Berliner Schloss - Humboldt-Forum

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • ja bitte, es ist eh von der webcam
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von thommystyle™ ()

    • Im Schlüterhof und an der Westfassade werden die Risalite, die im Unterschied zu den Schulterrücklagen überwiegend aus Naturstein bestehen, einheitlich grau gefasst; d.h die wenigen Putzflächen werden dem überwiegend grauen Naturstein angeglichen. Das wirkt sehr nobel, und hebt die Risalite als eigenständige Baukörper hervor, weshalb ich mir das auch bei Portal V und IV an der Nordseite gewünscht hätte. Ebenfalls hätte ich es gut gefunden, an allen Fassaden das gesamte Erdgeschoss grau zu gestalten, da es gleichsam als Gebäudesockel die übrige Fassade trägt. Auf dem Foto sieht man das Erdgeschoss links des Portalrisalits V im noch nicht getrockneten und noch nicht bemalten grauen Rohputz. Ich finde, das sieht besser aus als die gelbe Erdgeschosszone rechts daneben, zumal die Fassade auch besser proportioniert wirkt. Auch wirken die Bossenquader an den Seiten der EG-Fenster, die als Elemente einer Rustizierung gedacht sind, zu wenig rustikal, sobald sie gelb gestrichen sind.
      Im übrigen finde ich es immer befremdlich, wenn an barocken Bauten die Sockelzone nicht hervorgehoben wird. Wie gut sich eine graue Sockelzone machen kann, sieht man m. E. im gleichfalls von Hohenzollern regierten Ansbach.


    • Wie du weißt, stimme ich ganz mit dir überein, Seinsheim, daher freue ich mich sehr auf die komplett in Sandsteingrau gehaltenen Risalite. Was ich allerdings als sehr viel störender empfinde, als farblich sich nicht abhebende Rustizierungen oder ein Sockelgeschoss, ist der starke Gelbstich des oberen Teils von Portal V. Es stört die Proportionierung und Ganzheitlichkeit des Portals (im Original eines der schönsten und harmonischsten des Stadtschlosses) extrem. Wie man bei den Kosten, dem Aufwand und dem Anspruch des Ganzen hier so nachlässig in der Steinwahl sein konnte, entzieht sich mir komplett. Früher wäre sowas nicht durchgegangen. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich das Portal sehe.
    • @Treverer Ja, das ärgert mich auch ziemlich. Dabei hat das die Fa. Hofmann/Bamberger gemacht, die an sich sehr zuverlässig ist - neben der Fa. Schubert aus Dresden, die Portal IV errichtet hat. Ich finde auch die Balustraden zu gelblich. Und ganz besonders ärgerlich sind die Ausreißer der Fa. F.X. Rauch im Schlüterhof.
      Offenbar wollte man viele der gefertigten Teile nicht mehr zurückgehen lassen, weil das den Bau verzögert und vermutlich auch Gerichtskosten verursacht hätte.

    • Treverer schrieb:

      Wie man bei den Kosten, dem Aufwand und dem Anspruch des Ganzen hier so nachlässig in der Steinwahl sein konnte, entzieht sich mir komplett.
      Noch einmal: Sandstein ist und war im 18. Jh. nicht und niemals steinsichtig konzipiert gewesen. Dieses ganze Hin und Her, was man sich jetzt beim Wiederaufbau mit der Steinauswahl leistete, war letztlich vergeblicher, sinnloser Aufwand, denn ohne den Anstrich ist eben niemals die vom Barock eigentlich gewünschte Homogenität und die wichtige Schlüssigkeit der Architektur zu erreichen.
      Im 19. Jh. hingegen machte alles verückterweise irgendwie wieder Sinn, dann da waren die Sandsteinelemente einheitlich schwarzgrau patiniert... Aber wer will so was schon wiederhaben?
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • @Oktavian Das genau ist das Problem. Darum hat der Förderverein ursprünglich ja für eine komplett bemalte Fassade votiert. Aber Herr Rettich wollte das nicht, weil bemalter Stein pflegeintensiver gewesen wäre als Naturstein. Eine weitere Überlegung war, dass ein komplett bemaltes Schloss zwischen den Natursteinbauten von Marstall und Museumsinsel wie ein Fremdkörper gewirkt hätte; denn als diese Bauten errichtet wurden, war das Schloss bereits komplett patiniert...
    • Ja ich weiß, ich kenne das Problem. Das ist dasselbe mit Frauen- und Hofkirche in der Dresdner Stadtsilhouette....

      Die Argumentation von Rettich ist natürlich Quatsch, da die Farbe nur mal so alle 15-20 Jahre erneuert werden muss und den Stein darunter v. a. auch SCHÜTZT!
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
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    • Ich teile hier die Kritik meiner Vorredner. Ich bin mit der Farbgestaltung auch nicht wirklich zufrieden. Auf mich wirkt das alles viel zu flächig. Man muss sich immer vor Augen führen, dass es sich um einen Barockbau handelt. Und man muss kein Kunsthistoriker sein, um zu erkennen, dass hier mit der Farbkonzeption etwas nicht stimmt.
      Und da wurden wesentliche Probleme bereits angesprochen. Die fehlende Sockelausbildung auch durch farbliche Unterschiede mag mir gar nicht gefallen, das sieht leider völlig ahistorisch aus und die Fassade läuft nach unten einfach so weg. Auch dass sich die Rücklagen so wenig von den übrigen Fläche unterscheiden, gefällt mir nicht. Und generell, ich finde das Gelb viel zu beige.
      Seinsheim zeigt mit dem eingestellten perfekt, wie das Berliner Schloss eigentlich hätte aussehen sollen und müssen. Bei der Steinauswahl bin ich etwas gnädiger. Es ist eben ein Naturprodukt. Klar kann man das noch weiter bei der Auswahl auf eine Farbe trimmen, aber die Schwächen in der Farbgestaltung der Fassade sind meiner Meinug nach viel eklatanter!
      APH - am Puls der Zeit
    • Seinsheim schrieb:

      Und ganz besonders ärgerlich sind die Ausreißer der Fa. F.X. Rauch im Schlüterhof.
      Ich nehme an, dass Du damit vor allem den großen Portalrisalten (VI) damit meinst?





      Das Innenportal V ist m. E. dagegen ganz gut geraten - ein gewisses, lebendiges Changieren der Farbtöne finde ich als grundsätzlichen Ansatz eigentlich richtig und nachvollziehbar.


      Ob das allerdings auch z. B. für den Rundbogen gilt - ich weiß (noch) nicht...


      Das Lustgartenportal V sehe ich dagegen nicht so kritisch. Die Steinfärbung setzt den Risaliten doch ganz gut ab von der Hauptfassade, oder etwa nicht? Da stören mich doch eher die Panda-Hermen. :zwinkern:



      Portal V ca. 1940:
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • @Mantikor Danke für die nochmals eingestellten aufschlussreichen Bilder.
      Neben dem Gelbstich gibt es im Schlüterhof Teile, bei denen der Sandstein stark 'getigert' ist, also eine auffällige Streifenbildung aufweist. Das bringt etwas Unruhe hinein. Bei der Hofseite von Portal V stören mich besonders die gelben Steine in der Archivolte des syrischen Bogens. Sie wirken ebenso als Fremdkörper wie die unteren Rahmenteile in den Mezzaninfenstern von Portal VI (= Großem Hofrisalit). Wenn bei einer Balustrade oder einm Säulenschaft die Farbe changiert, finde ich das nicht so eklatant wie bei einer in sich geschlossenen Form, etwa einem Fenster.
      Eine Alternative zur Bemalung wäre natürlich gewesen, den Naturstein in einem sandsteinähnlichen Grau zu schlämmen. Das hätte homogener gewirkt und den Stein auch geschützt, denn wie @Wissen.de richtig bemerkt hat, ist das Überstreichen immer auch ein Schutz (sofern die Farbe atmungsaktiv ist). Und wenn die Schlämme sich mit der Zeit abwäscht, fällt das weniger auf als eine abplatzende Farbe. In Würzburg hat die Schlämmung der Residenz jedenfalls eine deutliche Verbesserung gebracht (vgl. die beiden letzten Fotos mit dem Hofkirchenrisalit vor und nach der Schlämmung).





    • Auch wenn der Sandstein oft farblich nicht so zusammen passt, weil er zu sehr ins gelbe abrutscht, bin ich froh, dass diese gewaltige Barockfassade wieder aufgebaut wurde. Die größte Barockfassade nördlich der Alpen. Das ist schon was!

      Es stört etwas, dass Portal IV in grauem Sandstein gehalten wurde und Portal V ab dem 2. Obergeschoß in sehr gelben Sandstein:



      Aber wenn die Patina erst mal in 30 bis 50 Jahren einsetzt, wird es nicht mehr so auffallen.

      Die kleinen Sandsteinblumen, die über den Rundbogenfenstern der Portale sind, waren im Original komplett vergoldet. Schade, dass sie es jetzt nicht mehr sind. Auch das Wappen ganz oben am Sims war ursprünglich deutlich reicher vergoldet, wie man auf dem Foto von 1940 sehen kann.
      Ich denke, dass es momentan zu teuer ist alles so zu vergolden, wie es ursprünglich war.
    • Kaiser Karl schrieb:

      Die größte Barockfassade nördlich der Alpen. Das ist schon was!
      Das hört man so oft: "Der/die/das größte/älteste/besterhaltenste nördlich der Alpen." Ich frage mich immer welche geografischen Räume/Länder da eigentlich beschrieben werden. Alles außerhalb Italiens? Warum sagt man dann nicht "außerhalb Italiens"? Oder zieht man eine imaginäre Linie entlang eines Breitengrads auf Höhe der Alpen und außer Italien werden auch Südfrankreich, Spanien, Portugal, Griechenland etc. einbezogen?

      Abgesehen davon, stimmt der Superlativ eigentlich? Müssten sehr viel größere barocke Palastanlagen wie Versailles, der Winterpalast oder, gar nicht so weit entfernt, das Mannheimer Schloss nicht deutlich größere Barockfassaden aufweisen?
    • Beim Schloß von Versailles vertut man sich oft. Der eigentliche ursprüngliche Kernbau ist relativ klein. Das was dann später erweitert wurde verfremdet den ursprünglichen Zustand leider völlig unter den Kasernenhaften monotonen Fassaaden.
      Aber im Grunde hast du Recht. Auch wenn die meisten Schlösser nicht so hohe Fassaden haben, und auch keine Gesamthöhe von fast 70 m, so gibt es schon noch weitere riesige Schlossanlagen.
      Nur war das Berliner Schloß trotzdem einzigartig. Kein Schloß weltweit hatte im Inneren hochwertige Raumausstattungen von der Spätgotig, Renaissance, Frühbarock, Hochbarock, Spätbarock, Roccoco, Klassizismus bis zum Historismus. Das war so im Berliner Schloß einzigartig. Ein unendlich trauriger Verlust, der nie zu ersetzen sein wird!
      Das Schloß war das schönste Architekturmuseum, was man sich vorstellen kann.
    • Kaiser Karl schrieb:

      Aber im Grunde hast du Recht. Auch wenn die meisten Schlösser nicht so hohe Fassaden haben, und auch keine Gesamthöhe von fast 70 m, so gibt es schon noch weitere riesige Schlossanlagen.
      Exemplarisch ist vielleicht das Schloss in Caserta/Italien, das kaum einer kennt. Gigantisches Schloss, gigantischer Park.

      Den Hauptwert des Stadtschlosses sehe ich für die Einhegung des Lustgartens und um die Sammlungen aus Dahlem in das Zentrum der Hauptstadt zu holen.
    • @Treverer und @Kaiser Karl Es ist eine interessante Frage, welches Schloss nördlich der Alpen die größte Fassade hat. Denn sie führt uns zu der nächsten Frage, wie wir eine Fassade definieren. Ist es die gesamte Front eines Gebäudes oder ist es die in sich zusammenhängende repräsentative Seite eines Blocks? Tendiert man zu letzterem, so bestünden Versailles und das Mannheimer Schloss aus mehreren Trakten bzw. Flügeln, die eigene Fassaden haben; Nymphenburg wiederum wäre ein Ensemble mehrerer Pavillons, von denen allein der mittlere eine Fassade aufweist. So gesehen sind die Fassaden des Berliner Schlosses schon bemerkenswert groß. Es wäre interessant, sie einmal mit den Gartenfronten von Schönbrunn, Schleißheim, Würzburg oder dem Stockholmer Stadtschloss zu vergleichen. Die Längsseiten des Louvre sind natürlich die längsten, aber diese sind durch schrittweise Anstückung entstanden. Beim Winterpalais in St. Petersburg hingegen kann man in der Tat von einer durchgehenden Fassade sprechen. Aber St. Petersburg liegt schon so weit östlich, dass ein spitzfindiger Mensch sagen könnte, das wäre nicht mehr nördlich der Alpen, sondern nördlich der Karpaten ..... :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Seinsheim ()

    • Ich habe mal ganz grob (Betonung liegt auf grob) die Fassadenquadratmeter der genannten Schlösser zusammengezählt. Es war nicht immer leicht die Fassadenhöhe der Schlösser ausfindig zu machen. Beim Mannheimer Schloss musste ich schätzen, es besitzt auch mehrere erhöhte Pavillions, die ich außer Acht gelassen habe.

      Berliner Schloss
      (Nordfassade, Westfassade und Südfassade)
      Fassadenlänge: 460m
      Fassadenhöhe: 30m
      Ergibt: 13800m2

      Versailles
      (Wegen den vielen uneinheitlich gestalteten Gebäudeteilen zur Stadt hin nur die einheitliche Gartenfassade)
      Fassadenlänge: 640m
      Fassadenhöhe: 20m
      Ergibt: 12800m2

      Winterpalast
      (Nur der Hauptpalast, alle vier Fassaden)
      Fassadenlänge: 912m
      Fassadenhöhe: 25m
      Ergibt: 22800m2

      Mannheimer Schloss
      (Alle Fassaden des Komplexes ohne Amtsgerichtanbau)
      Fassadenlänge: 1,7km(!!)
      Fassadenhöhe: 20m
      Ergibt: 34000m2

      Die drei Fassaden des Berliner Schlosses sind also in ihrer Fläche tatsächlich größer als die Gartenfassade von Versaille, die Winterpalastfassade ist aber deutlich größer als beide und das Mannheimer Schloss besitzt durch seine spezielle Form und Ausdehnung die mit Abstand größte Fassade. Erstaunlich.
    • Ich habe jetzt einmal versucht, die Würzburger Residenz zu berechnen. Dabei komme ich auf folgende Werte:
      Gartenfront 168 Meter
      2 Längsseiten je 97 Meter
      Stadtfront einschließlich der 2 Längsseiten und der Rückwand des Ehrenhofes 307 Meter
      Insgesamt 670 umlaufende Meter.
      Gebäudehöhe 21 Meter (die 6 Giebel der Eckpavillons sowie das Attikageschoss und Giebel des Gartenpavillons grob eingerechnet).
      14070 qm

      Für die Residenz eines fürstbischöflichen Kleinstaats recht beachtlich.
      Es kommen dann noch die vier Innenhöfe dazu, die ja auch gestaltet sind und in Mannheim beispielsweise fehlen.
      In Berlin müsste man natürlich fairerweise noch die barocken Fassaden des Schlüter- und des Eosanderhofs hinzuziehen, das wäre dann insgesamt weder mehr als Würzburg.

      Man könnte das ganze jetzt fortspinnen. Ludwigsburg wäre sicherlich auch ein lohnendes Rechenexempel.