Berliner Schloss - Humboldt-Forum

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    • Interessant finde ich ja, dass man für die Außengestaltung tatächlich ein kleinteiliges Kopfsteinpflaster verwendet - wenn auch ohne Muster verlegt, wie SchortschiBär schon angemerkt hat. Andernorts - insbesondere im "Westen"(wo man sich für besonders fortschrittlich hält) - werden in den Altstädten solche Pflaster großflächig entfernt und durch den industriellen Look der scharfkantig gesägten großen Granitplatten ersetzt und so ganze Ensembles zerstört.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

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    • Die Schrift unter dem Kranzgesims der Kuppel lautet:

      Es ist in keinem anderen Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, dass im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind.


      Meines Wissens wird diese Schrift nicht wieder hergestellt, aber warten wir es ab. Die Inschrift am Portal l und am Innenportal lll wurde ja auch wieder angebracht.
    • Der Spruch wird rekonstruiert werden, jedenfalls ist er auf den Plänen eingezeichnet. Es geht um eine authentische Reko, dann gehört er dazu. Und die privaten Spenden sind objektgebunden. Deshalb wird auch die Laterne ohne Wenn und Aber mit Kreuz rekonstruiert.
      Ob der Spruch zeitgemäß ist, ist eine andere Frage, die ich persönlich mit nein beantworten würde. Die oben genannten Vorschläge würde ich begrüßen. Ich störe mich nicht an der Erwähnung Jesu, ganz im Gegenteil, aber der Spruch im Zusammenhang ist schon recht altertümlich und mir zu wenig universell angelegt.
    • Ich persönlich finde es ein wenig bedenklich, wenn man sich stets für ein möglichst genaue Reko einsetzt und dann ausgerechnet eine Inschrift verfälschen möchte, deren Inhalt alle Zeitströme der vergangenen zwei Jahrtausende nicht haben widerlegen können.

      Altertümlich ist allenfalls die 500 Jahre alte Sprache der Übersetzung Luthers. Aber an der noch älteren Sprache der lateinischen Inschriften desselben Gebäudes hat sich hier meines Wissens noch niemand gestört. In einer neueren Übersetzung heißt es übrigens "Jesus Christus und sonst niemand kann die Rettung bringen. Auf der ganzen Welt hat Gott keinen anderen Namen bekannt gemacht, durch den wir gerettet werden könnten." Klarer kann man den christlichen Glauben wohl nicht in zwei Zeilen zusammenfassen.

      Richtig frustriert werde ich übrigens, wenn ich mir vergegenwärtige, dass niemand es wagen würde, bei einer Reko eine geänderte Inschrift vorzuschlagen, wenn im Original «La ilaha illa Allah wa Muhammad rassul Allah» (Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet") zu lesen gewesen wäre - selbst wenn das Gebäude danach als Museum dienen sollte. Seid ehrlich...
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      Gutmensch = Gut gedacht, nicht nachgedacht, schlecht gemacht
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      "Jesus Christus und sonst niemand kann die Rettung bringen. Auf der ganzen Welt hat Gott keinen anderen Namen bekannt gemacht, durch den wir gerettet werden könnten."
      Ich sehe hier trotzdem ein nicht zu unterschätzendes Problem, das auch durch die moderne Übersetzung nicht verringert wird, im Gegenteil. Denn hier wird ein Absolutheitsanspruch formuliert, der tatsächlich viele Menschen (und nicht nur Muslime!!) verletzen könnte. Während nämlich - wie jeder weiß - die preußisch-deutsche Monarchie eindeutig und endgültig verschwunden ist, so dass alle königlichen Insignien, Inschriften usw. nichts weiter als eine historische Reminiszenz darstellen, bekennen sich noch immer weit mehr als eine Milliarde Menschen weltweit zum Christentum, und die Zahl der Anhänger des Islam dürfte nicht wesentlich kleiner sein. Als ob es aber gar keine Aufklärung in Europa gegeben hätte, sind die aus religiösen Gründen resultierenden Konflikte leider noch immer brandaktuell.
      Bei einem von der Gemeinschaft aller in Deutschland lebenden Menschen finanzierten öffentlichen säkularen Bau, der tatsächlich jedem unabhängig von seinem religiösen Bekenntnis offenstehen soll, hat eine derart ausgrenzende Inschrift an prominenter Stelle meines Erachtens nichts verloren. Sie könnte und wird als Ausdruck der Intoleranz verstanden werden, als ein Triumph der Religion, in deren Namen übrigens gerade in Gebieten, aus denen viele Exponate stammen, die im Humboldt-Forum präsentiert werden, nicht nur Gutes geschehen ist.
      Das Kuppelkreuz, das genuin zum Entwurf der Laterne gehört, nehme ich übrigens von diesem Einwand aus ästhetischen Gründen explizit aus. Der möglichst authentischen Rekonstruktion dürfte nach meiner Überzeugung Genüge geschehen, wenn die Buchstaben der Inschrift hinsichtlich Schrifttype, Größe und Ausführung dem Original entsprechen.
      Den Vergleich mit dem islamischen Glaubensbekenntnis finde ich im übrigen schon allein deshalb unpassend, weil es hier weder um die Wiederherstellung einer Moschee noch einer Kirche (auch nicht die Hauskapelle der Hohenzollern!) geht.
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      Keine Zustimmung. Wenn - wie immer wieder argumentiert wird - eine Rekonstruktion eines historischen Gebäudes wie die Neuaufführung eines Musikstücks ist, dann müssten öffentliche Bühnen religiöse Musik, z.B. von Mozart, mit einem neutralen Text statt des ursprünglichen Librettos aufführen. Statt "Gloria in excelsis Deo" also dann "La-la-la la La-la-la la-la" . Weil ansonsten säkulare Konzertbesucher und sogar nicht kulturinteressierte Steuerzahler beleidigt werden könnten.
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      Achtung... solche Kirchenlieder gibt es bereits:

      ansonsten sind die Kommentare ganz heiter:

      Kirchlicher Allmachtsanspruch
      wo ist in dem Spruch denn bitte von "Kirche" oder "kirchlichem Anspruch" die Rede?
      Und was die wunderbare Heilige "puralistische Gesellschaft" betrifft, so ist dieser Einwand ungefähr gleich tiefschüfend wie beispielsweise ein Verweis auf die antidemokratische Gesinnung eines Schlossbaues per se.
      Vom offensichtlichen Unwillen zur relativierenden Betrachtung des anerzogenen relativistischen Zeitgeistes ganz zu schweigen. Aber das liegt wohl in der Natur des sog. Betreuten Denkens, der freien kreativen Anwendung eingelernter Paradigmen auf mehr oder weniger passende Anlässe.

      schorschi bähr wrote:

      Ob der Spruch zeitgemäß ist, ist eine andere Frage, die ich persönlich mit nein beantworten würde
      Gut. Was ist nun aber damit gemeint, was folgt daraus? Ist "zeitgemäß" als "zutreffend", "materiell wahrhaftig" oder "heute noch gültig" oder aber als "dem Zeitgeist entsprechend" zu lesen"?
      Ich für meinen Teil würde sagen: der Spruch ist umso notwendiger, da eben nicht mehr dem Zeitgeist entsprechend.
      Zur wahrhaft tiefschürfenden Analyse "Mozarts" fällt mir nur ein alter jiddischer Witz ein:
      Einer kummt zum Rebben und sugt: "Rebbe, was sull ich tun, ich hab einen Hahn und eine Henne und nicht genügend Futter für beide. Eins von beiden muss ich schlachten. Schlachte ich den Hahn, kränkt sich die Henne, schlachte ich die Henne, kränkt sich der Hahn."
      der Rebbe klärt fünf Minuten, dann spricht er: "Schlachte den Hahn."
      Der andere: "Aber Rebbe, dann kränkt sich doch die Henne."
      Der Rebbe klärt abermals. Schließlich sugt er: "Nu, soll sie sich halt kränken."
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      The post was edited 1 time, last by ursus carpaticus ().