Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Der Versuch, das Berliner Schloss bzw. seine Rekonstruktion mit dem Kolonialismus und Sklavenhandeln in Verbindung zu bringen und dadurch zu diskreditieren, wurde bereits durch Frau Anna Yeboah, Architektin sowie Autorin beim Trüby-Magazin arch+, mehrfach unternommen. Nikolaus Bernau greift nun dieses Thema auf, um seine jahrelange Diffamierungskampagne gegen das Berliner Schloss fortzusetzen. Auffällig ist dabei, dass weder Yeboah noch Bernau Quellen zitieren, die ihre Thesen stützen. Daher stellt sich mir die Frage, ob es denn aussagekräftiges Quellenmaterial hierzu gibt.

  • Zum Anteil preußischer Aktivitäten bei Kolonialismus und Sklavenhandel unter dem Großen Kurfürsten und auch noch unter König Friedrich I., dem Bauherrn des Barockschlosses, gibt es eindeutige Quellen. Der Anteil am Weltsklavenhandel ist zwar äußerst gering, einige Zehntausend gegen ca. Dreimillionen. Aber auch die wenigen sind zu bedauern und nicht zu entschuldigen.


    Doch der ganze Ansatz ist falsch: Das Schloss wurde rekonstruiert wegen seiner Bedeutung im Stadtbild, auch wegen seines historischen Zeugnisses: Hier gibt es Gutes und Schlimmes wie immer in der Geschichte; an beides aber muss erinnert werden, so ist Geschichte nun mal. Sklaverei macht bei diesen Schloss-Erinnerungen einen nicht messbar winzigen Anteil aus.


    Der wichtigste Grund der Rekonstruktion aber ist für mich und sicher sehr viele, wenn nicht die meisten die kunsthistorische Bedeutung des Schlosses - das überragende Kunstwerk Andreas Schlüters und Eosanders von Göthe wird der Welt neu geschenkt!


    Es ist völliger Unsinn den Wert eines Kunstwerkes nach der Art seiner Finanzierung zu bewerten! Für die Bezahlung des Ludwigsburger Schlosses wurden Landeskinder in den Krieg verkauft! Die Mittel für Schlösser und Burgen, Kirchen und Klöster, fast alle Stätten des Weltkulturerbes wurden irgendwo von armen Menschen erarbeitet, die übrigens in denn meisten Fällen eher Stolz an ihrem Anteil waren, vor allem wenn es sich um geistliche Schöpfungen handelte. Der Künstler konnte nicht fragen, woher das Geld kam, das ihm geboten wurde. Kunst steht für die Schöpferkraft des Künstlers und nichts Anderes.


    Wer hat für das Kolosseum in Rom geschuftet? Und wie kam die Bezahlung zustande? Dabei können wir noch froh sein, dass mit solchen Mitteln in der Neuzeit nicht nur Mätressen bezahlt worden sind.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • Es ist völliger Unsinn den Wert eines Kunstwerkes nach der Art seiner Finanzierung zu bewerten!

    Und umso schöner ist es doch, dass man es nun besser macht und das neue Berliner Schloss durch demokratisch legitimierte Entscheidungen und freiwillige Spenden finanziert wurde, natürlich ist eine Demokratie und selbst eine Nicht-Monarchie in der Lage Schlösser zu bauen (wenn auch mit neuer Funktion), Berlin, Potsdam und auch Braunschweig sind dafür wunderbare Beispiele.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • Und umso schöner ist es doch, dass man es nun besser macht und das neue Berliner Schloss durch demokratisch legitimierte Entscheidungen und freiwillige Spenden finanziert wurde, natürlich ist eine Demokratie und selbst eine Nicht-Monarchie in der Lage Schlösser zu bauen (wenn auch mit neuer Funktion), Berlin, Potsdam und auch Braunschweig sind dafür wunderbare Beispiele.

    und Hannover natuerlich