Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Liebe FAZ, es wird so lange "Rekonstruktionswellen" geben, wie "zeitgenössische Architekten" weiterhin nichts anderes als schmucklose Klötze hervorbringen.

  • Plumpes Austauschen wird abgegrenzt von differenziertem Austauschen.

    Heißt: Maximalforderungen und Maximalkritik = plump

    Und das kommt in den besten Familien vor.

  • Das ZDF beschäftigt sich in einer Dokumentation am 03.01.2021 mit dem Berliner Stadtschloss. Der Titel lautet: "Prunk, Protz, Preußen". Die Reportage kommt am 03.01.2020 um 17.55 Uhr. Bereits ab 09.00 Uhr kann diese Dokumentation in der ZDF-Mediathek abgerufen werden.


    https://www.presseportal.de/pm/7840/4800965

    (Quelle: Presseportal.de, 29.12.2020)

  • "Prunk und Protz"? Angesichts dieses Titels könnte man eigentlich glauben es ginge um eine neue Folge aus dem Leben der "Geissens", und nicht um das bedeutendste Kulturprojekt der Gegenwart und die bauliche Heilung der Mitte der deutschen Hauptstadt. :kopfschuetteln:

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Ich konnte es nicht lassen und habe bereits vor Ausstrahlung in der ZDF Mediathek mir die obengenannte Reportage angeschaut.


    Das ZDF hat eine nüchterne und sachliche Reportage über das Berliner Stadtschloss (HuF) ausgestrahlt. Bei der Reportage war ich erstaunt, das auch einige jüngere Bürgerinnen und Bürger so positiv das Schloss gelobt haben. Es gab sicher auch kritische Stimmen, hier ist Gregor Gysi (die Linke) zu erwähnen aber man möchte ja beide Meinungen zeigen.


    Es gabe einige beeindruckende Luftbilder Kuppel, Kreuz, Dachterrasse) und auch schöne Bilder aus dem Schlüterhof. Auch sah man in einem kurzen Ausschnitt den Schloßplatz. Dieser Ausschnitt ist soweit interessant da man hier die großen Löcher für das Denkmal- für Einheit und Freiheit gesehen hat. In meinen Augen ist die Mitte des Sockel zerstört.


    In einem weiteren Abschnitt der Reportage geht es auch um die Ausstellungen die mal im Stadtschloss (HuF) gezeigt werden sollen. Dort geht man auf die Ausstellung Berlins ein aber auch auf einige seltene Stücke, wie die Tür des Tresor das im Stadtschloss ausgestellt ist oder eine begehbare Diskokugel.


    Für mich kann ich sagen eine sachliche, ausgewogene Reportage des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).


  • Der Schwung der Skulpturen am Großen Risaliten im Schlüterhof nach dem schönen Bild von Seinsheim, das man vielleicht im entsprechenden Strang zum vergleichenden Betrachten vergrößert aufsuchen sollte.


    Acht Figuren Schlüters, jede über drei Meter groß, viele als Kopien der noch original erhaltenen, erheben sich im Schlüterhof auf ihren Postamenten am sog. Portal VI, dem Großen Risaliten, davon sechs frontal zum Hof, und zwei, die Pax, die Allegorie des Friedens, und die Borussia mit den königlichen Insignien, die Allegorie Preußens, auf den Schmalseiten links und rechts der Hauptfassade des Risaliten. Fast zierlich wirken die mächtigen Figuren vor der feingegliederten Fassade.


    Diese lebendige Wirkung will ich untersuchen.


    Wir schreiten, den Blick auf die Figuren vom Pflaster des Hofes aus gerichtet, Schritt für Schritt und beginnen am Innenportal I, so wie sie jeder Besucher zweihundertfünfzig Jahre lang hat erleben können, wenn er das Portal I, als Hauptzugang benützte.


    Mit erhobener Hand begrüßt ihn als erste Figur Pax, der Friede, an der seitlichen Schmalfläche ihm ganz zugewandt. Die erste der sechs zentralen Skulpturen ist der Götterbote Hermes. Er zeigt sich mit ebenfalls erhobenem Arm in einer eigenartig spiralförmigen, sehr barocken Bewegung und mit leicht geneigten Kopf vom Betrachter aus nach links hin zu den weiteren Figuren. Damit leitet seine Bewegung von Pax graziös hinüber zu den anderen Göttern und Helden: Er ist der Götterbote, der hier den Frieden vermittelt.


    Er scheint hinüber zu Herakles zu tänzeln, dem Halbgott mit Löwenfell und Keule. Dieser ist hoch aufgerichtet, sein Gewicht ruht ganz auf seinem rechten Bein, sein linkes Bein scheint Schwung zu nehmen, um den Körper kraftvoll nach rechts zu drehen - vom Betrachter aus nach links - in Richtung der anderen Figuren, auf die sein Haupt und Blick bereits gerichtet sind. Die Keule ruht fast lässig auf der Schulter und weist dabei in dieselbe Richtung wie sein Blick, und ebenso wie der rechte Arm und die rechte Hand des Helden, das Löwenfell locker hochgezogen.


    Ein kurzer Blick auf alle sechs: Alle haben ihr Gewicht auf ihr rechtes Bein als Standbein gelegt, der Körperachse, die den Schwung der Hüfte, aber auch den des des linken Beines bestimmt. Diese Übereinstimmung gibt den sechs Gestalten insgesamt Ruhe und Festigkeit, auch dadurch, dass der Winkel der sechs Standbeine zur Standfläche und damit auch hinunter zum Boden des Hofes bei allen fast übereinstimmt. Gleichzeitig weist dieser Winkel aber auch wieder vorwärts in die Richtung des Innenportals V, die der Besucher abschreitet, in die Hermes und Herakles blicken und in die bei allen der Schwung des linken Beines den Körper um die Achse des Standbeines drehen würde.


    Meleager, der große Jäger, ist die dritte Figur: Er scheint sich dem weiteren Weg entgegenzustellen. Sein Blick geht zurück - wie die Reprise in einem Musikstück - zu Herakles, dessen Keule auf Meleagers Haupt zu zeigen scheint. Sein Gesicht ist dem Halbgott zugewandt, von vorne nur als Profil zu sehen - so führen die beiden in Augenhöhe offenbar ein stilles Gespräch, die Dramatik des spannungsreichen Herakles scheint in der aufrechten Haltung Meleagers zur Ruhe zu kommen. Ja, selbst das Standbein des Helden scheint fast gestreckt, wodurch nicht nur Spannung zu Herakles entsteht, sondern auch zu allen übrigen Figuren. Nur der Kopf des Wildschweins, den Meleager in Hüfthöhe mit der linken Hand hält, weicht von der Statik der fast gerade stehenden Gestalt ab und nimmt die Bewegungsrichtung der anderen Figuren deutlich wieder auf, verschiebt die fast symmetrische Statik Meleagers nach links in die Bewegungsrichtung und schafft so einen spannungsreichen Bezug.


    Steht Meleager als ein Sinnbild der Kraft auf der rechten Seite des kleinen Balkons unter dem Bogen des Großen Haupt- und Mittelfensters, so steht auf der linken Seite Antinous als eine Allegorie des Schönen. Es besteht eine gewisse Symmetrie zu Meleager: Antinous’ Kopf ist nach links gewandt, der Meleagers nach rechts. Nur der Eberkopf Meleagers und der abgewinkelte Arm des Antinous zeigen in dieselbe Richtung nach links. Ebenso der Winkel seines Standbeins.


    Verfolgt man die angedeuteten Drehungen dieser vier Figuren, so wirken die unterschiedliche Intensität der Drehungen und Stellungen bei insgesamt gleicher Hauptrichtung nicht nur als Vielfalt, sondern fast filmhaft tänzerisch. Davon scheint nun Poseidon als nächste Figur deutlich abzuweichen: Als Einziger blickt er aus der Fassadenfläche heraus, dabei das Haupt sogar etwas nach rechts geneigt, also in die Gegenrichtung der Hauptbewegung. Sieht man nur seinen sehr aufgerichteten Oberkörper und den leicht nach rechts gewinkelten linken Arm, der unter seinem Gewand hervortritt, so ist die Gegenbewegung sehr deutlich, der aufrechte Oberkörper aber strahlt Ruhe aus. In Poseidon kommt die Bewegung zur Ruhe, nur der leicht erhoben abgewinkelte rechte Unterarm weist wie auch seine Hüfte nach links. Poseidon ist die vorletzte Figur der sechs Figuren auf der Hauptfläche der Fassade: Die Ruhe, die hier eintritt, erinnert mich an die Retardation des klassischen Dramas, der Ruhe vor dem Sturm, aber ebenso an die retardierenden Momente in der Musik vor dem Großen Finale. In göttlicher Ruhe steht er da, der Bruder des Zeus oder Jupiter, seine aufrechte Gestalt hat wohl dazu geführt, dass Poseidon hier immer wieder auch als Jupiter gedeutet wurde. Der aber bekämpft über der Gigantentreppe im Inneren des Risaliten in der Gigantomachie die Giganten.


    Die Ruhe Poseidons führt dennoch mit einer lässigen Bewegung seiner rechten Hand hinüber zum Höhepunkt der bewegten Reihe - zu Apollo, dem Gott der Künste. Er, auf dem Podest vor der Ecke, in sehr eleganter Stellung noch höher aufgerichtet, leitet schwungvoll mit Haupt und Arm hinüber zur Schmalseite mit Borussia, der Allegorie Preußens. Ihr Haupt fängt den Blick Apollos auf, und sie - nahezu eine Kopie vom Grab der Mathilde von Tuszien von Bernini im Petersdom - weist dem Betrachter stolz die Herrschaftsinsignien der preußischen Könige. Die Reihe der Statuen auf der Frontseite leitet also in großem Bogen vom Frieden hinüber zur Allegorie des Preußischen Staates und imaginiert ein Friedensreich: nicht zu unrecht, König Friedrich I. in Preußen, der Krumme Fritz, wie die Untertanen ihn nannten, hat während seiner Herrschaft keinen Krieg angefangen.


    Die klassische Ruhe in der Bewegung erreicht Schlüter zudem durch die jeweils paarweise Zuordnung der Skulpturen. Hermes und Apollo leiten an den Ecksäulen hinüber zu den Schmalseiten. Paarweise zugeordnet sind jeweils die vier inneren Figuren: Herakles und Meleager stehen Auge in Auge, Meleager und Antinous sind unter dem Mittelbogen voneinander abgewandt, und doch durch Körperhaltungen miteinander verbunden. Antinous und Poseidon verbindet die Kopfhaltung und trennt eine gewisse Unverbindlichkeit in der Körperhaltung. Pax und Borussia verbindet dieselbe Position an den Schmalseiten sowie der Bogen der Figuren. So entsteht ein beziehungsreiches Miteinander, das voller Spannungen ist.


    Die Architektur des Großen Risaliten ist kristallklar und in der skelettartigen Ordnung sehr streng. Vor dieser Klarheit und Strenge, die freilich durch formalen Reichtum bereits in sich gelockert erscheint, bewegen sich nun die Steinfiguren. Ihre Mächtigkeit und Kraft erhält durch die beziehungsreichen Zuordnungen und durch Spannungen und tänzerische Bewegtheit eine filigrane Gesamtwirkung und verleiht der Fassade eine wunderbare Anmut. Diese wiederum macht den Schlüterhof zu einem der schönsten Innenhöfe nicht nur des norddeutschen Barock.


    Für mich nun in der Rekonstruktion ein unfassbares Geschenk!

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • stadtbild-deutschland.org/foru…ry/index.php?image/32801/

    The Berliner Stadtschloss. View of the palace facade from the palace bridge, 1886. Artist: Ziller, Hermann (1843-1915)


    Ich bin auf dieses historische Bild gestoßen und frage mich ob das nicht auch eine schöne Platzgestaltung gewesen wäre, wenn man schon die Kollonaden oder das Kaiser-Wilhelm-Denkmal nicht wieder rekonstruieren möchte. Deutlich stimmiger und ästhetischer wäre diese Fassung meiner Meinung nach jedenfalls als die banale Einheitswippe.

    :dichter: Erst gestalten wir unsere Städte, dann gestalten die Städte unsere Gesellschaft :dichter:
    :opa: Aus Plattenbauten ist selten Gutes hervorgegangen :opa:

  • Ach Gott, ist der "Standard" jetzt doch so weit unten, dass er sich seine Artikel aus "baunetz.de" holen muss (15.12.2020)?


    Inhaltlich das übliche Schlossbashing, nebenbei wird auch noch Schinkels Bauakademie aufgewischt und am Ende der geradezu verzweifelte Schlusssatz: "Architektur kann, nein muss mehr können als Rekonstruktion! " - heute eben leider nicht.

  • Kann man nicht wirklich ernst nehmen, vor allem die Kommentare nicht. Wer immer noch vom originalen Portal IV im Staatsratsgebäude spricht, den Palast der Republik als (kunst-)historisch wertvoller bezeichnet oder denkt das Schloss sei ein neobarocker Bau aus der Kaiserzeit, der hat in der Thematik doch nichts vernünftiges zu melden, oder?

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Ihr seid da etwas übereifrig in Eurem Urteil, der Artikel meidet recht geschickt sich auf eine Seite zu schlagen. Die meiste Kritik kommt eher aus der Richtung, das Neue wurde stümperhaft ergänzt. Und dass nach dieser prominenten Rekonstruktion, nicht gleich die nächste folgen muss in der Nachbarschaft, halte ich für keine verurteilenswerte Position.

  • Und dass nach dieser prominenten Rekonstruktion, nicht gleich die nächste folgen muss in der Nachbarschaft, halte ich für keine verurteilenswerte Position.

    Warum?


    Oder gilt das auch für modernistische Flachdachblöcke, auf welche stets nicht gleich der nächste in der Nachbarschaft folgen sollte?

  • Warum?


    Oder gilt das auch für modernistische Flachdachblöcke, auf welche stets nicht gleich der nächste in der Nachbarschaft folgen sollte?

    Ganz genau, darum gehts, um ein abwechslungsreiches Bild, alles in Kuben (am besten ewig weit auseinander) ist genauso öde und verschafft keine Wirkung und im Gegensatz zum Schloss, dass Beziehungen zur Brücke, antiken Erzählungszusammenhängen und Blickachsen hat, sehe ich die Akademie als unabhängigeren Bau.

  • sehe ich die Akademie als unabhängigeren Bau

    Der "unabhängigere Bau" kann gerne an vielen anderen Ecken in Berlin errichtet werden, nicht aber an der Stelle der Bauakademie. Dort sollte nämlich eine Rekonstruktion hin, und von diesen sind aktuell sonst nicht mehr viele projektiert. Im Gegensatz zu "unabhängigeren Bauten".

  • Der "unabhängigere Bau" kann gerne an vielen anderen Ecken in Berlin errichtet werden, nicht aber an der Stelle der Bauakademie. Dort sollte nämlich eine Rekonstruktion hin, und von diesen sind aktuell sonst nicht mehr viele projektiert. Im Gegensatz zu "unabhängigeren Bauten".

    Wenn dem so ist, dass es eine genauso schlüssige Ergänzung ist, wie es das Schloss war, bin ich da ganz dabei. Es sollte aber halt kein Automatismus sein und auf diese Sorge bezog sich der Artikel, wenn er auf die gleichen Entscheidungsstrukturen verweist.

  • Snork

    Changed the title of the thread from “Berliner Stadtschloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte” to “Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte”.
  • Lovis Corinth (1858-1925) ist ein Hauptvertreter des deutschen Impressionismus. 1923 malte er das Bild "Die Schloßfreiheit in Berlin".


    Der Blick geht über den Schinkelplatz in Berlin zum Schloss. Im Vordergrund das Denkmal für Karl Friedrich Schinkel. Rechts ist mit groben grünen Pinselstrichen das Laub eines großen Baumes angedeutet, der damals dort stand. Der weit in den Spreekanal hineinragende Sockel und die Kolonnaden des Nationaldenkmals sind gut zu erkennen. Das Viergespann der Borussia auf dem nördlichen Eckpavillon wird mit diffusen Pinselstrichen nur grob angedeutet. Dahinter erhebt sich die Schlosskuppel, die als architektonische Großform prägnant dargestellt ist. Schwarz heben sich die Figuren auf der Balustrade des Tambours von der Kuppelinschrift ab, die in einem intensiven Blauton die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. Das Kupferdach ist grün. Laterne und Kreuz sind nicht auf dem Bild.



    Das Gemälde gehört zu dem von großer künstlerischer Freiheit gekennzeichneten Spätwerk Corinths. Stilistisch sehe ich hier eine Nähe zu den Stadtansichten von Oskar Kokoschka. Ob Corinth mit dem Bild auf den Sturz der Monarchie im November 1918 und den damit verbundenen Bedeutungswandel des Berliner Schlosses reagiert, wie im Katalog der Alten Nationalgalerie angenommen, ist meines Erachtens offen. Verschiedene Deutungen und Assoziationen sind möglich.


    Das Bild gehört zur Sammlung der Alten Nationalgalerie. Ich habe es noch nie im Original gesehen, da es nicht ausgestellt ist. Es ist auch innerhalb des umfangreichen Gesamtwerks von Lovis Corinth kaum bekannt. Ich fände es schön, wenn man dieses wunderbare Gemälde künftig im Berliner Schloss zeigen würde. Es bringt einen ganz neuen Aspekt in unsere Wahrnehmung des Schlosses und seines Umfeldes ein.


    Bei Wikimedia fand ich noch das folgende Aquarell. Es entstand ebenfalls 1923. Dank der Rekonstruktion des Berliner Schlosses können wir diese Ansicht, die sich schon der Abstraktion nähert, heute wieder ganz gut nachvollziehen. Das Aquarell befindet sich in Privatbesitz. Die beiden Schlossbilder entstanden möglicherweise anlässlich einer Ausstellung von Werken Corinths in der Berliner Nationalgalerie. Seinen Lebensmittelpunkt hatte der Künstler zu jener Zeit am Walchensee in Oberbayern.


    Lovis Corinth, Das Berliner Schloss, Aquarell, 1923, Privatsammlung

  • Danke für diese sehr interessanten Ausführungen. Dieses wunderbare Gemälde gehört dauerhaft in Berlin ausgestellt, jetzt erst recht. Ich würde es ebenfalls gerne mal im Original sehen. Man staunt immer wieder, welche Schätze ins Depot verbannt wurden... Grandios. Aber in der Nationalgalerie fände ich persönlich es besser aufgehoben als im Schloss, da das Schloss ausdrücklich kein Kunstmuseum (zumindest nicht im klassischen Sinne) ist und man es m.E. nicht zu Illustrationszwecken ‚missbrauchen‘ sollte. Aber letztlich egal, Hauptsache es kommt aus dem Kellergeschoss in belichtete und öffentlich zugängliche Räume. Erstaunlich auch die sehr kräftigen Farben des Spruchbandes, die ich zur damaligen Zeit in der Intensität nicht erwartete. Er fertigte übrigens im Jahre 1923 noch Lithografien dieses Motivs an, ebenfalls in seinem späten expressionistischen Stil (leider schweineteuer, um es salopp zu sagen).

  • Das Bild gehört zur Sammlung der Alten Nationalgalerie. Ich habe es noch nie im Original gesehen, da es nicht ausgestellt ist.

    Das geht mir genauso, keine Chance, leider. In einem Museumsführer aus meinem Bestand wird das betr. Bild allerdings der Neuen Nationalgalerie zugerechnet, vermutlich weil es "erst" 1923 gemalt wurde. Die Alte Nationalgalerie hat grundsätzlich viel zu wenig Ausstellungsfläche, der deutsche Impressionismus und insbesondere Max Liebermann sind hier völlig unterrepräsentiert. Abhilfe könnte die sanierte Neue Nationalgalerie und ergänzende der Herzog-de-Meuron-Neubau schaffen, so dass die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts endlich in ihrer Vielfalt angemessen ausgestellt werden könnte. Ob das aber wirklich so kommt weiß ich nicht, aber die entsprechenden Raumkapazitäten gäbe es dann. Es wäre überfällig, die erst von Wilhelm II. und dann von den Nazis geschmähten deutschen Impressionisten angemessen auszustellen. :anbeten:


    P.S. auch dieses wunderbare Berlin-Bild vom Max Liebermann wird bisher nicht ausgestellt.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)