Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Also die letzten Wochen waren in Berlin doch eher bewölkt und nass. Und wenn es dann doch mal sonnig ist, müssten die Trommeln dann auch was abbekommen und nicht im Schatten stehen. Morgen könnte das bei den Temperaturen durchaus passen. Ansonsten könnte ich mir diesen extremen Unterschied auch nicht erklären. Bei den anderen Teilen sieht man die Muster auch nur, wenn sie nass sind.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Wir können hier noch seitenweise spekulieren oder einfach zwei Fakten zur Kenntnis nehmen:
    1.) Einige Säulentrommeln sind noch feucht und trocknen noch über einen erheblichen Zeitraum nach (so auch ein damit befasster Baustellenmitarbeiter, den ich gerade danach fragte).
    2.) Die einzelnen Säulensegmente werden sich hinsichtlich der Färbung und Marmorierung graduell voneinander unterscheiden, allerdings keine harten Kontraste ausbilden (auch dies bestätigt vor Ort).


    So lasset denn Bilder sprechen.




    Aufgesetzt wird "trocken", d. h. ohne Wassereinsatz.


    Säulenpaare rechts - das oberste Segment ist noch keine 12 Stunde drauf, das darunterliegende offensichtlich sehr stark marmoriert.


    Die linke von beiden im Detail, das zentrale Segment marmoriert wie Jupiter.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Einfach mal Geduld haben mit den Steinen!
    Die Natur gleicht im Übrigen bereits in wenigen Jahren so viel aus, dass die meisten Farbspiele kaum mehr auffallen oder nur lebendig wirken. Das wiedererrichtete Schloss ist ja hoffentlich ebenfalls ein Bauwerk für Jahrhunderte.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • Will auch noch meinen Senf dazu geben.


    Zuerst aber einige Fotos von der Lustgartenseite:


    Portal IV von der Box aus gesehen:




    Kapitelldraufsicht:




    Baluster u.a.:





    Die Balustrade zwischen Tor IV und V:











    Arbeiter an der Nordwestseite der Lustgartenfassade:







    Die Plastikrohre verbergen die Eisenstangen, die vielleicht als Führung für die Sandsteinelemente dienen (?):






    Arbeiten an der Westseite, Mezzaningeschoss:









    Eosanderportal:






    Arbeiter bearbeiten vor Ort einen Sandsteinblock:





    Kapitelle am Boden vor dem Eosanderportal:







    Säulenabschlusstrommel vor Portal II:






    Einbringen der Führungsstange für die nächste Trommel:





    vor Ort erkennt man kaum noch den Unterschied zwischen den Trommeln, der Fön braucht nicht zum Einsatz kommen:








    Arbeiten an Portal I:



  • Die Plastikrohre über den Armierungsstäben dienen m.E. als Arbeitsschutz, damit sich die Arbeiter nicht verletzen. Die Eisenstangen werden in gewissen Abständen mit der Betonwand durch Spannhaken verbunden. So ergibt sich eine fortlaufende Arretierung der Ziegelwand mit der Betonwand. So jedenfalls verstehe ich die hier schon geposteten Detailzeichnungen der Wandbefestigung.


    Wieder ein großes Dankeschön an alle fleißigen Schloßfotografen!!!
    Jetzt geht es echt flott voran. An allen Ecken und Enden werden spektakuläre Architekturelemente installiert. Riesensäulen und deren Kapitelle, ... wo und wann wurde das in Deutschland in den letzten Jahren/Jahrzehnten schon getätigt. Man kann die seltene Einzigartigkeit dieses Rekoprojekts nicht genug würdigen!

  • Jetzt geht es echt flott voran. An allen Ecken und Enden werden spektakuläre Architekturelemente installiert. Riesensäulen und deren Kapitelle, ... wo und wann wurde das in Deutschland in den letzten Jahren/Jahrzehnten schon getätigt. Man kann die seltene Einzigartigkeit dieses Rekoprojekts nicht genug würdigen!

    In Braunschweig vor wenigen Jahren war das schon einmal sehr eindrucksvoll:


    http://images.google.de/imgres…OAhUFXhoKHQnTDMIQ9QEIMjAE

  • Da werden einige auf der Autobahn grosse Augen gemacht haben. Wie etwa eine busreisende Schülergruppe, als 2004 die "Gloriosa" (eine Glocke mit 2,50 m Durchmesser) offen auf einem Tieflader von Nördlingen nach Erfurt zurück gebracht wurde.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Zur Zeit Schlüters alles nur mit Pferde- oder Ochsengespannen. Tonnen von Stein hochgewuchtet mit Flaschenzügen und Laufrädern und schierer Kraft. Ein Fehler war verheerend. Aberhunderte schindeten sich, hatten aber auch (hoffentlich) ihr Auskommen. Die Baustelle wimmelte vor Menschen. Die Gerüste mit Stricken gebunden und daher wackelig: Sicher verloren sehr viele ihr Leben oder wurden zum Krüppel (in Versailles wurde auch nachts gearbeitet!). Alle Abeiten von Hand, alle Energie menschlich oder tierisch. Alle Berechnungen, jedes Winkelmaß nur im Kopf, nur auf dem Papier.
    Und schließlich wurde alles rechtzeitig fertig! Und von höchster Qualität.


    Ich empfinde Ehrfurcht! Aber auch Respekt vor den heutigen Handwerkern.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

    Edited 2 times, last by Bentele ().

  • Die Beton/Kunststein Verkleidung unterscheidet sich in natura schon recht deutlich vom Sandstein. Die Helligkeit ist etwa die gleiche aber der Farbton ist deutlich grauer/farbloser und ungesättigter. Man darf den Farben der Webcamdarstellung nicht so ohne Weiteres trauen. ;) Letztens meinte ja auch jemand, man hätte schon angefangen den Runderker zu verputzen weil die Backsteinflächen alle so grau wirkten. Es war aber nur ein Darstellungsfehler.

  • Moderationshinweis: Die themenfremde und die Hinweise der Moderation ignorierende Debatte über Kunst wurde hier entfernt. Die Forumsregeln sind auch in diesem Strang einzuhalten!!

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Die Beton/Kunststein Verkleidung unterscheidet sich in natura schon recht deutlich vom Sandstein. Die Helligkeit ist etwa die gleiche aber der Farbton ist deutlich grauer/farbloser und ungesättigter. Man darf den Farben der Webcamdarstellung nicht so ohne Weiteres trauen. ;) Letztens meinte ja auch jemand, man hätte schon angefangen den Runderker zu verputzen weil die Backsteinflächen alle so grau wirkten. Es war aber nur ein Darstellungsfehler.

    Das ist wirklich sehr schade. Es wäre bestimmt möglich gewesen, diese Beton-Elemente in Sandsteinoptik herzustellen. Man hätte dadurch ein einheitlicheres Bild und eine bessere Verschmelzung von historischer und moderner Fassade erreichen können.

  • Das will keiner campus solis


    " Das ist wirklich sehr schade. Es wäre bestimmt möglich gewesen, diese Beton-Elemente in Sandsteinoptik herzustellen. Man hätte dadurch ein einheitlicheres Bild und eine bessere Verschmelzung von historischer und moderner Fassade erreichen können. "



    sonst hätte man es gemacht :lachen:

  • Eigentlich ist der Farb-und Marerialunterschied zum Sandstein ein grosser Vorteil, fällt doch jedem halbwegs wachen Menschen sofort der modernistische Kasten als Fremdkörper auf. Bloss keine Sympathien mit dem modernistischen Appendix des Schlosses.

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Eigentlich schien mir nach den Entwürfen und Visualisierungen des Stellaschen Spreeflügels dieser immer noch ein einigermaßen gut proportionierter und ruhiger Bau - vor allem wenn ich ihn mit den völlig disproportionierten Entwürfen anderer verglichen habe. Wenn schon ein moderner Bau an der Spree als Voraussetzung, das Schloss überhaupt wieder zu bekommen, sagte ich mir, dann schien mir der Entwurf Stellas als Ersatz des Renaissanceflügels als das kleinste Übel, ja, sogar mit einigen gestalterischen Qualitäten.
    Vor einigen Tagen war ich nun seit über einem Jahr wieder in Berlin und plötzlich entsetzt, wie sehr in der Realität das jetzt fertige Schlütersche Eck-Rondell mit seinen feinen und vielgestaltigen Details von dem weißen Betonbau erschlagen wird. Jetzt wird deutlich: Der Abstand ist viel zu gering, man hätte den alten Abstand des Schloßgärtchens einhalten sollen, die Spreefront ist viel zu hoch. Der geniale Schlüterbau wirkt jetzt für mich bei der mächtigen Nachbarschaft geradezu verloren, fast putzig!
    Vielleicht hat man nach der späten Hinzufügung (späte Spende) des Rondells eine wirkliche neue Anpassung der beiden Bauteile nicht mehr genügend ins Auge gefasst, oder man wollte, am wahrscheinlichsten, für eine wirklich gute Anpassung keinen Raum opfern - ein Jammer!

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

    Edited once, last by Bentele ().

  • Auch ich war diesen Sommer in Berlin und kann die hier allgemein vorherrschende Meinung nicht ohne weiteres bestätigen.
    Das die Ostfassade nicht so wirklich zum Rest des Schlosses passt ist völlig klar. Und wenn man sich das Schloss nur als Einzelgebäude anschaut kann ich auch durchaus verstehen, warum viele dort am liebsten wieder die Renaissance-Fassade sehen würden. Allerdings muss man sich das Gebäude auch im Kontext seiner Umgebung anschauen. Und da zeigt die Ostfassade mmn erst welche Genialität hinter ihr steckt. Ich kann jedem nur empfehlen sich mal auf den Platz zwischen Fernsehturm und Neptunbrunnen zu stellen, denn hier ist mir erst klar geworden warum man sich für diese moderne Lösung entschieden hat: Zwischen Fernsehturm und der Schlossfassade entsteht eine Sichtachse vergleichbar mit der Sichtachse zwischen Siegessäule und dem Brandenburger Tor.
    Leider kann ich meine Theorie aufgrund veralteten Kartenmaterials auf Google Maps nicht nachprüfen, aber ich würde vermuten, dass wenn man die Linie vom Fernsehturm zum Neptunbrunnen in Richtung Schloss verlängern würde genau rechtwinklig in der Mitte der stellaschen Ostfassade landen würde. Und diese Sichtachse hat zumindest meiner Meinung nach einen solchen Mehrwert zu bieten, dass ich der Renaissance-Fassade keine Träne hinterherweine.

  • Die dollste Sichtachse bringt nicht viel, wenn das, auf das man guckt, nicht schön ist (und hier meine ich nicht den Fernsehturm)
    Da hätte sich eine vierte Barockfassade -im Geiste Schlüters- besser angeboten. Der Braunfels-Entwurf hat das schon ganz richtig erkannt, allerdings die Drehung des Schlüterhofs war mir ob der historischen Falschheit schlicht zu derber Tobak und die Seitenflügel überzeugen mich in ihrer Fragilität und Inkonsitenz nicht so recht. Ich hatte hier auch vor einigen Jahren eine Idee für die Spreefassade präsentiert wie ichs besser finden würde, wenn schon nicht die Renaissance-Fassade kommt, die Treppenanlage würde ich heute aber etwas weniger plump gestalten.
    Die Kuppel dürfte perspektivisch auch nicht ganz passen.



    Edited 2 times, last by Kaoru ().

  • Wunderbar! Ja, dieser Fassadenentwurf gefällt mir richtig gut.
    Kaiser Wilhelm II hätte das so bauen sollen und statt dessen auf zwei der Schiffe seiner Hochseeflotte verzichten.
    Schade, schade, schade!

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!