Berliner Stadtschloss (architektur- und kunsthistorische Aspekte)

  • Robotron in Dresden gehört heute zu SAP und ist, soweit ich das überblicke, auf Datenbank-Software spezialisiert. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nutzen Programme von Robotron für ihre Online Collection und das Daphne-Projekt (Inventarisierung und Provenienzforschung).


    Die Nutzung moderner Technologien im Humboldt Forum wird eine spannende Sache sein, die wir erst nach der Eröffnung wirklich beurteilen können. Ich bin allerdings der Auffassung, dass die Menschen heutzutage zu viel auf irgendwelche Displays starren. Ein Museum sollte reale Objekte in den Mittelpunkt rücken, ein Veranstaltungsort den direkten Kontakt mit echten Menschen fördern. Eine klassische Auskunftstheke mit lebendigen freundlichen Mitarbeiterinnen finde ich sympathischer als einen Medienturm mit hochtrabendem Namen. Bei "Kosmograf" denke ich an Sebastian Münster. Dessen berühmtes Portrait hängt in der Gemäldegalerie am Kulturforum.

  • Mit der Neuformung des Großen Schlosshofes hinter dem Portal III ist Stella ein unglaublich schöner Raum gelungen, wohlproportioniert- ein Veranstaltungsraum, auf den jede Stadt neidisch sein kann!


    Noch vor den loggienartigen Galerien, die ein weites, angenehmes Raumgefühl schaffen, ist es die aufragende und vollendet raumprägende Innenseite des Portals mit ihren Säulen, Famen, Figuren, die den Blick auf sich zieht und zur Ruhe bringt. Wer einmal ein Konzert in diesem großartigen Raum erlebt hat, weiß das - ein unglaublicher Glücksfall.


    Der Kosmograf, oder wie der schrille und grelle Turm sonst noch heißen soll, zerstört ihn als dissonant schreiender Konkurrent zum barocken Portal völlig!


    Kaum gelingt bei uns wirklich einmal etwas, und sei es auch unerwartet, so hat bestimmt jemand noch eine bessere, sensationellere und modernere Idee und haut es völlig unsensibel in die Pfanne.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • War neulich wieder vor dem Schloss und da ist mir aufgefallen, dass die Quader, welche die EG-Fenster fassen, exakt dieselben Profile haben wie die Säulensockel der Risalite I und II. An den Risalitkanten gehen sie sogar fließend ineinander über.
    Im Grunde hat das ganze EG der Südseite also eine Bandrustika, die in Analogie zu den Eintiefung der Obergeschosse durch eingesenkte Wandspiegel unterbrochen wird. Umso bedauerlicher dass die Quader nicht auch sandsteinfarben gestrichen wurden.

  • Wir hatten vor Monaten, ja Jahren, schon mal darüber gesprochen, ich möchte es aber nochmals aufgreifen und fragen, ob es einen Grund hat, warum man nicht die unansehnliche Spalte schließt, wo rechts oben am Innenportal 3 das Banner in die Architektur übergeht? Hier ein aktuelles Foto:


    https://images.ctfassets.net/7…l=progressive&w=1280&q=80


    Damals hieß es, das Portal wäre noch nicht fertiggestellt. Mittlerweile nehme ich aber mal an, ist das Portal so gut wie fertig, außer den vier Statuen die noch aufgestellt werden sollen.

  • Daumen nach oben und vielen Dank, Fusajiro, aber ich kann keines der Bilder sehen, sie werden mir auf der anderen Seite nicht angezeigt.

  • Nein - er meint den Spalt im Spruchband selbst - im Übergang auf den Sturz.
    Spalte gibt es auf beiden Seiten des Spruchbandes.
    Das Band sieht aus, als wäre es dort durchgebrochen. Mindestens unschön.
    Gibt es Bilder von der historischen Stelle ?

  • Vielen Dank für die wunderbaren Fotos! Irre ich mich, oder wurden die Reliefs an Portal 3 (links und rechts oben) weggelassen (bzw kommen die noch?) ...? Ich habe drum immer noch die Befürchtung, dass zumindest die unteren Reliefs wegfallen werden und bin grad etwas irritiert.

  • Vielen Dank für die wunderbaren Fotos! Irre ich mich, oder wurden die Reliefs an Portal 3 (links und rechts oben) weggelassen (bzw kommen die noch?) ...? Ich habe drum immer noch die Befürchtung, dass zumindest die unteren Reliefs wegfallen werden und bin grad etwas irritiert.

    Keine Sorge, die kommen noch. Die werden allerdings, wie die große Kartusche auch, in Metall ausgeführt.


    @Seinsheim weißt du vielleicht irgendwas über den Stand der Arbeiten an der großen Kartusche? Dazu schweigt man sich ja leider sehr aus.

  • Ich bin heute nach Berlin geschlendert, drum gibt's aktuelle Bilder heute mal von mir. Frohe Pfingsten.


    Berliner Schloss - Humboldt-Forum

    Lieber Fusajiro,


    Wenn ich eines Tages einen Bildband mit dem Titel "Das rekonstruierte Berliner Schloss" im Buchhandel sehe, mit dem Pseudonym "Fusajiro" als Autor, werde ich es mir kaufen, versprochen! (Vielleicht mehrfach, als Geschenk für wirklich liebe Freunde!)


    Darf man fragen, welche Kamera-Ausrüstung du verwendest? Ein 500er Tele ist doch dabei, oder?

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    Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht

  • Ich tue mich mit Lob immer ein bisschen schwer und gerade jetzt bei diesen Bildern, genauso wie meinen von Brandenburg an der Havel, warte ich eher auf die Experten die sie auseinander nehmen. Darum vielen Dank für die große Anerkennung. :anbeten:


    Die Bilder habe ich mit einer Canon EOS M100, in Kombination mit dem EF-M 11-22 und dem EF-M 55-200, gemacht.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

    Edited once, last by Fusajiro ().

  • Bitte immer unterscheiden zwischen Lob und Anerkennung.
    Lob ist hierarchisch verankert. Der Vorgesetzte lobt den Mitarbeiter.
    Anerkennung hingegen findet auf gleicher Augenhöhe statt.
    Da wir in keinem hierarchischen Verhältnis stehen, kann hier nur von Anerkennung die Rede sein.


    Interessant an den Bildern ist auch, dass das Schloss nie so schön war wie heute.
    Die Könige haben leider nicht in einem so herrlich in den Farben Sandstein- und Zitronengelb leuchtenden Schlosse gelebt. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass unter dem Schloss bald der U-Bahnhof eröffnet wird - mit Schinkelschem Sternenhimmel aus seinem Bühnenbild für die Zauberflöte - wird der Genuss vollkommen.
    Und Genuss verheißt ein langes Leben - wie eine Studie vor kurzer Zeit ermittelt hat. Märchenhaft!

  • Wenn die Christen "Lobet den Herren" singen, dann handelt es sich zwar auch um ein hierarchisches Verhältnis, aber keineswegs um das Lob des Vorgesetzten für den Untergebenen. Auch nach meinem Sprachgefühl scheint mir das eine Spitzfindigkeit zu sein, die einer realen, allgemeingültigen Grundlage entbehrt.
    Ich werde jedenfalls weiterhin Herren, Untergebene und Gleichgestellte loben, wie ich lustig bin.

  • @ Goldstein


    der U-Bahnhof wird bald eröffnet ???


    Die Bauarbeiten des U-Bahnhofs Museumsinsel ziehen sich in die Länge, die Züge fahren ohne Halt nach der Eröffnung durch. Alles liegt wirklich in den Sternen des Schinkelchem Sternenhimmel !!!
    Das ist das heutige Berliner Bautempo.