Leipzig - Allgemeines

  • Das Gebäude ist nun wirklich nicht das schönste, aber sonst finde ich die Bauten der 20er- und 30er-Jahre eigentlich ganz schön, aber auch nur, wenn sie in Siedlungen stehen oder als qualitativ hochwertige, stadtprägende Bauten.


    In Dortmund gibt es 2 schöne Wohnblöcke aus der Weimarer Republik, in Frankfurt glaub ich auch noch einige schöne Siedlungen. Und die Weißenhofsiedlung finde ich richtig toll... wenn man sie mal vernünftig rekonstruieren würde.


    ... nur würde ich jede Gründerzeitwohnung vorziehen.



    Und zum Thema Schrebergärten/Kleingärten: Gab da letztens in einem uns wohlbekannten Architekturforum (das mit den Hochhäusern :lachen: ) eine herzhafte Diskussion drüber wo einige doch meinten, das wären die Slums und Favelas der westlichen Welt und gehörten abgerissen, andere wiederum bezeichneten es als Musterbeispiel deutschen Spießertums. Ich finde sie klasse, so können Städter einen Garten genießen ohne auf die spießige und flächenverbrauchende Maßnahme "Neubausiedlung" zurückzugreifen. Finde allerdings, dass man Kleingärten durchaus blickdicht gestalten dürfen sollte, ebenso wie Spielereien wie Pool etc. nicht unter ein Verbot fallen sollten.


    Generell sind Kleingärten aber eher ökologisch sinnvoll als unsinnvoll und man sollte gesetzlich verbieten, sowas für Neubaugebiete zu räumen.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • spacecowboy:
    die oftmals kommunal geförderten wohngebäude der 20er für die arbeiterschaft wurden nicht nur noch, sondern erstmals nach funktionalen gesichtspunkten errichtet. statt mit (industriell gefertigten) fassadenschmuck das dahinterliegende dürftige niveau (aussen-wc) zu kaschieren, wurde das geld in eine moderne ausstattung mit bädern und fernheizung gesteckt. gerade dieser fokus aus das funktionale führte zu der entwicklung, die heute mit bauhaus-moderne beschrieben wird. davon, dass diese architekturauffassung in den 20ern einen gewissen chic besass, künden auch einige in dieser zeit entandene villen.

  • Was ist das eigentlich für ein monströser Bau? Wo steht er und wann wurde er gebaut? Sieht nach Stalinbarock aus...

    Quelle: http://www.uni-leipzig.de">www.uni-leipzig.de

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Quote from "Booni"

    Was ist das eigentlich für ein monströser Bau?


    Also.. ich finde das Teil gar nicht so schlecht, verglichen mit dem Bundesbahn-Verwaltungsgebäude auf dem Nordbahnhof-Gelände in Berlin-Mitte.
    Wenn ich auch zugeben muß, daß die Abendsonne etwas schönt. :zwinkern:

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Nein, wirklich häßlich ist das Gebäude nicht, eigentlich sogar sehr schön für einen Nachkriegsbau. Dennoch finde ich, dass das Adjektiv "monströs" hier durchaus angebracht ist. 50 Jahre vor dessen Bauzeit hätte man solch eine Baumasse durchaus noch stärker gegliedert.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • das ist in der tat stalinbarock. man muss sich mal vorstellen, dass der komplex errichtet wurde, als leipzig in trümmern lag. er wurde damals als vorbote des künftigen arbeiterparadieses erbaut - und so war er auch ausgestattet. in der mitte befand sich ein café mit darüberliegendem ballsaal und terasse. kindergarten befand sich auch im haus, die wohnungen haben bestes parkett, gehen teilweise über zwei etagen und zwei davon haben sogar 60 qm grosse dachterassen.
    die geschwungene form erklärt sich aus der lage direkt am altstadtring. die beiden höhendominanten sind eine reminiszenz an die ring-city pläne aus den 20ern, als man um die innenstadt einen kranz von "hochhäusern" zu errichten plante. lage und ausstattung machen die wohnungen übrigens auch heute noch attraktiv. aber ob da noch arbeiter drin wohnen?

  • Karl-Heine-Villa in Schleußig wird endlich saniert ...
    http://www.lvz-online.de/lvz-heute/5961.html\r
    http://www.lvz-online.de/lvz-heute/5961.html



    Auszug aus dem Artikel:


    "Ich habe mehrere Monate mit den Denkmalschützern verhandelt, bevor mein Konzept fertig war", sagte Eigentümer Heinz Dieter Kaiser. Die Baupläne zeigen, dass er dabei einige Zugeständnisse machen musste. So bleibt unter anderem die Rotunde im ersten Obergeschoss komplett erhalten, in dem die Heines einst Hausmusik machten. Auch die vielen Wandmalereien aus dieser Zeit werden originalgetreu wieder hergestellt, ebenso der Zugang zum 26 Quadratmeter großen Balkon, wo die Heines einst ihr Frühstück einnahmen. "Die Rotunde und der Balkon werden nicht geteilt, sondern behalten ihren Charakter und sind als Gemeinschaftseigentum für alle Mieter des Hauses nutzbar", sagt Investor Kaiser.


    Ein Teil des Treppenhauses, durch das Karl Heine ging, soll ebenfalls bewahrt werden. "Wir rekonstruieren sogar die Farbe, die damals an den Wänden vorhanden war", sagt Kaiser. "Auch die Stuckelemente werden wieder überall originalgetreu angebracht."



    aktueller Zustand:




    Bildquelle: http://www.zimmeragent.de/kaufen/kaufdenkmal.htm\r
    http://www.zimmeragent.de/kaufen/kaufdenkmal.htm[/quote]

  • Super! Aber wieso Eingeständnisse machen? Das ist das mindeste, was man als Hausbesitzer heute machen sollte: Das maximalste an Originalität herausholen, mit dem was finanziell möglich ist. Und anscheinend kann sich der Herr die Sanierung und Rekonstruktion ja leisten.


    Pff, Eingeständnisse, wenn ich das schon höre! :boese:

  • Hm, der Denkmalschutz gibt mir bisweilen Rätsel auf...

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ist doch mal eine erfreuliche Nachricht, daß so ein Juwel saniert und nicht planiert wird :)


    Und jetzt noch was vom Klugschaißer: (mußte ich so schreiben, weil die Software des Forums es sonst verschlüsselt...)


    madmellow


    "das maximalste" gibt es nicht, das "maximale" ist schon der Superlativ, darüber geht bei besten Willen nichts mehr.... :zwinkern:

  • Das Künstlerhaus am Nikischplatz


    Auch wenn Leipzig alle Hände voll zu tun hat, seine verbliebene, noch reichhaltig vorhandene, Altbausubstanz zu retten, befürworte ich eine Rekonstruktion des jüdischen Künstlerhauses am Nikischplatz, das im Kolonnadenviertel ganz in der Nähe des Stadtzentrums stand. Die etwas eigenwillige Jugendstilform, die hier vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist, würde den Platz m.M.n. enorm aufwerten.


    Der Platz und diese Lücke erscheinen mir heute eine Zumutung zu sein. Alles, insbesondere die dahinterliegende Hundewiese, ist ein wenig versifft und ungemütlich. In den letzten Jahren der DDR hat man am Nikischplatz noch versucht, mit DDR-typischen Betonplatten die ehemals dort stehenden Bürgerhäuser zu rekonstruieren. Wie die heute aussehen, kann sich jeder vorstellen. :peinlich:


    Momentan scheint die Stadt ohnehin ihre jüdischen Wurzeln wiederzuentdecken (zu DDR-Zeiten war dieses Thema tabu). Es werden Ausstellungen gezeigt, die das Leben der Juden in Leipzig dokumentieren, Treffen mit ehemaligen LeipzigerInnen organisiert, die seit dem 2. Weltkrieg in aller Welt leben, oder Führungen angeboten, die auf den Spuren der Leipziger Juden erfolgen.


    Ich finde, schon allein aus diesen Gründen (ohne dabei an "Wiedergutmachung" oder dergleichen zu denken) wäre eine Rekonstruktion des Künstlerhauses wünschenswert. Und da es in Leipzig ja nur so von Künstlern wimmelt, bekäme das Haus auch gleich seine alte Funktion zurück :-)



    Künstlerhaus 1905



    gleiche Perspektive - 100 Jahre später. Nur ein paar klägliche Mauerreste des Erdgeschosses sind noch übrig. Die 2 Nachbarhäuser sind unversehrt.


    Quelle: http://www.lipsikon.de">http://www.lipsikon.de

  • Wie Du schon sagst - angesichts der vielen zu rettenden Altbauten sind Rekos in L eigentlich für die nächsten 20 Jahre unangebracht, aber es gibt ja auch Ausnahmen...


    Die Fassade zu rekonstruieren kann, wenn man sich da Bild anschaut, ja auch nicht mal besonders schwierig sein. Das wäre jedenfalls ein sehr schönes Ensemble.


    Aber trotzdem: Ich weiß nicht - wer Geld im oberen 6- oder 7-stelligen Bereich übrig hat und es in L lassen will, dem würde ich doch lieber zurufen:


    "Bitte kauf' und saniere Gründerzeithaus X oder Villa Y, weil sie sonst abgerissen werden"!!!! :weinen:

  • Ich wäre für die Reko. Das ist ein wirklich außergewöhnliches Gebäude. Dafür könnte man durchaus einen der verhältnismäßig schlechten 08/15-Gründerzeitler abreißen.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote from "Antiquitus"

    Dafür könnte man durchaus einen der verhältnismäßig schlechten 08/15-Gründerzeitler abreißen.


    Hört, hört - Du wirst auch langsam zur Rakete...! :zwinkern:


    Ich habe übrigens nicht von "schlechten 08/15-Häusern" gesprochen, sondern von den vielen heruntergekommenen (und daher akut bedrohten), aber ehemals prachtvollen Bauten, die wir hier auf diversen Bildern schon gesehen haben! Etwa von diesem Kaliber:



    Die Rettung solcher Häuser hat für mich Vorrang gegenüber einem Neubau aus vorgefertigten Betonplatten, an den eine rekonstruierte Jugendstilfassade gepappt wird. Sowas kann man gerne bauen, wenn die Hausaufgaben gemacht sind, sprich die vielen schönen Altbauten saniert und damit gerettet sind.

  • Ich würde mich Antiquitus' Meinung allerdings anschließen. Dieser Jugendstil-Bau war schon was besonderes. Etwas ähnliches habe ich bisher nur in Jugendstil-Metropolen wie Brüssel und Wien gesehen.
    Und was die 08/15-Gründerzeitbauten angeht, hat er schon recht. Natürlich sind nicht Prachtbauten wie der gezeigte gemeint, aber so manche Gründerzeitbauten sind halt doch nur einfallslose, lieblos hingeklotzte wilhelminische Konfektionsware - auch in Leipzig.

  • zum nikischplatz:
    so, wie er sich heute zeigt, ist er typisch für viele leipziger plätze und strassenzüge: qualitativ relativ hochwertige gründerzeitbebauung, im krieg teilweise zerstört und während der ddr-zeit durch plattenbauten oder grünzonen ergänzt. der ein wenig ungemütliche eindruck, den die wiese hinter dem portal des künstlerhauses macht, ist durchaus gewollt und rührt daher, dass solche grünflächen provisorischen charakter haben sollen. wären sie zu richtigen parkanlagen umgestaltet worden, hätte man damit jede künftige bebauung unmöglich gemacht (siehe auch gelände am wilhelm-leuschner-platz). insofern berechtigt gerade die hundewiese zu der hoffnung, dass diese ecke jedenfalls prinzipiell wieder bebaut werden könnte. eine - sogar naheliegende - möglichkeit dafür ergab sich vor ein paar jahren, als nach einem geeigneten standort für das neue jüdische gemeindezentrum gesucht wurde. in abwägung der frage neubau oder sanierung von vorhandenem entschied man ich aber, dass ehemalige jüdische altenheim im waldstrassenviertel zum gemeindezentrum auszubauen.
    somit dürfte die alte weisheit, wonach provisorien am längsten halten, auch auf diese platzecke zutreffen. fürs erste wäre mit einer sanierung der angrenzenden häuser schon viel getan. sollte dann das gelände des künstlerhauses jemals wieder bebaut werden, stünden die chancen für eine sich am original anlehnende platzfassade gar nicht so schlecht, denn aufgrund seiner extremen ecklage und der beträchtlichen gebäudetiefe der angrenzenden bebauung scheidet wohl die errichtung ines gewöhnlichen wohnhauses von vornherein aus.

  • Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Bei der `Konkurrenz´ gibt es eine umfangreiche Bildserie über die Leipziger Innenstadt. Sehr schön gemacht, auch immer die passenden Kommentare von einem gewissen "baukasten" dazu. Warum ist der Kerl nicht bei uns...!?


    Viele Gebäude kennen wir zwar auch schon aus unserem Forum, aber einige Häuser und Perspektiven sind wiederum neu.


    Hier der Link:
    http://deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=4690\r
    deutsches-architektur-forum.de/f ... php?t=4690


    Anmerkung:
    Man beachte und bewundere auch den preußischen und sächsischen Wartesaal im Hauptbahnhof. Der eine dient noch seiner alten Funktion (da wartet man doch gern auf seinen verspäteten Zug), der andere als schnieke Modeboutipue.

  • Ich hab gerad gehört, dass der Tiefensee evtl. Bundesminister für Aufbau Ost und Verkehr wird! Das wär vielleicht besser für Leipzig, wenn der weg wäre, aber wenn der den Osten genauso "auf"gebaut wird wie Leipzig... :(