Berliner Stadtschloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Richtig, ein hinausgezögertes Provisorium wäre fatal. Mir ging es um das Arbeitstempo für die Fassaden. Beginnen sollte man so schnell wie möglich, aber dann ist es eben besser, langsam und qualitätvoll zu arbeiten. Das Schloss wäre dann einfach für längere Zeit als bisher vorgesehen Rekonstruktionsbaustelle - eine sehr spannende Baustelle! Am 13. 1. gab es dazu hier die Diskussion:

  • 20 Jahre Zeit hat man dennoch nicht - die Nutzung des Humboldt-Forums ist für deutlich früher vorgesehen.
    Das gilt übrigens auch für den Brandenburgischen Landtag im Potsdamer Stadtschloss; auch bei diesem Projekt werden die Steine z. T. mit elektrischen Sägen (computerberechnet) bearbeitet und geschnitten werden - durch überwiegende Handarbeit mit Meißel und Hammer ist das wohl kaum bis 2013/2014 (Humboldt-Forum) oder gar 2011/2012 (Landtag) hinzukriegen.
    Auf einer Dauerbaustelle werden weder die Staatlichen Museen, die Landesbibliothek und die HU noch der Landtag Brb. eingerichtet werden können - und ohne diese Träger/Benutzer gibt es beide Schlösser nun einmal nicht. Diese erforderliche Hast kann man sicher bedauern - ist aber nun mal so.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Quote

    Streichungen im Bereich von Stellas Ostseite, die hier "Belvedere" genannt wird, könnten sogar zu Verbesserungen führen.


    Das mag durchaus sein. Aber wenn man alles streicht, wozu gabs dann überhaupt den Wettbewerb?

  • die Zunft der Architekten hat sich mal wieder zu Wort gemeldet:


  • Also bei der Kuppel kann man keine Abstriche machen, eine nachträgliche Anbringung wäre wohl viel zu teuer und kostenaufwendig.


    Weiter wird hier ja nur um die nachträgliche Anbringung der Fassaden im Eosanderhof debattiert, Fassaden, die eigentlich nie zur Reko vorgesehen waren und die Stella zu meiner Überraschung vorgeschlagen hat. Wenn diese Fassaden in 10 Jahren kommen, kann ich auch damit leben. Problem ist aber, dass alles, was jetzt nicht gebaut wird, wohl auch in 10 Jahren nicht kommen wird. Denn man wird das Stadtschloss nicht 5 Jahre nach der Eröffnung wieder zur Baustelle machen, schon gar nicht im Inneren!


    Das Belvedere kann man sich auch gleich schenken. Nutzlos und ohne Funktion, mit einem Ausblick, den man sich auch schenken kann. Aus Erfahrung kann man sagen, dass es eher ein Schmuddelort werden wird, an dem sich der Dreck in den Ecken sammelt und in dem in den Abendstunden Leute rumhängen, die man da eigentlich nicht haben will.

    APH - am Puls der Zeit

  • Quote from "Wissen.de"


    Das Belvedere kann man sich auch gleich schenken. Nutzlos und ohne Funktion, mit einem Ausblick, den man sich auch schenken kann. Aus Erfahrung kann man sagen, dass es eher ein Schmuddelort werden wird, an dem sich der Dreck in den Ecken sammelt und in dem in den Abendstunden Leute rumhängen, die man da eigentlich nicht haben will.


    Tja, das würde bei der historischen Spreefassade nie geschehen, da könnten wundervoll romantische Cafe´s und andere Lokalitäten entstehen, wo in verzückend historischem Rahmen die Leute am Abend die Ausflugsschiffe beobachten könnten und die schöne Sicht auf das Marienviertel genießen. Unter den alten Bäumen im kleinen Garten würden sich die Leute den Musen hingeben und im Spreeflügel untergebrachten Hotel gäben sich geistreiche, weltgewandte Gäste die Hand...
    :harfe:


    ....man wird ja wohl noch träumen dürfen! :zwinkern:

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Auch wenn der Artikel vom Stimmann nicht gerade kurz ist, lohnt die Lektüre sehr. Hier nochmals die Kernsätze. Klare Worte:


    Quote

    Da den beiden Veranstaltern angesichts des einstimmigen Juryurteils und der inzwischen begonnenen Überarbeitung durch Stella wohl schwante, dass eine Revision des Wettbewerbsergebnisses sehr unwahrscheinlich ist, stellten sie den Podiumsteilnehmern die Frage, welches denn die Kriterien für "gute Rekonstruktionen" seien.
    Diese fast nebenbei aufgeworfene Frage war das eigentlich Sensationelle des Vormittags. Allein eine solche Frage an sich heranzulassen, galt bisher in der Hochburg der Ideologieproduktion der Nachkriegsmoderne, also der Akademie der Künste, aber auch in der jungen Bundesstiftung Baukultur und beim Berliner Architektenverband BDA bislang als Verrat an den ausschließlich nach "vorne" gerichteten Prinzipien der Zunft. Dass dieses intellektuelle Tabu überhaupt zum Gegenstand eines Gesprächs gemacht werden sollte, markiert vielleicht eine ähnlich radikale Bruchstelle im Umgang mit den gebauten Erinnerungen der Vormoderne wie die Wiederentdeckung des historischen Stadtgrundrisses in den Achtzigerjahren durch Josef Paul Kleihues.


    Quote

    Der Architekturkritiker und Rekonstruktionsgegner Falk Jaeger sah sich angesichts des Entwurfs von Franco Stella in seinem bisherigen ablehnenden Urteil bestätigt, sprach der Idee des Humboldtforums jegliche "Strahlkraft" ab und plädierte stattdessen bis zur Entwicklung eines besseren inhaltlichen Konzepts für die Anlage eines "Central Park". Ein Zwischenrufer aus dem Publikum verglich die bisherigen Beschlüsse des Deutschen Bundestages zum Programm und den städtebaulich-architektonischen Vorgaben sogar mit Hitlers Ermächtigungsgesetz.


    Quote

    Woher nehmen gerade die Mitglieder der Abteilung Baukunst die Überzeugung, etwas Sinnvolles über das Thema Rekonstruktion sagen zu können, wo sich doch kein einziges Mitglied jemals mit solchen Fragen der Architekturpraxis befasst hat?


    Quote

    Müsste es nicht selbstverständlich sein, dass Stiftung und Akademie erst einmal die Nutzer, den Bauherrn und den Architekten Franco Stella einladen, ihre Konzepte bzw. die gefundenen Lösungen öffentlich vorzustellen, um sie dann zu kritisieren? Und ist es ganz undenkbar, den vom Förderverein Berliner Schloss mit den Fassadenplänen beauftragten Architekten York Stuhlemmer zu befragen? Aus solchen Gesprächen könnte das entstehen, was die Bundesstiftung als Anspruch vor sich her trägt: "Baukultur im Dialog". Solange die Stiftung aber diesen Dialog nicht wirklich aufnimmt, bleibt sie das, was sie bei ihrer Gründung war: ein Instrument des Bundes zur Verhinderung jeglicher Annäherung an die reiche Städtebau- und Architekturgeschichte.

  • wichtig ist jetzt die RUHE zu behwahren und sich nicht von irgendwelche Aeusserungen verrrueckt machen lassen.
    die links intellektuelle Medien/Politiker versuchen immer (wieder) uns als die ewig Gestrigen darzustellen was auf sich bloed ist denn wir leben im Jahre 2009 und nicht 100 Jahre (or whatever!!)zurueck: aber man darf schon sich nach schoener Architektur sehnen.
    Ich meine immer das Gemekker auf schoene Rekonstruktive Architektur: man ist einfach eifersuchtig dass wir mehr Respekt vor tradinitioneller Architektur haben statt fuer irgendwelcher stahl/beton Klotz aus dieser Zeit oder aus der vergangen 50 Jahren...
    aber jetzt mal zum Thema Schloss /Humboldtforum: dass Schloss wird bestimmt kommen, genau so wie die Bauakademie oder der Turmn der Parochialkirche: es bleint nur eine Frage : Wann?
    ich hoffe es noch zu erleben aber machmal faenge ich doch an etwas pessimistisch zu werden...

  • Das neue detaillierte Modell des Stella-Entwurfs vom Infocenter zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses aus allen Himmelsrichtungen:





    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Am Modell sieht man schön, wie asymmetrisch der große Mittelrisalit im Schlüterhof gesetzt ist und diese Asymmetrie durch das moderne gleichgerichtete Belvedere im Anschluß völlig ihren Sinn verloren hat. Bezog sich doch der Risalit auf die Raumordung der ehenmaligen Spreefront des Schloßes... :?


    Konsequenz: her mit der Raumkubatur der alten Ostseite in von mir aus neuer Interpretation!
    ... und weg mit dieser gefühlskalten Loggienspielerei ! :x

  • Was sollen eigentlich die seltsamen Platten auf dem Eosanderhof? Nach Betrachten der ersten Fotos, auf denen man es nicht so genau sah, hatte ich erst überlegt, ob es sich um containerförmige Bauten handelt, die man in den Hof stellt, um zusätzliche Ausstellungsfläche zu gewinnen. Aber jetzt sieht man es genau: Darunter ist nichts, der Hof ist leer. Abgesehen davon, daß der Hof wie der Schlüterhof oben offen bleiben sollte, würde - wenn man ihn unbedingt überdachen muß - ein komplettes Glasdach würde immer noch besser aussehen. Oder wäre das statisch nicht machbar bzw. würde dann so eine Kaugummiblase wie auf dem Dresdner Schloß drohen?


    Trotzdem: Der Stella-Entwurf ist alles in allem ein Glücksfall - wenn man die teils grauseligen Alternativen gesehen hat. Noch die "runde Süd-Ost-Ecke" sowie die kleinen Dachtürmchen links und rechts von Portal III, und der Entwurf wäre noch besser. Und wenn tatsächlich der Rotstift angesetzt werden muß, dann würde ich dafür plädieren, daß man den Loggien-Anbau erst einmal wegläßt. Die Ostseite könnte dann meinetwegen fensterlos abgeschlossen werden (das zieht man bei Museumsbauten ja sowieso vor), so daß künftigen Generationen vier Möglichkeit erhalten werden, nämlich


    - die historische Spreefront nachträglich zu rekonstruieren oder
    - den weggelassenen Teil des Stella-Entwurfs nachträglich anzubauen oder
    - einen ganz andere Anbau hinzuzufügen oder
    - gar nichts mehr zu bauen.

  • Quote from "Schloßgespenst"

    Was sollen eigentlich die seltsamen Platten auf dem Eosanderhof? Nach Betrachten der ersten Fotos, auf denen man es nicht so genau sah, hatte ich erst überlegt, ob es sich um containerförmige Bauten handelt, die man in den Hof stellt, um zusätzliche Ausstellungsfläche zu gewinnen. Aber jetzt sieht man es genau: Darunter ist nichts, der Hof ist leer. Abgesehen davon, daß der Hof wie der Schlüterhof oben offen bleiben sollte, würde - wenn man ihn unbedingt überdachen muß - ein komplettes Glasdach würde immer noch besser aussehen. Oder wäre das statisch nicht machbar bzw. würde dann so eine Kaugummiblase wie auf dem Dresdner Schloß drohen?


    Die seltsamen Platten sind die Dächer von zwei Bauten auf das Hof. Ich denke für zusätzliche Ausstellungsfläche. Man kan das gut sehen auf die folgende Foto:


    http://www.berliner-schloss.de/picupload/20081130194110.jpg\r
    http://www.berliner-schloss.de/picuploa ... 194110.jpg


  • Quote from "ipflo"

    Die seltsamen Platten sind die Dächer von zwei Bauten auf das Hof.


    Und warum sieht man dann auf diesem Foto, das darunter nichts ist?
    Man könnte doch sonst die Hoffassade des Eosanderhofs gar nicht sehen, weil sie von dem Baukörper verdeckt wäre.


  • War nicht mal die Rede davon, dass Stella diese modernen Einbauten wieder streicht, weil zu teuer und auch, weil die Quadratmeterzahl beim Neubau durch Stella deutlich überschritten wurde. So würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kosten senken und Quadratmeter reduzieren.


    Es kann aber auch sein, dass der Modellbauer dies nicht richtig dargestellt hat, wer weiß.

    APH - am Puls der Zeit

  • M.E. sieht man hier nicht die Eosanderfassade, sondern eben die Fassaden dieser Xtra-Kuben. Sonst dürfte man ja unterm vorderen Dach nix sehen, aber da gibts eindeutig auch ne Fassade. :zwinkern: Siehe auch hier: http://www.abload.de/img/w5buc.jpg\r
    http://www.abload.de/img/w5buc.jpg

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • @ youngwoerth


    du könntest recht haben. Trotzdem könnte es sein, dass diese Einbauten und vielleicht sogar die Überdachung aus Kostengründen wegfallen!


    Wenn man sich das Modell ansieht, kann man Stella trotzdem gratulieren, weil sein Entwurf einer der einzigen Entwürfe ist, der das Schloss wirklich weiterbaut und es nicht wie ein modernes Gebäude mit vorgeklebten Fassaden aussehen lässt. Der kleine Innenhof ist eine tolle Idee, an sich gefällt mir das Schloss von oben was die Einteilung in drei Höfe angeht sogar besser als das Original. Auch mit der Überdachung des Eosanderhofes könnte ich leben. Das einzige Problem ist die Schmucklosigkeit der modernen Fassaden in den Höfen, die so gar nicht zu den Portalen und den rekonstruierten Fassaden des Eosander- und Schlüterhofes passen wollen. Aber man kann nicht alles haben.

    APH - am Puls der Zeit

  • Entschuldigung angenommen. :lachen:

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