Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Ich muss mich Herzog leider anschließen. Es hätte schlimmer kommen können, aber ich finde, daß die Spreefassade aussieht wie von Albert Speer (senior) persönlich entworfen.
    Fascho-Stil in Reinform (was auch Sagebiels schlagender Vergleich mit Mussolinis EUR gut illustriert).

  • Mal ganz im Ernst, aber es gibt weit schlimmeres als 30er Jahre-Neoklassizismus, auf den ihr hier anspielt. Zumal wir in Berlin sind, wo der ohnehin sehr fruchtbar war. Und Politisierung von Architektur find' ich eh blöd.

  • Weis Jemand eigentlich ob das kleine Teil der Barockfassade am Osten auch rekonstruiert wird?



    (Klicken zum Vergrößern)


    Ich denke das es vielleicht schöner gewesen war, wenn der Architekt die moderne Spreefassade nicht über die ganze ostseite hat gemacht, aber das barocke Teil frei hat gelassen oder für dieses Stuck die Fassade nach rechts hat gesetzt, so das auch noch etwas hat gestehen auf der Platz der Schlossapotheke.


    Aber dan noch Ich feier heute mit Reinhard mit: ein der schönsten Schlösser der Welt komt wieder da


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    Moderations-Hinweis: Bildlink gefixt.

  • >>>Fascho-Stil in Reinform (was auch Sagebiels schlagender Vergleich mit Mussolinis EUR gut illustriert).<<


    Nicht so sehr Mussolini kommt mir da in den Sinn.


    Eher ein Prof. Ludwig Mies Van der Rohe, der mit genau diesem Entwurf die Ernennung zum Baudirektor der Reichshauptstadt gewann, mit einem dicken Händedruck (und noch dickerem Scheck) vom Führer für sein Wirken für die weltanschaulichen Grundlagen des Neuen Deutschen Bauens. Irgendwann um 1935/36.
    Ich vergaß...ihm wurde von den neuen Bauherren nicht genug geschmeichelt, weshalb er beliebte, sein Experimentierfeld frühzeitig zu verlassen.

    Nein, die werden gedünstet

  • @ ipflo


    Nichts dergleichen. Der Pfeilerriegel wird über die gesamte Breite durchgezogen. Und nimmt die Ecke gleich mit. Aber, Schwamm drüber.


    Natürlich war der Ostflügel der älteste und für die Stadtgeschichte Berlins bedeutenste Teil, inklusive des Apothekenflügels, mit direktem Bezug zur ehemaligen, gegenüberliegenden Altstadt....aber das hat ja immer wie zu klein gedacht, pinökelmäßig ausgeschaut; so manche Sachen....Pinökel gehn halt einfach nicht, für unsere Hauptstadt.

    Nein, die werden gedünstet

  • Hm, der Entwurf von Kollhoff ist tatsächlich der Burner. Aber war ja von Anfang an klar, dass Totalreko nicht drin ist (und der ist ja schon verdammt nahe dran). Bei Mäckler fasst man sich dagegen mal wieder an den Kopf, bei dem man liegen die fast immer gute Theorie und die Praxis doch leider sehr weit auseinander.

  • Quote from "ipflo"

    Aber dan noch Ich feier heute mit Reinhard mit: ein der schönsten Schlösser der Welt komt wieder da.


    dank uw wel, mijn vriend! :zwinkern:

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Der Kollhoff-Entwurf sieht wirklich klasse aus. War aber klar, dass der nicht genommen wurde. Was hätten die Kritiker da abgelassen... Viel zu traditionell und...schön eben!
    Der Mäckler-Entwurf hingegen ist ja richtig scheußlich anzuschauen! :x Und Kleihues auch nicht viel besser. Es ist wirklich ein Glück, dass Franco Stella dabei war. Nicht zu traditionell, um gleich rausgekickt zu werden und nicht zu modernistisch, um auch den Rekonstruktionsliebhabern etwas zu bieten. :)

  • Dass das Ergebnis im Sinne von Freunden traditioneller Formen gut ist, kann man schon daran sehen, was in anderen Foren oder auf Internetseiten wie Baunetz.de los ist. Der Mob tobt. ;)

  • Ich denke auch, dass die Rossbändiger wieder kommen, wenn auch vielleicht nicht sofort. Erstens, weil sie eben erhalten sind, also kein Disneyland ;). Außerdem stehen sie jetzt an einem Ort, wo sie nur unzureichend beachtet werden. Zudem dürfte es kein allzu großer Aufwand sein, im Ggs. z.B. zum Neptunbrunnen mit den ganzen Leitungen etc. und bis 2013 ist ja noch etwas Zeit, um darüber nachzudenken.

  • >>Dass das Ergebnis im Sinne von Freunden traditioneller Formen gut ist, kann man schon daran sehen, was in anderen Foren oder auf Internetseiten wie Baunetz.de los ist. Der Mob tobt.<<


    Wir hatten heute einen besonderen "Gottesdienst" (ultra-linientreue Vorlesung), in dem vorab über den Schloßbau als solchem, Rekonstruktionen und traditionelles Bauen in einer Weise hergezogen wurde, die mich an Wolfgang Leonards Beschreibung von "Kritik und Selbstkritik" denken ließ.
    Was immer man über den Schloßbau zu Berlin denken mag - die Grundsatzentscheidung des Wiederaufbaus als identitäts- und stadtbildreparative Maßnahme war richtig. Auch die Entsorgung der DDR-Altlasten aus dem unmittelbaren Umfeld sowie den teilweisen Ausschluß der den Stadtraum gestaltenden Moderne.


    Gerade das scheint aber der Knackpunkt zu sein, jedenfalls bei unseren Hohepriestern der Gestaltung (von denen vier Fünftel aus Stuttgart kommen). Nicht DAS SCHLOSS oder Geschichtsfälschung oder Kaiser Willy ist das Problem, sondern die Tatsache, daß sie nicht mit Stahl und Glas drin herumschleudern dürfen wie Liebeskind im Bundeswehrmuseum.


    (das würden sie nämlich nur zu gerne, aber pssssssst....ein fast sexueller Akt, Smithers...!)

    Nein, die werden gedünstet

  • Auch ich bin wegen meiner geringen Erwartungen mit dem heutigen Entwurf (fast) rundum zufrieden. Eine Komplettreko wäre natürlich weitaus überzeugender gewesen, allerdings war damit natürlich nicht zu rechnen.


    Ich hoffe nur, dass im Innern die Raumstrukturen so angelegt werden, dass zukünftige Generationen nach und nach die wichtigsten der historischen Innenräume im alten Glanz wiedererrichten können.


    Wie nicht anders zu erwarten ist die Anti-Reko-Journalisten-Fraktion schon fleißig dabei, den Entwurf zu zerreißen:


    http://www.taz.de/1/debatte/ko…lossplatz-wie-im-maerchen


    Berliner Mitte: Stoppt das Stadtschloss! | Politik | ZEIT ONLINE


    http://www.fr-online.de/in_und…anden-aus-dem-Raster.html


    Natürlich hätten unsere Pappenheimer auch jeden anderen Siegerentwurf zerrissen, weil sie einfach nicht dazu in der Lage oder gewillt sind, eine mit überwältigender Mehrheit getroffene Entscheidung des Deutschen Bundestages zur Teilrekonstruktion zu akzeptieren. Sie fühlen sich halt in ihrem modernistischen Selbstverständnis bedroht, weil der Schlossbau exakt das sein wird, was sie wohl befürchten: eine offensichtliche Manifestation der Überlegenheit der traditionellen Baukunst über die modernistische Monotonie aus Glas und Beton.


    Zum Glück gibt es aber auch eine Reihe von überaus positiven Kommentaren zum Entwurf, und dieses eine mal sogar ein rundum positiver Kommentar auf SPIEGEL Online:


    http://www.spiegel.de/kultur/g…haft/0,1518,593313,00.htm

  • Man muss wohl zufrieden sein und die misslungene Innenhof- und Spreeseitengestaltung als Preis für die Rekonstruktion der Kuppel ansehen. Aber warum eigentlich? Weshalb gibt es überhaupt einen "Anspruch" der Modernisten, zumindest eine Fassadenseite zu gestalten? Nur deshalb, damit der zeitgenössische Mut zur Hässlichkeit und Mittelmäßigkeit den ihm gebührenden Anteil erhält? Weshalb zum Teufel wird also hier eine Art Kompensation an selbsternannte "Zeitgenössisch-Bestimmer" für erforderlich gehalten? Ich erachte das im Grunde genommen als völlig abwegig und strukturell mafiös.
    Das ist ja in etwa so, als wenn ein Salieri o.a. bei jedem Werk Mozarts einige Abschnitte nach ihrem Gusto durch eigene Elaborate hätte austauschen/ergänzen dürfen und dies allgemeine und offizielle Billigung erfahren hätte. :?:


    Noch eine Frage: Was wird wohl jetzt mit Portal IV - gibt es dann bald zwei?

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich denke, so verrückt kann sich eine außer Rand und Band geratene Journaille auch nur in teutschen Landen gerieren.
    Was soll s - seien wir froh, dass sich romanischer Rationalismus gegenüber teutscher Verstocktheit durchgesetzt hat.
    Stellas Entwurf hat jedenfalls Charakter, und er selbst wohl auch. Schließlich musste die Versuchung für einen Architekten, sich selbst in Szene zu setzen und sich ein Denkmal zu schaffen, gewaltig gewesen sein.
    Stella reduziert seinen Beitrag auf ein absolutes Minimum, tritt bescheiden hinter Schlüter zurück, was vor allem im schmalen Korridorinnenhof zu sehen ist. Wie er seine minimalistische Architektur auf das schmale Fassadenstück Schlüters hinlaufen lässt, dieses in den Mittelpunkt rückend, das hat Größe.
    Die Ehrlichkeit, dass zeitgenössische Architektur der alten nichts entgegenzusetzen hat, verleiht in diesem Fall Erstgenannter einen gewissen Rang.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • unify
    Aha. Aber auch trotzdem sehr schön.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich bin ebenso, wie die meisten hier, über die Gesamtwirkung des Entwurfes von Stella hocherfreut! :D


    Stella ergänzt das "alte" Schloß im Sinne seiner Meister (siehe Zitate) und führt mit seinen zurückhaltenden Mitteln die Idealplanung eines Barockschloßes zu einer, zumindest in den Baumassenverteilungen stimmigen Vollendung. Der Bau wird äußerlich und in den Innenhöfen auf eine symmetrische Gesamterscheinung im barocken sinne ergänzt und vervollkommnet. Es entsteht ein regelmäßiges Rechteck, mit einer Binnengliederung als Folge 3er Innenhöfe ganz nach barocker Manier. Das freilich unter unter Opferung der historisch gewachsenen, kleinteiligen Ostfassade an der Spree. Die Ergänzung des Schlüterhofes in der Aufnahme der historischen Proportionierung und der Weiterführung der Loggiengänge kann nur einem Italiener einfallen und gelingen und stimmt mich heilfroh, daß das Berliner Barockschloß wieder zu den Wurzeln seines Stiles zurückkehrt und gleichzeitig ins 21.Jahrhundert gebeamt wird. Ebenso beeindruckend ist der öffentliche Gang quer durch das Schloß. Eine theatralische Inszenierung, totale Barockbühne mit einfachen klassischen Mitteln, wie schon ein Vorredner betonte. Klasse!


    Nun die Spreefassade läßt noch auf detailierte, durchgebildete Fassadenansichten warten, worin dann auch die Materialwahl zu erkennen wäre. Die Grundidee, öffentlich begehbare Loggien zu schaffen, um darin lustwandeln zu können (z.B. in den Pausen kultureller Veranstaltungen) zeugt von italienischem, südlichen Lebensgefühl und erhöht den Genußwert des neuen Schloßes. Doch ist es nicht eine riesige Raumverschwendung!? Die 3 Stockwerke Loggiengänge sind für nichts anderes da, als zum Lustwandeln!?? Eigentlich toll, Architektur mal ohne Kosten-, Nutzenberechung zu schaffen. Nur die schmale Raumschicht zum Schlüterhof hin bleibt den Museumsräumen überlassen. Freilich ist die Spreefront kühle rationale, aber nicht unproportionierte Architektur. Rundbögen im Erdgeschoß würden ihr etwas von der Strenge nehmen. Aber, wir sind ja im alten Preußen! :zwinkern:
    Kollhoffs Entwurf ist da weicher, schon durch die Aufnahme der historischen Kleinteiligkeit. Doch dieses "Risalitpalais", was er da anbauen wollte, hatte er das für den Volkskammersaal vorgesehen, häh!?
    Ich bin jedenfalls auf die Detailansichten von Stellas Entwurf gespannt! Wie wird die Gestaltung des Eosanderhofes aussehen!? Das ,was ich bis jetzt sah,scheint mir ein Säulen- und Pfeilerwald zu werden. Wirkt auf den ersten Blick etwas undurchschaubar und zugestellt. Aber mal abwarten, was da die Grundidee ist. Übrigens Mäcklers Entwurfs bezeugt Monumentalität und Größe auch mit modernen Mitteln. Er hat was von antiker Tempelbaukunst archaischer Zeiten, wie schon in seinem Freiburger Museumsentwurf. Wie er da die Figuren vor diese Monumentalwand stellt...!
    Nun hoffe ich, das für Berlin ein Stern in seiner Mitte aufgeht und über dieser Mitte für das gute Gelingen dieses großartigen Bauvorhabens segnend leuchten wird. :idee:


    PS: Habt ihr bemerkt, daß die in den Entwürfen genutzten Schloßfassadenvisualisierungen wohl die neuen detailreichen 3D-Visualsierungen sind, die neulich im Fernsehen vorgestellt wurden! Ganz besonders schön im Entwurf von Kleihues zu sehen.


    Zu Stellas Entwurf:

    Quote


    Es sei ihm um ein Weiterbauen der barocken Vorgaben gegangen. Er habe sich am Geist von Schlüter und Eosander orientiert, sein Entwurf sei eine Hommage an die preußische Geschichte, geschaffen aus dem Geist des 17. Jahrhunderts. Wichtig sei ihm vor allem gewesen, dass die in der Ausschreibung vorgeschriebene barocke Fassade nicht wie eine Maske wirke, die dem Bau vorgehängt würde. „Ich habe nicht nur die Haut, sondern auch den Körper aus dem Geist der barocken Architekten schaffen wollen.“


    Quote


    „Ein wunderbarer Entwurf, ein Glücksfall. Man muss wohl aus Vicenza kommen und Palladio studiert haben, um so etwas schaffen zu können“, rühmt er den Freund und zitiert dessen Worte: „Schlüter und Eosander haben mitgebaut.“


    Quelle: http://www.tagesspiegel.de/ber…oldt-Forum;art974,2672540" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schlo ... 74,2672540
    Na, besser kann's eigentlich kaum kommen! Hoffe ich, daß das Gebaute auch so aussieht, ganz im Geiste...

  • Erfreulich ist auch, dass mit diesem Entwurf ein Wiederaufbau des Apothekenflügels noch möglich ist :D

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker