Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Da ich so furchtbar regelmäßig dort vorbei fahre und weil die Webcam auch nicht alles zeigt, noch ein paar Aufnahmen.







    Die Webcams sind übrigens derart detailliert, dass es an Arbeitnehmerüberwachung grenzt - andererseits: gäbe es solche auch bei anderen Berliner Baustellen, wären diese vielleicht schon fertig. floet:)

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Vielen Dank, Vulgo, für die eingestellten Bilder. Insbesondere das zweite hat es mir angetan. Denn dort ist zu sehen, daß auf den Frontseiten der vier Konsolen, welche den Sockel des Nationaldenkmals oberhalb des Kupfergrabens abstützen, bis heute das Mongramm 'WI' zu sehen ist (wobei die römische 'I' zentral in den inneren Bogen des 'W' eingestellt ist).
    Erstaunlich, daß sich dieses Zierelement über die 'DDR'-Zeit hinwegretten konnte. Übrigens ebenso wie zumindest eine Kaiserkrone auf einem der beiden großen Reichsadler, die in der jeweiligen Geländermitte die Weidedammer Brücke zieren. Bis vor kurzem ging ich davon aus, daß diese unter dem 'Spitzbart' entfernt worden wären. Dann sah ich eine Ansicht der Brücke aus den 70er Jahren mit Kaiserkrone auf dem Adler.......... und war nur noch verblüfft !

  • Guten Abend,


    die Online- Ausgabe des Berliner Tagesspiegel hat am 13.04.2015 eine Langzeitdokumentation des Berliner Stadtschloß veröffentlicht. Der Tagesspiegel bezeichnet in dieser Langzeitdokumentation, die Baustelle des Berliner Stadtschloss immer wieder als die Lieblingsbaustelle. Die Langzeitdokumentation umfasst 297 Bilder aber was es mit Jenny auf sich hat, das erfahrt ihr in diesem Bericht.


    http://www.tagesspiegel.de/med…s/8352332.html?p8352332=1


    Viele Grüße :cool:

  • Wir hatten es doch kürzlich von den ungleich großen Fenstern im EG der nördlichen Westfassade. Nun ist mir aufgefallen, daß auf einer im Netz befindlichen Visualisierung (Stadschloßverein) auf der südlichen Westseite spiegelbildlich-symmetrisch ebenso ungleich große Fenster vorgesehen waren.
    Auf der von der Stiftung gezeigten Visualisierung sind die Fenster auf der südlichen Westseite unten allerdings alle gleich groß!
    Was nun, welche Version wird gebaut? Auf den webcam_Bildern kann ich es nicht genau erkennen. Mir scheinen aber alle Fenster die gleiche Breite zu haben!?





    Auf dem alten Grundriss sind offenbar aber alle südlichen EG-Fenster gleich breit!


    http://architekturmuseum.ub.tu…e/images/1600WM/51025.jpg


    Auf der historischen Ansicht hier ist es schwierig die Fensterbreite genau zu erkennen. Sieht aber nach gleich großen südlichen Fenstern aus. Also nur eine Visualisationsspielerei!?


    Mir gefallen diese Unregelmäßigkeiten. Macht es lebendig und nicht so gerastert clean. In Potsdam haben sie diese organischen Abweichungen wegretuschiert! :augenrollen:


    in neuem Tab öffnen:
    http://abload.de/img/nw-eckeuruex.jpg


    Na ja, jetzt habe ich mir noch den aktuellen auf der Seite der Stiftung gezeigten EG-Grundriß angeschaut. Alle Fenster sind wohl gleich breit auf der südlichen Westseite. Dann ist wohl alles klar.



    Tsss, mit was man sich so beschäftigen kann. Jetzt aber raus bei dem schönen Sonntagswetter.
    Genießt die Frühlingssonne!!!

  • Ich finde schon, dass man auf der Webcam erkennen kann, dass im südlichen Teil alle Fenster gleich breit bzw. schmal sind. Es wird also die (korrekte) untere Variante gebaut. Bei der oberen hat es sich der Ersteller der Visualisierung offenbar einfach gemacht und die wohl zuerst erstellte Nordseite einfach spiegelbildlich nach Süden kopiert wohl weil er keine Lust hatte, die Südseite auch noch akribisch neu zu erstellen.

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Soweit ich informiert bin, werden die Unregelmässigkeiten der Originafassade imitiert.Das hat man mir in der Humboldtbox so erklärt.


    Knobelsdorff habe seine Fassade über die vorhandene Renaicanssefassade gelegt, dabei sind die Unregelmässigkeiten entstanden, die nunmehr imitiert würden.

  • Das Vorhängen von barocken Fassaden vor die alten aus der Renaissance hat vor allem Schlüter machen müssen, Eosander von Göthe mußte nur auf den Verlauf der Grundmauern Rücksicht nehmen und durfte ab der Sicke an der Südseite alles abreißen, was seinen Bauten im Wege stand.
    Das waren aber im Wesentlichen Stallungen, Remisen und Gesindeunterkünfte.
    Die größeren Fenster am Westflügel und in den Innenhöfen wurden allesamt später erst so verändert.


    Damals wie heute war soetwas ein Graus für die jeweiligen Baumeister, die gerne die Symmetrie bewahrt wissen wollen... ;)

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Eine mutige Aussage :biggrin:

    FInde ich auch auch. Symmetrie ist nicht immer und überall ästhetisch, wäre korrekter. Wären die Fenster auf allen Seiten in allen Stockwerken gleich, dann wäre die Fassdade definitiv weniger schön.


    Da der rechteckige Grundriss mit der Kuppel in der Mitte eine Achse besitzt, sehe es komisch aus, wenn die Fassade links von der Kuppel anders aussieht, als rechts von ihr. Auf der anderen Seite, können Abweichungen zum individuellen Gesamtbild beitragen.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • EIne ganz Naif Frage: in die Erdgeschoss gibt es schon eine gewaltige Raumhoehe (6m?), wie sind die Toilettenraeume hier geplant? Welche Loesung wuerden fuer die Gefunden? Ich vermute dass sind keine kleine Zellen mit 6 meter Raumhoehe, oder?

  • EIne ganz Naif Frage: in die Erdgeschoss gibt es schon eine gewaltige Raumhoehe (6m?), wie sind die Toilettenraeume hier geplant? Welche Loesung wuerden fuer die Gefunden? Ich vermute dass sind keine kleine Zellen mit 6 meter Raumhoehe, oder?


    Die Kabinen können doch ganz normal sein, knappe 2 Meter, unabhängig ob darüber noch 4 Meter Luft sind oder die Decke abghängt wird (was ich eher glaube)
    Die Menschen die über die Kabinen spannen könnten werden durch höhere Räume auch nicht größer :rolleyes:


    Und wenn man wirlich noch so viel Platz über den Toiletten hat, wie wärs mit nem Prunklüster überm Klo? :p

    Edited once, last by Kaoru ().

  • Quote

    EIne ganz Naif Frage: in die Erdgeschoss gibt es schon eine gewaltige Raumhoehe (6m?), wie sind die Toilettenraeume hier geplant? Welche Loesung wuerden fuer die Gefunden? Ich vermute dass sind keine kleine Zellen mit 6 meter Raumhoehe, oder?


    Bei Versammlungsstätten mit solchen Deckenhöhen werden üblicherweise im Bereich von Funktions- und Betriebsräumen Zwischendecken angeordnet, so dass es hier sicher zwei Toilettengeschosse übereinander oder Toiletten unter oder über anderen Betriebsräumen (z. B. Lüftungtechnik, Umkleideräume für Personal, Lager...) befinden werden. Erschlossen werden diese Räume dann über Nebentreppenhäuser und/ oder vom Zwischenpodest einer Haupttreppe.
    Das ist ja allgemein die hauptsächliche Herausforderung in der Architektur, eine sinnvolle Anordnung der Räume und Ausnutzung des umbauten Raumes...
    Der Bereich westlich des Schlüterhofes, der keine historischen Fassaden berührt, ist hier ja auch achtgeschossig angelegt, weil sich hier Archiv-, Forschungs- und andere Arbeitsräume befinden.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Mal wieder ein Blick aus gewisser Entfernung - hier von der Monbijoubrücke am Kupfergraben/Bodemuseum:


    Von der Niederlagstraße:



    Der achteckige Tambour-Aufbau ist offenbar fertig - jetzt geht es mit Rundschalungen weiter in die Höhe.


    1900:



    Zwischendurch ein Bild für 'Pagentorn' vom Sockel der Nationaldenkmals.




    Und zum Abschluss mal wieder die SW-Ecke.

    Die bodennahe Sockelzone wird mit geschäumtem Dämmstoff (wohl wg. Feuchtigkeitsaspekten) hinterlegt, darüber dann offenbar nur noch mineralische Lagen hinter die dicke Ziegelmauer; wird insgesamt bestimmt ganz doll kuschelig und luftdicht. :zwinkern:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • @Vulgow,


    immer wieder faszinierend Deine aktuellen Bilder vom Voranschreiten des Schloßaufbaus. Schon was anderes als diese arg verpixelten Webcamaufnahmen, Du lieferst uns ja wirklich ein regelrechtes "Schloßtagebuch", was ich sehr genieße - daher wollt ich mich nun auch mal an dieser Stelle ganz herzlich bedanken (natürlich auch an die anderen Nutzer welche hier aktuelles Bildmaterial einstellen) :thumbup::blumen:

  • Die jetzt sichtbare Verschalung ist schon ein Trumm! :thumbup:
    Wo die jetzt endet wird die Kupfergedeckte Kuppel beginnen.
    Die glatte (also unverzierte) Außenseite wird aber unten von der Balustrade und oben vom Kranzgesims verkürzt.


    Hoffentlich kommt den Schalungsarbeiten kein Sturm in die Quere... :engel:

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Ja, der Tambour wirkt im Moment um einiges höher, als man sich das vorher vorstellen würde. :) Toll, dass das jetzt auch alles so zackig geht. Die Schlosskuppel steht am Ende schneller, als die viel kleinere und unaufwändigere Kuppel der Stabi ein paar hundert meter weiter die Linden runter, wo man schon zwei Jahre(?) dran baut. ;)

  • Die jetzt sichtbare Verschalung ist schon ein Trumm! :thumbup:
    Wo die jetzt endet wird die Kupfergedeckte Kuppel beginnen.
    Die glatte (also unverzierte) Außenseite wird aber unten von der Balustrade und oben vom Kranzgesims verkürzt.


    Hoffentlich kommt den Schalungsarbeiten kein Sturm in die Quere... :engel:

    Ich werde auf jeden Fall nicht dazwischen kommen! :wink:
    Die Schalung sieht auf dem ersten Blick etwas hoch aus, aber da wird bestimmt ein Teil unter dem Dach verschiedenen. Finde es immer schön dass viele aktuelle Fotos vom Stand der Bauarbeiten rein stellen, da man durch die Webcam das doch nicht so viel erkennt. Gerade die Sandsteinelemente erkennt man auf den Fotos gleich viel besser. Danke nochmal an die vielen Fotografierer :thumbup: cclap:)

  • Ein launig-beschwingter Kommentar von Tilman Krause, der mir gut gefällt.
    Mehr davon, statt die ansonsten üblichen verkopft-verzopften Miesepetrigkeiten im düsteren deutschen Blätterwald!


    Quote

    Von der Idee war ich ja immer überzeugt. Eine Stadt, die was auf sich hält, braucht ein Schloss. Mindestens eins! Schlösser steigern das Lebensgefühl. Sie heben uns heraus aus der Nützlichkeitswelt des Alltags. Verleihen dem Klein-Klein unseres Daseins vorübergehend einen Zug ins Große, Weite, Offene. Einen Hauch von Magie. Schlösser wecken die Libido, stärken das Immunsystem. Jedenfalls dann, wenn man ihnen als Betrachter begegnet. Besitzer müssen mehr Umstände machen. Es gilt die Parole des großen Franz Hessel: "Genieße froh, was du nicht hast." [...]

    Das Schloss wird geil! - Welt online

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