Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • @ Schortschibähr:
    Die Skizzen auf Foto 1 und 2 (bitte anklicken, da der Ausschnitt sonst zu klein ist) meinte ich, als ich von der Möglichkeit sprach, wie Stella unter Einbeziehung von Eosanders Schulterrücklagen seinen Westflügel eleganter in die Hofarchitektur hätte integrieren können. Die dunklen Flächen in Version zwei sollen einen Rücksprung markieren, den ich mir etwa in einer Tiefe von 20-30 cm dachte. Immerhin ließ Stella sich aber dazu überreden, die Öffnungen des obersten Geschosses (wie in beiden Bildern vorgeschlagen) auf die Höhe des barocken Kranzgesimses harabzuziehen. Ursprünglich waren sie höher geplant (Foto 3).

  • Vielen Dank für die Erklärung @Seinsheim.
    Weißt du eigentlich wie man es mit den Vergoldungen halten wird? Werden wieder alle früher vergoldeten Partien vergoldet oder macht man das nur teilweise oder womöglich gar nicht?

  • Vielen Dank für die Erklärung @Seinsheim.
    Weißt du eigentlich wie man es mit den Vergoldungen halten wird? Werden wieder alle früher vergoldeten Partien vergoldet oder macht man das nur teilweise oder womöglich gar nicht?

    Weiß ich leider auch nicht. Auf den Computersimulationen ist ja recht viel vergoldet. Aber ob das Geld dazu reichen wird??

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Ja, ich kenne diese Geschichten vom Münzturm. Aber Schlüters bzw. F. I. Nachfolger hätten es ja trotzdem einen neuen West- bzw. später Mittelflügel bauen (lassen) können. Wobei, im Grunde nachvollziehbar...F.-W. I. hat nichts gebaut, F.d.Gr. hat nur in Potsdam gebaut, F. II. hat sich offenbar auch mit dem Ist-Zustand zufrieden gegeben und sich mit Residenzen für seine Geliebten beschäftigt, F.-W. III. hatte genug mit Napoleon zu tun und war auch eher bescheiden, F-W. IV. war auch eher in Potsdam "unterwegs" und die Kaiser haben sich offenbar äußerlich auch nicht sonderlich mit dem Schloss befasst.


    Naja, wenigstens unter "Wilhelm III." schafft was neues. Zum Barock der Schlüterhofes hat schließlich beides nicht wirklich gepasst.

    Edited once, last by Benni ().

  • Seinsheim meint wahrscheinlich die Ecksituation, wo die Laubengänge auf den modernen Zwischenflügel treffen, oder?



    Quelle: Stiftung Humboldtforum

    Kurzes Statement: Die mordernen Fassaden zeigen im Kontrast doch erst die Schönheit und Historizität des barocken Schlosses. Ich fände auf dem Bild oben eine barocke Fassade links extrem langweilig. Es ist ein Neubau!


    Er hat Esprit und wird einen absoluten Hingucker im neuen Berlin bilden. Ein vollbarockes Schloß fände ich einfach nur spießig und langweilig - eine vertane Chance. Zumal die Innenräume ja modern gestaltet sind.


    Ich kann diese barocke Schloßmanie absolut nicht nachvollziehen. Für mich ist das ein Stück weit Realitätsverleugnung. Gerade durch die modernen Fassaden hat das Schloß eine viel höhere Legitimation, weil es eben nicht bloß Disney-Puppenstube ist, sondern auch einen Gegenwartsbezug erhält und der Geschichte Rechnung trägt.

  • Sagen wir mal so - der Kontrast zwischen Reko und Moderne läßt die Moderne einfach nur langweilig aussehen. Für Fans möglichst vieler Rekos und einer grundsätzlichen Abkehr von der Moderne wie mich die bestmögliche Werbung - viel besser, als es eine reine Reko je könnte.

  • Kurzes Statement: Die mordernen Fassaden zeigen im Kontrast doch erst die Schönheit und Historizität des barocken Schlosses. Ich fände auf dem Bild oben eine barocke Fassade links extrem langweilig. Es ist ein Neubau!
    Er hat Esprit und wird einen absoluten Hingucker im neuen Berlin bilden. Ein vollbarockes Schloß fände ich einfach nur spießig und langweilig - eine vertane Chance. Zumal die Innenräume ja modern gestaltet sind.


    Ich kann diese barocke Schloßmanie absolut nicht nachvollziehen. Für mich ist das ein Stück weit Realitätsverleugnung. Gerade durch die modernen Fassaden hat das Schloß eine viel höhere Legitimation, weil es eben nicht bloß Disney-Puppenstube ist, sondern auch einen Gegenwartsbezug erhält und der Geschichte Rechnung trägt.

    Nun ja, Ihre Meinung beruht auf einem ganz bestimmten Standpunkt, mit dem das Ganze betrachtet wird. Das kann man teilen oder nicht.
    Ich für meinen Teil brauche den gen. Kontrast nicht, um die Schönheit vergangener Stilepochen zu erkennen und gebührend zu bewundern. Im Gegenteil, ich empfinde solche Kontraste i. d. R. als Unruhe stiftend und störend.
    Von meinem Standpunkt aus betrachtet ist es jammerschade, dass Rekonstruktionen oft nur teilweise vollzogen werden und ebenso oft als Disneypuppenstuben o. ä. betitelt werden.
    Der Bruch dürfte und könnte auch auf anderen Wegen wach gehalten werden, auch und gerade dann, wenn es sich um vollständige Rekos handelte.
    Weshalb verleugnet man mit dem Wunsch nach Rekos solch schöner Bauten die Realität?
    Welche Realität denn?
    Realitäten ändern sich und einst wird das Schloss/Humboldt-Forum eine eigene Geschichte haben und die zukünftige Realität Berlins zu einer schöneren machen - zumindest das Stadtbild betreffend.



    Gruß aus Berlin.

  • Kurzes Statement: Die mordernen Fassaden zeigen im Kontrast doch erst die Schönheit und Historizität des barocken Schlosses. Ich fände auf dem Bild oben eine barocke Fassade links extrem langweilig. Es ist ein Neubau!


    Er hat Esprit und wird einen absoluten Hingucker im neuen Berlin bilden. Ein vollbarockes Schloß fände ich einfach nur spießig und langweilig - eine vertane Chance. Zumal die Innenräume ja modern gestaltet sind.


    Ich kann diese barocke Schloßmanie absolut nicht nachvollziehen. Für mich ist das ein Stück weit Realitätsverleugnung. Gerade durch die modernen Fassaden hat das Schloß eine viel höhere Legitimation, weil es eben nicht bloß Disney-Puppenstube ist, sondern auch einen Gegenwartsbezug erhält und der Geschichte Rechnung trägt.

    Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten:


    Entweder, und diese ist mit Sicherheit die zu bevorzugende, wird exakt rekonstruiert oder eben modern gebaut. Auch ich bin gegen Barock, wo es keinen gab. DAS wäre in der Tat Disneyland - ich benutze den verpönten Begriff hier einfach mal.


    Aber genauso wie aus diesem Grund die "Barockmanie" abzulehnen ist, halte ich auch die herrschende "Bruchmanie" für falsch. Die Brüche werten die historisch getreu wiedererstehenden Bauteile nicht auf, sondern stören ihre Wirkung im Gegenteil erheblich. Sicher ist es ein Neubau, aber auch die Teile mit den rekonstruierten Fassaden sind Neubauten und bestehen im Kern aus demselben Betonskelett. Warum darf nun die eine Fassade historisch sein, aber eine andere muss auf Krampf modern sein, nur damit es einen Bruch gibt?


    Das originale Schloss war ja keinesfalls "vollbarock", sondern bestand in weiten Teilen noch aus den aus der Renaissance stammenden, wenn auch teilweise überformten Bauteilen der Ostseite, des Apothekerflügels und der beiden Zwischenbauten, die die Westseite des Schlüterhofs, um die es hier geht, darstellten.


    Das Zusammenspiel zwischen Barock und Renaissance fände ich viel spannender als zwischen Barock und monotonem Rasterbeton, die sich eher abstoßen.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Das erste Pilasterkapitell am Innenportal V (Schlüterhof-Nordseite) wird gerade gesetzt:



    Quelle: http://cam04.berlinerschloss-webcam.de/


    Jetzt müssen wohl auch bald die Kolossalsäulen kommen, damit es nach oben weitergehen kann. Einige große Säulentrommeln sind auch schon am unteren Bildrand auf o.g. Webcam zu sehen. :)

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)


  • Entweder, und diese ist mit Sicherheit die zu bevorzugende, wird exakt rekonstruiert oder eben modern gebaut. Auch ich bin gegen Barock, wo es keinen gab. DAS wäre in der Tat Disneyland - ich benutze den verpönten Begriff hier einfach mal.

    Warum soll man heute keine neuartigen Bauten in Anlehnung oder Perfektion historischer Baustile mehr bauen können? Das Wesen der Renaissance war doch bereits die Wiederaufnahme historischer Formen zur Erneuerung, ohne all die sozialen und bautechnischen Kontexte.

  • Nun ich denke, dass ist grundsätzlich absolut nicht abzulehnen histori(sti)sch zu bauen, doch praktisch dürfte es schwierig werden, Architekten zu finden, die so virtuos und selbstsicher mit dem überkommenen Formenkanon umgehen können, wie z.B. ein Quinlan Terry - und das weltweit. Und wenn man das Handwerk nicht beherrscht wirds halt schnell ein Krampf wie man an diversen Projekten insbesondere im östlichen Ausland aber auch den USA und auch in Dtl. beobachten kann.

  • Na, nur weil es aus dem 19. Jhrdt entsprungen ist, muss es ja nicht gleich per se weggelassen werden. Die Kuppel und die kaiserlichen Schlafzimmerfenster sind ja auch eine Zutat aus dem 19 Jhrdt. und wurden / werden rekonstruiert.

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • @ Seinsheim, vielleicht sind die Quader Teil des Sockels für die Balustrade, als Unterbau für die Figurenpostamente!? Hm, bissel früh geliefert? Oder aus der Architravzone über den Kolossalsäulen?


    @ Chemiker, boa, wo hast Du dieses Schloßfoto her? Wie verrußt, geschwärzt, ja verdreckt das Schloß ist! :--) Kommt auf den alten s/w-Fotos nicht so rüber. Können wir froh sein, daß die Zeiten sich gründlich gewandelt haben, zumindest was die Heizungsfeuerung angeht wünschte ich mir die alten Teiten gewiß nicht zurück!
    Seine kaiserliche Majestät hatten es wohl mit der sauberen Erscheinung des Schlosses nicht so eng gesehen! floet:):wink:

  • zumindest was die Heizungsfeuerung angeht wünschte ich mir die alten Teiten gewiß nicht zurück!
    Seine kaiserliche Majestät hatten es wohl mit der sauberen Erscheinung des Schlosses nicht so eng gesehen!

    Wenn man sich das Bild genauer anschaut, stellt man fest das das Schloss schon die ein oder andere Beschädigung aufweist, ich denke mal das es eine Aufnahme aus den 40ern des WK II sein wird.

    Labor omnia vincit
    (Vergil)