Leipzig - Allgemeines


  • Ein sehr schönes Video zum historischen Leipzig! Im Vergleich zu heute sieht man vor allem wie übermäßiger Autoverkehr das Stadtbild beeinträchtigt, auch wenn viele Gebäude von damals noch stehen.

  • Wie Civitas fortis meldete, bekommt Dresden einen neuen Baubürgermeister, der sogar mal Dresdner ist.

    Mit Stephan Kühn von den Grünen ist der neue Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften (vulgo Baubürgermeister) gestern vom Stadtrat gewählt worden, nachdem es noch zwei andere Bewerber gegeben hatte, die aufgrund des Vorschlagsrechts der Grünen allerdings chancenlos waren (wenngleich die Zeitungen von hauchdünner Wahl und Zweifeln an der Wahl Kühns postuliert hatten). Pressemitteilung der Stadt.


    P.S. Amtsantritt ist am 19. Oktober 2020

    Leipzig hat seit September einen neuen Baubürgermeister, Thomas Dienberg (Kurzlebenslauf). Er war vorher in Göttingen für Stadtplanung und Bauen zuständig. Bedeutet das, dass Leipzig nun so schön wird wie Göttingen?


    Mitteilung der Stadt Leipzig anlässlich der Wahl

  • Leipzig hat seit September einen neuen Baubürgermeister, Thomas Dienberg (Kurzlebenslauf). Er war vorher in Göttingen für Stadtplanung und Bauen zuständig. Bedeutet das, dass Leipzig nun so schön wird wie Göttingen?

    Es bedeutet grundsätzlich nichts Gutes, denn die Göttinger Stadtplanung ist seit langer Zeit vor allem durch einen gleichgültigen Umgang mit Alt- und Neubauten gekennzeichnet.

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • 1202: Was auffällt ist die herrliche geschlossen Bebauung und alles im selben (Gründerzeit) Still. Hoch urban alles.

  • Ein Interessanter Beitrag bei MDR über das nicht verwirklichte Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig.

    Der Entwurf ist wirklich sehr sehr großzügig, schnörkellos und sachlich.

    Gefällt mir überhaupt nicht. Könnte auch ein Entwurf aus diesen Tagen sein. Aber die Moderne scheint sich da ja bis heute treu geblieben zu sein.

    Aber darf man dann heute überhaupt noch modern Bauen wenn das doch damals von "Ihm" gefördert wurde? Um mal eine kätzerische Frage zu stellen. Schließlich hab ich nicht erst einmal zur Begründung gehört das doch hinter jedem Ornament am Bau der Faschismus stecken könnte und deshalb alles ganz modern sein muss.


    https://www.mdr.de/mdr-klassik…rueck-in-leipzig-100.html

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.

  • Es gibt in Leipzig aber ein schönes Richard-Wagner-Denkmal. Der Marmorsockel ist von Max Klinger. Auf diesen beabsichtigte Klinger eine riesige Figur des Meisters zu stellen. Er brachte das Projekt aber nicht zum Abschluss. Die Silhouette deutet die von Klinger geplante Höhe der Figur an. 2013 wurde das Denkmal mit einer lebensnahen bemalten Bronzefigur des jungen Wagner von Stephan Balkenhol vollendet - 100 Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Klingers Sockel stand viele Jahrzehnte im Klingerhain. Das Denkmal für den Richard-Wagner-Hain war dann eine andere Planung ab 1932.


    Leipzig, Richard-Wagner-Denkmal auf der Freitreppe zum Matthäikirchhof, im Hintergrund das Gebäude der Bezirksverwaltung des MfS

    (Foto: David Rasp, 12. September 2020, CC-BY-4.0)

  • Ich vermute nicht, dass der scheussliche Stasi-Block im Hintergrund bald zur Disposition stehen wird? Oder können wir auf einen Denkmalschutz-Status freuen?

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Ich frage mich, was mit der kleinen Wagner-Figur eigentlich ausgedrückt werden soll? Dass Wagner nur ein kleiner Wicht war? Einer wie Du und ich? Dass seine Verehrung nur ein überhöhender Schattenwurf ist? Dass sein Werk einen langen Schatten wirft? ....

  • Vielleicht, dass wir dazu neigen, Wagner zu überhöhen und auf einen Sockel zu stellen, dass er aber in erster Linie ein Mensch aus Fleisch und Blut war und wir daher auch nichts Übermenschlichen von ihm erwarten dürfen?

  • Einer der Initiatoren des Denkmals ist mir persönlich bekannt. Er hat mir vor Jahren folgendes zur Idee erläutert:

    (Wagner wurde zwar in Leipzig 1813 geboren; mit nicht ganz anderhalb Jahren gelangte er aber nach Dresden und ist dort bis zum 14. Lebensjahr aufgewachsen.)


    Dann Übersiedlung nach Leipzig und dort von 1827 bis 1836. Leipzig gilt als Wagners Lebensmittelpunkt vom 14. bis 23. Lebensjahr.

    Und eben daran soll erinnert werden; dass Wagner noch jung war, als er in Leipzig weilte und noch lange nicht die Größe und Bedeutung späterer Jahre erreicht hatte...


    Somit ist das Wagner-Denkmal in Leipzig nicht nur eines von vielen, dass man im 19. und 20. Jhd. eben berühmten Persönlichkeiten errichtete, sondern es stellt den Künstler in direkten Bezug zum Ort der Aufstellung.


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    Übrigens:



    (Von 1836 bis 1842 war Wagner in Königsberg, Riga, London und Paris mehr oder weniger immer in Bewegung auf der Flucht vor Gläubigern.)


    Die Dresdener Jahre von 1842 bis 1849 waren dann von Erfolgen gekrönt.

    - Uraufführung des Rienzi (Oktober 1842 in Dresden) Großer Erfolg und künstlerischer Durchbruch des jungen Wagner.

    - Das Liebesmahl der Apostel wurde in DD komponiert (Uraufführung 1843 in der Frauenkirche)

    - Wagner arbeitete 1844 weiter an der Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf (der) Wartburg.

    - 1845 Uraufführung seines Tannhäuser in DD

    - 1846 Beginn des Lohengrin


    Entsprechend dieser seiner gewonnen Größe gefällt mir das Wagner-Denkmal in Lohmen (Liebethaler Grund) sehr gut und ich finde es dort sehr passend und beeindruckend.


    Bild: Richard-Wagner-Denkmal / Wanderung: Liebethaler  Grund-Lohmen-Wesenitzgrund - Wanderpfade.de Sächsische Schweiz


    Frühlingsgefühle auf 8 Etappen – Unterwegs auf dem Malerweg in der  Sächsischen Schweiz (Teil 1) – Frischluft. Der Aktiv-Blog.


    Richard-Wagner-Denkmal (lohmen-sachsen.de)

    Richard-Wagner-Denkmal | Richard-Wagner-Stätten Pirna-Graupa (wagnerstaetten.de)


    Besonders, wenn man weiß, dass Wagner direkt dort im Liebethaler Felsengrund zu Teilen seiner Oper Lohengrin inspiriert worden sein soll.

    Man kann vor Ort direkt über dem rauschenden Fluss sitzen und wird aus einem Lautsprecher mit Musik beschallt. In dieser Umgebung vor diesem Denkmal für mich ein wirklich erhebendes Erlebnis.


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    Im Frühjahr 1849 beteiligte sich Wagner aktiv am Dresdner Maiaufstand. Nach der Niederschlagung der Volksunruhen wurde er (wie auch sein Freund Gottfried Semper) von der Polizei steckbrieflich gesucht und sah sich gezwungen, zu fliehen.

    (Danach

    - 1849 bis 1858 in Zürich

    - 1859 - 1865 "Wanderjahre"

    - und 1872 - 1881 Bayreuth)


    1881 bis 83 überwiegend Italien, Ableben 1873 in Venedig.




  • Ich frage mich, was mit der kleinen Wagner-Figur eigentlich ausgedrückt werden soll? Dass Wagner nur ein kleiner Wicht war? Einer wie Du und ich? Dass seine Verehrung nur ein überhöhender Schattenwurf ist? Dass sein Werk einen langen Schatten wirft? ....

    Vielleicht, dass wir dazu neigen, Wagner zu überhöhen und auf einen Sockel zu stellen, dass er aber in erster Linie ein Mensch aus Fleisch und Blut war und wir daher auch nichts Übermenschlichen von ihm erwarten dürfen?


    Vielleicht aber auch genau das Gegenteil ;-) , dass die kleine Statue eben den "08/15 Menschen" darstellt und Wagner diese Normalos durch seine "übermenschlich" gewordene Musikleistung diese eben überragt. Wie auch immer - vielleicht regt der Künstler aber auch bloß nur unsere Phantasie dadurch an. Jeder sieht das darin, was er darin sehen möchte. "Wie der Schelm denkt, so ist er" :-)

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ich frage mich, was mit der kleinen Wagner-Figur eigentlich ausgedrückt werden soll? Dass Wagner nur ein kleiner Wicht war? Einer wie Du und ich?

    Die Figur ist nicht klein, sondern lebensgroß, vielleicht sogar ein bisschen größer. Und es handelt sich um eine realistische Plastik, die erkennbar Wagner darstellt.


    Richard Wagner, Bronzeplastik von Stephan Balkenhol, Detail des Leipziger Wagner-Denkmals (Foto: Martin Geisler, 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Max Klinger hatte eine Riesenfigur des alten Wagner, gehüllt in einen Mantel (oder ein Badetuch?), entworfen. Es gibt aber nur ein kleines Gipsmodell der Figur. Ich habe die Statuette im Leipziger Museum der bildenden Künste (MdbK) gesehen. Als Ideenskizze und in der kleinen Größe ist das künstlerisch interessant. In die große Form einer 5,30 Meter hohen Marmorfigur übertragen würde es jedoch albern wirken.


    Eine alte Postkarte von Klingers Entwurf


    Im MdbK gibt es auch Gipsstudien zu den Sockelreliefs. Sie haben wesentlich größeres Format als Klingers Entwurf zur Wagnerfigur. Das Foto zeigt wohl nicht das Gipsmodell der Wagnerfigur, das sich heute im Museum befindet.


    Richard-Wagner-Denkmal, die Rheintöchter, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Parsifal und Kundry, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Siegfried, Mime und der Drache, Marmorrelief von Max Klinger (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Wie sich Klinger Wagners Kopf vorstellte, können wir an einer anderen Stelle des Promenadenrings sehen.


    Leipzig, Richard-Wagner-Büste von Max Klinger. Entwurf 1903, Bronzeguss 1982, Aufstellung in der Anlage am Schwanenteich (hinter der Oper) zum Wagnerjubiläum 1983 (Foto: Frank Vincentz, 7. Juli 2015, CC-BY-SA-3.0)


    Klinger war ein Anhänger des Geniekults. Wagner - im wörtlichen Sinne - derart zu überhöhen, hätte sicherlich nicht gut gewirkt. Klinger hat keine vergleichbare Riesenskulptur geschaffen. Komponisten setzt man auch keine solchen Riesendenkmäler. Ein Riesen-Wagner hätte sich daher nicht in das Ensemble der Leipziger Komponistendenkmäler eingefügt. Nicht weit entfernt stehen bekanntlich Bach und Mendelssohn. Und "größer" als Bach war Wagner nun wirklich nicht.


    Vielleicht, dass wir dazu neigen, Wagner zu überhöhen und auf einen Sockel zu stellen, dass er aber in erster Linie ein Mensch aus Fleisch und Blut war und wir daher auch nichts Übermenschlichen von ihm erwarten dürfen?

    Genau. Balkenhol zeigt den jungen Mann, der sich anschickt, in die Welt hinauszuziehen.


    Richard-Wagner-Denkmal, die Bronzefigur von Stephan Balkenhol (Foto: Frank Vincentz, 10. August 2016, CC-BY-SA-3.0)


    Der schwarze Schatten ist ein Kunstgriff, um die Figur vom Hintergrund abzuheben, aber auch eine Reminiszenz an die Denkmalsgeschichte.


    Richard-Wagner-Denkmal, Rückseite mit Blick zum Ring (Foto: David Rasp, 12. September 2020, CC-BY-4.0)


    Da die Rückansicht des Sockels von Klinger nicht ausgearbeitet wurde, finde ich es passend, dass man auf diesem von hinten keine vollplastisch ausgearbeitete Figur sieht. Die Bronzefigur Wagners ist aber vollplastisch. Das gibt der Figur die nötige Autonomie gegenüber dem Schatten.


    Richard-Wagner-Denkmal (Foto: Texaner, 31. Oktober 2013, CC-BY-SA-3.0)


    Die Wagner-Denkmäler im Liebethaler Grund bei Pirna und im Berliner Tiergarten gefallen mir auch sehr gut.

  • Dessau galt für lange Zeit als Bayreuth des Nordens. Es gibt hier eine Richard-Wagner-Straße und eine Wagner-Passage, wobei ich die Herkunft des Namens der Passage bisher noch nicht in Erfahrung bringen konnte. Eben so fehlt mir ein Hinweis auf ein lokales Wagner-Denkmal .

    Vielleicht kann jemand helfen!

    Allen ein gesundes Neues Jahr!

  • ist nicht klein, sondern lebensgroß

    klein, groß, klitzeklein, übergroß, dünn, fett... tja, wie man es will.


    Die Wagner-Figuren von Ottmar Hörl sind auch nicht klein. Sie sind einen Meter groß. Sogar ein kleines Fitzelchen mehr:


    https://www.ottmar-hoerl.de/de…kel/25/Richard_Wagner.php


    Sie sind damit größer als eine Cola-Flasche. Und eine Cola-Flasche ist durchaus groß. Aber vielleicht zu groß für die Garderoben-Kommode, auf die man den Hörl-Wagner erst zu stellen dachte.


    In Relation zum Sockel und zum Schatten könnte man die Leipziger Wagner-Figur schon als klein bezeichnen. Denn sie schrumpft bewusst die geplanten Dimensionen, nutzt aber die anders geplante Gesamtanlage. Ein spannender Bruch/Kontrast. Und so lustig, weil er so dumm auf dem großen Sockel aussieht. Und warum sollte man dann auch von klein sprechen? Wir haben die Zeit des Heroismus überwunden. Die Verzwergung, oder besser 1:1-Darstellung, ist viel zeitgeistiger. (Natürlich nicht, wenn es z.B. um moderne Helden wie Nelson Mandela oder Martin Luther King geht.) Das signalisiert: Es sind alles nur Menschen wie Du und ich, wie Tante Erna und Ali vom Fußballclub. Man hätte Wagner zwar eigentlich noch vor eine plastisch nachvollzogene Currywurst-Döner-Bude platzieren können. Oder eben mit Brathendl in der Hand. Das würde ihn noch menschlicher machen. Und überholten Überhöhungen entgegenwirken. Aber die Wagnerianer sollen mal ganz froh sein, dass man nicht einen Miniatur-Wagner auf den Sockel gesetzt hat, um den Heroisierungen der Vergangenheit ein noch deutlicheres Kontra zu geben. Den kleinen Wagner gibt es nämlich auch in 28 cm Höhe (siehe hier). Das hätte auch gereicht. Und wäre auch nicht klein. Eine Erdnuss ist kleiner.


    P.S.: Wobei ich mir gerade überlege. Die "Aufregung" lohnt nicht. Es gibt wirklich schlimmeres als dieses Denkmal. Und eigentlich ist es mir auch scheixxegal. Wer weiß, wann ich mal wieder nach Leipzig komme. Ob überhaupt. Und das Denkmal werde ich vermutlich nie mit eigenen Augen sehen. Also, sollen die Leipziger mit leben. Mich muss es nicht interessieren.