Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Wieviel Schloss kommt ins Berliner Schloss?


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    Nun hat der langjährige Schlossforscher Goerd Peschken in einem gerade erschienenen Aufsatzband der Internationalen Bauakademie Berlin konkrete Räume benannt, die für eine Rekonstruktion in Frage kommen. Seine auch im Gespräch mit dieser Zeitung wiederholten Empfehlungen (s. WELT v. 4. Juli) erscheinen mir allerdings fragwürdig und willkürlich. So lehnt er beispielsweise eine Rekonstruktion des Großen Treppenhauses, eines Höhepunkts Schlüterscher Architektur, ab, obwohl dessen Hoffassade die konsequente Fortsetzung in das Innere hinein geradezu herausfordert. Peschken begründet seine Ablehnung damit, dass die bis auf einige Abgüsse verlorene Stuckplastik nicht wiederherstellbar sei. Denn deren Rekonstruktion müsste in der Tat weitgehend auf der Basis von Fotografien erfolgen, einem Medium, das Peschken für die Rekonstruktion plastischer Arbeiten prinzipiell als unzureichend erscheint.
    Schon 2001 hatte Peschken als Mitglied der Internationalen Expertenkommission diese Haltung bezüglich der Rekonstruktion des Sandsteindekors an den Fassaden vertreten. Nun haben sich dort zwar glücklicherweise von den meisten Elementen Originalfragmente erhalten. Doch gibt es ein dreidimensionales Element, zudem ein eigenwilliges und hochkompliziertes, nämlich den Stierschädel in der Fensterbekrönung des ersten Obergeschosses, dessen Prototyp ebenfalls nicht mehr auf der Basis eines originalen Rests geformt werden konnte, sondern allein mit Hilfe ausgezeichneten Bildmaterials. Das Architekturbüro Stuhlemmer, das nicht nur die Rekonstruktion der Architektur durchführt, sondern auch die der Bauplastik vorbereitet und organisiert, hat hier zusammen mit dem Bildhauer Matthias Körner überzeugend unter Beweis gestellt, zu welchen Leistungen unsere Zeit bei entsprechend seriöser Planung imstande ist. Dies hat sogar Peschken anerkannt. Es wäre ein Anlass, seine ursprüngliche Meinung zu revidieren.
    Mit demselben Argument, figurale Stuckplastik sei nicht auf der Grundlage von Fotografien rekonstruierbar, lehnt Peschken auch die Wiederherstellung der barocken Paradekammern aus der Zeit Friedrichs I. ab, also der wichtigsten Raumfolge des Berliner Schlosses. Dabei muss man zugestehen, dass die überreichen und raffinierten Formerfindungen Schlüters, die zu den herausragenden Innendekorationen ihrer Zeit gehören, jeglichen leichtfertigen Umgang verbieten und ihre Rekonstruktion eine enorme Anstrengung geistiger und materieller Kräfte voraussetzen würde. Grundsätzlich ausschließen darf man sie dennoch nicht. Doch selbst ohne diese Stuckaturen verbietet es sich, die Räume einer modernen Nutzung preiszugeben.
    Im Rittersaal etwa, dem Mittelpunkt der Suite, wurde über ein komplexes Programm der Ausstattung diejenige Idee visualisiert, die den Umbau des Schlosses durch Schlüter entscheidend motiviert hatte, nämlich die Erlangung der preußischen Königswürde. Hier fand die Formensprache der Außenfassaden ihre inhaltliche Entsprechung. Zur Veranschaulichung dieser Idee trugen nicht allein die Stuckaturen bei, sondern in weit größerem Ausmaße das Deckengemälde. Auf ihm wird die segensreiche Wirkung der Königskrönung für das Gedeihen der Künste und Wissenschaften illustriert, also ein Thema intoniert, in dessen Tradition heute das Humboldt-Forum steht. Der geistesgeschichtlichen Relevanz dieser Gemälde war man sich im letzten Krieg bewusst, so dass 1942/43 Sätze von Farbdiapositiven angefertigt wurden, um sie im Falle der erwarteten Zerstörung bei Luftangriffen später wiederherstellen zu können. Andernorts ging man ähnlich vor, und in den kriegszerstörten Schlössern in Charlottenburg, München, Bruchsal oder Mannheim hat man inzwischen zahlreiche Deckengemälde mit Hilfe solcher Farbdias wieder erschaffen.
    Außerdem haben sich aus dem Berliner Schloss noch zahlreiche Ausstattungsgegenstände wie Möbel und Gemälde erhalten, die heute auf die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie die Berliner Museen verteilt sind, darunter so bedeutende Kunstwerke wie Gottfried Schadows Prinzessinnengruppe, Caspar David Friedrichs "Mönch am Meer" oder David Roentgens Neuwieder Kabinett.


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    Bislang wurde noch nicht einmal im Ansatz der Versuch unternommen, sich einen systematischen Überblick über die erhaltenen Bestände zu verschaffen. Wer bei den vergleichbaren Wiederaufbauprojekten in Warschau und Vilnius beobachtet, welche Energien auf die Suche nach den Resten der einstigen Innenausstattung verwendet wurden, um sie wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückzuführen, ist schon ein wenig erstaunt darüber, wie wenig Interesse man in Berlin dem glücklich geborgenen Inventar entgegenbringt.


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    Ein gutes Beispiel ist das prächtige barocke Silberbuffet, das heute in Schloss Köpenick ausgestellt ist und das Friedrich III. 1698, wiederum im Hinblick auf seine Rangerhöhung, in Augsburg bestellt hatte. Es bedeckte eine Schmalwand des Rittersaals. Gerade weil es von jeder Generation als sinnfälliger Ausdruck der preußischen Königswürde angesehen wurde, entging es in allen Not- und Kriegszeiten den üblichen Einschmelzungen. Die Sowjetunion hatte es 1945 als Kriegsbeute genommen, gab es jedoch 1958 an die DDR zurück. So könnte man sich in einem ersten Schritt durchaus vorstellen, in der nackten Kubatur des Rittersaals allein dieses Silberbuffet wieder angemessen zu präsentieren. Und auch in anderen Räumen ließe sich mit Hilfe von erhaltener Ausstattung eine Ahnung des ursprünglichen Eindrucks wiedergewinnen, etwa in der weiter westlich gelegenen Galerie, die zuletzt mit barocken Wandteppichen aus der Zeit des Großen Kurfürsten ausgestattet war, die sich heute wenig beachtet in Oranienburg befinden.


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    Die nun bevorstehende Errichtung des Humboldt-Forums im Berliner Schloss muss ein Anstoß werden, die bisherige Forschung zu den Innenräumen, ihrer historischen Ausstattung und ihrer Nutzung zu intensivieren. Ein "Schaufenster des Weltwissens", das ein mangelndes Verständnis für die eigene Geschichte und Kultur an diesem Ort offenbart, wäre wenig überzeugend.


    http://www.welt.de/welt_print/article1094892/Wieviel_Schloss_kommt_ins_Berliner_Schloss.html\r
    http://www.welt.de/welt_print/article10 ... hloss.html

  • Schweizer will eine halbe Milliarde investieren :verrueckteaugengelb:


    Er will das erste Öko-Schloss der Republik bauen - ein Stadtschloss im Herzen Berlins, das sich selbst mit Strom versorgt. Und nicht nur das: Rechtsanwalt Waldmann möchte das historische Hohenzollernschloss mit Hilfe eines Schweizer Unternehmers wieder entstehen lassen. Dafür soll ein Antrag im Bundestag eingereicht werden.


    http://www.morgenpost.de/desk/1129906.html\r
    http://www.morgenpost.de/desk/1129906.html


    Jetzt bin ich aber sprachlos....

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    Das Konzept ist relativ einfach: Der Investor bezahlt Grundstück und Bau. Dafür entstehen ein Hotel Preußen und hochwertige Büros, Apartments und Geschäfte, die der Investor vermarktet.


    Würde er noch ein Museum integrieren, gäbe es tatsächlich eine ernstzunehmende Alternative zu Boddien.

  • weshalb aber den zweiten Turm???????????????das ist doch unsinn!! :!:
    und ist ein Kommerzielles Schloss in Brauschweig nicht genug? ich meine berliner stadtschloss mit geschaeften: nein, danke 8)

  • Vor allem, was heißt "ein zweiter Turm"? Es gibt doch nicht mal einen ersten...Oder meint der die Kuppel (habe den Artikel noch nicht ganz gelesen)?

  • Aber was würde denn dagegen sprechen ? Der Entwurf von Boddien sieht für die Seite eine altmoderne Front vor ! Dann nehme ich lieber ein einheitlich barockes Schloß mit einer zweiten Kuppel an der Ostseite ! Daß der vorbarocke Teil rekonstruiert wird, glaube ich eigentlich nicht. Er wirkt zusammengenommen mit dem Rest als Mischmasch von Stilen nicht besonders ästhetisch.

  • Die zweite Kuppel soll als Verkleinerung der Ersten dorthin, wo bis zur Sprengung 1950 noch der vorbarocke Lynar- und Nehringsche Querbau stand. Dieser war in soweit Kuriosum, als daß er während der Barockerweiterung durch Schlüter überformt/abgerissen werden sollte, was aber in der Folge durch Machtwechsel an der Spitze des Staats und Mangel an Geld dann nicht geschah.
    Die Waldmann Initiative hat diesen in der Planung gestrichen und will dort einen baroken Quertrakt samt zweiter Kuppel hinstellen. Ich nehme an über Teilspiegelung der Fassade.


    Bei der Variante Waldmann ist auf jeden Fall Kommerz Hauptanliegen und Kultur Feigenblatt ( Stichwort 'Schlossvitrine' ).

  • Quote from "van Dyk"

    weshalb aber den zweiten Turm???????????????das ist doch unsinn!! :!:
    und ist ein Kommerzielles Schloss in Brauschweig nicht genug? ich meine berliner stadtschloss mit geschaeften: nein, danke 8)


    Sehe ich auch so - bitte nicht noch ein Kaufschloß!


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    Über die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) wollte er damals eine Initiative für das Schloss starten, doch der damalige Senator Peter Strieder habe das abgelehnt.


    Was ist eigentlich aus dem Strieder geworden? Hat man den endlich aus der Stadt gejagt? Er war doch immer ein ziemlich nerviger Schloßgegner, nur Peter Conradi (MdB, BdA usw.) war noch schlimmer....

  • Der PR-Berater der Waldmann-Aktion sollte übrigens für die CDU-OB im Süd-Westen werden. Jetzt ist kurz vor der Wahl herausgekommen, daß sein theologischer Doktortitel ein Phantasieprodukt ist. Nur so als flankierende Anekdote....


    Eine einzige Windbeutelei, diese Aktion. "Bin i jetz im Färnsähn?!"

  • Matinee: "Das Berliner Schloss im Film"


    Die BERLINER MORGENPOST schreibt:


    "Das Zeughauskino lädt an diesem Sonntag (11, 14.30 und 17 Uhr) zu Sondervorstellungen "Das Berliner Schloss im Film" ein.
    Bei der ersten Veranstaltung dieser Art am 1. Juli war der Andrang so groß, dass sich die Veranstalter zu Wiederholungen entschlossen haben.
    Zu sehen sind zum Teil bisher selten gezeigte Filme und Filmausschnitte aus 40 Jahren zum Thema Berliner Stadtschloss von der Kaiserzeit bis
    zum Abriss der Ruine 1950, die auch kultur- und filmhistorisch eingeleitet werden."


    http://www.morgenpost.de/conte…/09/01/berlin/919029.html

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/berlin/687279.html\r
    http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... 87279.html


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    Doch kein historisches Stadtschloss?


    Ausschreibung für Architektenwettbewerb erlaubt weitreichende Abweichung vom Original / Debatte um Wiederaufbau des Barock-Baus in Berlins Mitte neu entflammt


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    Berlin bekommt möglicherweise doch keinen originalgetreuen Nachbau des Stadtschlosses zurück. Vor dem Beginn des internationalen Architektenwettbewerbs erklärte der für die Ausschreibung zuständige Staatssekretär im Bundesbauministerium, Engelbert Lütke-Daldrup, dass der geplante Neubau auf dem Schlossplatz lediglich "unter Berücksichtigung der historischen Fassaden" wiederentstehen soll. Damit wird der Wiederaufbau der historischen Fassaden nicht zwingend vorgeschrieben.


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    Zwar stützt sich auch Lütke-Daldrup auf die Beschlüsse des Bundestags. Doch seine Formulierung, wonach der Neubau lediglich "unter Berücksichtigung der historischen Fassaden" errichtet werden soll, geht auf ein eher unverbindliches Votum des Parlaments von November 2003 zurück. Werden auch die Wettbewerbsvorgaben so unverbindlich formuliert, seien "zu 90 Prozent Entwürfe mit einer modernen Architektur" zu erwarten, heißt es in Kreisen des Bundes.


    Ähnlich sieht es auch Lütke-Daldrup: "Ich denke, wir werden im Wettbewerb eine Spannbreite von Entwürfen bekommen, vom denkmalpflegerischen Purismus bis zur Teilrekonstruktion", sagte er in einem Interview mit dem Deutschen Architektenblatt.Einige Architekten würden die Fassaden mehr als historische Teile betrachten, die in ein komplett neues Haus integriert würden.


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    Handelt es sich hierbei nur um Panikmache oder ist die Schlossrekonstruktion (Fassaden) wirklich in Gefahr :?:

  • Ich denke, daß sie es eben auf allen Ebenen versuchen, Rekonstruktionsprojekte zu untergraben, zu behindern und zu verhindern. Das geschieht, wenn schon nicht die üblichen ideologischen Argumente mehr greifen, durch zwei Methoden. Entweder indem man 50er-Jahre-Gebäude unter Denkmalschutz stellt, die als Platzhalter am Bauplatz einer möglichen Rekonstruktion stehen. Da dann nicht mehr so einfach abgerissen werden kann, wird die Rekonstruktion verhindert. Oder aber man macht es über Gummiformulierungen, die die Rekonstruktionsbefürworter in sanften Schlummer versetzen, aber Spielraum für spätere Überraschungen lassen. Aus diesem Grund rate ich auch hinsichtlich der Frankfurter Altstadt wachsam zu bleiben. Hier lauern noch zahlreiche "Tretminen".

  • @Heimdal. Warum sind Leute überhaupt gegen eine Reko des Schlosses?


    Es ist doch klar das in der Mitte ein historisch genaue Reko, geanu wie bei der Frauenkirche der Fall ist, unglaublich viele Menschen aus aller Welt anziehen könnte?


    Ein Reko des ehemalige Schlosses bietet doch einen Gegenwicht/ Mehrwert in der von moderne Bauten belegt Mitte?


    Touristen usw. sehnen doch nach schöne Fassaden? Welche Fassade passt da besser ausser das Schloss??


    Kurz: wurum ist man gegen eine Reko des Schlosses?? Welche Argumenten gibt es eigentlich dagegen?

  • Ich glaub nicht das der Bund 400 Millionen für Kistenarchitektur ausgibt.
    Tiefensee will die neue alte Mitte mit dem historischen Schloß.

  • wie soll man denn da vernüftig spenden sammeln, wenn man immer noch nich weiss, ob es mit historischer fassade kommt oder nicht?