Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Quote from "Der STERN"

    Angefangen hat der Spuk mit Wilhelm von Boddien, einem bankrotten Landmaschinenfabrikanten aus Hamburg.


    Dagegen sollte Herr von Boddien schnellstmöglich und mit allem Nachdruck angehen: "Bankrott" ist ein betrügerischer Konkurs.
    Soetwas ist üble Nachrede:
    Der Unterschied zwischen einem Konkurs und einem Bankrott ist wie der Unterschied zwischen kaufen und stehlen.

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Quote

    Im Ausland lachen sie dagegen über die seltsame Schlösser-Sehnsucht der Deutschen. Neulich, beim enthusiastisch gefeierten Berlin-Festival in New York, gab es heftige Heiterkeitsausbrüche, als Architekt Jan Kleihus von Berlins Plänen berichtete. Auf Alt bauen, wenn man Neues kriegen könnte: New Yorker finden so etwas einfach nur kurios.

    Da muss ich aber auch gleich einmal laut lachen! Ist Stern nicht etwa die "seriöse" Zeitschrift, die die "echten Hitler-Tagebücher" abdrucken ließ :gg: ?! Ich denke, die Lacher sind wohl auf unserer Seite. :zwinkern: ...Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...

    Quote

    Außerdem ist kaum einem der Schloss-Fans klar, dass das Humboldt-Forum hinter den Außenwänden wie fast jeder Neubau aus Stahl, Glas und Beton sein wird. Innen neu, außen historisch verbrämt: ein preußisches Disneyland. Im besten Fall werde es "eine liebenswerte Peinlichkeit", schrieb sogar die sonst durchaus dem Schloss zugetane "Welt".

    Naja, da kann man doch was ändern! Auch die anderen Räume in der bewährten Form wiederaufbauen und die Innenräume rekonstruieren! Polen hat bewiesen, dass das geht und die Amerikaner die nicht einmal den Unterschied zwischen den Baustilen kennen und wirklich absolut keine Kultur haben, diese Kritiker tangieren mich nur periphär. Kommt Disney nicht etwa aus Amerika :gg:

    Quote

    Angefangen hat der Spuk mit Wilhelm von Boddien, einem bankrotten Landmaschinenfabrikanten aus Hamburg.

    Das sagt doch eigentlich eh schon alles über das Niveau dieses Klopapierformates aus. Kein Wunder, dass sich diese Zeitschrift keine guten Journalisten leisten kann. Wusste gar nicht, dass es dieses Blatt noch gibt? Wahrscheinlich haben die Schlossgegener der Zeitschrift diesen Artikel auch noch verkauft, damit sie überhaupt gedruckt werden kann :gg:

  • Ein Volk, das mehrheitlich Bush gewählt hat und im Jahr 2007 Gefangenenlager in rechtsfreiem Raum betreibt, sollte sich ganz selbstverständlich keine Einmischung in innerstaatliche parlamentarische Beschlüsse erlauben.

  • Quote

    Außerdem ist kaum einem der Schloss-Fans klar, dass das Humboldt-Forum hinter den Außenwänden wie fast jeder Neubau aus Stahl, Glas und Beton sein wird. Innen neu, außen historisch verbrämt: ein preußisches Disneyland. Im besten Fall werde es "eine liebenswerte Peinlichkeit", schrieb sogar die sonst durchaus dem Schloss zugetane "Welt".

    Das kommt eben dadurch, dass man sich fuer das Humboldt-Forum entschieden hat, und nicht einfach fuer eine Wiederherstellung des Schlosses mit den wichtigsten Innenraeumen als Andenken an die preussische Monarchie und das preussische kulturelle Erbe (und die Monarchie des wilhelminischen Deutschlands)
    Ueberall sonst in Europa erinnern die alten Koenigsschloesser, soweit nicht noch immer als solche benutzt, eben als Museen an die Monarchie, und an die Epochen, als die Monarchen regierten.
    Nirgendwo sonst steckt ein Museum fuer aussereuropaeische Kulturen drin.

    Und zu den New Yorkern: wollten nicht ganz viele, weitaus die meisten, die Twin Towers rekonstruiert sehen? Und waere das nicht viel besser gewesen denn die haessliche Ansammlung von Glaspinakeln, die jetzt kommt?
    Und kann man in Berlin was dafuer, dass ihr noch eine elende Kolonie Englands waren, als die Schlueterfassaden des Berliner Schlosses gebaut wurden?

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Was soll dieses "Nur die Fassaden"-Argument immer wieder? Die Fassaden sind das, worauf es mir in erster Linie ankommt. Klar, ist schei*e, dass das Schloss innen nicht wiederkommen wird, aber wen das stört, soll eben draußen bleiben.

  • witzig finde ich nur, dass ihr hier den stern-schrieb über 'amerikaner, die über reko lachen' für bare münze nehmt.

    die autorität der (zeit-)schrift?

    stimmt so überhaupt nicht, hat sich der stern nur ausgedacht, in usa wurde so wenig modernismus verbaut wie in keinem anderen nord-westeuropäischen land. die usa nutzen viel unverkrampfter traditionelle stile seit jeher, verglichen zu ganz nordeuropa. gerade in new york ist der widerstand gegen projekte im modernisten-stil am ground zero enorm.
    wenn ich amerikanisches hochhausdesign mit europäischem vergleiche, so muss ich anerkennen, dass die amis das ästhetisch beherrschen, und die europäer nicht.

    aber flugs wird dem stern geglaubt und in antiamerikanische reflexe umgeschaltet. was soll das denn?

  • Ach ja, der Stern, die letzte Bastion der 68er, die noch nicht mitbekommen haben, daß die Jugend heute nicht mehr dieselbe ist wie vor 40 Jahren... und sich in Berlin bei allen Umfragen überwiegend für das Schloß ausgesprochen hat. Stattdessen quält der Stern seine Leser mit der hundertsten RAF-Reportage... nicht so ganz am Puls der Zeit, würde ich mal sagen.

    Bei den Bauten von Herrn Kleihues vergeht mir allerdings das Lachen, das ist genau die langweilige Gruselarchitektur, die durch das Schloß zumindest an dieser Stelle vermieden wird:

    Beispiel http://www.ib-rahn.de/182.html\r
    http://www.ib-rahn.de/182.html

  • Kann schon sein, dass da gelacht wurde, war ja eine Architektenlesung.
    Sämtliche Kontra-Schloß bzw. -Rekos allgemein zerfallen im Bröseltum, wenn man den tunlichst vermiedenen Hinweis auf die Zerstörung der traditionellen Architektur in Deutschland wieder ans Tageslicht bringt. Zerstörte Städte befinden sich in einer völlig anderen Situation als komplex erhaltene amerikanische oder italienische Städte - und somit auch fern jeglichem Disneylevels. Kann ja schon sein, dass man sich modernistische Architektur wünscht, wenn die jeweilige Stadt zu 98 Prozent aus Traditioneller (EU) bzw. zumindest Gewachsener (US) besteht.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ich denke, der Text ist weitgehend manipuliert. Vielleicht haben ein paar Vertreter der internationalen Architektenzunft gelacht. Bloß, wen interessieren diese Leute noch wirklich?
    Die meisten Amerikaner lieben das "good old europe", und es ist ihnen dabei egal, ob sie vor einem originalen oder rekonstruierten Bauwerk stehen.
    Als ich vor ein paar Jahren amerikanische Verwandtschaft durch [lexicon='Frankfurt am Main'][/lexicon] führte, zeigte ich auf die Skyline der modernen Bürohochhäuser. Doch daran hatten die Amerikaner überhaupt kein Interesse (Zitat: "Davon haben wir zu Hause genug."). Die Fachwerkhäuser des Römerbergs und der Dom hingegen ließen sie sofort die Fotoapparate zücken. So wird es auch mit dem Berliner Schloß gehen - allen politischen Manipulationen (wie sie typisch für den "Stern" sind) zum Trotz.

  • Quote

    Ein Volk, das mehrheitlich Bush gewählt hat und im Jahr 2007 Gefangenenlager in rechtsfreiem Raum betreibt, sollte sich ganz selbstverständlich keine Einmischung in innerstaatliche parlamentarische Beschlüsse erlauben.

    Ich denke das war jetzt mehr als unangemessen. Erstens passt es nicht zu Thema wen die Amerikaner wählen und wie ihre Regierung handelt und zweitens mischt sich doch niemand ein.
    Außerdem ist schwer zu beurteilen wer in Gelächter ausgebrochen ist. Selbst wenn es alle waren heisst das noch lange nicht das es die Meinung der New Yorker/Amerikaner generell ist.
    Ich finde übrigens das wir von ihrem architektonischem Geschmack durchaus lernen können. Viele Regierungsgebäude in Washington DC sind weder aus Glas oder Strahl, sind demokratisch transparent oder unerträgliche Kuben. Ich denke da als Beispiel an das Reagan Building welches in den 80er Jahren errrichtet wurde. Solche Bauten würden Berlin gut tun.

    "... der Mensch mit den modernen Nerven, braucht das Ornament nicht, er verabscheut es." (Adolf Loos, Ornament und Verbrechen)

    Diese Aussage ist ein Verbrechen

  • In der FAZ war heute wieder ein Artikel, der zur Einbeziehung der Gemäldegalerie ins Schloss auffordert. Langsam wird das eine Kampagne. Hoffebtlich eine erfolgreiche!

    Schon heiter: Jetzt ist im aph sogar Kleihues ein "Gruselarchitekt". Wo doch Papa Kleihues von seinen Berufsgenossenin den 90ern als vermeintlicher "Neocon" scheel angesehen wurde.

  • Quote

    In der FAZ war heute wieder ein Artikel, der zur Einbeziehung der Gemäldegalerie ins Schloss auffordert. Langsam wird das eine Kampagne. Hoffebtlich eine erfolgreiche!

    Hoffen wir, dass diese Stimme der Vernunft zu einem Chor wird, und erhört wird!

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • Chipperfield bei SPIEGEL-ONLINE:

    Quote

    Der britische Stararchitekt David Chipperfield, 54, übt heftige Kritik an den Plänen für die historische Mitte Berlins. [...] Der Architekt, der Mitglied der Jury für den Schloss-Aufbau ist, meint: "Leider hat sich der Bundestag längst festgelegt auf die Rekonstruktion." Chipperfield hält dies für eine unzulässige "Einmischung": "Das ist das eigentliche Ärgernis." [...] Anstelle einer Nachbildung der historischen Fassaden wünscht sich Chipperfield "einen modernen Bau in alten Proportionen". "Bloße Kopien", so der Brite, "können schnell leblos wirken."

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,524840,00.html\r
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 40,00.html

    Architekten sollten sich endlich mal wieder als Dienstleister verstehen, denn als Künstler. Abgehobener Spinner!

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Der Bundestag hat sich festgelegt. Richtig - und gut so. Chipperfield wurde (leider) in die Jury berufen, nun soll er seine Arbeit machen und sich dem Willen des Bauherren fügen!

  • Quote from "lesn"

    Der Bundestag hat sich festgelegt. Richtig - und gut so. Chipperfield wurde (leider) in die Jury berufen, nun soll er seine Arbeit machen und sich dem Willen des Bauherren fügen!


    NEEEIIINNN! Hoffentlich macht er NICHT seine Arbeit. Was dabei rauskommt sehen wir ja momentan am Neuen Museum. Er soll am besten aus der Jury zurücktreten und anderswo die Bevölkerung mit seinen erbärmlichen Bauten quälen. :zwinkern:

  • Ein Stararchitekt hat bei einem Rekonstruktionsprojekt nicht in der Jury zu sitzen, da ihm das benötigte Einfühlungsvermögen für das Projekt fehlt.
    Außerdem ist es nicht die Aufgabe der Jury die Rahmenbedingungen (Bundestagsbeschluss) öffentlich in Frage zu stellen und wenn Chipperfield sich daran partout nicht halten will, hat er verdammt noch mal zu gehen :!:

  • Quote from "Chipperfield bei SPIEGEL-ONLINE:"


    "Leider hat sich der Bundestag längst festgelegt auf die Rekonstruktion." Chipperfield hält dies für eine unzulässige "Einmischung": "Das ist das eigentliche Ärgernis." [...]

    Chipperfields Betätigung in diesem Bereich scheint mir da die wirklich unzulässige Einmischung.
    Dieser Mensch entwickelt sich für die berliner und potsdamer Schlösserlandschaft langsam offenbar zum Microsoft der Architektur.

  • Chipperfield kritisiert Schloss-Pläne - CDU kritisiert Chipperfield
    http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail.php?msg=ddp_1982448850\r
    http://www.berlinonline.de/aktuelles/be ... 1982448850

    Quote

    CDU-Kulturexperte Michael Braun sagte, wenn Chipperfield mit den Vorgaben des Bundestages nicht einverstanden sei, möge er seinen Sitz in der Jury zur Verfügung stellen. »Niemand wird gezwungen, an der Gestaltung der historischen Mitte der deutschen Hauptstadt mitzuwirken, wenn es ihm nicht passt.« Die Vorgaben des Bundestages seien »der bekundete Willen, den Frevel des Abrisses wieder gut zu machen und das historische Berlin zwischen Brandenburger Tor und dem zu errichtenden Stadtschloss wiederherzustellen".

  • Quote from "CDU-Kulturexperte Michael Braun"

    Die Vorgaben des Bundestages seien »der bekundete Willen, den Frevel des Abrisses wieder gut zu machen und das historische Berlin zwischen Brandenburger Tor und dem zu errichtenden Stadtschloss wiederherzustellen".


    :applausgrinsen: :applausueberkopf: :ueberkopfstreichen: :grosshuepfen:

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!