Berliner Schloss - architektur- und kunstgeschichtliche Aspekte

  • Die Verwandtschaft der Hohenzollern mit den Oraniern geht auf die 1. Frau des Großen Kurfürsten Luise Henriette von Nassau-Oranien zurück, der er Oranienburg, damals hieß es noch Pötzow, schenkte. Kurfürst Friedrich III. war ein Sohn dieser Verbindung. Friedrich III. krönte sich im Dom von Königsberg zum König in Preußen als Friedrich I., nicht von Preußen, weil Preußen noch in der Hand des Königs von Polen war. Er durfte sich - vom habsburgischen Kaiser sehr teuer erkauft -zum König in Preußen erhöhen, weil Preußen nicht Reichsgebiet war.


    Die Erhöhung zum König war der Anlass für den Um- und Neubau des Berliner Schlosses durch Andreas Schlüter usw.. Die Oranierin Luise Henriette war als Mutter König Friedrichs I. die Stammmutter der preußischen Könige!


    Luise Henriette war eine bedeutende Frau. Sie setzte sich mit Erfolg für die Aussöhnung mit Polen ein und förderte die für Preußen wirtschaftlich so bedeutende Ansiedlung der glaubensvertriebenen Hugenotten.


    Es ist also schon historisch zwingend, auf der Lustgartenterrasse die Oranierfürsten wieder aufzustellen.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

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  • Es tut mir Leid, aber ich muss das jetzt auch einmal los werden. Die Ostseite des Humboldt-Forums ist eine Katastrophe! Sie ist absolut ignorant. Kein Bezug zum Dom, kein Bezug zur Spree, kein Bezug zum Schlossplatz, den sie nur mit einer Tiefgarageneinfahrt versieht und damit durch den zukünftigen Pkw- und Lkw-Verkehr vom erholsamen Zugang zur Spree abschneidet. Kein Bezug zu irgendetwas! Eigentlich sieht diese Seite wie ein Bürogebäude aus dem EUR-Viertel in Rom aus. Dort könnte man es noch als "moderne Interpretation" der dort befindlichen Bauten Mussolinis verstehen.


    Ich weiß auch, dass dieser Zustand vorerst nicht zu ändern ist, aber wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Humboldt-Forum eines Tages mehr Platz benötigt und man sich daher für eine Erweiterung auf der Ostseite entscheidet. Und wenn die Zweifler am Schloss dann erfahren haben, dass ein Wiederaufbau von guter Architektur und historischem Bezug nicht zur Rückkehr des Kaiserhauses geführt hat, kann man vielleicht über die in mehreren Jahrhunderten gewachsene Ostseite des Schlosses sprechen und diese nebst Apothekenflügel und Hofoffiziantenhaus wieder aufbauen. Na hoffen wir mal.

  • Zu nicht nur obiger, sondern auch zu den Kritiken über die Jahre an der neuen Ostfassade paßt ein Zitat aus dem neuesten Buch zur Geschichte des Berliner Schloßes, Michael Malliaris, Mattias Wemhoff, Das Berliner Schloß, Geschichte und Archäologie.

    Zitat, S.17-19:


    " ... aber auch das Berliner Schloß trügt unsere Wahrnehmnung und sei es im Fortwirken der Bilder aus den Jahrzehnten vor der Sprengung. Die Bilder des barocken Schlosses löschen 500 Jahre ältere Geschichte aus. Sie lassen uns , wie W.J. Siedler beispielhaft ausführt, den Vergleich mit Königreichen mit starker Zentralmacht, wie Frankreich oder England suchen, ohne das die Besonderheiten der deutschen Territorialgeschichte wahrgenommen werden. Sie führen aber auch dazu, die Berliner Stadtgeschichte abwertend und nivellierend darzustellen: "Überall war die Stadt vor dem Schloss da, in Berlin gab es das Schloss, und dann erst kam die Stadt" (Siedler).
    Das Gegenteil stimmt: Das Scloss steht in Berlin, weil die Stadt so erfolgreich war. Der Landesherr- es handelt sich zu diesem Zeitpunktn och um den ärmsten Kurfürsten des deutschen Reiches - war auf die Stadt angewiesen, um erfolgreich seine Landesherrschaft ausbauen zu können.
    Diese Aussage ist keine historische Spitzfindigkeit ohne Relevanz für die Gegenwart. Sie muss in die Köpfe gelangen, auch um im Städtebau eine Wertigkeit für das Berlin des Mittelalters zu erzeugen. Die Schlossdebatte selbst zeigt, dass dies bisher kein Thema gewesen ist. Die drei barocken Seiten wurden rekonstruiert, die mittelalterliche Seite, die der Stadt zugewandt war, dagegen nicht. Dabei hätte gerade diese Seite zeigen können, dass die Geschichte des Schlosses weit vor der Barockzeit begonnen hat.
    Jetzt ist es an der Zeit gründlich über die Einbindung des Schlosses von der Stadtseite aus nachzudenken. Wie wird der eigentliche Schlossplatz an der Einmündung der breiten Straße akzentuiert? Der Neptunbrunnen hat an dieser Stelle zumindest gezeigt, wo die eigentliche Schauseite des Schlosses lag. Wie wird die heutige Rathausstraße wieder wahrnehmbar gestaltet, sodass sie nicht nur als Randbebauung einer Grünfläche wahrgenommen wird? Und was geschieht mit dem Marx-Engels-Forum? Bekommt das Schloss ein städtisches Gegenüber oder hat es nun an dieser Seite dauerhaft die Stadt ins Abseits gedrängt?
    Diese Fragen haben im Diskussionsprozeß über die weitere Entwicklung der Mitte und auch im städtebaulichen Wettbewerb für das Schlossumfeld nicht die Bedeutung gehabt, die Ihnen zusteht. ...
    Zuerst war die Stadt - dann kam das Schloss."



    Das tönt doch recht vernünftig und mit Verantwortung der Historie gegenüber eine Gestaltung zu finden, die die historischen Wurzeln beachtet und einbezieht, sozusagen die Genese nicht verachtet und weiterzuführen bereit ist. Hoffen wir, daß die neuen geschichtlichen und archäologischen Erkenntnisse den Städtebau Berlins in seinem Zentrum und vor allem die Verantwortlichen, die poltitischen Amtsträger positiv inspirieren können!



  • Bei allen unseren Diskussionen, jetzt kommt etwas ganz Neues!


    Ein öffentlicher Badestrand an der Seine zwischen Louvre und Notre Dame in Paris? Badeparties am Tiber zwischen Engelsburg und Vatikan in Rom? Umkleidehäuschen und Spritzschlachten im Arno bei den Uffizien in Florenz? Wo käme man auf solche pubertäre Kulturlosigkeiten?


    In Berlin! Ein Verein hat sich schon vor zwei, drei Jahren gegründet: Baden im Kupfergraben zwischen Bodemuseum und Schlossplatz. Man hat den Kopf geschüttelt und an Hilfe aus der Psychiatrie gedacht - baden zwischen Bodemuseum und Schlossplatz, Weltkulturerbe! Das geht gar nicht! Badepartyrummel im Lustgarten, Planschen und Kreischen um Zeughaus und Schloss, Umkleide, niedergelegte von Schinkel errichtete Ufermauern - denn wie willst du denn sonst ins Wasser kommen? - Lärm, Entweihung!


    Unmöglich?


    Nein! Genau das hat sich jetzt Rotrotgrün in den Koalitionsvertrag geschrieben: Die Ziele dieses Badevereins sollen gefördert werden: Schwimmen im Kupfergraben zwischen Bodemuseum und Schlossplatz. Stärkung der Mitte!


    Alle unsere Bemühungen um das Schlossumfeld wären mit einem Schlag zunichte.


    Auf der Schwäbischen Alb hat man für das nächste Jahr die Höhlen um das Lohnetal als Weltkulturerbe angemeldet, älteste Skulpturen und Musikinstrumente der Menschheit - gleichzeitig planen Investoren dort 200m hohe Windräder! Klare Aussageder UN: Ein zerstörtes Umfeld wäre das Aus für ein Weltkulturerbe, wie im Elbtal wegen der Waldschlößchenbrücke. Weltweit achtet die Menschheit bei Kulturobjekten noch auf die Umgebung der Objekte!


    In Berlin hält Rotrotgrün hullygully für Kultur!

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

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    Hölderlin

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  • Find ich nicht die schlechteste Idee, die Diokletian- oder Carcalla-Thermen wurden schließlich auch nicht durchs Baden entweiht. Wir sind in einer Stadt, die Stadt gehört den Menschen. Flußbaden hat in Europa eine lange Tradition und wurde in den Städten lediglich vermieden, weil das Stadtwasser eine stinkende ätzende Suppe war, freuen wir uns doch über die heutige Wasserqualität und nutzen diese!
    Den Aprilscherz des Freibades im Wiener Loch in Dresden fand ich im übrigen auch nicht reizlos, allemal besser als das was dann dort gebaut wurde.

  • SchortschiBähr, vielen Dank, dass Du über das Buch zur Geschichte und Archäologie des Berliner Schlosses, das Gegenstand des von mir kritisierten (375/7492) Artikels in der Berliner Zeitung war, so ausführlich berichtest.


    Das liest sich nun allerdings recht erfreulich! Das Schloss als Produkt der Stadt und nicht umgekehrt! Begrüßenswert auch die Konsequenzen, die gezogen und die Vorschläge, die gemacht werden: die Wiedergewinnung der "Altstadt" auf der anderen Seite der Spree, die Beendigung des städtebaulichen Unsinns, die uralte Hauptstraße der Stadt zu einer Parkrandstraße herabzuwürdigen.


    Ich sehe, so weit ich das erkenne, auch keinerlei Widerspruch zu der Aussage von Peter Stephan: Berlin war das Schloss. Zumindest besteht kein Anlass dies "genüsslich" zu widerlegen. Peter Stephan und vor ihm schon andere betrachten das Schloss und sein Verhältnis zur Stadt nach rückwärts. Sie sehen die Ausstrahlung des Schlosses auf sein Umfeld Stadt, die im Laufe der Jahrhunderte sich tatsächlich immer mehr an das Schloss angenähert hat, ja, zu einem Teil von ihm geworden ist.


    Wenn nun die umgekehrte Sicht auf die mittelalterlichen Bedingungen des Schlosses gerichtet wird, so ist das sehr zu begrüßen. Es wird mit Recht festgestellt, dass der Blick, der zu sehr nur das Barockschloss zentriert, falsche Vorstellungen erzeugt, die sich zum Beispiel heute in der Ostfassade des Schlosses zeigen, die ihre Geschichte völlig verschweigt.

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    Hölderlin

  • Ich bin kein Verfechter einer Badeanstalt, aber es wäre nicht die erste, in diesem Bereich. Hier ein Zitat von der Seite: zeitreise.de:


    Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse
    Die "Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse" hieß im Volksmund kurz "Sechserbad" (wegen des Eintrittspreises) oder "Magistratschwemme" und war zu Anfang ausschließlich der männlichen Bevölkerung vorbehalten. Um 1890 wurde sie zu einer "modernen Doppelbadeanstalt" umkonzipiert, die für beide Geschlechter geöffnet war. Sie war so gebaut, daß die Umkleidekabinen wie Hausboote auf der Spree schwammen und für 120 Badegäste Platz boten. (Arnold/Arnold, S.33)

      "Breite Treppen führten zu zwei Balkonen, von denen man einen guten Überblick über die Bassins hatte. Außer den offenen Oberlichtern über den Bassins waren in den Außenwänden des Mittelbaues zur Erzielung einer angenehmen Beleuchtung in der Halle zahlreiche bunte Glasfenster angebracht. Der Reinigung vor dem Baden dienten zwei geräumige Brauseräume, die reichlich mit Kopf-, Strahl- und Sitzbrausen ausgestattet waren." (Bohm zitiert nach Arnold/Arnold, S.33)

    Durch ihre Größe und Zweckmäßigkeit wurde die Badeanstalt an der "Schlossfreiheit" als eine der schönsten Flußbadeanstalten Berlins erachtet. (Arnold/Arnold, S.33)
    Im Zuge des Umbaus der "Schlossfreiheit" wurde die Badeanstalt 1894 an die Waisenbrücke verlegt. (Zitat Ende)
    --------
    Allerdings bin ich unsicher, ob heutzutage wirklich jemand in den Kupfergraben steigen würde. :-)

  • Bevor in Cölln an der Spree die Burg errichtet wurde, war Tangermünde der Sitz der Kurfürsten von Brandenburg. Tangermünde liegt in der Altmark und diese am linken Ufer der mittleren Elbe. Die Altmark gehörte, wenn ich recht informiert bin, bis 1809 zu Brandenburg und kam durch Napoleon zum Königreich Westfalen. Wegen der Erhöhung der Biersteuer erhoben sich die Städte der Altmark gegen den Kurfürsten. Zwar schlug dieser den Aufstand nieder, wollte aber fürderhin seine Residenz nicht mehr in der Altmark haben und verlegte diese deshalb an die Spree nach dem damaligen Cölln. Aus dieser Burg erwuchs dann über die Jahrhunderte das Berliner Schloss. Wäre damals der Hof des Kurfürsten nicht nach Cölln verlegt worden, so wäre Tangermünde vielleicht heute die Hauptstadt. Selbstverständlich strahlte das Schloss in vielerlei Hinsicht in die Stadt Berlin aus. Die überaus malerische, über Jahrhunderte gewachsene Ostseite des Schlosses sollte samt dem Apothekenflügel wiederhergestellt werden. Damit würde auch, die Geschichte Berlins vor der Zeit des Barock wieder sichtbar werden und käme damit ins Gedächtnis der Stadt zurück.

  • Die gewachsene Ostseite des Schlosses wird wiederkommen - da bin ich ziemlich sicher. Die Ostseite von Stella sorgt dafür, dass den Menschen der Verlust vor Augen geführt wird. Damit wird sie sich über kurz oder lang von selber abschaffen - vielleicht hat er das sogar so beabsichtigt, was diese architektonische Ohrfeige verständlich machen würde und den Bundestagsabgeordneten ihre Fehlentscheidung auf einem Tablett serviert.

  • Kaoru, die Diokletian- und Caracallathermen waren öffentliche Badeanstalten, sie konnten durch Baden nicht entweiht werden.


    Friedenau, die Badeanstalten hinter den Werderschen Mühlen waren räumlich begrenzte, durch Bretterwände und bunte Fenster von außen kaum einsehbare Einrichtungen, die in der umgebenden Bebauung wenig auffielen. Es waren prüde Zeiten.


    Die Pläne des Badevereins und jetzt auch der Rotrotgrünen Koalition streben das Baden im Kupfergraben an vom Bodemuseum bis zum Schlossplatz! offen, mit allem Baderummel. Wenn also im Sommer der Gast aus Kanada, Japan oder Frankreich die Museumsinsei anstrebt, Nofretete, Pergamonaltar oder Ischtartor im Kopf, erblickt er beim Bodemuseum, bei der James-Simon-Galerie und bis zum Schloss schwimmende Männlein und Weiblein, hört Gekreische und Geplansche und fühlt sich im falschen Film.


    Stadtmitte als Weltstadturbanität ist etwas Anderes!


    Noch schlimmer: Die Ufermauer zum Lustgarten will der Badeverein abreißen, weil sonst wirklicher Freibadbetrieb ja kaum möglich sein wird! Dazu: Wo legen sich die Leute in die Sonne, wo ziehen sie sich um? Der Lustgarten soll nach Abbruch der Schinkelschen Mauer in einer Neigung abgesenkt werden bis auf die Wasserhöhe des Kupfergrabens. Auch die Kolonnaden auf der Schlossfreiheit könnt ihr dann vergessen!


    Wer solche Dinge in einen Koalitionsvertrag schreibt macht sich keine Gedanken zur Umgebung des Schlosses! Ich befürchte eher, dass die Umgebung des Schlosses ganz bewusst zum Rummelplatz werden soll, weil dieses Monstrum ja nichts Anderes verdient. Dass der Welterbestatus der Museumsinsel dahin wäre, kratzt diese Leute offenbar wenig.


    Ich mache mir riesige Sorgen

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    Hölderlin

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  • Neben all dem, worauf Bentele völlig zurecht hinweist, gäbe es bei Badebetrieb im Kupfergraben auch ein nicht zu unterschätzendes hygienisches Problem. Ob die Wasserqualität überhaupt das Baden bedenkenlos zulässt, wage ich zu bezweifeln. Doch selbst, wenn dem der Fall wäre, so gäbe es ein weiteres, großes Problem:


    In allen Großstädten herrscht ein Überangebot an Nahrung für Ratten. "Liegengelassene" Essensreste, im Nu überquellene und nicht häufig genug geleerte Abfalleimer im öffentlichen Raum, dazu dann noch Wasserläufe, da fühlen und fühlten sich Ratten immer schon wohl. Selbst wenn es irgendwo nur einen kleinen Bach gibt, schon sind Ratten da. Sie sind da, auch wenn man sie tagsüber nur gelegentlich sieht. Das würde einen Aufschrei geben, wenn man beim Badebetrieb der ersten Ratten gewahr würde. Ich bin davon überzeugt, dass dies mitten in der Großstadt an einem Wasserlauf schnell der Fall wäre. Dann aber wäre der Aufschrei groß und es hieße dann, das hätte niemand voraussehen können, das seinen jetzt aber ganz neue Erkenntnisse. Vielleicht kämen sogar Natur- und Umweltschützer auf den glorreichen Gedanken, Ratten unter Naturschutz zu stellen. Schließlich hat das Rattengehirn nur wenige Windungen weniger als das des Menschen, außerdem seien diese Tiere so intelligent und Kulturfolger des Menschen, was dann ja auch wieder zur Kultur der Museen der Museumsinsel ganz gut passen würde. Und Ratten habe es ja auch schon im alten Ägypten zur Zeit der Königin Nofrotete gegeben, die man ja gleich nebenan im Museum bestaunen könne. Doch nun Spaß beiseite und ernsthaft: Rattenbekämpfung, Vergiftung dieser Plage hin oder her, man wird ihrer nicht Herr, wenn sie erst mal eine Futterquelle für sich entdeckt haben. Außerdem vermehren sich diese Tiere explosionsartig, ein Rattenweibchen kann in einem Jahr bis zu 1.000 Nachkommen haben. Ratten können schwere Krankheiten auf den Menschen überträgen und sind keineswegs ungefährlich für den Menschen. Fühlen diese Tiere sich in die Enge getrieben, greifen sie den Menschen an. Das ist die Realität, an welche die Koalitionäre wohl nicht gedacht haben. Ein innerstädtischer Flusslauf ist aus den geschilderten Gründen m. E. absolut nicht für einen Badebetrieb geeignet. Berlin hat so schöne Badeseen in der Natur, wie z. B. den Wannsee und den Müggelsee, die mehr Erholung bieten können, als ein Bad in der Stadtmitte. Ein zusätzliches Stadtbad im Kupfergraben, das sind in meinen Augen mit Verlaub gesagt: "Fürze mit Krücken".

  • Also es tut mir Leid, eine Badestelle im Kupfergraben ist einfach völliger Quatsch - gibt es eine Bestätigung, dass sowas im Koalitionsvertrag steht. Steht die Ufermauer nicht auch unter Denkmalschutz? Zumindest als Flächendenkmal? Und wer soll in diesen Morast steigen?
    Sinnvoll wäre noch die dem Humboldt-Forum gegenüberliegende Spreeseite (Burgstraße) von einer oberen Promenade mit Terrassen und Treppen ähnlich wie am Reichstag bis hinunter an das Wasser zu führen. Sicherlich, der Anblick der Ostfassade wird die Aufenthaltsfreude schmälern - aber wer weiß, vielleicht sieht man von dort aus auch bald auf die historische Oststeite des Schlosses im romantischen Sonnenuntergang - mich täts´freuen.

  • Dass das Museumsinsel-Baden im Koalitionsvertrag steht, habe ich vor mehreren Tagen mit vernichtendem Kommentar der FAZ entnommen. Vom Badeverein wurde schon vor längerer Zeit, ein, zwei Jahren? im Spiegel und in der FAZ berichtet. Die Ufermauer ist Teil des Weltkulturerbes.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

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    Hölderlin

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  • Ich werde der Angelegenheit einmal nachgehen, denke aber wirklich, dass das Ganze bald vom Tisch sein wird. Gegenüber ist doch auch eine Anlegestelle für Touristenboote. Der Graben ist dort schmal, so dass die Boot etwaige Schwimmende durch ihre Schrauben drehen würden.
    Sollen sie die Badeanstalt gegenüber des historischen Hafens einrichten, dort ist die Spree wenigstens breit genug, die Fischerinsel eh verhunzt und das nahe Wehr wird für eine gleichmäßige Verteilung der Schwimmenden auf der Spree sorgen. Aber Spaß beiseite, man kann sich ja viele Dinge ausdenken, aber die Berliner und Berlinerinnen steigen nicht mal an Stellen der Spree ins Wasser, wo das möglich wäre (Tiergarten, Osthafen) und für ein Badeschiff ist es eben, wie schon oben gesagt, einfach zu eng.

  • Es gäbe genug Flußbäder welche man wieder rekonstruieren könnt, Beispielsweise das "deutsche Bad" in Berlin Treptow ( http://media.gettyimages.com/p…-hans-picture-id542378499 ) , dessen Überreste in den 50iger Jahren der Stralauer (Not)Brücke weichen mußte. Das Strandbad Oberspree hat nicht einmal bis zur Wende überlebt - da gibt es etliche Beispiele. Gerad das Stranbad Grünau eignet sich noch so einigermaßen zum "plantschen" westwärts hingegen ist die Spree zu arg kontaminiert, daß da noch ein Badespaß möglich wäre.

  • Eines der gravierendsten Probleme mit diesem lächerlichen "Flussbad" ist die damit verbundene Zerstörung der Schinkelschen Ufermauer am Lustgarten:



    (C) David Chipperfield Architects


    Zum Vergleich: In dieser Simulation wird die geplante Flussbad-Ufertreppe gezeigt (natürlich werden nicht die unvermeidbaren Umkleidekabinen dargestellt, die das Gesamtensemble baulich unglaublich bereichern würden :kopfschuetteln: ).


    Hermann Parzinger sieht sogar den Welterbe-Titel für die Museumsinsel in Gefahr:
    Dass solche Genehmigungen ausgesprochen werden könnten, sehen Denkmalschützer wie Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, kritisch. Zur Diskussion steht vor allem der Umbau der Ufermauer zu Freitreppen. Die Mauer ist Teil des Originalbauplans von Karl Friedrich Schinkel. Ein Umbau stelle einen tiefen Eingriff in die Substanz des Lustgartens dar und minimiere die historisch bedeutsame Ansicht der Museumsinsel, wie sie in den Plänen Schinkels festgehalten worden sei, so Parzinger. „Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, ob wir zu Gunsten eines Flussbades den Welterbe-Status des Gesamtensembles gefährden möchten“, erklärt er.
    (Quelle: TAZ)


    Warum muss für so ein lächerliches Flussbad (was mitten im historischen Zentrum ohnehin nichts zu suchen hat!) eine Schinkelmauer zerstört und ein Welterbe-Titel in Gefahr gebracht werden? Wie kann man nur so bescheuert sein? :gehtsnoch:
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    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir mit uns machen lassen“ (Nena)

  • Aber die Idee geht doch auf die Tatsache zurück, dass es gegenüber dem Schloss eine Flussbadeanstalt gegeben hat.

  • Kann man nicht grundsätzlich dafür sorgen, dass bei Themen mit übergeordnetem Interesse (wie Architektur im geschichtlichen Kontext) jegliche Gremien mit strukturell provinziellem Fokus (wie der Berliner Senat) von der finalen Entscheidungsfindung ausgeschlossen werden?


    Eine für wenige Jahre gewählte lokale Volksvertretung wird naturgemäß Schwierigkeiten haben Interessen zu vertreten, die über die eigene Wählerschaft hinaus sowie über ein paar Jahre hinaus reichen.


    Da könnte man doch mal vorschlagen, entsprechend dem Ethikrat einen "Baukulturrat" einzusetzen. Dieser hätte dann unter anderem die Aufgabe einzuschätzen, wie man in zwanzig Jahren über verschiedene Szenarien denken wird.


    Das wäre dann (man darf ja mal träumen) der Tod für Entscheidungen, die der aktuellen Mode folgen. Denken wir mal zurück: Architektur der 50er ist tot seid den 60ern. Architektur der 60er ist tot seit den 70ern. Usw. Denn es handelte sich nicht um nachhaltige Architektur. Die Architektur des 19. Jahrhunderts wird hingegen heute noch geschätzt, und Architekten wie Schinkel werden heute noch gewürdigt.


    Zum Hinterfragen: a) Was wird man in zwanzig Jahren von der Ostfassade des Schlosses halten? b) wird noch jemand sich an einen gewissen Franco Stella (oder so ähnlich) erinnern?

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

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