide bewußt exakte Zeitangaben.(:-)) Warum keine modernen Ergänzungen? Natürlich sollten diese nicht unmittelbar ins Auge springen, aber warum kein Dachcafe? Mir wären die beiden Kupfertürmchen auch wesentlich lieber als die jetzt entstehenden Baulichkeiten. Aber es ist ja auch ein moderner Bau im historischem Kostüm, aber modern. Dezente Ergänzungen sollten aber akzeptiert werden. Später irgendwann, bei genügend finanziellem Rückhalt, neuem Kunstverständnis und auch Guten Willens sind sicher Reparaturen möglich.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten