Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Wie ganz anders eine in der Steinwahl homogene Fassade wirkt, kann man an sehr vielen Beispielen (Dresdner Zwinger, Würzburger Residenz) sehen. Spontan fällt mir auch der Petit Trianon in Versailles ein, der zudem den Vorteil hat, dass man durch die Dachbalustrade den Himmel sehen kann - ein Effekt, der in Berlin leider auch nur noch bedingt gegeben ist.


    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Auch ich empfinde die verschiedenen Steinfarben an den Fassaden etwas störend. Das war doch früher nicht so krass oder es wurde abgemildert, z. B. durch Schlämmungen. Habe ich mal irgendwo gelesen. Oder soll dies den berühmt berüchtigten ,, Bruch'' darstellen?

    Ebenso die fleckigen Figuren oder sehr stark gemaserten Säulen. Wäre es nicht möglich gewesen, die entsprechende Säulentrommel beim Einbau so zu drehen, das eine gleichmäßige Steinsichtigkeit entsteht? So schaut man unwillkürlich auf die ,,gemusterte'' Trommel. Sicher war im ursprünglichen Schloß auch nicht alles i. O. und wunderschön, das ist mir schon bewußt. Doch man könnte ja auch mal Ästhet sein ....

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Hallo Community,

    ich möcht Euch ein kleines Foto zeigen vom Abriss Berliner Schloß. Einer der Leute auf diesem Bild ist mein Vater. Der Mann in der Mitte der seine Arme verschränkt, mit Mütze.

    Und ich weiß das all diese Arbeiter unglücklich waren.

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    gesäubert


  • Darstellung des Schlosses in der Regentschaft von Joachim ll. ( 1505 - 1571 ). Baumeister zu dieser Zeit ab 1540, waren Caspar Theiss und Kunz Buntschuh. Umgestaltung der ältesten Teile im Stil der deutschen Frührenaissance.




    Ansicht des ll. Schlosshofs





    Schlossansicht vor dem Umbau durch Andreas Schlüter


  • Kommt diese runde Ecke noch aus der Zeit?

    Sah es wirklich mal so aus oder waren das Entwürfe?


    Diese runde Ecke hat NIE?! links ein Pendant bekommen auch nicht in der Barockzeit, oder?


    Wurde eigentlich das Schloss immer mit Einbezug der Innenräume umgebaut? Also drum herum sozusagen? Was war also eigentlich der älteste Raum innen?

    Vermutlich einer zur Spreeseite hin?!

  • Ganz spannend finde ich, dass es in Schloss Charlottenburg eine Reminiszenz an das Berliner Schloss gibt von der sicher nicht viele Wissen.


    Es gibt goldfarbene Türgriffe an einer Glastür die Elemente der Schlossfassade aufgreifen.


    Berliner Schloss


    Berliner Schloss

  • Die Ecke ist noch aus dieser Zeit, das Schloss sah so aus, die Runde Ecke hätte ursprünglich ein Pendant bekommen (siehe hier, die Planungen von Schlütter), ob dieses aber noch barock umgestaltet wurde, müsste hier jemand anderes beantworten. Nach den Erweiterungen durch Eosander wurde das Rondell zumindest wohl abgetragen. Soweit ich weiß, gehen beispielsweise die unregelmäßigen Fensterabstände darauf zurück, dass die Innenräume nur ummantelt wurden. Den rest weiß ich nicht.

  • Ja, der Madama in Rom war definitiv das Vorbild! Das ist bekannt.


    Interessant ist, dass es in Turin ebenfalls einen Palazzo Madama gibt, der dem Schlüterhof und den Schlossplatz-Fassaden in der Formensprache ausgesprochen ähnlich sieht (ich wüsste kein Barockbauwerk, das eine so große Ähnlichkeit zum Berliner Schloss hat). Während das Berliner Schloss in den Jahren 1699-1706 von Schlüter umgestaltet wurde, wurde der Barockflügel des Turiner Madama in den Jahren 1718-1721 erbaut. Ob die Architektur Schlüters das Vorbild dafür war?? Das habe ich mich schon öfters gefragt, aber in der Literatur noch nirgends eine Antwort bekommen.


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    Palazzo Madama, Turin

    (Wikipedia: Von Andbog - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51936333)

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Der Palazzo Madama hat auch insofern eine große Ähnlichkeit, als der Mittelrisalit ursprünglich gleichfalls unverglast geplant war.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Könnt Ihr mir ein gutes Programm empfehlen, um historische Fotos zu kolorieren? Vielen Dank!

    Wissen allein bringt nichts. Nur das angewandte Wissen verändert die Dinge.


  • Bilder wurden von mir gemacht (c) Bodoro

    Bin ich eigentlich der Einzige der das Gefühl hat, dass oben auf dem Schlüterhof noch etwas fehlt?

    Von meinem Eindruck her, müssten da noch Figuren, oder Vasen obenauf um die Fassade noch mehr nach "höherem" streben zu lassen.
    Mir ist natürlich klar, dass der Schlüterhof so fertig rekonstruiert ist, aber war das so gedacht?

  • Schlüters Fassaden und auch Eosanders Lustgartenseite waren mit Figuren besetzt, nicht jedoch Portal III und der stadtseitige Anbau von Böhme, die unter FW I vollendet wurden und folglich sparsamer ausfielen. Zu Beginn des 19. Jh. wurden alle Figuren wegen Absturzgefahr abgenommen. Ab ca. 1850 erfolgte unter FW IV die Erstbestückung des Eosanderportals (etwa zeitgleich mit den Kuppelfiguren), dann unter W I der Besatz für die Lusgartenseite und unter F III und W II die Ausschmückung der Südseite, die sich aber jeweils fast nur auf die Außenseiten der Risalite beschränkte. Im Innenhof sind die Figuren leider nicht mehr ersetzt worden.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Lieber Seinsheim,

    denkst du aber bitte noch daran, Herrn von Boddien wenigstens um die von mir gewünschte Wiederaufstellung des kleinen Windmessers auf dem hofseitigen Portal V nachzufragen? Das ist ganz wichtig. Erst dann ist für mich das Berliner Schloss äußerlich vollendet...... :wink:

  • Schlüters Fassaden und auch Eosanders Lustgartenseite waren mit Figuren besetzt,[...]

    In dieser alten Ansicht von ca. 1750 (Thomas Bowles) ist ersteres recht schön festgehalten:


    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • wenn ich mich recht erinnere, ist nicht sichergestellt, ob es Figuren in dieser Fülle gab - die Darstellung ist sehr idealisiert