Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Interview mit Hans Kollhoff in der heutigen Morgenpost zum Schloss:



    http://morgenpost.berlin1.de/c…/02/15/berlin/735004.html



    Auszug:



    "Angesichts der Tatsache, daß viele Generationen am Bau des Schlosses beteiligt waren und über Jahrhunderte ihr Bestes gegeben haben, wäre es vermessen, zu glauben, man könne heute etwas Ebenbürtiges hinstellen, das ein Architekt in sechs Monaten entworfen hat. Dort, wo wir es nicht besser können, müssen wir uns auf die historische Überlieferung beziehen. Das wird beim Schloß weitgehend der Fall sein. Eines der Hauptprobleme ist, daß man dieses Schloß immer als Ganzes diskutiert und diesen ungeheuren Brocken als Ganzes verdauen möchte, anstatt zu sagen, laßt uns an der Ecke anfangen und dann bauen wir das Stück für Stück."


    [...]


    "Ich plädiere dafür, daß man die planerischen und genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen schafft, das Ganze hinzustellen, die Realisierung aber dann in kleinen Schritten angeht. Denn so hat man in Europa immer gebaut. Warum akzeptiert man nicht, daß das eine Aufgabe für Generationen ist? Ich sehe keinen Grund dafür, warum das Schloß, hat man es einmal in Angriff genommen, im Schnellverfahren aufgebaut werden soll."

  • Das ist doch eine sehr gute Idee! Man baut erstmal einen Flügel (am Besten das Hauptportal mit Kuppel) und den Rest erst später. Wenn die Menschen erstmal etwas "zum Anfassen" haben, dann wird die Akzeptanz in der Bevölkerung sicher wachsen und mit ihr hoffentlich auch die Spendenfreudigkeit! :gg:

  • Mensch - Danke, Herr Kollhoff !!!!!


    Genau das habe ich hier im Forum doch immer gesagt: An irgendeiner Ecke klein anfangen! Ich hatte gedacht Portal IV, mit den beiden noch original erhaltenen Roßbändiger-Statuen davor, aber von mir aus auch Portal III mit Kuppel!


    Wenn da erst was steht, was die Leute bewundern können, dann verschwinden die Gegner und die Geldgeber kommen - möglicherweise.


    Ich wußte ja, daß Kollhoff die Bauakdemie unterstützt, aber daß er sich jetzt auch hier einsetzt....


    Wenn er dafür sorgt, daß tatsächlich gebaut wird (und zwar ohne Mall im Innern und ohne kreisrunden Schloßhof mit Glasfassade und ähnlichen Tünnef) dann sollte man - im Ernst - die Karl-Liebknecht-Straße (Karl who?) in Hans-Kollhoff-Straße umbenannt werden.
    Aber: Erst das Schloß, dann die Straße....

  • das sag ich schon seit jahren! aber auf mich hört ja niemand :-( der bau des eosanderflügels könnte schon morgen beginnen!

  • Das ganze ist ja nur sein Vorschlag, solange nicht die Politik oder der Verein dahinter steht, wird das wohl nichts...


    Und man müsste natürlich wissen, wie der Kernbau gestaltet wird, nur die Fassade lässt sich ja nicht errichten.


    Ausserdem bin ich im Gegensatz zu Kollhoff für eine weitgehende kulturelle Nutzung.

  • Wieviel Wahres doch in diesem Interview steckt ! :harfe:


    Quote from "Kollhoff"

    Man hetzt dem Neuen hinterher. Was interessiert, sind verschärfte Kontraste und die extremen Reize.


    :applaus:


    Quote from "Kollhoff"

    Wenn ich bei dem, was es Zeitgenössisches gibt, etwas Vorbildliches sehen würde, würde ich mich auch darauf beziehen. Nur ist da so wenig, das meiste langweilt mich.


    :applaus:


    Quote from "Kollhoff"

    Was ist denn das Originäre der Architektur? Schinkel hat einmal gesagt, der Welt des Bekannten eine neue Nuance hinzufügen, das ist es, was wir machen. Wir drehen das Rad ein Stückchen weiter, aber wir erfinden das Rad nicht neu.


    :applaus:



    Traurig, daß der Rest der Architektenschaft so verblendet ist...
    Aber auf Dauer wird sich das wahre Schöne durchsetzen ! :D

  • Stadtschloß: Lehmann geht in die Offensive



    "Chef der Preußenstiftung wirbt für Humboldt-Forum



    Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, will in den kommenden Monaten mit einer bundesweiten Initiative für den Neubau des Berliner Schlosses als Zentrum der Weltkulturen werben. "2005 ist das Entscheidungsjahr für das Humboldt-Forum auf dem Schloßplatz", sagte Lehmann. Sollten die Weichen nicht bald gestellt werden, sei das Projekt gefährdet. "Wir brauchen eine Konzentration aller Kräfte - sonst ist das Areal für die Kunst und Kultur der Welt vielleicht für immer verloren."



    Mit Diskussionen, Vorträgen und Modellen will die Preußenstiftung die Pläne für die Nutzung des Humboldt-Forums der Öffentlichkeit vorstellen. Namen von Teilnehmern der Initiative wollte Lehmann aber noch nicht verraten. Aber es "sind große Namen darunter". In den Schloßneubau sollen die außereuropäischen Kulturen einziehen: die Sammlungen aus den Museen in Dahlem, darüber hinaus Film, Musik, Theater, ergänzt um Teile der wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität sowie der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Die Dahlemer Museen, die von vielen Berlin-Touristen auch wegen der Randlage ignoriert werden, müßten mittelfristig saniert werden. Lehmann will die dafür veranschlagten Mittellieber ins Humboldt-Forum investieren. Die Gebäude in Dahlem sollen statt dessen an die Freie Universität verkauft werden, die daran bereits Interesse bekundet habe, betonte der Stiftungspräsident.


    Das Humboldt-Forum [...] solle zu einem Kraftzentrum der Weltkulturen werden, an dem alle teilhaben, ein Volkshaus im Zentrum der Hauptstadt. Vehement wies Lehmann Pläne aus dem Bundesfinanzministerium für einen Neubau als privat finanziertes Investorenprojekt zurück. "Wir wollen kein elitäres Gebäude, das nur auf Rendite ausgerichtet ist", sagte er. Er wird gut für seine Pläne werben müssen. Denn im Haushaltsausschuß des Bundestages mehren sich die Stimmen, die einer privaten Finanzierung grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt sind.


    Lehmann hatte jüngst vorgeschlagen, statt 80 Prozent nur 65 Prozent der Flächen des Forums für Kultur und Wissenschaft zu nutzen. Der Rest könne dann für "kulturnahe" Zwecke privat genutzt werden. Er habe ermutigende Signale aus dem Haus der Kulturstaatsministerin und dem Bundesbauministerium für sein Finanzierungskonzept."


    Quelle: http://morgenpost.berlin1.de/c…21/feuilleton/736357.html

  • solche menschen wie lehmann braucht das schloss!!! (obwohl ich immer noch die gemäldegalerie und das kustgewerbemuseum im schloss lieber hätte als das völkerkundemuseum);
    ohne die bedeutung von herrn v. boddien herunterspielen zu wollen, er hat sehr sehr viel für das schloss getan, glaube ich, das das wort des präsidenten der stiftung preussischer kulturbesitz mehr gewicht hat, als das von herrn v. boddien.


    wünschen wir alle herrn lehmann viel glück und viel erfolg auf seiner "werbetour" durch deutschland!

  • Quote

    ohne die bedeutung von herrn v. boddien herunterspielen zu wollen, er hat sehr sehr viel für das schloss getan, glaube ich, das das wort des präsidenten der stiftung preussischer kulturbesitz mehr gewicht hat, als das von herrn v. boddien.


    Du hast zwar wahrscheinlich Recht, dass Lehmann mehr Einfluss hat, aber letztlich ist es ja egal, die beiden arbeiten ja schließlich eng zusammen.

  • Na dann viel Glück, Herr Lehmann! Da haben wir ja schon einen weiteren Promi mit Einfluß. Vielleicht kämpft Kollhoff ja mit ihm zusammen Seite an Seite.


    Wie wäre es mit einem ersten "kleinen" Gebäudeteil, sagen wir das Stück von Portal IV bis Portal V (=Kollhoff-System), und hinein kommen die außereuropäischen Kulturen X und Y (=Lehmann-Wunsch). Und wenn das alles steht, dann schaut man, wie man den nächsten Gebäudeteil (für aupereuro-Kultur Z) finanziert und so weiter....

  • als ich vor wenigen tagen am hvp vorbeigelaufen bin, konnte ich noch überhaupt nichts erkennen. ich weiß deshlab nicht einmal, wo es genau hinkommen soll.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • "Hauptstadtkulturfonds beschließt Projekte für Palast der Republik


    Berlin (dpa/bb) - Bis zum geplanten Abriss des Palastes der Republik zum Jahresende sind im leer stehenden Gebäude wieder mehrere Kulturveranstaltungen geplant. Der Gemeinsame Ausschuss des Hauptstadtkulturfonds stimmte am Freitag nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung mehreren Anträgen für das Jahr 2005 mit einer Förderung von insgesamt rund 652 000 Euro zu. Dazu zählen ein Gastspiel des Choreografen William Forsythe mit 25 000 Euro sowie die Unterstützung mit 250 000 Euro der Initiative «Volkspalast»."


    meine güte, da schieben sich aber wieder welche das geld zu. so langsam hätte man für das geld schon fast den abriss bezahlt...

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  • Aktuelles Interview mit Bausenatorin Junge-Reyer:



    Der Abriss ist logisch, nicht ideologisch





    Quelle: http://www.berlinonline.de/ber…eitung/berlin/426501.html

  • "Wann soll der Abriss beginnen und wie lange wird er dauern?


    Wenn alles ohne Verzögerung verläuft, dann kann zum Ende des Jahres mit dem Abriss begonnen werden. Je nachdem, welche Variante sich durchsetzt, rechne ich damit, dass der Abriss über ein Jahr dauert. Vielleicht anderthalb Jahre. "


    da es sowieso immer verzögerungen gibt, wird es wohl eher im nächsten jahr sein.



    "Wann rechnen Sie mit einem Baubeginn für das Humboldt-Forum?


    Das Bauministerium geht von einem möglichen Baubeginn um 2010 aus. Ich hoffe, dass das zu erreichen ist. "


    baubeginn 2010. na klasse. wenn es so weiter geht, haben erst meine enkel etwas vom schloss! :(

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  • ja es dauert wirklich eine ewigkeit: manchmal kostet es mich viel muehe mich noch fuer die schloss sache zu interessieren ( aber das bleibe ich natuerlich tun, sonst haben ja die Palast ( balast) freunde gewonnen, und das moechte ich vorbeugen :zwinkern: )

  • @ Antiquitus und van Dyk:


    hey Leute, ein bißchen mehr Geduld, nur nicht hetzen.....
    Nee, mal im Ernst: Mich macht das ja auch kirre, daß seit über 10 Jahren nur geplant und gelabert wird und daß außer einer Leinwandattrappe und einem Dutzend Computersimulationen noch nichts zählbares herausgekommen ist. Aber deshalb sage ich ja, - wie Kollhoff - man solte mit einem kleinen Teil des Schlosses beginnen und langsam weiterbauen, das echte Schloß ist ja schließlich auch nicht einem Rutsch hochgezogen worden, sondern hat mehrere Jahrhunderte bis zu seiner endgültigen Gestalt gebraucht. So lange habe ich natürlich auch nicht Zeit, aber: Stichwort 2010. Wenn wirklich, unwiderruflich, sicher im Jahr 2010 die Bagger und Maurer loslegen W Ü R D E N und das Schloß im Normaltempo fertigbauen würden, dann wäre ich insgesamt sehr zufrieden!


    2010, das sind gerade mal 5 Jahre, und bis es fertig ist, naja nochmal mindestens soviel, aber damit könnte ich leben, dann wäre ich noch lange nicht so alt, daß ich nichts mehr davon hätte!


    Mir macht eher der Gedanke Angst, daß es
    a) nicht mal bis zu diesem Termin mit dem Bau losgehen könnte
    und/oder
    b) keine ordentliche Rekonstruktion dabei herauskommt, sondern ein seltsames Gebilde aus Schloßfassaden und wasweißich für modernen Elementen mit viel Glas und Beton etc.

  • jaja, ich bin erst zufrieden, wenn es tatsächlich losgeht. und bisher sieht man davon nichts: nur ankündigungen, ankündigungen, ankündigungen...


    ich wäre auch dafür, einfach mal anzufangen. dann wird' schon. aber vielleicht ist gerade das der grund, weshlab nicht angefangen wird.

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